My Dome is my Castle

Hä? Tippfehler? Meint er jetzt „Home“ oder „Dome“? Nix Tippfehler, ihr habt richtig gelesen: “my dome is my castle”. Wenn ich Dome schreibe, meine ich mein Hyperlite Mountain Gear oder genauer mein Ultamid2, aber beides klingt so sperrig, außerdem reimt sich „home“ so schön auf „dome“. Ich hab schon so einiges ausprobiert, ein VauDe, mehrere Hillebergs, zwei Helsports, ein TarpTent … aber heimlich verliebt war ich schon lange in mein Ultamid2 – doch das lag da noch in weiter Ferne, räumlich und preislich sowieso. Dann kam mein Freund Georg, einmal mehr ins Spiel. Der schlug damals einfach zu. Black Friday und zack war es bestellt. Und da hatte ich dann das Elend auch noch vor der Tür – musste praktisch bei nahezu jedem Overnighter neidvoll zusehen, wie er es sich in seinem „Dome“ gemütlich machte, während ich in meine diversen Zelte krabbelte. Das eine war zu groß, das andere zu klein. Eins zu schwer, eins zu sperrig, eins zu filigran gebaut. Schluss damit. Es gilt wie so oft der Dreisatz im Leben: change it, leave it or love it.

Also beschloss ich meine Zeltsituation zu ändern. Durch einen Bestellvorgang. Bitte ein Stück Ultamid2 inklusive Innertent, aber rasch. Na gut, dass mit dem „rasch“ klappte jetzt, die Liefermärkt spielen geradezu verrückt, nicht ganz so doll, aber dann lag es Anfang August doch überraschend auf meinem Tisch. Voilá.

Und? Wie macht es sich in der Praxis, wie waren die ersten Ausflüge damit, was macht die Haptik, die Optik, die Funktion, welche Vorteile, welche Nachteile. Lest selbst.

Vorweg: super, aber das ist mir zu ungenau. Der Reihe nach.

Das Material

Das verwendete „Cuben“ Material, hört auf den Namen DCF (Dyneema Cuben Fiber) oder neuerdings schlicht auf Dyneema®. Allererste Sahne. Sehr reißfest, wasserdicht und – pardon – sauleicht. Dyneema® Composite Fabric ist ein ursprünglich für den Segelsport konzipiertes Laminat. Zur Herstellung wird eine für Segellaminate typische Verfahrensweise angewendet: Zwischen 2 Träger werden reißfeste Fasern laminiert. Das besondere bei DCF steckt dabei in den verwendeten Dyneema®-Fasern. Dyneema® kombiniert optimal hohe Reißfestigkeit und geringes Gewicht und gilt nicht umsonst als „The world’s strongest fiber“! Durch die Fasern ist das Ergebnis unglaublich reißfest, dehnungsarm (auch bei Nässe), knickstabil, UV-stabil und chemikalienrestistent. Der Einsatzbereich wird durch die verarbeitete Menge an Dyneema®-Fasern sowie unterschiedliche Trägermaterialien bestimmt. Typischerweise wird beidseitig ein transparenter Film verwendet, der sich leicht verkleben lässt und für eine hohe Wasserdichtigkeit sorgt. Zusätzlich gibt es sogenannte HYBRIDs, die durch die Verwendung zusätzlicher Gewebe, Membranen oder Filme für verschiedenste Anwendungen wie Rucksäcke oder wasserdichte, atmungsaktive Bekleidung optimiert werden können – soweit die sehr ausführliche Info von Extremtextil zum Thema.

Kurzum: Leicht und reißfest auf der einen Seite, aber DCF ist anfällig für Abrieb, eine sorgfältige Behandlung ist daher empfohlen.

Daten

Das Ultamid2 wiegt schlappe – selbst gemessene – 5xx Gramm, also 0,5xx Kilo, also quasi nichts. Mit 162,5cm Höhe bietet es in der Mitte fast Stehhöhe. Die Außenmaße von 210cm x 271cm ergeben immerhin eine Fläche von sage und schreibe 5,2m². Freunde, was wollt ihr noch?

Ein – baugleiches – Ultamid4 präsentiert sich mit 281 x 281cm (=7,9m²) und einer Höhe von 191cm (!) geradezu als Palast. Wer dann noch ein wenig die Abspannleinen an der Seite nutzt, bläst damit die „Raumbacken“ noch ein klein wenig auf und schafft einen prima Innenraum.

Im Lieferumfang enthalten sind die Abspannleinen, an jeder Ecke eine, sowie mittig – darüber hinaus zwei weitere Sturmleinen, die je nach Bedarf angebracht werden können. Kumpel Georg berichtet gerade von Sturmböen um die 60km/h auf Rügen – sein Ultamid2 steht wie eine Eins.

Die verstellbare Original Carbon Stange von Hyperlite ist schön leicht und natürlich exakt passend für das Ultamid – mir persönlich gefällt die Handhabung mit dem Loch-Raster nicht so gut. Da wäre es besser eine RutaLocura in stufenlos verstellbarer Version zu haben (ähnlich den Wanderstöcken). Natürlich tun es auch zwei Wanderstöcke um das Ultamid2 in den Himmel zu strecken.

Heringe, eine etwas seltsame Verkaufsstrategie, müssen separat geordert werden – was in meinem Fall dann eben ausfiel, weil ich auf meine wunderbaren MSR Titannägel zurückgreife.

Anwendung

Aufgestellt ist es schnell. Zeltplane ausbreiten, die vier Ecken im möglichst rechten Winkel ausrichten, den wasserdichten Zipper öffnen, Tarpstange (oder Wanderstöcke) in die Deckenspitze einführen, ausfahren, nachspannen, fertig. Achtung: das Ultamid2 ist (zunächst) nur ein Einwandzelt ohne Boden. Ich habe mir bisher mit einer Helsport Zeltunterlage geholfen, werde aber demnächst bei Extremtextil entweder einen DCF Floor oder ein (wesentlich günstigeres) RipStop Nylon Footprint ordern.

Durch die leicht variable Höhe und die Abspannleinen, hat man es in der Hand, die Luftzufuhr zu regeln. Warme, laue Sommernächte vertragen ruhig Durchzug und der Abstand zum Boden darf ruhig 5-10cm hoch sein, ist es kühler und windig, kann man auch sehr bodennah herunter spannen. Die Abspanner funktionieren einwandfrei.

Konstruktionsbedingt ist das Einwandzelt in feuchter (und warmer) Umgebung natürlich auch der Gefahr von Kondenswasser ausgesetzt. In meinen bisherigen Nächten war das bislang noch nicht von Nachteil und hielt sich in Grenzen (Lüftung macht einiges wett). Gegebenenfalls werde ich aber mit fortlaufender Erfahrung hier einmal nachtragen, wie sich das über die Jahreszeiten entwickelt. Apropos: das Ultamid ist ein echtes, robustes 4Season Zelt.

Meine allererste Nacht – ich musste es einfach ausprobieren – war, Murphy machts möglich, eine Prasseldauerregennacht. Shit happens. Der Regenradar verriet mir: aufbauen klappt noch trocken, dann sieh zu, dass Du mit Deinem Bier in die Hütte kommst. Und so war es dann auch. Eine ganze lange Nacht lang Dauerregen. Nicht leichter Niesel, sondern ein kleines Orchester. Hätte ich den Fehler nicht gemacht den 2Wege Zipper an der obersten Stelle schlampig verschlossen zu haben (0,5cm nicht in die „Zippergarage“ eingeparkt), dann hätte ich in der Früh auch keine kleine Pfütze gehabt an der untersten Stelle im Eingangsbereich gehabt. Man lernt nie aus. Die zweite Nacht (Annas erster Overnighter) hingegen hielt dann auch nach kurzem starken Platzregen knochentrocken. Auch hier folgt ein Update über die kommende Zeit der Nutzung hinaus.

steht wie ne eins!

Vor/Nachteile Außenzelt Ultamid2

+ sehr leicht

+ sehr geräumig

+ kleines Packmaß

+ reißfest

+ wasserdicht

+ windstabil

+ schnell aufgebaut

+ hell (zum Lesen etc)

+ mit Innenzelt (Double oder Half) nachrüstbar

  • Sehr teuer
  • Minimalistisch (keine Innentaschen etc)
  • ggf. zugig
  • nicht besonders abriebfest
  • hell (zum Schlafen etc.)
  • Lieferumfang überschaubar (keine Heringe, Innenstange extra)
Open Door – ob 1 Flügel oder beide. Der Ausblick zählt
Zentrum – die Firststange steht stabil im Dachbereich.

By the way: ein sehr toller und vor ausführlicher Anwendertest findet sich auf der (sehr empfehlenswerten) Seite Bikepacking.com -> hier.

Teil2 des Tests folgt – ich habe auch das Innertent von HMG geordert. Ausführlicher Test und mehr Detailfotos dann im zweiten Teil.

auf die Spitze getrieben !
Reißfest

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