Rucksacktest für Trail & Tour

Mal Hand aufs Kreuz – wer kennt es nicht, dieses Gefühl, wenn die Ladung zu Last wird, wenn sich nach etlichen Gehkilometern oder stundenlangen Bikepassagen der  Rücken meldet und „kreuzlahm“ wird. Die Schultern werden müde, der Rumpf wehrt sich, man fragt sich, warum man soviel mitnehmen musste. Das war einst – zu Zeiten als Rucksäcke zwei Schultergurte und bestenfalls eine schmalen Beckengurt aufzuweisen hatten. Heute haben wir ausgeklügelte Rückensystem, „Gurtstraffer“ im Wortsinn und Hüftflossen, die den Lendenbereich aktiv stützen. Das ganze ist eine Wissenschaft für sich und es gibt Profis, die sich mit der Materie auskennen.

Wir haben uns einmal die Mühe gemacht, die aktuellen Trendsetter auf Herz & Nieren zu testen, ranzunehmen, vollzupacken und auszuprobieren. Deuter, Osprey, Ortlieb und Ortovox sind Platzhirschen, jeder in seinem speziellen Segment, jeder mit seiner speziellen Zielgruppe.

Die getesteten Modelle passen nicht zwingend in eine einzige Kategorie, der eine hat seinen Schwerpunkt auf im Bereich Rad/Bike, der andere fühlt sich auf der Wander- oder Ski- (Schneeschuh)tour wohler – eines ist allen gemein: perfekte Systeme, moderne Konzepte und nachhaltige Materialien sorgen für langlebigen Spaß „da draußen“ und die Wehwehchen aus der grauen Vorzeit gehören tatsächlich der Vergangenheit an. Die Rucksäcke im Detail. Die gesamte Übersicht gibt es am Ende des Beitrages.

Osprey Talon 11

Der kleinste im Bunde. Einerseits. Andererseits war der Talon11 ein gern genommener Begleiter auf Bike und Bergtouren. Klar, die 11 Liter limitieren die Beladung, aber der weite RV und das Volumen packen auch zu kalter Jahreszeit für einen Tag alles ein. Dieser vielseitige Rucksack wird von vorne beladen und verfügt zudem über ein Trinkblasenfach und eine atmungsaktive, körpernahe AirScape™ Rückenplatte. Die nahtlosen Hüft- und Schultergurte schmiegen sich an den Körper und passen sich so ideal allen Bewegungen an.  Der Talon verfügt auch über Befestigungsmöglichkeiten für einen Eispickel, Trekkingstöcke, einen Fahrradhelm und ein Blinklicht – das macht ihn so vielseitig. Die Farbgebung bringt darüber hinaus ein Plus an Sicherheit. Die Reisverschlüsse laufen geschmeidig und weich. Die Spanngummis an der Front nehmen auch noch nasse Wäsche oder ähnliches auf. Hergestellt aus hochwertigem, recyceltem und hochfestem Nylon mit bluesign®-Siegel und PFC-freier DWR-Imprägnierung. Zwei kleine Taschen an den Hüftflossen nehmen vom Schlüsselbund bis zum Taschenmesser alles auf.

Der Vorteil des Talon11 liegt in der schnörkellosen Optik, klaren Bedienbarkeit und einem prima Volumen bei gleichzeitig kompakter Form. Er sitzt perfekt und empfiehlt sich somit auch für schnelle Speedwanderungen ohne zu stören. Das AirScape™ Rückensystem sorgt für eine atmungsaktive, körpernahe Passform. Der flexible BioStretch Hüftgurt verläuft nahtlos vom Lendenbereich bis in die Hüftflossen und unterstützt besonders bewegungsintensive Aktivitäten.

Fazit: der Talon ist ein sehr leichter (900g) Rucksack, der auch in technisch anspruchsvollem Gelände höchste Stabilität bietet und für die Tagestour alles wegsteckt. Einsatzbereich: Bike, Wanderungen, Speedwalking.

Ausstattung

  • Reißverschlusszugang zum Hauptfach
  • Fach für kratzfreien Transport von Sonnenbrillen und elektronischen Geräten
  • Gummizugkompressionssystem auf der Vorderseite
  • Grab handle
  • Interner Schlüsselclip
  • LidLock™ Fahrradhelmbefestigung
  • Stretchfach am Tragegurt
  • Stretchfächer aus Mesh
  • Stow-on-the-Go™ Befestigung für Trekkingstöcke
  • Brustgurtschnalle mit Signalpfeife
  • Seitliche Kompressionsriemen
  • Reflektierende Grafiken
  • LED-Licht-Befestigung
  • Verstaubare Eisaxt-Schlaufe
  • Externes Trinkblasenfach
  • Kompatibel mit der Hydraulics™ Trinkblase
  • Gepolsterter Hüftgurt
  • Zwei Hüftgurtfächer mit Reißverschluss
  • Spritzgegossene AirScape™ Rückenplatte aus HDPE mit EVA-Schaumstoffpolsterung
  • Stretchfächer aus Mesh mit InsideOut™ Kompression

Osprey Sylva

Der Sylva ist schlank, leicht und schnell – wie meine Frau. Die gibt ihn nicht mehr her. Blöd für mich, gut für sie. Mit dem AirSpeed™ Rückensystem und dem LightWire™ Rahmen sorgt der Sylva 20 Multi-Sport Rucksack in Sachen Belüftung für trockene Rücken. Der Nackenbereich aus Mesh sorgt für eine maximale Luftzirkulation entlang des Rückens und in Kombination mit dem belüfteten BioStretch™ Schultergurt kann der Rucksack selbst an heißen Tagen problemlos auf Radtouren oder Wanderungen eingesetzt werden. Die Fachaufteilung ist toll, aber keineswegs unübersichtlich. Eine Trinkblase findet natürlich auch Platz. Die Lastenverteilung ist Top, auch auf unseren Ausflügen in der kalten Jahreszeit (viel Gepäck und Proviant) kam der Sylva im Grunde nie an seine Grenzen.

Der Sylva bietet ein schmales Profil und die LidLock™ Fahrradhelmbefestigung ist eine gute und  effiziente Osprey Lösung. Die geräumigen Fächer und internes Trinkblasenfach machen diesen Rucksack zu einem echten Multisport-Profi. Ein J-Reißverschluss an der Vorderseite ermöglicht den einfachen Zugriff auf das Wesentliche, und Fächer aus elastischem Mesh am bequemen Hüftgurt erleichtern die Aufbewahrung von Snacks und andern Mini-Gegenständen.

Der Sylva 20 hat das größte Volumen in der Serie. Seitenfächer aus Stretch Mesh bieten Platz für SoftFlasks oder Wasserflaschen und (innen gibt es ein Fach für kratzfreien Transport von Sonnenbrillen und elektronischen Geräten) in der kratzfreien Elektroniktasche findet Handy, Sonnenbrille und Co. sicheren Unterschlupf. Der Sylva ist mit unseren Hydraulics™ & Hydraulics™ LT Trinkblasen kompatibel und hat einen Magneten am Brustgurt.

ok, das Foto ist frisch – die Nutzung war sehr ausgiebig 🙂

Fazit: einer von der Sorte: den geb ich nimmer her war er auf zahlreichen Skitouren, Bergwanderungen und Bikeausflügen stet ein treuer Begleiter, der dadurch auffiel, dass er niemals auffiel sondern „nur“ da war, wenn man ihn brauchte. Perfekt hinsichtlich Paßform und Stauraum. Farblich bescheiden, funktional großartig.

Ausstattung

  • Fach für kratzfreien Transport von Sonnenbrillen und elektronischen Geräten
  • Internes Organisationsfach für fahrradspezifisches Werkzeug
  • Stretchfächer aus Mesh
  • Brustgurtschnalle mit Magnet
  • Seitliche Kompressionsriemen
  • Reflektierende Grafiken
  • LED-Licht-Befestigung
  • Leichter umlaufender Rahmen
  • BioStretch™ Hüft- und Schultergurt
  • Kompatibel mit der Hydraulics™ Trinkblase und Hydraulics™ LT Trinkblase
  • Stretch-Kompressionsfach vorne
  • AirSpeed™Netz-Rückensystem aus gespanntem Mesh
  • Vorderes Organisationsfach
  • Integrierte und abnehmbare Regenhülle
  • Internes Trinkblasenfach
  • LidLock™ Fahrradhelmbefestigung
  • Vorderes Stretchfach
  • Fach für kratzfreien Transport von Sonnenbrillen und elektronischen Geräten

Deuter Trail 22

Mein persönlicher Favorit – zumindest für die Wander- und Schneeschuhaktivitäten. Der cleane, leichte Rucksack ist sehr vielseitig. Das Aircontact Rückensystem bietet sehr guten Tragekomfort und durch innovative Details wie die Karabiner-Fixierung am Schulterträger wird der Trail zum Klettersteigrucksack mit Expertise. Herausragendes Argument für mich der Frontdeckel mit zentralem Reißverschluss. Da kommst Du auch sofort an den Gipfel-Flachmann, der ganz nach unten gerutscht ist, die Sitzmatte oder andere Gegenstände, egal in welcher Reihenfolge Du beladen hast.

Die Organisation ist mit Innenfächern gut unterteilt, aber auch nicht überbordend. Außen- oder konkreter obenliegend gibt es eine Deckeltasche. Seitlich bietet ein RV Fach Platz für Kleinkram oder – wie ich es gerne nutze – für Mütze, Stirnband, Handschuhe. Auf der andere Seite ist ein Netzfach für Flaschen oder ähnliches. Die zweifache PU Beschichtung schützt zudem mit 1500mm Wassersäule zuverlässig gegen Regenschauer.

Fazit: Der Trail 22 aus robusten 210D Polyamid Gewebe ist ein Top Begleiter für Tagestouren, der Bedienkomfort bestens und die Ausstattung toll.

  • Delrin®U-Rahmen
  • Active Comfort Fit
  • Pull-Forward Hüftflossen
  • Lageverstellriemen
  • Vorrichtung für Trinksystem (3.0 Liter)
  • verstellbarer Brustgurt
  • Pickelhalterung
  • Wanderstockhalterung
  • Kompressionsriemen
  • SOS-Label
  • Wertsacheninnenfach
  • Stretch-Innenfach
  • Regenhülle
  • Schlaufen für Helmhalterung
  • verstaubarer Hüftgurt
  • Deckeltasche
  • Frontaler RV-Zugang
  • Kontaktrücken

Deuter Rise Lite 28 / Rise Lite 26SL (women)

Der Größte hier im Bunde und somit eigentlich fast außer Konkurrenz in einem Bike-Blog. Dennoch der Vollständigkeit halber sei er erwähnt, wenngleich er – ähnlich wie der folgende Ortovox – seinen Schwerpunkt niemals in der Bikeszene haben wird.

Er ist der klassische Skitouren/(Schneeschuh) Rucksack, wenn es mal länger dauern oder höher hinaus gehen darf. Deckelfach, zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten für Bord/Ski und/oder Pickel/Schaufel etc., Frontfach, Seitenfach etc. Es ist an alles gedacht was auf die Bergtour mitmuss. Konstruktionsbedingt ist das Hauptfach in Falle des RiseLite nur von oben erreichbar und macht es erforderlich ein wenig zu wühlen, wenn man die untersten Teile erreichen mag. Einerseits bietet er ausreichend Fächer, andererseits ist er durchaus auch minimalistisch gehalten, was sich im geringen Gewicht niederschlägt (1180g).

Fazit: der RiseLite ist – wie der Name schon sagt – ein Leichtgewicht (gemessen am Volumen). Er überzeugt in Deutertypischer Qualität und bietet was das Skitourherz begehrt. Er bietet ein großes Volumen und zahlreiche Ausstattungsmerkmale, die insbesondere den Wintersportler ansprechen. / identisch der Rise26SL nur mit etwas kürzerem Rücken.

  • Lite System
  • Leichtgewicht
  • Delrin®U-Rahmen
  • Gepolsterter Hüftgurt
  • verstellbarer Brustgurt
  • Wertsacheninnenfach
  • Stretch-Innenfach
  • SOS-Label
  • Skihalterung
  • Snowboard-/ Schneeschuhhalterung
  • Schaufelfach
  • Vorrichtung für Trinksystem (3.0 Liter)
  • Wanderstockhalterung
  • Pickelhalterung
  • Schlaufen für Helmhalterung
  • Deckeltasche
  • Lageverstellriemen
  • Kompressionsriemen
  • Kontaktrücken

Ortovox Traverse 20

Der Wintersportler. Der Traverse 20 (mittlerweile leicht überarbeitet) hat seine Zielgruppe – da gibt es nix zu rütteln. Biker sind nicht die erste Adresse der Ortovox Klientel – das macht aber nix. Biker sind ja schließlich auch Bergler – ergo kommt der Traverse20 gerne mit on Tour. Im Winter allemal. Die Fächer sind großzügig, ein großes Hauptfach ein Frontfach und noch ein (im alten Modell) mit Lasche verschließbares Helm- oder Staufach. Hinzu kommt ein kleines Schlüsseltäschchen und zwei Seitentaschen. Klassisches – aber immer wieder perfekt funktionierendes – Konzept. Der Rucksack ist angenehm, um nicht zu sagen „extrem“ leicht (760g), das Material hapitsch sehr wertig. Eine weitere Tasche ist an der Hüftflosse zu finden und alles in allem wird jeder Winter- und Bergsportler mit dem Ortovox happy (gibt ihn auch eine Nummer größer als Traverse28).

Der Rücken darf ein wenig transpirieren. Die fünf perforierten Schaumpads halten den Backpack etwas auf Abstand. Mit aus 72% recyceltem Polyamid Außenmaterial hinterlässt der Ortovox auch ökologisch nur wenig Spuren.

Fazit: Der Traverse ist ein toller Rucksack – der sicherlich kein Bike-Kultobjekt wird, da diese Szene sich anderweitig versorgt. Aber er ist ein Winterspezialist und Bergsportler der in Sachen Funktion und Qualität über jeden Zweifel erhaben ist. Sein Konzept ist nicht außergewöhnlich, aber etabliert. Daher kann er auch Gimmiks verzichten und punktet einfach durch die sehr hohe Qualität und mit einem tollen Markenimage.

  • Tasche mit integriertem Helmnetz
  • Materialschlaufen am Schulterträger
  • Panelloader
  • Brustgurt mit Signalpfeife
  • 6 Fächer
  • Stockbefestigung
  • Helmnetz
  • Hüfttasche
  • Trinkflaschenhalterung
  • Trinksystemvorbereitung
  • seitliche Skibefestigung
  • Emergency Card
  • Schlüsselhalter
  • Materialschlaufen

Ortlieb Packman Pro2

Ein Ortlieb, wie er im Buche steht. Was ist er: wasserdicht ist er. Robust ebenso, aber auch minimalistisch. Ortlieb like. Mit von der Partie, wenn es nach draußen zum Biken oder Hiken geht. Der strapazierfähige Daypack Packman Pro Two sorgt mit seinem atmungsaktiven, komfortabel gepolsterten Rückentragesystem und Hüftgurt für ein angenehmes Tragegefühl und einen anatomisch korrekten Sitz. Es gibt einen Helmflap, die sich platzsparend verstauen lässt, der Rucksack mit Rollverschluss verfügt auch über Kompressionsgurte zur Anpassung des Volumens. Innen befindet sich eine Tasche zur Aufnahme eines Trinksystems, bzw. mit kleinen Täschchen für Kleinkram – ansonsten ist der Rucksack „blank“ – keine Schnörkel, keine großen Gimmiks, von der kleinen Aussen- und den kleinen Seitentaschen (nicht wasserfest) einmal abgesehen. Für gute Sichtbarkeit im Dunkeln und auch bei schlechten Sichtverhältnissen, befinden sich Reflektoren auf beiden Seiten des Packman

Der Packman ist ein Ortlieb Rucksack und unterscheidet sich daher rein konzeptionell von seinen Marktgleitern. Ortlieber User schätzen die Robustheit und vor allem die 100%ige Wasserdichtheit. Da braucht man keine Hülle und keinen Schirm. Der ist dicht und damit basta. Im Inneren ist er dann eben auch sachlich nüchtern „eingerichtet“, nämlich gar nicht. Der verfügbare (üppige) Raum kann gefüllt werden, wer sich organisieren mag, verwendet Beutel und/oder Taschen – wer aber Front, und/oder Ober- oder Unterfächer sucht, der sucht vergeblich. Das sorgt dann – trotz nahezu unkaputtbaren und wasserdichten Gewebes – für niedrige 1020g Gesamtgewicht.

Fazit: wasserfest ! Das ist es, was Ortlieb Käufer suchen. Der „Komfort“ im Sinne von „möglichst viele Fächer“ ist nicht die Domäne eines Ortlieb Rucksacks und von dieser Zielgruppe auch nicht gesucht. In der Praxis taugt der Packman dennoch gut, die herausragenden Eigenschaften sind aber mit der Kaufentscheidung auch definiert. Egal ob Bike oder Hike oder Wintersport: die Einsatzbereiche sind so vielseitig wie der Packman selbst.

  • Elastische, aufgesetzte Fronttasche mit Reißverschluss (nicht wasserdicht!)
  • Wertsachenfach, innen, mit Reißverschluss
  • Wasserdichter Durchlass für Trinkschlauch
  • Tragegriff
  • Helmhalterung
  • Befestigungslasche für Blinklicht

Fazit: last but not least: ZDF

bitte bedenkt: die Punktevergabe ist niemals ein 100%iger Maßstab für Objektivität. Sie ist das Ergebnis meiner persönlichen Präferenzen im Rahmen meiner Einsatzgebiete. Dieser „Vergleichstest“ hinkt ohnehin ein wenig, da die getesteten Rucksäcke zu unterschiedlich (Größe, Anwendung, Ausstattung, Einsatz) und daher nur schwer „vergleichbar“ sind. Ein puristischer Ortlieb überzeugt den minimalistischen Alpencrosser – der üppige Deuter RiseLite28 den Mehrtageswanderer. Jeder würde „seinem jeweiligen“ Modell 100 Punkte geben – ihr seht: auch ein Test kann „hinken“, aber er kann Euch ein kleinen Ausschnitt aus dem Spektrum der Möglichkeiten aufzeigen. Dies zu erreichen war der Anspruch.

*** fin ****


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.