Zugegeben, eine Klingel am Bike empfand ich eigentlich immer als extrem uncool. Einzige Ausnahme seinerzeit in den 90ziger,als ich auf meinem Marin Pine  Mountain FRS (der Hammer damals) eine „zur Wagenfarbe“ passende Quietschente in Form einer Batman „Joker“ Maske hatte. Die war lustig.

Aber sonst? Glocke, Klingel, Bimmel ? Nee, kommt mir nicht ans Bike – laut „Voooorsicht“ rufen sollte bislang gereicht haben – war so meine Meinung bis ich eines Tages der Bike Manufaktur „Falkenjagd & Rennstahl“ (lest meinen Bericht gerne hier) abstattete und dort erstmals live den erhellenden fröhlichen Klang einer Spurcycle Bell vernahm. Wow. Die klingt mal nach was.

Klar, gehört eine Klingel ans Rad.

Wie ich jahrzehntelang glauben konnte, eine Klingel, Glocke, oder nennt es wie ihr wollt, sei uncool erschließt sich mir heute nicht mehr. Vielleicht tatsächlich an der Weisheit „Die Zeit ist eine große Lehrerin. Schade nur, dass sie ihre Schüler umbringt“ (Curt Goetz) was dran. Manchmal muss man selber reifen, um die Dinge zu erkennen – in diesem Fall, die Notwendigkeit an meine Räder eine Spurcycle zu schrauben. Keine Frage – wenn gebimmelt wird – dann nur mit diesem edlen Gerät.

Stichwort edel. In der Tat. Eine Spurcycle ist teuer – ohne Wenn und Aber. Sie kostet ein kleines Vermögen, sie reißt ein Loch in die „Brotzeitkasse“. Keine Frage. Je nach Modell, werden bis zu 69$ aufgerufen. Hallo? 69$ sind selbst bei wohlmeinender Währungsumrechnung mehr als 3 Kasten Bier. Das ist ein großer Schluck aus der Pulle. Auf der anderen Seite, liebe Bikefreunde, mal Hand aufs Pedal: wie oft geben wir Geld für sinnlose Gadgets aus, die wir 2Wo später schon nicht einmal mehr vermissen. Wie oft haben wir beim Italiener noch einen Nachtisch, Cappuccino und einen – ungesund, aber ungemein lecker – Grappa bestellt, einfach nur, weil das Leben auch mal schön sein darf. In Zeiten wie diesen allemal. Geht man davon aus, dass die 69$  – je nach Bike Invest – nicht einmal mit 1% bis 3% von der Gesamtkaufsumme eines Fahrrades zu Buche schlagen, so relativiert sich doch so manches. Ein weiteres Argument dürfte sein: die Spurcycle wird den Lebenszyklus des Bikers überleben – die Billigglocke vom Milliardär-Versender nicht einmal den begrenzten Zeitraum, in dem sie feilgeboten wird. Und wen all das nicht überzeugt: mal ehrlich: warum sollte man sich nicht für seine selbst gesetzten (und erreichten) Ziele belohnen und Medaillen sind da nicht das Mittel der Wahl, isnt it?

Kurzum: eine Spurcycle in edlem Edelstahl Look oder im eleganten Understatement Black ist nicht nur optisch eine Schau, sondern funktional einfach extrem geil. Die klingt, die wird gehört, die kann man anschauen (ja, hätt ich auch nie gedacht, dass so etwas mal ein Fetisch wird) und sich daran erfreuen.

Der angenehme Nebeneffekt ist tatsächlich, dass die Gassi-Geher ihre Vierbeiner rechtzeitig aus der Bahn bringen, dass Kinder gehorsam zur Seite gehen, Wanderer und Vogelkundler – vom angenehmen Klang völlig friedvoll gestimmt – willig und lächelnd zur Seite gehen (während sie früher dieses militärische „Voooorsicht“ jedes mal unwirsch zu kommentieren wussten).

Gefertigt auf höchstem Niveau in einem Land, dass jüngst sogar wieder einen vernünftigen Präsidenten stellt. Die Homepage des Glockenbauers, der dort seine Bauteile ehrfurchtsvoll „Dome & Hammer“ nennt, gewährt einen kleinen Einblick in die Fertigung. Klingel bauen will gelernt sein – Reschpekt.

Drum, wer für Weihnachten noch keine Idee hat und wer was ganz besonderes sucht. Die Spurycle gibt es gelegentlich auch in einer Sonderedition. Mehr, und wie ich finde sehr lesenswert, dazu hier auf der berühmten, sehr empfehlenswerten Bikepacking.com Seite.

schaut doch geil aus, oder?

In diesem Sinne, einen schönen, klingelnden zweiten Advent, ride on, keep the bell ringing

© Udo, Dez20

PS: eines will ich Euch nicht vorenthalten bzw. Euch schützen vor einer Erfahrung, die ich mit einer Knog Glocke machen musst. Die war wohl sehr schick (Copper Optik) und teuer genug (über 20Eur) aber eben funktional nach nur wenigen Monaten am Ende ihres Klingens angekommen. Billige Materialien, schwache (letztlich brechende) Federn, nachlassender Klang, aber ein tolles Design. Kommt mir nicht mehr ans Rad.

best ever !
Spurcycle

6 Kommentare

Jörg · 5. Dezember 2020 um 8:53

Moin,
einen Teil der Kaufsumme spendet Spurcycle ja für einen guten Zweck,,zumindest die mit dem blauen Schlegel. Noch ein Grund mehr , kein schlechtes Gewissen zu haben. Haben sie die Klingel denn direkt beim Hersteller bezogen oder wird sie auch in Deutschland angeboten? Gruß Jörg

    Udo Kewitsch · 5. Dezember 2020 um 9:04

    Hi Jörg, stimmt, dass hätte ich noch erwähnen können …. Die Klingel hab ich direkt aus USA bezogen … sind dann noch mal 13$ Versand on top …. in D findet man sie nur sehr sporadisch … und die Sonderedition war nur über diesen Weg bestellbar. Ride on, Udo

      Christoph · 23. Dezember 2020 um 8:04

      Hallo Udo und Jörg,

      Wo kann ich denn eine in blau und rot bekommen?
      Habt ihr da einen link?

      Grüße Christoph

        Udo Kewitsch · 23. Dezember 2020 um 13:23

        Hi Christoph, … folge dem Link auf der Seite bikepacking.com … oder gib im Netz spurcycle ein, dort dann auf Edition klicken …. ob es noch eine in Rot gibt, weiß ich jedoch nicht. stay tuned, lg udo

Steve Goldgap · 13. Januar 2021 um 21:23

Hallo Udo !
Die Begeisterung für die Spurcycle teile ich voll und ganz. Farbe ist ja Geschmacksache 😉 Eines fällt mir aber auf: der Klang ist sehr hoch. Gerade ältere Menschen hören das oftmals nicht. Bei Hunden und jungen Menschen überhaupt kein Thema aber ansonsten fahre ich dann oft langsam und vorsichtig heran – ein freundliches Hüsteln hilft dann auch bei den renitentesten Verweigerern 🙂 Grüsse aus Luzern – S

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