Markus Weinberg ist nicht nur Biker, der gebürtige Dresdner (*1983) studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie. Aufgewachsen in einer Künstler- und Bergsteigerfamilie, reiste er früh um die Welt auf der Suche nach Natur, Begegnungen und Abenteuern. Nach Jahren als Rennradprofi wurde er Journalist und Filmemacher. Er arbeitet crossmedial zu Outdoor, Sport, Kultur und Politik, u. a. für den MDR und verschiedene Zeitschriften.

Filme:

2018 Heading East 3 Abenteuer TransOst /  Die Mission der Lifeline

2022 Kirgisistan – Über den Wolken / Jonas Deichmann – Das Limit bin nur ich

2023 Crossing America

2024 Tour Divide – Pilgerreise oder Extremabenteuer, Serie

2025 Wie klingt Heimat;

Buch

2023: Great Divide.

Das ist schon eine ordentlich Vita und insofern scheint es wenig zu überraschen, dass er nun mit einem neuen Abenteuer und somit einem neuen Buch am Start ist. Das wollte ich mir einmal genauer ansehen und habs natürlich gelesen.

Fahrrad Freiheit Eurapa schien mir zudem passend zu meiner jüngst beendeten D/A/L/CH/I/F Reise (Project GoWest), die mich immerhin 4400km durch Mitteleuropa führte und auch sehr emotional berührt hat.

Doch es geht um Markus und sein Projekt.

7000 (siebentausend) Kilometer, 14 Länder und eine Vision. Das ist sein Ding, sein Projekt und darüber berichtet er eindrucksvoll in Fahrrad Freiheit Europa und versucht sich dabei in dem Spagat Politik, Geschichte und Radreise in einer Story zu verweben. Das gelingt einerseits, andererseits war es mir persönlich (subjektiv !) an manchen Stellen zu zwanghaft kombiniert und an manchen Stellen auch zu pathetisch (wenngleich genau das von Markus nicht gewollt ist – wie er mehrfach bekundet). Ja Europa ist etwas gutes. Ja, die offenen Grenzen und die damit verbundende Freiheit sind phantastisch und – ja tatsächlich – alles andere als selbstverständlich und insofern nicht nur erwähnens- sondern vor allem auch erhaltenswert. Insofern, lieber Markus, da hast Du einen Punkt. Unbestritten. Mich als Biker (und Leser bzw. „Schreiber“) interessiert aber vielmehr die RadreiseStory der Reiz des Unterwegssein, die Freiheit im Sattel – und auch das vermittelt Markus Weinberg sehr anschaulich. Respekt vor seiner Tagesleistung – immerhin hat er nur 49 Tage bis zur Letzten Bratwurst vor Amerika in Portugal benötigt (in 49 Tagen bin ich seinerzeit um die Ostsee geradelt mit gerade einmal der Hälfte der Fahrstrecke).   

Das Buch lebt von der Erzählung seiner Reise, hier geht er nicht nur auf die Streckenführung ein, sondern trifft (wie es auf Radreisen unvermeidbar ist ;.) auf viele, viele Menschen, die er zum Thema Europa befragt. Kleine Interviews mit dem Schwerpunkt Europa lockern die Kapitel auf, aber genau an dieser Stelle ist mein kleiner bescheidener (just my 2cents) „Einspruch“: ich bin unterwegs immer wieder Menschen begegnet und hatte zu 99,9% nur tolle, positive Begegnungen – aber bei keiner dieser Begegnung war auch nur einmal das Thema Europa ein Thema, was daran liegen mag, dass ich es nie zum Thema gemacht habe. 

Aber unabhängig von dieser (für mich persönlich in diesem Buch) etwas überbewerteten politischen Facette „Europa“ macht es Lust auf „geh raus“ auf „komm, pack Deine Sachen und plane eine Tour“ – gerne auch in oder durch Europa.

 

 

Fazit: Fahrrad Freiheit Europa ist ein tolles Radreise Buch, es hat auch den Anspruch politisch zu sein und – ja – Markus Weinberg gelingt dieser Spagat. Es ist richtig und wichtig zu bewusst zu machen, welchen kleinen Teil auf dieser Welt wir derart freiheitlich nutzen können und uneingeschränkt unserer Wege ziehen können. Und dennoch könnte man, wenn man dies in einem Radreisebuch machen möchte, auch der Kehrseite der europäischen Medaille ein paar Seiten (mehr) Raum widmen. Unsere zum Teil wahnwitzige Bürokratie, die unverändert herrschenden Kulturunterschiede und die „jeder ist sich selbst der nächste“ Mentalität finden in sich nur in wenigen Zeilen wieder. An dieser Stelle sei eben die Frage erlaubt: will ich radreisen, erleben, sportlich und aktiv Neues erfahren oder will ich politisch ein Statement abgegeben. Schwierig, wie ich finde. Aber mutig von Markus sich auch dieser Challenge zu stellen. Insofern: klasse, lesenswert und Lustmachend und im Wortsinne tatsächlich „grenzenlos“ …. fein.

 

PS: die Fotos im Text sind Fotos aus meinen Reisen und dienen der Auflockerung vom Text. 🙂

 

 

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