Crossartig Seensüchtig – der 7 Seen Cross oder Seensationell

Eine Erzählung über die Last des Schiebens und die Schönheit der Landschaft, derer sieben / Eine Erzählung über die Mühsal des Schiebens und die Schönheit der Berge, denen sieben Seen zu Fuße liegen, die Geschichte zweier Freunde, die zum vierten Male gemeinsam crossen und dabei unzählig Schönes erleben

packed

Die Route

Schwer, aber nicht hoch hinaus. Keine Überquerung von Nord nach Süd, sondern eher eine Querung West nach Ost. Gekennzeichnet durch sehr einsame Abschnitte und einige doch sehr anstrengende Schiebepassagen. Viele schöne Trails oben wechseln sich mit  dem bunten Treiben unten an den Promenaden der 7Seen ab. Nicht so sehr alpin, dennoch ist eine Portion Alpencross Erfahrung bei diesem Projekt ratsam. Wunderbare Tour, die (theoretisch) auch einige Chicken Ways (Gondeln) zur Entlastung bietet.

Special service: benötigte Kompass Karten Nr. 90, 91, 102, 103, 104, 105

Prolog

Biker informieren sich gerne. Sie lesen Zeitung, heben Artikel auf und sind in der Lage Computer und einschlägige Tools (z.B. Google Earth) zu bedienen. Der schon verblichene Artikel aus der Mountainbike mit der Überschrift 7Seen Cross war die Initialzündung für die Idee nach einem etwas anderen Cross.

Gedacht, gesagt, geplant. Werner legt einen kml-File an und fliegt imaginär etliche Male über die Alpen, auf der Suche nach dem besten Trail, der schönsten Verbindung und dem obligatorischen Rausch der Alpencross Sinne.

Januar 2010. Das Training beginnt. Die Rohloff an meinem Trekkingrad trotzt den Unbilden des Wetters. Seit Wochen ist es fix. Arbeitstitel: Crossartig-Seensüchtig. Wir planen, tüfteln, feilen bis die Route steht. Der Kauf einer kurzen Regenhose soll das ganze Unternehmen unter einen guten, verheißungsvollen Stern stellen (wenn schon eine kurze Regenhose dabei ist, wird es schon nicht regnen).

Am großen Tag der Abfahrt – wir leisten uns den Luxus einer späten Zugabfahrt (10h) – dann wieder einmal in Stadtparknähe das obligatorische Uiii-Erlebnis: die Schaltung meines frisch gewarteten Bikes ist verstellt. Man sollte vielleicht doch vorher nochmals eine Probefahrt machen (sowohl der Mechaniker als auch der AlpX Pilot). Am Bahnsteig wird das Malheur behoben.

Das Telefon klingelt: „Ihre Bestellung bitte, wir haben Cappuccino und frischen Erdbeerkuchen von Andrea im Angebot“ flötet Werner in die Muschel. „Oh, ja, gerne, für mich bitte beides, den Cappu mit Zucker, bitteschön, aber rasch.“

Die Zugfahrt bis Locarno (Lago Maggiore) heute Abend um 20.00h werden wir so sicher gut überstehen. Das Wetter lässt sich von meiner kurzen Regenhose nicht beeindrucken. Es schüttet aus Kübeln. Naja, im Zug braucht man so ein Teil ja auch nicht.

Locarno empfängt uns herzlich. Es ist Kulturnacht Abend. Die Luft hängt voller Musik, an jeder Ecke spielt eine Band, das Volk ist auf den Straßen (mittlerweile ist es trocken). Wären wir eine Woche zuvor gestartet, hätten wir Pink, Jan Delay, Stevie Wonder und Mark Knopfler treffen können.

So geht das. Projekt AlpX10 fängt gut an.

Wer mag darf auch die Videos nicht versäumen

Teil 1

Teil 2

ready to go

Tag 1 – Traumtail Tag (Königswetter Tag)

57 Kilometer, 2151 Höhenmeter, 6:04h Fahrzeit, schwer

Locarno (Lago Maggiore) – Quartino – Alpe Foppa – Monte Tamoro – Basso Indemini – Arosio – Cademario – Val Agno – Vezzia

Die gute alte Tradition wollte es bislang, dass just zum Einstieg eines Alpencrosses seitens Udo eine besondere Anekdote – oder genauer ein Malheur, eine Peinlichkeit oder ähnliches eingestreut wurde. Das ist dieses Mal gänzlich anders. Das Malheur geschieht weder zu Beginn, noch widerfährt es dem Crosser Udo, sondern vielmehr unseren bislang unbescholtenen Werner. Aber sprichwörtlich erst in letzter Minute.

Wir frühstücken dem Wetter entsprechend königlich. Heute ist Starttag. Was die kommenden Tage bringen werden, ist ungewiss. Zumindest der Wetter-Forecast bescheinigt gute Aussichten, die Stimmung ist bestens, dass Material perfekt und die Kondition stabil, auch wenn Werner vorgibt „fast nie in den Bergen gewesen zu sein“. Sei´s drum, mitgefangen, mit gehangen. Da müssen wir nun durch. Die Südseite der Alpen und somit unser Seensüchtig-Cross ist nicht gerade dafür bekannt Tummelplatz tausender Biker zu sein, so gesehen wird es eine einsame – aber hoffentlich sonnige – Woche werden.

Entlang der Uferstraße stellen sich bereits die ersten Hindernisse in den Weg. An jeder Ecke ist der Blick schöner, jede Weggabelung offenbart eine neue Perspektive, wir schaffen so nur mühsam einen 10er Schnitt (auf der Ebene wohlgemerkt). Schöne Häuser hier, verträumte romantische Gärten dort, Blicke über den See und in die Berge – wohin nur mit all unserem Glück und vor allem: woher sollen wir für die noch kommenden 98% der 7Seen-Tour den Speicherplatz nehmen?

Blumenkohl

Nachdem wir den Gugg&Stopp&Gugg Modus halbwegs überwunden haben, wartet in Quartino eine Überraschung der ganz anderen Art auf uns. War bis hierher Beschaulichkeit pur angesagt, geht es nun auf einmal rampenartig und steilst hinauf. Dem nicht genug. Zigtausende faust- und kopfgroße Kieselsteine säumen den breiten Karrenweg, dessen Überwindung sehr, sehr kräftezehrend ist. Wir beißen uns fest, Werner (der fast nie in den Bergen war) lässt sich nicht beirren und nimmt Rampe um Rampe, Kehre um Kehre. Ich schone meinen Puls, auch schiebend ist es schon mühsam genug. Die ca. 400 Höhenmeter gehen so elend langsam vorüber und so richtig Strecke gemacht haben wir bisher nicht. Auch als wir oben an der Bundesstraße münden, diese kurz darauf verlassen und weiter Richtung Monte Tamaro rollen, bleibt die Routenführung anspruchsvoll. Scheinbar sind den Straßenbauern damals wohl die Kiesel ausgegangen und man entschied sich daraufhin für Schotter, aber nicht für eine geringere Steigung.

Hinauf geht es zum Monte Tamaro, einem Buckel, der per Gondel gut erreichbar wäre und der sich daher insbesondere bei Downhillbikern größter Beliebtheit erfreut. Vereinzelt ist nunmehr schon der Lago Lugano zu erblicken, bei strahlend blauem Himmel ein besonders schönes Ereignis. Die zahlreichen Aussichten im 360°Modus sind nicht minder schön, alles in allem ein perfekter – wenngleich äußerst mühsamer – Auftakt.

Auf der Alpe Foppa gilt es nun erstmals ausgiebig zu rasten. Das Bollwerk mit Aussichtsplattform ist ebenso bewundernswert wie das Panorama auf den unter uns liegenden See und die Berge. Nächster Stopp am Rif. Tamaro, jene kleine Hütte auf 1881m, die frisch umweht von nepalesischen Gebetsfahnen uns eine deftige Schweizer Jause und somit eine willkommene Rast verschafft. Die zwei Wanderinnen, mit denen wir abwechselnd Überholmanöver vollziehen (mal schieben wir schneller als sie wandern und umgekehrt), werden heute hier die Nacht verbringen, bevor am Montag ihr Schweizer Büroalltag wieder frohlockt. Pech gehabt die Damen.

So, Werner, fasten seat belts. Wir sollten uns mal auf die Abfahrt freuen. Von wegen. Noch geht es bergan und der weiterführende Weg wird schmäler und schmäler und schrumpft schließlich auf Rinnsalgröße. „Tragen und Stoßen“ wie die Schweizer zu sagen pflegen ist angesagt. Wir buckeln die Bikes auf knapp über 2000m und halten einmal mehr inne. A) weil es hier so schön ist, b) weil wir einfach um Atem ringen. Crossen kann mitunter anstrengend sein, aber so schön.

Jetzt endlich geht es bergab. Was eben noch Trail war, bleibt nun erst recht ein Trail. Schlank und schmal führt der Steinpfad, zunächst bockig, dann zunehmend freundlicher ins Tal. Maximal lenkerbreit, mal steinig, mal ganz sanft waldboden-weich, immer wieder mit Bierkasten-hohen Stufen, aber stet gut beherrschbar. Phantastisch. Wir jauchzen und grooven abwärts, die Bremsen klingeln, die Federelemente vorne und hinten haben Stress. Konzentration ist vonnöten. Wahnsinn. Wahnsinnig schön.

Bei Cademarion dann signalisiert das GPS Gerät „rechts halten“. Wir halten rechts und werden nochmals belohnt. Weihnachten und Ostern an einem Tag, wann hat der ambitionierte Biker das schon mal? Erneut ein Sahnetrail ins Val Agno. Noch einen Kick sanfter, weil hauptsächlich auf Waldboden, dennoch mit der einen oder anderen Wurzel im Weg. Bislang waren 95% der Abfahrt fahrbar, entsprechend glücklich unser Wohlbefinden. Rausch der Sinne, die Millionen faustgroßen Steinrampen sind Vergangenheit. Mittlerweile grinst auch der Luganer See frech hinauf zu uns, als scheint er zu frohlocken „na, wo bleibt ihr denn endlich?“.

Als wir an der Hauptstraße münden und nur noch einen kleinen ‚Asphaltbuckel in Richtung Lugano (Abzweig Vezzia) zu bewältigen haben, meldet sich die Abenddämmerung an. Der Tacho zeigt bescheidene 57Kilo- und ordentliche 2151 Höhenmeter.

Mein Logbuch meldet rückblickend, im O-Ton:

ein Hammertag, ein Wahnsinns-Track, die Momente wertvollst, mühsam, aber umwerfend gigantisch, kurzum: Superlativ ist das passende Wort.

Dem ist auch nichts mehr hinzufügen.

Adresse des Tages:

Hotel Elvetico, Albergo con Ristorante, Antonio Patti-Bührer, Via Vallemaggia 31, 6600 Locarno, Tel. +41917566060, Fax +41917566066, pattielvetico@bluewin.ch, www.elvetico.ch

sowie

Motel Vezzia, Fam.Wilke, Via San Gottardo 32, 6943 Vezia / Lugano, Tel. +41919663631, Fax. +41919667022, info@motel.ch, www.motel.ch

Tag 2 – Schallmauer Tag (Kaiserwetter Tag)

85 Kilometer, 3046 Höhenmeter, 7.02h Fahrzeit, schwer

Vezzia (Lago Lugano) – Canobio – Val Colla – Passo St.Lucio – Buggiolo – Carlazzo – Menaggio – Varenna – Bellano – Taceno – Introbio – Rif. Tavecchia

Der Wecker holt uns zurück in die Wirklichkeit und nach einer kurzen Dusche und Recken aller Glieder erwachen auch die Lebensgeister langsam. Das Frühstück ist perfekt, Müsli, Obst und anständiges Brot mit energiespendendem Nutella. Das amerikanische Ambiente und die nette Deko des Hotels tragen zum Wohlfühlklima bei.

Canobio und Val Colla sind unsere ersten Etappenziele. Eine Passstraße, die relativ moderat bergan führt, wird zunächst für unspektakulären Untergrund sorgen. Wir kurbeln und schrauben also zum Warm-Up. Das geht eine Weile gut, aber auch solch angenehme Dinge sind endlich und als der Abzweig in Richtung Passo Lucio winkt, ist es vorbei mit gemütlichem Rollen. Der Schotterweg wird steil und die darin enthaltenen Furchen sind garstig. Teils vom Regen ausgewaschen (das muss wohl letzte Woche gewesen sein, heute strahlt die Sonne und die Wolken sind unschuldigst weiß) teils einfach nur mit losen Steinen und buckeligen Rampen versehen ist die Auffahrt zum Rif. Lucio schlichtweg beschwerlich.

Oben angekommen, heißt es „rasten“ und den Ausblick genießen, jedoch nicht allzu lang: unser Pensum heute ist noch üppig. Klartext: ruppig hoch = ruppig runter. Harte Alpencrosser-Arbeit. Arbeit die jedoch nahtlos in Teerschrubben übergeht. Bis zum Ufer des beschaulich an den Hängen von Menaggio liegenden Comer Sees raubt uns dieser Job jedoch nicht sonderlich viele Körner. Comer See, der dritte Lago ist erreicht. Wir grinsen. Seepanorama und Uferblicke gepaart mit wunderschönen Bergkuppen: Biker, was willst Du mehr. Nur schade, dass bislang kein einziger Badestopp in den knappen Zeitplan passt. Das Timing scheint perfekt. Der Dampfer hinüber nach Varenna legt in 2 Minuten ab, also schnell Ticket lösen (4,40€ per Person/Bike) und ab die Post. Doch mitnichten. „Nein, dieses Schiff nimmt keine Biker mit, das nächste geht in 40 Minuten, also um 14.45h. Auch gut, wir nutzen die Zeit und schauen uns Land und Leute an, posen mit unserem wunderbaren Bike direkt vor einem nicht weiter beachtenswerten Ferrari und dessen Beilagen (Silikon satt). Die viertelstündige Überfahrt genießen wir im Fahrtwind und fühlen uns so wie glückliche Weltreisende. Auf der anderen Seite in Varenna angelangt muss Werner sich erst einmal wieder neu einnorden. Karte falten, Wegführung checken, Datenabgleich. „Udo schau mal, wir müssen da lang“. „Aha, ok“. Dann die Erkenntnis: Was? Wie bitte? Noch soviel Höhenmeter am Ende des Tages? Ey, schaffen wir das? Mittlerweile ist es bald 16.00h und allein der Weg bis nach Introbio verlangt uns wieder rund 400 Höhenmeter ab, wenn wir dort sind, stehen erneut 900 (in Worten „neunhundert“) vertikale Meter auf dem Programm. Wollten wir nicht einmal vor der Tagesschau an einem Endziel ankommen? Meine Herren.

So ein Bike !!!

Eine alte überlieferte Alpencrosser Weisheit lautet: „Der Weg ist das Ziel und letztlich muss man immer durch“, mit anderen Worten: es hilft ja nix. Ob jetzt oder später, wir müssen da hoch und – Ehrensache – geschummelt wird nicht. Also pedalieren wir die Passstrasse hinauf nach Introbio. Die Fußsohlen beginnen zu brennen, der Rücken schmerzt, die Sonne knallt, die Schweißtropfen rinnen. Kurzum es ist einmal mehr mühsam.

Kurz vor 18h landen wir, nachdem wir eine weitere Radler-Rast eingelegt haben, in Introbio und wissen: es hat sich nichts, aber auch gar nichts an der Ausgangslage geändert: wir haben noch 900 Höhenmeter auf 8 Kilometer vor uns. „Werner, ey ….!“ Meine Angst bleibt unausgesprochen in der Luft hängen. Werner, von jeher ein Typ der Marke „geht alles“, zuckt mit den Achseln, aber er sah auch schon mal zuversichtlicher aus.

Was hilft es, wir gehen in die Spur und halten bergan bis zum Einstieg und der Wegweisung „Rif. Tavecchia“. Doch was ist hier los? Unzählige PKWs, Land Rovers und ähnlich offroad-taugliches Gefährt pendelt scheinbar im Shuttle Modus hoch und runter. Es herrscht reger Verkehr, zwischendrin noch ausreichend viele Wanderer beim „Abstieg“.

Genau jetzt kommt der große Moment von Jonas, mein persönlicher Engel. Er schickt uns einen grünen älteren Landrover mit ebenfalls älterem, weise lächelnden, Herren. Warum dieser Land Rover direkt vor unserem Rocket Ron Reifen zum stehen kommt, wissen wir nicht, es ist letztlich auch egal. Immerhin haben wir so die Chance den Taxi-Driver anzusprechen:

„Buona serra, palare Alemagne?“ …. „Si, si“

na prima, das erleichtert die Sache ungemein, die Frage geht uns leicht von den Lippen: „ähm, fahren Sie zum Rif. Tavecchia?“

„Si!“, antwort der gute Mann milde und vorausahnend grinsend. „Ähm“, etwas Verlegenheit kommt ins Spiel, „…könnten Sie unsere Rucksäcke mitnehmen?“ „Si, si“. Uns fällt der Rucksack vom Rücken oder besser ein Stein vom Herzen. Die 900 Höhenmeter können kommen.

Etwa 6-7kg leichter (die Geldbörsen haben wir herausgenommen, alles andere vom Pass bis zur Zahnbürste vertrauensvoll im Deuter hinterlassen) tritt es sich ungemein rückenwindig, wenngleich der Anstieg stet und unnachgiebig ist. Aber 8 Kilometer sollten auf diese Weise zu packen sein, wäre doch gelacht.

Die sich lang und scharf ins Tal schneidende Schneise offenbart ein schroffes Bild, ein wilder Bachlauf hier, steile Flanken dort, rustikale Natur allerorten – alles in allem aber schön und ursprünglich. So kommen wir voran, langsam, aber immerhin. Die zuvor mit dem Fahrer imaginär abgeschlossene Wette „maximal una mezzo ore“ unterschreiten wir passabel. Start war um 18.20h, um Punkt 19.30h stehen wir am Tresen und ordern ein großes Radler. „Respekt“ sagt der gute alte Mann, nicht ohne sich den Hinweis zu verkneifen, dass der Rekord beim alljährlichen Tavecchia Rennen eigentlich aber bei 38minuten liegt. Ja ja, ist ja schon gut.

Eine schnelle Dusche und dann heißt es „mangiare“. Julio, der Wirt legt sich mächtig ins Zeug. Ungefragt kredenzt er alles, was im Hause ist. Wasser, Vino, Birra, Salat, Vorspeise, Pasta (auf Wunsch gerne auch mit Nachschlag), Gemüse Hauptspeise (u.a. Kaninchen), Dessert und zu guter Letzt natürlich noch einen allerfeinsten Grappa bzw. einen Vecchia Romagna, je nachdem, was man bevorzugt.

 An unserem Tisch sitzen Didi und Peter, die einzigen zwei Biker, die in dieser Woche unseren Weg noch kreuzen werden, und denen im Laufe der nächste Tage noch eine besondere Geschichte widerfahren wird.

Der Abend endet, wie der Tag begann. Perfekt und mit müden Lebensgeistern.

Adresse des Tages: Rif.Tavecchia, Fam. Buzzoni, Introbio (LC), Biandino, Tel. +390341980766, info@rifugiotavecchia.it, www.rifugiotavecchia.it

Tag 3 – Unwegsam Tag (Prinzenwetter Tag)

54 Kilometer, 2172 Höhenmeter, 6.10h Fahrzeit, sauschwer

Rif Tavecchia (Val Biandino) – Rif. Piu X – Rif. Grassi – Zucco del Corvo – Passo di Cedrino – Valtorta – Brembana – San Francesco – Roncobello – Balte di Mezzeno – Passo Branchino – Rif. Alpe Corte

Der Abschied von Julio ist herzlich. Unsere zwei Biker, Peter & Didi, haben das Haus längst  verlassen. Wir hingegen sind – von wegen „der frühe Vogel fängt den Wurm“ – wie immer etwas zeitversetzt was die Morgenstunde angeht. Die Polar CS600 wird später unbarmherzig dokumentieren: um 9.21h ist Startzeit. Schämt Euch.

ruppig

Egal, schließlich geht es ja da vorne ganz gemütlich weit hinten ins Tal hinein, denkt Udo, setzt sich auf sein Numinis und radelt motiviert voran. Um sich 4 Minuten später über die Einsamkeit zu wundern, die ihn plötzlich umgibt. Kein Weggefährte weit und breit. Nur in Sichtweite des Rifugios zwei wild gestikulierende Gestalten und bruchstückhafte Wortfetzen ala „..rück“. Also gut, haben wir halt was vergessen: nochmals retour, viele Höhenmeter waren es ja nicht. Julio und Werner schütteln den Kopf und imitieren frei nach Crocodile Dundee: „Nein, nein, das ist nicht der Weg“ verraten Sie mir einhellig „das ist der Weg“ und deuten auf die schmale Holzbrücke vis á vis vom Rifugio und die schmalste Pfadspur die über Wurzeln, Stock und Stein steil den Bergrücken hinauf folgt. „Wie bitte? – Da hoch?, Nee, oder?

Doch, genau da hoch. Es dauert gefühlte 4 weitere Minuten, da schaffe ich es, schwer keuchend, den ersten Fluch auszustoßen. Werner bleibt entspannt – Dinge die man nicht ändern kann, ignoriert er, wenigstens aber muss er ebenso schnappatmen wie Horst Schlämmer bei der Kandidatur. Deivel, Deivel, unser Plan sagt: das geht jetzt noch eine ganze Weile so. Erste Zwischenstation Rifugio Grassi, knapp unter der 2000er Kante. Ja, bist Du narrisch. Man stelle sich vor: 5 Schritte schieben, stehenbleiben, keuchen, warten, bis die Atmung wieder stabilisiert, 5 Schritte schieben …. Und das wird die nächsten 500 Höhenmeter, also mindestens eine gute Stunde, so weitergehen. „Ey, das ist KEINE Bikeroute!“ stelle ich sinnvollerweise fest. „Richtig“ pflichtet Werner mir bei, „das ist eine Schiebepassage, steht so im Plan“, spricht es und bleibt ebenfalls stehen, um zu verschnaufen.

Die Wurzelknoten stehen im Weg, Steine, so hoch wie vier Treppenstufen sind zu erklimmen, der Weg ist schmal, schmäler und noch enger, schieben geht nur latent und überhaupt – wenn etwas körperlich belastet, dann diese Passage. Gibt es eine Reiseleitung, die meine Beschwerden ernst nimmt? Nein.

Oben angekommen schleicht sich dann aber doch diese „ätsch-geschafft-Grinsen“ wieder in unsere Gesichter. Rifugio Grassi liegt ein paar Meter unterhalb des Gipfelgrats, wir genießen im frisch blasenden und etwas kühlen Wind die erfolgreiche Überwindung der ersten Hürde. Gibt es hier eine Reiseleitung, die Bonuspunkte oder Fleißsternchen verteilt? Nein.

Nun kommen zwar keine Fleißsternchen, sehr wohl aber die Belohnung für unsere Mühen: das Highlight dieses Crosses liegt bald vor uns: der Zucco del Corvo. Bis dahin darf noch ein wenig getrailt werden, Konzentration und Fahrtechnik sind extrem gefordert, weitere Schiebe- und Tragesequenzen folgen – der Ritt auf dem Kamm entlang ist allein ein Video wert –  und dann liegt er plötzlich vor uns: Zucco del Corvo. So wie er klingt, so ist er auch. Zwei zunächst unscheinbar wirkende Buckel, verbunden mit einem schmalen Grat, darauf die sich schlängelnde schmale Pfadlinie, über die wir surfen dürfen –zumindest ganz kurz für die Galerie. Achtung: Es sei ausdrücklich erwähnt: diese Passage ist im Zweifel nicht fahrbar, weil der Abgrund links und rechts vom Berg gähnend frohlockt und – im Falle eines Fahrfehlers – als lebensgefährlich eingestuft werden muss. Ergo: schieben und genießen lautet die Devise. An der Wand entlang geht es weiter in Richtung Passo Cedrino.

Wir sind happy, auch wenn sich der fahrende und schiebende Anteil bislang gut die Waage hält, so sind die „Moments of time“ hier oben nicht nur wertvoll, sondern „unbandig sche“, wie der Bayer zu sagen pflegt.

Zucco del Corvo

Unbändig schön dann auch der Sahnetrail, der am Passo Cedrino folgt. Weicher Waldboden, ein paar gewachsene „Wildkurven“ und sehr viel Flow. Herrlich. So muss crossen sein. Den Abzweig zur Skipiste nach Bobio erwischen wir nur aufgrund von aufmerksamen Kompass Karten Studium, dürfen dann auf groben Schotter steilst bergab ins Valtorta stürzen. Das mit dem „stürzen“ nimmt Werner insofern wörtlich, als das er seine Bike einfach laufen lässt, der mittlerweile stabilisierende Betonuntergrund vermittelt Sicherheit. Tja, wenn da nicht so manche grobe Scharte, 10cm tiefer auf groben Gestein, lauern würde. Bremsen zu spät. Das System, also Bike, Werner, Gepäck, knallt volles Rohr in diesen Graben und muss sich dann, ein paar Meter später nicht wundern, wenn dem Reifen die Luft ausgeht. „Tja, Werner, vorausschauend fahren, gell, 1:0 für Dich. Gratuliere, Dein erster Alp-X-Plattfuß.“

Weiter geht es nach Valtorta und Brembana. Zeit für eine ausgiebige Pause. Werner hat Hunger. Udo ordert zwei Radler und Cappuccino. Werner verlangt die Speisekarte. Der Konditor guggt ihn nur verständnislos an. Es gebe Kuchen, oder Kuchen, oder Kekse. Werner will weder Kekse noch Kuchen, sondern Pasta. Gibt es nicht. Na gut, dann ein Stück Kuchen. Gibt es auch nicht. Wie ? Nur den ganzen Kuchen, also wenn dann, dann die gesamte Torte. Entweder die mit dem Brautpaar drauf, oder die mit dem großen Herz oder so. Werner sucht sein Messer … ich muss ihn festhalten … es ist wohl besser, wir zahlen und verlassen diesen Ort. „Werner, ganz ruhig“, komm wir essen einen Xenofit-Riegel, schmeckt auch, macht fit und ist günstiger als die Gesamt-Torte. Außerdem will ich keinen Ärger mit der Polizei wegen versuchten Mordes am Konditor Salvatore.“ Brembana wird forthin von unserer kulinarischen Landkarte gestrichen. Hungrig ziehen wir (oder genauer Werner) weiter.

Wir sind auf gut 400m Meereshöhe und müssen „nur“ noch auf über 1800m, um dann nochmals auf 1421m zu sinken. Der Nachmittag bricht herein. Selbst schuld, wer morgens trödelt, muss abends aufholen. Auf geht’s nach San Francesco und Roncobello und von dort durch ein Altenheim-ähnliches Dorf hinauf nach Baite di Mezzeno. Vorne vollführt die Route ein großes U um einen Bachlauf herum und wir stehen erneut an einem ebenso schmalen wie äußerst steilen Bergwegerl. „Werner …,“ beginne ich drohend, „nicht schon wieder schieben“. „Doch, komm“. Ey…..

Was heute morgen noch schwer war, ist nun, abends, sauschwer. Wieder Steinbrocken, Stufen, Rampen, Sträucher und Gestrüpp, Wurzeln, kurzum: ein schlechter Trampelpfad ist Luxus dagegen. Im Logbuch steht das Wort „Drecksschinderei“. Das gleiche Spiel, 5 Schritte gehen, anhalten, schnaufen, 5 Schritte gehen. Furchtbar. Es dämmert. Wir müssen auf den 1821m liegenden Pass, kurz darunter liegt einmal mehr ein kleiner See, für den wir, leicht entkräftet nur wenig übrig haben. Xenofit-Doping, ein Gel und schnell die wärmenden Jacken überwerfen, damit wir im kräftigen Wind nicht auskühlen.

Das Panorama wäre ein Kapitel wert, doch der Genuss hält sich – wie gesagt – gerade jetzt in Grenzen. Es ist eben kalt, der Wind pfeift, die Dunkelheit bereit sich auf die Nacht vor, und wir stehen ziemlich einsam verschwitzt, aber happy hier oben rum. Schnell runter hier.

Ein kurzer Trail, dann extrem steil führt der Weg abfallend auf schottrigem Geläuf hinunter ins Tal. Unvermittelt sehen wir ein linksweisendes Schild „Alpe Corte“, wenngleich wir die Hütte weiter vorne eher rechts liegend schon einmal erblicken konnten. Komisch. Wir folgen dem Schild ins Gemüse und verlassen die steile Betonrampe, landen an einem Schweinekoben und bei dem dazugehörigen Schweinehirten im Schlamm. Ja, ja, wir seien auf dem richtigen Weg, nur weiter durchs Gemüse, gibt uns der Junge zu verstehen. Um Punkt 20h, wieder einmal, treten wir in die kleine Alm, Alpe Corte. Zwei Radler, bitteschön.

Die Unterkunft ist spartanisch, das One-Way-Laken für das 4er Stockbett Zimmer kostet 3 Euro, aber egal. Unsere jungen Zimmernachbarn (12jährige italienische Lausbuben) spielten bis tief in die Nacht hinein mit ihrem iPod oder Handy) – erzählt mir Werner zumindest am anderen Morgen.

Adresse des Tages: Rif.Alpe Corte, Club Alpino Italia, Valcanale di Ardesio (BG), Tel. +39034635090

Tag 4 – Sunset Tag (Edelmannwetter Tag)

93 Kilometer, 2279 Höhenmeter, 6.42h Fahrzeit, schwer

Rif Alpe Corte – Valcanale – Ponte delle Seghe – Valbondonie – Lizzola – Astra Alta – Passo delle Manina – Nona – Dezzo di Scalve – Palline – Angolo Terme – Monti – Pisogne

Wir schälen uns aus unserem One-way-Schlafsack und aus der kratzigen Wolldecke, ich bemühe die knarrige Treppe meines Stockbettes und vollbringe somit an diesem Tage erste Leibesübungen. Die Jungs im Stockbett nebenan grunzen friedlich vor sich hin – kein Wunder, wenn sie bis in die Puppen Daumenspiele gemacht haben.

Hunger. Wir steigen hinab, in freudiger Erwartung. Das Grinsen gefriert uns. Es liegen insgesamt 3 Zwiebäcke in unserem „Brot“körbchen. Butter, Croissants, Nutella ? Fehlanzeige. Ähm? Erst auf Nachfrage gibt uns die nette augenzwinkernde Dame noch etwas Brot von gestern, sowie sogar ein Stück Butter. Nachdem wir gestern schon das Stück „Hack“ als „wie Hund“ identifiziert hatten (die Pasta vorweg war aber gut), ist dies ein weiterer kulinarischer Tiefschlag in den Crosser-Magen. Also, zahlen (96Euro für uns beide), holen unsere noch feuchte X-Bionic-Wäsche von der Leine (gestern Abend war Waschtag) und dann schnell weg. So kommt man als Crosser auch mal früher auf die Spur.

Wir müssen nach Valcanale bzw.  Ponte delle Seghe. Dorthin führt die ruppige mit groben Schotterabschnitten durchsetzte Piste. Wobei „führen“ ist ein unzutreffendes Wort. „Fallen“ oder genauer „abfallen“ wäre korrekter. Das Ding sinkt geradezu in die Erde, mindestens 28% Gefälle, der Hammer – zu allem Überfluss kommt uns bergan noch der Koch des Hauses in seinem 4×4 Panda entgegen, und quält sich, mit zwei älteren Damen auf der Rückbank, äußerst ächzend den Berg hinauf. Unglaublich.

Unten, gut durchgerüttelt und –geschüttelt, angekommen, massieren wir unsere Unterarme und versuchen sowohl Halsmuskulatur zu entspannen als auch den Bremsscheiben ein paar Minuten Ruhe zu gönnen. Bislang halten die Beläge unserer Formula Brakes erstaunlich gut, manchmal klingeln sie ordentlich, aber alles in allem: Verzögerung und somit Sicherheit: top.

In Ponte delle Seghe müssen wir nun links bis nach Lizzola hoch. Während wir, wie immer sicherheitshalber die Kompasskarte konsultieren, frozzelt in unserem Rücken in bestem Allgäuerisch Didi: „Ey, Jungs, ihr seids scho richtisch, da müssen wir nämlich auch lang!“, spricht er und grinst breit. Großes Hallo, gimme five, Didi, gimme five Peter.

Wir kurbeln also ein stückweit gemeinsam des Weges, und jeder erzählt so seine Alpencross Geschichte. Wobei, die von Didi und Peter in gewisser Weise schon kurios ist. Beide starteten am Rif. Tavecchia – mangels besseren Wissens, genau in die Richtung, die ich irrtümlich auch auserkoren hatte. Bloß pfiff sie keiner mehr zurück. D.h. die Jungs sind die gesamte Talschneise hinauf um irgendwann festzustellen “also auf dem GPS Track sind wir nimmer” und dann, weiß der Teufel wie genau, dann doch den Buckel noch ein Stück mühsamer als wir zu erklimmen und sich zu wundern, warum wir zwei ihren Weg nicht kreuzen. Tja, Jungs, mit Karte wäre das nicht passiert. Aber zum Thema Didi & Peter sollte es noch besser kommen ……

In Lizzola machen wir noch gemeinsam Rast und verabschieden uns bis zum vermeintlich nächsten Stopp. Die Jungs haben mächtig Bums in den Beinen und sind mitunter eine Kurbelumdrehung schneller. Also fahrt nur mit Eurem jugendlichen Leichtsinn. Wir blicken hinterher und freuen uns über unseren KKK (Kompass-Karten Komfort).

Wenige Minuten später sitzen auch wir wieder im Sattel. Los geht’s. Die erste Rampe ist brutal, irgendwo zwischen 26-und 28% bringt sie die Schenkel zum Glühen, aber das geht vorüber und der Weg in Richtung Astra Alta mäßigt sich schnell wieder. Vorbei an einem großen Jugendzeltlager, Tipis und vielen romantischen Feuerstellen geht es auf dem Schotterweg, bis dieser – zum wiederholten Male in dieser Woche – unvermittelt wegknickt und über die Grasnarbe nach oben weist. „Werner? Schieben?“ meine Miene verfinstert sich, Werner schaut treudoof als könne er kein Wässerchen trüben „ja ah, aber nur 600 Höhenmeter“. Das kleine Wettrennen (ich hätte ihm den Kopf abgerissen) beenden wir schnell wieder, müssen wir doch Kräfte sparen. Wir nehmen als die Pfadspur auf, zunächst noch grenzwertig fahrbar, weil steil, später verjüngt sich der Weg dann zu einer einzigen Schmalspur. Die Schiene einer Modelleisenbahn hätte hier gut Platz, mit etwas Mühe auch unser Nobby Nic, aber Bike & Pilot? Vergiss es. Herrschaft, geht das wieder los. Wir schieben, schuften, schnaufen. Mühselig geht es voran und nach einer guten halben Stunde ist der Schiebe-Spuk vorüber.

Die Kapelle auf dem Sattel des Berges erwartet uns bereits und sie liegt ganz friedlich inmitten der grünen Wiese, jeder Unmut verfliegt abrupt. Wir rasten, nehmen einen Riegel zu uns und starren mit latenter Schnappatmung ins Tal. Die zwei Punkte die ich vor ca. 45 Minuten weit unten im Tal noch wahr genommen hatte, sind bereits wieder in Vergessenheit geraten und irgendwie wundern wir uns auch nicht, dass Didi und Peter uns nicht Steine in den Weg gelegt haben (das war noch der Joke des Vorabends, nach dem Motto „wer voraus fährt, erschwert den Schlusslichtern das Vorwärtskommen“). Fairplay unter Bikern. Ehrensache. Der eine oder andere Wanderer kommt des Weges, wundert sich über die Bikes an diesem Platz. Etwas Smalltalk, etwas innehalten, dann heißt es wieder weiterzuziehen. Werner hat sich heute vorgenommen, mal eine echte Mittagsmahlzeit (keine Torte) einzunehmen.

Über die Kuhwiese geht es hinab bis nach Nona und später nach Val Minora, wo wir endlich einmal den Anker werfen um „richtig“ zu rasten. Kein Konditor, nein, es darf ruhig ein Ristorante sein. Auch verlangen meine Bremsen nach etwas Pflege, vielleicht sollte man doch einmal darüber nachdenken einen neuen Satz Beläge einzubauen. Während Werner ordentlich Pasta und zwei Radler ordert, mache ich mein Centurion klar. Die Spaghetti sind perfekt, die Stimmung gut, die Bedienung sehr sehenswert, der abschließende Cappuccino sogar ein Geschenk des Hauses. Na, das ist doch wunderbar. Satt und zufrieden starten wir das Nachmittagsprogramm.

Konkret: hinunter nach Dezzo auf 752m  und wieder über beschaulich schöne und schattige Wege zur nächsten Kapelle nach St. Bartolomeo auf 1167m. Klingt halbwegs leicht, ist es auch. Auch dort legen wir einen kurzen (Kirchen)Stopp ein – die Kapelle selbst ist verriegelt und verrammel, bloß der Spendengaben-Schlitz ist rund um die Uhr geöffnet. Wir genießen die Zeit, den Ausblick und bereiten uns zum Endspurt vor. Es geht bergab bis nach Angolo Terme.

Lieber Leser, vergiss alles, was Du in deinem Leben bisher über steile Abfahrten gelesen hast, vergiss auch den Kindergeburtstag von heute morgen (hinunter vom Alpe Corte, wo ich dachte es sei steil gewesen), sondern merke: steil, also richtig steil im Leben ist nur der Weg hinunter von Bartolomeo nach Angolo Terme. Ja, hast Du so was schon gesehen? Nein. Wenngleich der Weg weitgehend befestigt, also mit schlampig aufgegossenem Asphalt versehen ist, meiner Schätzung zufolge neigt er sich mehr als 35% hinab und das über eine verdammt lange Zeit. Meine Bremsen (neue Beläge) schreien und kreischen, als ob ich Ihnen mit dem Messer langsam die Hydraulikschlagader zu durchtrennen drohe. Werner donnert ins Tal und ruft mir noch kenntnisreich zu „dafür sind sie gemacht, dass sie bremsen, wenn´s drauf ankommt“. Toll.

Meinen Schrei „Plaaaaaaaaaaatten“ hört er gerade noch rechtzeitig, kehrt um, grinst und sagt: „1:1“ Wir flicken schnell, während ich den Ersatzschlauch aufziehe, wird der defekte Gummi von Werner gleich wieder fachmännisch saniert. Teamwork.

Sinkflug Teil zwei wird begleitet von andauerndem Gekreische meiner Discbrakes, brütende Tiere würden wahrscheinlich panikartig durch den Wald flüchten, weil Kriegsähnliche Geräusche zu vernehmen sind. Es kommt der Moment, da versagt für ein paar Sekunden mein System. Die Vorderbremse geht vollkommen leer durch. Kein Druckpunkt, nichts mehr. Das war zuviel für sie, für eine Schrecksekunde auch zuviel für mich. Mit der gut abgefahrenen Hinterbremse komme ich zum stehen und halte erst mal einen Moment inne. Jonas, pass bloß auf mich auf. Puh.

Angolo Terme, der Weg nähert sich der Normalität, mein Puls ebenfalls. Gut so. Andererseits: diesen Weg hinauf wünsche ich nicht meinem ärgsten Feind – lebenslänglich ist entspannender. So, wir haben wieder einmal – diesmal sprichwörtlich – knapp 800 Höhenmeter verschmorrt. Jetzt müssen wir nur noch Strecke und (!) ein paar Höhenmeter machen. Klar, es ist ja auch erst früher Abend. Hinauf nach Monti geht es über eine entspannte Teerstrasse, die man nur abzuarbeiten braucht und – wenn geschafft – dann wieder wunderbar hinunter ins Tal in Richtung Lago Iseo gleiten darf. Die Abfahrt ist eine Wucht und gemessen an dem Ding von vorhin, reinster Genuss, nur ab und zu eine ordentliche U-Kehre, sonst nur reinster Sinkflug. Die Bremse bleibt kühl, der Gummi wird warm. Wunderbar.

Die letzten Kilometer bis Pisogne und dann sind wir nach 93 Kilometern zeitgleich mit Kirchturmschlag um 20h am Ufer des malerisch gelegen Lago Iseo und genießen ausgiebig das Naturschauspiel eines wunderschönen und zugleich romantischen Sonnenuntergangs. Warum crosse ich eigentlich nicht mal wieder mit einer Crosserin?

20.30h, ein Hotel wäre jetzt nicht schlecht. Das erste 4* Haus am Platze ist ausgebucht, kann aber ein „Konkurrenzprodukt“ empfehlen. Das nehmen wir. Das 4* Hotel Pieve ist nicht das günstigste, aber dafür auch ein sehr schönes. Wir buchen. Der freundliche Hotelier fragt in gebrochenem Deutsch, ob wir auch zum Team gehören? „Team?“ Wir verneinen aufrecht, sind wir doch fast die einzigen Biker auf dieser Route. Erst unten in der Bike Garage, beim einparken, sehen wir die Scott Bikes von Didi & Peter – diese Schufte, schon wieder vor uns am Ziel.

Idro

Die zweite Story von Dietmar und seinem Bruder ist schnell erzählt. Ja, sie sind 5 Minuten vor uns voraus gefahren und haben den Abzweig auf der Grasnarbe übersehen, sind dann natürlich dem Weg weiter gefolgt, obwohl sie sich schon wunderten auf dem GPS Gerät wieder keinen Track mehr sehen zu können. Das wäre ja noch verständlich, dass sie dann aber bis auf 2000m (!) hinauf kraxeln um zu merken, an einer Sackgasse zu stehen, ist einfach nur bitter. Das man sich dann völlig verausgabt, um wieder hinunter und schließlich den „planmäßigen“ Trampelpfad hinauf zu unserer Kapelle (dort waren wir bereits gegen 12h Mittag) zu bewältigen, ist selbstredend. Didi und Peter waren um 17h völlig entkräftet am Bergsattel und mussten sich dann für den Chicken Way ins Tal und um den Buckel herum nach Pisogne entscheiden. Entsprechend geschafft und auch ein stückweit beschämt sitzen sie nun an unserem Tisch und geloben „“2011 fahren wir nur mit Karte“. Wir spendieren mindestens eine Runde Grappa. Prost.

Adresse des Tages: Hotel La Pieve, Via Don G. Recaldini 1, 25055 Pisogne (BS), Tel./Fax +39036486214, info@lapievedipisogne.it, www.lapievedipisogne.it

Tag 5 – Kämpfen-bis-um-Acht-Tag (Traumwetter Tag)

66 Kilometer, 2676 Höhenmeter, 6.30h Fahrzeit

Pisogne – Marone – Croce di Marone – Colonno Nuovo – Lividino Alta – Valle Caregno – LA Roda – Forcella di Pezzoro – Lavone – Bovegno – Collio – Passo Maniva

Mit etwas Grappa Geschmack im Mund wachen wir auf und stellen fest, das der frühe Morgen schon wieder vorbei ist. Gestern hatten wir mit Didi und Peter noch vereinbart gemeinsam zu fahren (damit sie heute auf dem richtigen Wege ans Ziel kommen), doch unten im Frühstücksraum sind alle Plätze leer. Die zwei sind schon wieder auf Ihrem Track, oder das, was sie dafür halten. 8.10h kein Grund zur Hektik, wir genießen ein Breakfast, das weit über Zwiebackteile hinaus geht und lassen uns nicht weiter stressen. Die junge Dame aus Hongkong spielt mit ihrem iPad, na, das möchte ich mir doch mal ansehen.

9.23h Abfahrt. Gscheit spät. Das werden wir wieder büßen müssen. Die Bike Wear duftet relativ frisch und ist über jeden Zweifel erhaben. Wir füllen uns sauwohl in unserer Ausrüstung, die Klamotten haben schon literweise Transpiration weiter transportiert und über jeden Zweifel erhaben. Wir sind bestens gerüstet für einen weiteren Traumtag.

Der perfekt beginnt. Wir rollen die ersten 10 Kilometer an der Uferstrasse des Lago Iseos entlang. Wunderschön. Radweg, Ufer, See, Berge, blauer Himmel, nur das graue Zementwerk auf der anderen Seite passt da nicht so recht ins Bild. Wir durchqueren noch ein paar schöne Tunnel, dann weist das nächste relevante Schild nach links: Zona. Wo Zona draufsteht, wird es wohl auch nach Zona hinführen. Also links, dann hoch. „Ey! Nicht schon wieder. Großer Gott.“ Wir können den blauen Himmel nicht mehr sehen, nur noch das Ende der ultrasteilen Auffahrt in dieser schmalen Gasse. Das darf nicht wahr sein. Wir kommen nur wenige Meter weit, dann müssen wir absteigen und schieben. Das tun wir auch, solange bis uns dieser Weg hier in Italien spanisch vorkommt. Da stimmt was nicht. Didi und Peter sind hier vielleicht gefahren, aber wir machen keinen Meter mehr. Die Kompass Karte gibt uns Recht. Wieder runter das ganze. Noch mal Glück gehabt. Der Abzweig nach Zona liegt schließlich 200m weiter vorne – wohl dem der des Kartenlesens mächtig ist. Nun stehen knapp 1100 Höhenmeter auf dem Programm. Nicht sonderlich schwer, aber in der Unnachgiebigkeit ohne Flachstücke durchaus schweißtreibend – aber wir wollen es ja nicht anders. Super einsam hier – immer wieder mit einem traumhaften Blick zurück auf den Lago Iseo und die in dessen Mitte gelegene Insel (darauf mein Ferienhaus in spe, sollte ich mal im Lotto gewinnen). Wir kurbeln hinauf, schön gleichmäßig, jeder nach seinem Gusto (und unser Gusto ist erstaunlich gleichartig). Mittendrin einmal einen Biß vom Seitenbacher und einen Schluck Xenofit und alles ist möglich.

Bei Colonno Nuovo (1152m) zur Mittagszeit machen wir erst einmal ordentlich Rast. Wir ordern Lasagne, zwei Radler und am Ende der Siesta kredenzt uns die Herbergsmutter sogar noch zwei Limocelli, die der Fitness weniger, dafür aber der Laune bestens zuträglich sind. Perfekt.

Hinauf nach Lividino Alta (1330m) heißt es wieder einmal schieben, tragen, lupfen. Aber oben angekommen, werden wir mit einem wunderbaren Panorama versöhnt und der Ausblick auf den kommenden Trail am Hang entlang entfacht ebenfalls vorfreudige Laune.

Unvermittelt taucht ein Schäfer mit seinen zwei Hunden auf. Ein Kerl von einem Mann, mit Hirtenstab und einem rustikalen Charisma, das ihn umweht. Werner und der Schäfer kommen ins Gespräch, wir lassen uns die kommende Wegführung erklären. Oben auf dem Kamm des Gipfels stehen beide, die Karte in der Hand, das Auge übers Land. Eine wunderbare Szene. Vergiss Dein GPS, so kommt man auch vorwärts.

Wir müssen hinunter nach Pezzoro und dann nach Lavone (503m), dort am Denkmal der „Anna“ links vorbei, das bedeutet 800m abschmelzen und runterrubbeln. Ok. Doch zuvor folgen wir der „Schäfer“-Wegbeschreibung, die uns wunderbar hügelig über die Dörfer führt und von einem steten auf und ab begleitet wird, nachdem es zunächst wieder einmal richtig saftig in die Steilhanglage auf grobem Schotter ging.

In Lavone angekommen, die Uhr schlägt schon wieder 16x, entrümpeln wir unsere Rucksäcke und verspeisen Hotel Obst und die Hotel-Semmeln von heute morgen. Auf uns wartet jetzt „nur“ noch der Passo Maniva auf knapp 1700m. Richtig gerechnet. Das heißt abermals eintausendzweihundert Höhenmeter hinauf. Crosser Virus – mitunter giftig. 16.30h, Werner komm, lass krachen, vielleicht schaffen wir es wieder bis zum Sunset. Zunächst geht es bis nach Collio relativ moderat auf der Strasse bergan, wir kurbeln, haben unseren Rhythmus sofort wieder gefunden. Also, Umdrehung für Umdrehung. Meditation ist das. So wie bei Hape Kerkeling: wenn man irgendwann mal nichts mehr denkt, nur noch wohltuende Leere vorherrscht, dann setzt der Flow ein.

Werner geht in den Wiegetritt und fällt auf einmal abrupt nach hinten ab. Oh, oh. Plattfuss vorne. Ursache unbekannt. Schulterzucken. Routiniert öffnen wir den Stauraum unter unserem Sattel, ergreifen unsere Tools, jeder Handgriff sitzt, Schlauch raus, Schlauch rein, während dessen Loch flicken, Zack und weiter geht’s. 2:1 für Werner.

In Collio schmeißen wir noch einmal Doping nach. Seitenbacher für Udo (ich spüre Ermüdung), Xenofit für Werner (der spürt nix), mein Gel hebe ich mir noch auf. Es ist 18 Uhr. 900 Höhenmeter fehlen noch bis zur Endabrechnung. Es wird steiler, die Kehren eindeutiger bergweisend, der Buckel langsam unsympathisch. Kein Verkehr, aber das bringt uns auch nicht schneller hoch (nicht einmal ein Auto, das theoretisch die Rucksäcke nehmen könnte). Meine Körner schwinden, Werner macht ein paar Meter gut, es ist zäh, es ist hart.  Die gesamte Auffahrt wird ein Kampf werden. 19.00h, 450 Höhenmeter sind vernichtet, noch lange nicht oben. „Werner, Stopp, ich brauch mein Gel, ey, so langsam spür ich die Grenzen in mir.“

Die Karawane, bestehend aus zwei einsamen Bikern, zieht weiter. Abermals Kehre für Kehre. Ab und an aus dem Sattel, Rücken entlasten, nur gleichmäßig kurbeln, im Wiegetritt treibt es den Puls immer wieder nach oben, hinsetzen, schnaufen, weitermachen …. Nur noch 300 Höhenmeter. Kurzum: es ist ein ganzes Stück Strapaze. Zäh und anstrengend. Als wir – erneut – gegen 20h am Dosso Alto ankommen, bin ich persönlich fix und malle. Werner scheint Rückenwind gehabt zu haben, oder Adrenalin. Für mich reicht es. Tag Ende. Essen, schreiben, duschen. In der Reihenfolge, nein, vorher noch etwas trinken. Ein kühles, großes Bier bitte.

Im Inneren des Gasthauses knistert das Kaminfeuer. Grad recht. Der komische Kauz mit schwarzer Sonnebrille und ultragroßem Cowboy Hut sowie Schneejacke passt nicht direkt ins Ambiente, aber er stört uns nicht weiter. Das Dinner ist phantastisch. Es gibt Pasta satt, Salat, Gemüse, alles was das Herz begehrt. Mein Herz begehrt nicht mehr. Meine Muskeln und Glieder sind jedoch müde und matt. „Werner ich geh Heia … weck mich morgen früh.“

Adresse des Tages: Albergo Dosso Alto, Passo Maniva, 25060 Collio V.T. (BS), Tel/Fax +39030927642, www.rosaettore.it

Tag 6 – Tag des Donners (Sch…wetter Tag)

65 Kilometer, 1722 Höhenmeter, x.xxh Fahrzeit

Passo Maniva – Passo delle Portole – Passe Mare – Anfo (Lago Idro) – Ponte Caffaro – Camping Miralago – Storo – Tremalzo

Die Nachtruhe war notwendig. Der Oberschenkel, der mir am Vorabend noch gehörig Katergefühle bescherte, hat sich beruhigt. Ich fühl mich gut. Wir öffnen den Vorgang, der Himmel ist – wie sollte es anders sein – blau, die Luft rein, vereinzelte Wolken tummeln sich am Horizont. Rein in die Bikewear, Rucksack klar machen und motiviert zum Frühstück, natürlich (immer positiv denken) in der Hoffnung, dass dieses hier weit mehr zu bieten hat als nur Zwieback. Es hat.

Wir speisen mit der uns üblichen Ruhe und unhektisch. Zwei Cappuccino, Müsli, Werner haut ordentlich Nutella auf die Stullen. Alles prima. Heute sind wir halbwegs früh dran, es ist erst kurz nach Acht, auf dem Programm steht aber auch wieder eine knackige Tour. Plötzlich verdunkelt sich der Gastraum völlig unvermittelt. In einer Geisterbahn wären jetzt analog identische Lichtverhältnisse. Was ist passiert. Licht war bislang keines an, aber woher kommt die nachtähnliche Umgebungsstimmung. Ein Blick aus dem Fenster gibt Auskunft: ja, Kirmis: Wolken im Achterbahntempo, begleitet von – nun plötzlichem – Donnergrollen. Der Herr Gott hat den Vorhang zu gezogen und ist scheinbar stocksauer auf uns Menschen hier unten. Alles dunkelgrau, pfeifender Wind, mächtiges Krachen von oben. Da hat jemand seinen Teller nicht aufgegessen. Und was fehlt jetzt noch? Richtig, Regen. Es schüttet. Och, nee. Werner holt schon schweigend seine obligaten Packbeutel aus dem Deuter, diesmal den Packbeutel „N“ wie „N“ass, und schält sich in seine komplette Pelle. Bei mir ist das wie immer einfacher: ich hab eine kurze Regenhose und dieses Mal – endlich – eine richtige Gore Regenjacke.

kein Cross ohne …

Wir warten, aber der Rainy-Man lässt sich nicht beeindrucken, Petrus hat alle Schleusen geöffnet, der zugezogene Wolkenverhang verheißt: Dauerregen, bad day today. Ergo: 9.30h, wir starten, zu spät wie immer.

Der Höhenweg hinüber zu den Pässen „delle Portole”, “della Spina” und schließlich „del Mare“ wäre wunderschön, doch bei Prasselregen ist er einfach „nur“ schön. Einige Tunnel gewähren uns Unterschlupf, doch letztlich müssen wir uns den Unbilden des Wetters stellen – hatten wir ja bislang 2010 in dieser Form auch noch nicht. Bis hinunter nach Chiese am Lage di Idro werden wir vom feuchten Element begleitet, es hat abgekühlt und nach einiger Rollzeit ist es gegen Mittag Zeit für eine Einkehr im wärmenden Restaurant am Camping „Miralago“. Wir ordern eine ordentliche Vesper und etwas zu trinken, entledigen uns der nassen Klamotten und ziehen eine Zwischenbilanz des heutigen Tages. Was vor uns liegt, ist mächtig knackig. Was hinter uns liegt, brachte nur Nässe und wäre bei strahlend blau, der perfekte Ride gewesen.

gewaschene Luft

Wir müssten nun hinauf zum Monte Caplone (1868m), wir befinden uns auf 693m, das Wetter vermittelt nach wie vor nicht den Eindruck einsichtig zu sein, die auf dem Weg befindlichen Schiebepassagen sowie der Hinweis im Roadbook „steiler, steiniger Militärweg“ veranlassen uns, den Schwanz einzuziehen und den Chickenway über Storo hinauf zum Tremalzo (1702m) zu nehmen (wenngleich, soviel ist in Crosser Kreisen überliefert, der Caplone ein absolutes Highlight sein muss ! Ergo: das muss nachgeholt werden). Vernunft siegt, alles andere wäre bei diesen Wetterverhältnissen nicht angemessen. Steine & Nässe = Rutschgefahr, zusätzlich die Gefahr eines weiteren Gewitters in unbekannter Höhe und Landschaft, nein – wir sind weder auf Mutprobe, noch gibt es am Ende des Tages einen Orden für Unvernunft.

Wir radeln also hinunter bis nach Storo, um von dort über den Ampola Pass hinauf auf der Teerstraße zum Rif. Garda unterhalb des Tremalzos zu kurbeln. Anstrengend genug, schließlich bedeutet dies fast die gleiche Höhenmeterzahl wie auf dem Plan, jedoch mit wesentlich entspannterem Untergrund (Teer). Wir reiten los, und irgendwann im Laufe des Nachmittags beginnt erneut diese Form der Meditation. Der gleichsame Tritt, der anhaltende Regen und die Monotonie der Bergstrasse sorgen dafür, dass man völlig abschaltet, bzw. sich nur noch mit sich selbst auseinander setzt. In größeren Abständen wird erfrischendes Xenofit getrunken, damit der Mineralienhaushalt in Schwung bleibt, ein, zwei mal eine Gel-Pause – so kommt man auch vorwärts. Mittlerweile hat der Regen gemerkt, dass wir uns nicht unterkriegen lassen und aufgegeben, die vergleichsweise niedrige Temperatur ist geblieben.

Kurz unterhalb vom Rif. Garda, Werner hat schon angeschlagen, überlegt sich Herr Gott dann doch noch einmal einen Fingerzeig zu geben: mich erwischt die Dusche breitseitig.

Oben am angekommen, hat Werner bereits die Lage gepeilt: das Rifugio ist geschlossen. Na bravo. Der Wind pfeift, es ist klamm und kalt, meine Füße pitschepatsche. Gemütlichkeit ist etwas anderes. „Hey Werner, Abfahrt, Fotos machen wir morgen wieder.“ Werner will dennoch ein paar Momente einfrieren, trollt sich dann aber dennoch. Wir fahren wieder ab, hinunter auf 1500m zur Garage Garda, bzw. dem daneben liegenden Albergo Garibaldi. Keine Minute zu spät. Die Wirtsleute sitzen bereits in ihrem Auto und wollen den Ort verlassen, sehen aber gerade noch, wie wir an der Tür kratzen und erbarmen sich unser. Die Herbergsmutter grinst wissend, öffnet die bereits verschlossene Türe wieder, gibt uns auf italiensch zu verstehen, dass sie in ca. einer Stunde wieder da sind und zeigt uns unser Zimmer, welches wir dankbar annehmen. Zack, peng, wir sind allein im ganzen Haus. Das nenne ich Vertrauen.

Wir verbringen die Zeit mit Duschen, aufwärmen, dösen und langsamen auftauen. Eine herrliche Auszeit.

Der Abend verläuft märchenhaft. Ein wunderbares Mahl, ein sehr guter Wein, ein edler Grappa, Lagerfeuer, keine Hektik und das Wissen: wir haben in den letzten 6 Tagen knapp 14.200Höhenmeter platt gemacht und morgen ist nur noch ein Tag für die Galerie: 200 Höhenmeter hoch, 30 Kilometer und dann kommt R*I*V*A. J Vorfreudiges Grinsen huscht während des Einschlafens auf mein Antlitz.

Willy

Adresse des Tages: Rif. Garibaldi, Michaela Nonino, Str. Tremalzo, 38060 Tiarno di Sopra (TN), Tel/Fax +390464598111, info@rifugiogaribaldi.com, www.rifugiogaribaldi.com

Tag 7 – Schummel-Tag (Schönwetter Tag)

31 Kilometer, 321 Höhenmeter, 2:02h Fahrzeit

Tremalzo – Bocca Caset – Malga Giu – St.Martino – Lago di Ledro – Molina di Ledro – Ponale Strasse – Riva

Galery-day. Haha. Ein klasse Gefühl. So ähnlich wie der letzte Arbeitstag, bevor es vier Wochen in Urlaub geht. Heute ist Biken-light angesagt. Wir haben in den letzten 6 Tagen ordentlich Höhenmeter geschrubbt und müssen daher wahrhaft kein schlechtes Gewissen haben, wenn die Gedanken sich jetzt mehr auf die Maß Weißbier und den Rieseneisbecher (traditionell Coppa Joghurt) konzentrieren. Wobei, das stimmt nicht ganz. Eine kleine Hürde nehmen wir noch mit, doch diese Minitour ist keine Herausforderung mehr, sondern bedeutet vielmehr lockeres ausradeln.

Der Luxus des Morgens ist daher auch, das entspannte Ausschlafen mit anschließendem Frühstück, ohne (!) dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, evtl. zeitlich unter Druck zu geraten. Ob wir nun zur Mittagsstunde in Riva einsegeln oder eine Stunde später: das ist so was von egal. Finalday.

Ok, ok, der aufmerksame Leser wird aufhorchen, sich wundern und einwenden wollen: „Halt stopp, ihr Crosser, wo bleibt denn da der Ehrgeiz? Hätten es am Tage 6 nicht auch noch diese 321 Höhenmeter und 31 Kilometer mehr sein können, damit wäre nicht nur der Gesamt- sondern dann auch der Tagesschnitt (96km, 2043hm) erwähnenswert gewesen, aber so ….?“

Ja, liebe sportlich ambitionierte Leserin, lieber rekordhungriger Leser, ja,  es hätte freilich sein können. Getreu meinem Motto „kann man machen, muss man aber nicht“, gilt nämlich: erstens, wären wir dann völlig ausgekühlt und unentspannt zu unserer gewohnten Nachtzeit (19-20h) in Riva eingetroffen und zweitens hätte man dann weder den Sinkflug geschweige denn das „Ankommen“ gebührend celebrieren können. Soviel Zeit muss sein. Wer auf Crossers Pfaden wandelt, der sollte auch das „Landen“ entsprechend würdigen.

So starten wir also an diesem – es ist übrigens wieder bestes Wetter – siebten Morgen nicht nur hoch motiviert, sondern auch entsprechend entspannt. Das Frühstück geht weit über den italienischen Standard hinaus, unsere Herbergsfamilie kümmert sich rührend um uns (was im übrigen der Tourismusverband Trentino auch getan hat, indem wir schon wissen, welches Hotel an diesem Tage in Torbole auf uns wartet. Perfekt).

Auf geht´s. Der Pfad an der sogenannten „Garage Tremalzo“ beginnt unmittelbar vor unserem Albergo Garibaldi und verläuft kurz moderat, bevor er die ersten Anstalten macht sich aufzubäumen. Doch böse ist er nicht. Es wird kurz ruppig, einige schöne Ausblicke offerieren weitere Fotomotive und schließlich folgen wir der Wegweisung in Richtung Bocca Caset auf einen schmalen Trail, der uns die nächste Stunde begleiten wird. Trotz der ausdrücklichen und mittels Absperrbändern eindeutig gebotenen Wegsperre wagen wir den Trail. Ein paar Murenabgänge und umgestürzte Bäume sind der Grund, wirklich unpassierbar ist dieser Traumtrail jedoch nicht. Wir grooven über die Wellen, immer mit dem Wissen: Lago, Lago, Lago, wir kommen, Du entkommst uns nicht. Kaum ist dieser Gedanke zu Ende gedacht, passiert es auch schon: Plattfuss Nummero vier, diesmal von meinem Konto abgebucht. 2:2. Werner grinst wissend, es folgt die bekannte Routine von vier Händen, jeder Griff sitzt. Etwas verhaltener schreddern wir nun über den Wurzelteppich und meistern konzentriert so manche Technikprüfung. Grund genug für Werner, das übliche Hinauszögern des Ankommens-Orgasmus zu beginnen. „Udo, Mooo…mment, Foto!“ lautet das jeweils knappe Kommando, dem stet das gleiche Ritual folgt: Ministativ auspacken, Motivwahl, Regiebesprechung und x-fache Wiederholung der Sequenz, je nach Zufriedenheitsfaktor der vorherigen Einstellung. „Herrje, mach hinne, ich hab Durst und Lust auf die Maß und Hunger auf den Becher“. Seltsam, unterwegs habe ich 6 Tage lang eigentlich keinen Hunger, aber die letzten 20 Kilometer verzerrt sich mein innerer Detlef nach Weißbier und Joghurteis mit Früchten. Und Detlef kann dann schon mal säuerlich werden. „Wörnör, komm schon.“

Wie so oft überbrücken wir sowohl fotografisch als auch fahrtechnisch auch diese Passagen und münden an einer steil abfallenden Strasse, die uns den traumhaften Blick auf Lago Nummer sechs frei gibt. „Gestatten, Lago Ledro“ schallt es imaginär von unten herauf. Wir grinsen wissend und lassen unsere Bikes würdevoll hinab gleiten.

Das südlich gelegene Ufer des malerischen Molina di Ledro umrunden wir geschickt, widerstehen der Versuchung einen Badestopp einzulegen (d.h. ich widerstehe, Werner folgt) und gehen nahtlos auf die letzte Asphalt Abfahrt bis zur Einmündung nach Pregasina über.

für die Gallerie

Nun nur noch den dummen langen Autotunnel bergan durchqueren und dann auf die legendäre und immer wieder sensationelle Ponalestrasse einschwenken. Bis hierhin war Pflicht, nun kommt die Kür. Ladies & Gentlemen, final Countdown, Kurbeln nicht mehr nötig, einfach nur sinken lassen, die sieben Sinne mehr denn je aktivieren und die letzten 20-30 Minuten im Ultra³-Modus genießen. Auf geht’s. Der Fotoapparat hängt vor der Brust, die Videofunktion ist „on“ und der freie Flug im Fall wird dokumentiert, auch die Gänsehaut und der obligate Gänsehautschrei® auf dem Unterarm ist für einen kurzen Moment beim Ortseingang in RIVA auf dem Bild. Was für ein Moment. Der Moment.

Leerzeile.

Auf dem Kopfsteinpflaster am Hafen entlang rollen wir jauchzend und glücklich an die Kaimauer. Der deutsche Touri, der uns mit den Worten „Heh, Fußgängerzone. Fotografieren und Rad fahren, wa?“ die Laune verderben will, wird wohlwollend überhört. Nichts macht diesen Moment kaputt. Gar nix. „Ey, Weeeeeeeerner !!! High Five. JAAAAAAAAAA!”

Geschafft, erreicht, stolz, happy, lucky, zufrieden, adrenalisiert, euphorisiert, fasziniert, in uns ruhend, aus uns schreiend, erschöpft, mit Flügeln versehen, ergriffen, erhaben, dankbar.

All diese Eigenschaften füllen diesen Moment aus, all diese Gefühle nehmen uns gefangen, halten uns fest, geben uns Halt, schenken uns nur eines: Glück.

So mag es dann auch nicht weiter verwundern, wenn zu berichten ist, das sowohl die Maß Weißbier als auch die Coppa Joghurt zum Gesamtpreis von 14,40€ vorzüglich gemundet haben und wir keinen einzigen Cent dieser Investition – oder konkreter – selbst bezahlten Belohnung bereut haben.

proud to be here

*Fin*

Adresse des Tages: Hotel Piccola Mondo, Fam. Chiesa, Via Matteotti 7, 38069 Torbole sul Garda, Tel +390464505271, Fax +390464505295, info@hotelpiccolomondotorbole.it, www.hotelpiccolomondotorbole.it

Epilog

Großer Gott. Auch dieser Abend war wieder eine Wucht. Edel gehen die Crosser in Badeschlappen zum Essen, es gibt Seewolf, Salat und eine Flasche Vino. Rot. Anschließend setzen wir uns mit einem gepflegten Grappa an die Kaimauer des Lago und zaubern die „mitgeschleppte“ Zigarre hervor, die es nun gilt stilecht herunter zu rauchen. Der obligate Gang in die WindsBar gleicht einem „sehen und gesehen werden“ und einem mehr oder minder fragwürdigen „who´s who“ Spiel in der Torboler Szene. Aber schön ist´s schon. Wir feiern unseren Cross – der Absacker im „Cutty Shark“ gehört dazu, mittlerweile haben sich uns ein paar Biker angeschlossen. Von Didi & Peter keine Spur – sie werden doch nicht den Track nach Torbole suchen.

Der kommende Morgen beginnt anders als gewohnt. Normalerweise stünde der ultrafrühe Start mit dem Bike nach Rovereto und eine ungewisse Bahnfahrt auf dem Programm – aber wir sind schlauer und haben einen Shuttleservice gebucht. Abfahrt 9.00h. Alle Zeit der Welt für ein entspanntes Frühstück mit Omelette und allem was das Biker-Herz begehrt.

Der Fahrer erscheint überpünktlich, hat aber eine Hiobsbotschaft im Gepäck. Unsere Tour ist über Garmisch, Oberstorf und München umgeleitet, wir werden also die letzten sein, die in Rosenheim aussteigen. Wir gehen in ernste Klausur. Daheim warten Frau und Kind. Was tun? Wir entscheiden uns für eine 50/50 Lösung und entschließen bis Innsbruck den Shuttle in Anspruch zu nehmen und ab dort „schnell“ mal mit der Bahn bis Rosenheim zu düsen. Ok, ab ins Zimmer, packen. Räder einsammeln. Gebongt. Räder? „Werner, sieh dir das mal an, das gibt es doch nicht, 3:2 in letzter Minute.“ Ich habe einen Platten – fragt mich nicht woher. Wir flicken zum fünften Male.

Die Fahrt über die Brennerautobahn verläuft trotz teilweise starkem Verkehrsaufkommen reibungslos und geht flott von dannen. Bahnhof Innsbruck, kein besonders heimeliger Ort. Schnell die Bikes und Rucksäcke raus, die Erinnerung von letztem Jahr sagt uns „irgendwann vor 13Uhr geht der Zug“. Wir spurten los. Punkt 12.39h stehen wir am Bahnsteig. Kein Witz, der Fahrplan gibt Auskunft: „12.38h Abfahrt Rosenheim“. Der nächste Zug geht in ca. 1 Stunde. Auch ok, Wir holen uns eine Semmel und Apfelschorle und verbummeln die Zeit. Im Zug sitzend dann fängt der gemütliche Teil an. „Komm Werner, lass uns Diashow machen“. Werner nickt zustimmend, die Akkus unserer Kameras sind schließlich randvoll und die gute Stunde Zugfahrt kann besser nicht überbrückt werden. Werner kramt nach seiner Handytasche und der darin enthaltenen 4GB Chipkarte, die er gestern – 10Kilometer vor dem Ziel !! – „vollgeschossen“ hatte. Ich ernte einen entsetzten, aber ebenso sprach- wie ratlosen und absolut verzweifelten, mit bis dato völlig unbekannten Blick. „Udo?? – Ey, wo ist die Karte?“ „Na, im Rucksack wohl, guggst Du mal genau!“ rate ich und runzele besorgt die Stirn. Werner guggt genau und findet nur die panischen Worte „Scheiße, weg!“. Mann, Mann, Mann. Weg. Einfach weg.

Das heißt demnach ernüchternd: circa 600-700 allerfeinster Pictures und mindestens 10 tolle Videos in HD Qualität sind weg, irgendwo im Innsbrucker Nirvana. Wahrscheinlich hat sie ein Bahnhofspenner schon zwischen Bierdose und Bananenschale entsorgt, nachdem er keine Kippen darin gefunden hat. Was tun? Wir zünden alle Gehirnzellen, aktivieren den Lokführer zu einer Konferenzschaltung mit dem Hauptbahnhof, die Hotline für Bahncardkunden und überlegen sogar, auszusteigen und zurückzufahren. Aussteigen? Ja, komisch, der Zug steht bereits seit 15 Minuten. Das haben wir im Eifer des Gefechts gar nicht bemerkt. Der Schaffner gibt Auskunft „ja wo der Chip ist, wisse er auch nicht, aber es hat einen Selbstmörder auf der Strecke gegeben, die Strecke ist für ca. 3 Stunden gesperrt.“ Hallo? Geht’s noch? Was tun. Wir kalkulieren alles durch, die Chancen die Karte zu finden, die Chance heute noch daheim anzukommen – hätten wir doch den seligen Shuttleservice genutzt, wir Dilettanten. Murphys Law.

Ok, wir tun das, was wir anscheinend immer tun müssen, auf den von uns gelösten Bahnstrecken: wir biken. Die folgenden ca. 25 Kilometer nach Kufstein nehmen wir im Galopp, wer weiß wann der Anschlusszug geht. In Kufstein angekommen, hasten wir durch die Innenstadt, ich spüre am Fahrstil und –tempo dass Werner innerlich lodert, ob der verloren gegangenen Chipkarte. Wuchtig knallt er in Kufstein auf den Bordstein, um die Ampel lässig zu umgehen. Zack, Peng, 3:3. Dies sollte der letzte Plattfuss des Crosses 2010 sein.

Fazit

Tja, warum tut man sich das an? Ich will es Euch verraten.

Es befreit (nur eine Woche, aber der Auszeitfaktor ist x-fach andauernder), es regt die Sinne an (oben am Gipfel steht die Welt still), es motiviert (scheiß drauf, das schaffst Du jetzt auch noch), es erfüllt (Höhenmeter machen glücklich), es füllt aus (der Tag ist sooo lang und eigentlich sind wir „nur“ am radeln), es hält fit (Canapee Ostwand ist flach dagegen), es reduziert aufs wesentliche (Natur pur), kurzum: Alpencrossen ist schön, macht Spaß, erweitert im Wortsinne den Horizont und last but not least lernt man noch etwas dabei (Reifen flicken, Geografie, Kartenlesen, soziale Kompetenz, u.v.m.).

Sprich: Alpencross schärft die Sinne, die Wahrnehmung und das Körpergefühl.

Den Moment zu überwinden, in dem man innerlich flucht und diese gottverdammten Wurzeln oder Rampen verwünscht, das verschafft nicht nur Adrenalin, sondern letztlich unglaublich viel Endorphin – und das soll ja bekanntlich glücklich machen.

Wenn der ambitionierte Crosser dann auch noch das Glück hat, eine gute Ausrüstung sein eigen zu nennen, das heißt wenn für „Mental“ als auch für „Material“ gilt: „alles in best condition“, dann gibt es kein halten mehr.

Der Dank an dieser Stelle gilt der mentalen Stärke von Werner, der wie eine Wand durch selbige auch steigen würde ohne zu meckern. Aber auch dem perfekten Material: das sind unsere Sorglos Bikes und die perfekte Ausstattung auf der einen Seite, aber auch die Hardware drum herum: Rucksack top, Equipment super, Versorgung unterwegs aus der Satteltasche 1a, und letztlich unsere Bekleidung über jeden Zweifel erhaben!

Will sagen: wir haben uns wohlgefühlt. Sieht man von jeweils 3 Plattfüßen ab, addiert die Sturzfreiheit hinzu, teilt das ganze durchs erlebte Glück und dividiert die tausend Eindrücke mit der gewonnen Lebensfreude bleibt mir nur zu sagen: Danke, dass ich das erleben durfte.

Auf den wiedergefunden Chip (mit Fotos selbstredend) ist eine hohe Belohnung ausgesetzt, sachdienliche Hinweise an den Autor.

In diesem Sinne, ride on, nach dem Cross ist vor dem Cross


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