Gemeinschaft ist ein schönes Wort. In Zeiten wie diesen sollte man es etwas mehr hervorholen, es wertschätzen, sich dessen bewusst sein, was Gemeinschaft mit sich bringt. Wiki lehrt uns folgendes

Gemeinschaft (von „gemein, Gemeinsamkeit“) bezeichnet in der Soziologie und der Ethnologie (Völkerkunde) eine überschaubare soziale Gruppe (beispielsweise eine Familie, Gemeinde, Wildbeuter-Horde, einen Clan oder Freundeskreis), deren Mitglieder durch ein starkes „Wir-Gefühl“ (Gruppenkohäsion) eng miteinander verbunden sind.

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Die Gemeinschaft erlebt gerade eine Zerreißprobe. Die Corona Spaltaxt treibt ihren Keil nicht nur zwischen Kollegen, Freunde, Familien, Partner sondern spaltet über alle Gesellschaftsschichten hinweg Menschen jeder Couleur. Ob jung oder alt, männlich, weiblich, genderig oder wen auch immer – sobald sich differente Meinungsbilder auftun, gerät die Gemeinschaft schnell im Wortsinn aus- manchmal sogar heftig aneinander.

Ich mag hier keine probate Antwort auf spaltenden Fragen liefern (da befeuern die Medien und Kanäle uns schon genug), eines aber möchte ich herausarbeiten, wenn uns schon die Kunst und Kultur in diesen Tagen NICHT, GAR NICHT vergönnt, mitunter sogar verboten ist (meine Website www.udomittendrin.de liegt im Grund seit März 20 hinsichtlich aktueller Kulturberichterstattung brach): Gemeinschaft und Sport ist eine Wortkombination, die gerade wir Biker in jeder Form erleben, ja, frönen sollten. Das hier ist kein Aufruf, 20 Haushalte auf engstem Raum zusammen zu pferchen oder die Spinning Räder enger zusammenzustellen, aber ein Rückblick auf unzählige Gemeinschafts-Abenteuer mit Freunden, Kollegen, und lieben Menschen – denn eines gilt auch in dieser Zeit: Sport verbindet, Sport macht Spaß, Sport ist der Klebstoff für so viele zwischenmenschlichen Verbindungen. Lassen wir uns das nicht und niemals nehmen.

Tradition – die BR Radltour

Seit Ende der 9ziger Jahre ist die sogenannte BR Radltour fester Bestandteil der Jahresplanung. Was als spontane Idee einmalig ausgerufen wurde, hat sich im Laufe der Zeit zu einer Rundmail-Einladung an 700 Mitarbeiter entwickelt. Der Tenor ist ebenso kurz wir klar: jeder darf mit, wir erleben eine schöne gemeinsame Zeit. Keine Hektik, keine Rekorde, nur Kurzweil und Gemeinschaft.

Mitterlweile 23 solcher Ausflüge gab es und im Jahr 2022 wird die Jubiläumstour Nr.25 eine besondere sein. Eine Sternchenliste führt ein inoffizielles Teilnehmerranking, vielleicht gibt es ja einen Müsliriegel als Belohnung.

Unersetzlich sind die Gespräche, Kontakte über alle Abteilungs- und Hierachiebenen hinweg. Freundschaften sind hieraus entstanden, Allianzen wurden geschmiedet und vielleicht hat sich auf diesen Ausflügen auch schon das eine oder andere Arbeitsproblem von selbst erledigt. Wenn nicht im Rahmen einer solchen Gemeinschaft, wann oder wie dann?

Natürlich, sammer doch mal ehrlich, war auch diese alljährlich wiederkehrende Gemeinschaft nicht immer vernünftig. Wir haben nicht nur einmal „den rechten Weg“ verlassen und uns dann durchs Unterholz gekämpft, zerkratze Arme inklusive – der Verursacher musste zwei Flaschen Wein als Auslöse zahlen. Lustig wars. Und klar, auch sind wir alle mit einander schon nach dem letzten Glasserl leicht angeschickert ins Tal geschossen und eigentlich kann es nur an Gottes Beistand gelegen haben, dass nicht mehr als wie nix passiert ist. A bisserl Glück musst halt haben – aber auch das stärkt die Gemeinschaft, schweißt zusammen, kittet. „Weißt Du noch, als der olle Kremer aus dem Controlling fast über den Stacheldraht geschliddert wäre …. “ … was haben wir gelacht.

Schwitzen & Schwatzen – legendär und unerreicht

Nicht minder spektakulär, oder sagen wir es bescheidener, gemeinschaftsfördernd war das Schwitzen&Schwatzen Event am Tegernsee. Nicht weniger als sechs Mal fand es statt, weit über die bayrischen Grenzen hinaus reisten Teilnehmer an. Aus dem Frankenland, aus Berlin, Hannover, Kölle und was weiß ich. Einer gar zog unsere Gemeinschaft dem Familienurlaub vor und reiste per Bike frisch von der Südtiroler Pension nach Rottach, um tags drauf gleich wieder mit uns allen dem Bike die Treue zu schwören. Das geht nur in der Gemeinschaft.

Diese Wochenenden am Wallberg Campingplatz waren geprägt von Harmonie und Unbeschwertheit. Eine kleine Wagenburg aus Camper und Zelten, abends ein Feuerchen, zwischendurch Badminton, Volleyball oder einfach nur dem Chill-Modus nachgeben. Macht in einer Gemeinschaft Spaß und brennt Erinnerungen ins Kasterl.

Eigentlich sollte ich mal wieder ganz laut „Gemeinschaft – schwitzen & schwatzen in Rottach“ rufen. Hermann, was meinst Du?

last but not least – Gemeinsamer Alpencross – das Sahnehäubchen

Wer ein Plädoyer aufs Thema Gemeinschaft im Kontext Biken hält, kommt am Alpencross nicht vorbei. Waren oder sind die eingangs erwähnten kleinen Events ein stückweit Pflichtprogramm für jeden der gerne organisiert, so ist der AlpX wahrhaft die Kür.

Egal ob mit 3, 4, oder mehr Freunden, egal ob im kleinen Team oder der großen Firmenmannschaft mit einem Dutzend: kaum intensiver geht das Gruppenerlebnis in einer Woche Alpencross. Wenn der Arsch am Abend wehtut, die Beine am Berg brennen, die Strecke sich elendig und nahezu endlos durch die Stunden quält, dann ist da einer (oder die Gemeinschaft), der Dir Halt gibt, Dir Mut zuspricht, Dich anfeuert, antreibt, anpeitscht und sei es nur mit Sätzen wie „quäl Dich Du Sau“. Egal, man ist nicht allein. Das zählt. Keiner der einen spaltet, kein zertrennendes pro/contra Virus hin und her, sondern nur die verbindenden Gedanken, dass gemeinsame Ziel, die Vision vom Team getragenen Erfolg in der Sache. Hallo, gehts noch schöner?

Ein Alpencross ist eine Challenge, egal ob 5 oder 9 Tage, egal ob 9000 Höhenmeter oder 19.000. Egal ob in einem Zweier Team oder der ganz großen Gruppe. Es ist aber in jedem Fall ein gemeinsames Projekt, dass Euch weit über die Reisezeit hinaus verbindet.

Um es abschließend auf einen Nenner zu bringen, was uns die Gemeinschaft zuhauf beschert: Erinnerungen.

Erinnerung sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

Jean Paul, 1763-1825, deutscher Dichter.

(c) Udokah, Nov 20, inmitten des Corona Sturms, der leider viele Menschen spaltet.

herzhaft warme Momente

2 Kommentare

Konrad Weyhmann · 4. Januar 2021 um 14:24

Lieber Udo, Du beschreibst das alles sehr schön und richtig. Weiter so und nicht unterkriegen lassen! Leben ist Bewegung. In dem Sinne. Gerne mal auf ein Schwätzchen.

    Udo Kewitsch · 4. Januar 2021 um 18:08

    Lieber Konny, danke für die „Neujahrsansprache“ 🙂 …. ja, gerne mal wieder, sei es in FN, hier am Berg (Kampenwand?) oder sonstwo. Stay tuned. Udo

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