Sind wir nicht alle ein wenig Bluna? Der eine sammelt Briefmarken, der andere angelt tatsächlich stundenlang, es gibt Menschen, die puzzeln für ihr Leben gern täglich und ich hab in der Straßenbahn auch schon welche häkeln sehen. Was man halt so macht. Es gibt aber auch die Fraktion der „Bikepacker“, … eine Spezies der besonderen Art. Und wenn es schon eine Luftgitarren-WM gibt oder gar den offiziellen Wettbewerb des Extrembügelns (kein Witz) dann verwundert es auch nicht, wenn in England die Cheese Rolling WM ausgetragen wird (die Teilnehmer rennen einem Käselaib den steilen Berg hinab hinterher). So ward es doch wirklich höchste Zeit unserer Leidenschaft, dem Bikepacking, auch ein ordentlich nerdiges Festival zu widmen, oder nicht?
Janosch Wintermantel ist der Macher hinter dem European Bikepacking Festival, welches nun zum zweiten Male in Neuchatel (Neuenburg/CH) am Neuenburger See stattfand. Großes Kino. Doch der Reihe nach.
Vor den Lohn hat der Herr ja die Anreise gesetzt. Dafür war gesorgt. Nicht weniger als 4 offizielle Routen waren ausgeschrieben bzw. angeboten. Die German Route (208km, 3100hm) über Freiburg, die italienische Route (500km, 7000hm), die sehr schön übers „Off“ führte“, die French Route (560km, 5700hm) und natürlich die Eidgenossen Variante, Schweizer Route (280km, 3000hm).
Meine Wahl fiel auf Freiburg, irgendwie gut passend zu meinem jüngsten France-Abenteuer, während die Kollegen von Speckgear sich offroad über die italienischen Wege nach vorne arbeiteten.
Die 208km Hinweg ließen sich fein auf zwei Tage aufteilen, sodass mein persönlicher Festival Start nahezu pünktlich auf den Freitag Nachmittag fiel. Von wegen „pünktlich“. Das Gelände war bereits „gekapert“ und überall, soweit das Auge reichte, waren all die verrückten Bikepacker in allen denkbaren Varianten. MSR, BigAgnes, Durston, und und und … neben Gravel und Tourenbikes in allen erdenklichen individuellen Ausbaustufen. Herrlich. In der Nacht zuvor hatte ich noch ein herrlich einsames Camp in Delemont auf einem sehr empfehlenswerten Campinplatz. So geht Bikepacken in der lonesome Version. Love it.
Wie so oft manifestiert sich auch bei dieser Reise: man muss es nur TUN. Mein Credo seit jeher, diesmal sogar in Stein gemeißelt und gefunden auf meinem Rückweg von Neuchatel via Biel Altstadt … dort im Wortsinn verewigt und eine Notiz wert. TUN musst du es, dann wird ein kleines Abenteuer draus. Hätte, könnte sollte, all das is nüscht, wenn Du nicht aufsattelst und losziehst. Egal ob 1,2,3 Tage, Wochen oder Monate. Doch ich schweife ab. Pedaleo war also dann doch schnell über Basel erreicht, nachdem ich bei mächtig guten Temperaturen und ordentlich Anstiegen meinen Weg mir bahnte. Auf dem Festival Gelände selbst waren alle Schweißtropfen vergessen. Klasse. 1000 Bikerinnen und Biker aus ganz Europa, einige sogar von weiter her. Die 46% Frauenanteil zeigen an, dass dies mitnichten eine Männer dominierte Sportart ist. Auf dem Gelände war eine friedlich fröhlich entspannte Atmosphäre von Anfang an. Ein paar Hersteller boten ihre Exponate an, Schwalbe war beratend auch mit einem Kompressor vor Ort. Speckgear kredenzte feinstes Bikepacking Equipment und auch Ortlieb, Pinion und andere waren vertreten – ich hoffe, das Angebot nimmt in der 3. Ausgabe nochmal zu. Wie so oft, wenn man unter seinesgleichen ist, kommt es zu dem Talk, der weit über „woher kommst Du, wohin gehst Du“ hinaus geht. Alle Teilnehmer, sei es Besucher als auch die Aussteller und vor allem die zahlreichen (internationale) Referenten eint ein unendlicher Erfahrungsschatz. Leoni Kolberg erzählte eindrucksvoll von ihrem Bachelor of Arts in Bikepacking, den sie sich auf ihrer vierjährigen Radreise wahrlich verdient hat. Die „Jungs“ Pascal & Patrick erzählten von ihren Radreisen „seinerzeit“ ganz ohne GPS und Handy …. und Sofiane wusste eindrucksvoll von seinem Abenteuer zu berichten, dass ein ganz ganz anderes Ende nahm. Die OpenMic Sessions waren ebenso fully booked, wie die gemeinsamen Ausfahrten und Social Rides, die in diesen Tagen angeboten wurden. Eine wahrlich runde Sache. Es gab LiveMusic vom feinsten und ab 22h beschallte uns der DJ mit gutem House Sound. Partüüü Time.
Perfekt der Mix an dieser langen und irgendwie doch kurzen Woche (Do-Di). Die An- und Abreise im Solomodus wieder mit Bike & Zelt die frische Luft und Natur genießen und dazwischen ein Bad in der Menge mit Menschen, die meine Interessen teilen und guter Dinge sind. Ein buntes (aber unverbindliches) Programm, ein reichhaltiges Angebot an Themen und dazu Inspiration zu einer wunderschönen Sache, falls einem selbst Angeln, Häkeln oder Briefmarken zu langweilg sind: Fahrradfahren und Reisen. Die Pics sind selbsterklärend, isnt it?
Und die Moral von der Geschicht …. so begab es sich dann auf dem Rückweg meiner Reise von Neuchatel via Biel und Basel, das ich ein schönes Camp am Rhein fand, mich dort mit Giovanni von der Titan Gruppe treffen durfte und schließlich von Walter zu einem opulenten Mahl und einem Bier (und einem eiskalten Aperol Sprizz) eingeladen wurde. Danke Walter !!! Es gesellte sich der radreisende Hans dazu (der auch auf Pedaleo war) und wir hatten einen wunderbaren Abend, an dem nicht nur Radreise Geschichten getauscht wurden. Auch das ist Bikepacking in R(h)einkultur – man reist, man trifft Menschen, man lernt was über Land und Leute und hat einfach „nur“ eine gute Zeit. Herz, was willst Du mehr. Bikepacking machts möglich. Pedaleo – wir sehen uns 2027 – so Gott will. Ich freu mich drauf.








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