Bitte was? Halt stop. Damit wir uns richtig verstehen. Es folgt ein Plädoyer aus Blog-technischer Sicht. Das ist ein Bike-Blog, kein Boot-Blog. Und deshalb muss ich mal drauf hinweisen: ein Biker darf auch mal fremdgehen. Eigentlich. Oder etwa nicht? Und wer weiß, vielleicht schließt sich am Ende vielleicht doch noch der Kreis …. und der Anfangsbuchstabe zeigt die ersten Gemeinsamkeiten auf. Das arbeiten wir jetzt mal gemeinsam raus. Die Geschichte eines Seitensprungs.

wer kann da widerstehen?

Es begann ganz harmlos. Das Angebot in Ebay war ebenso verlockend wie verführerisch – so wie es halt immer anfängt. Mann konnte im wahrsten Sinne des Wortes nicht widerstehen. Unschuldig lag es dort, von der Besitzerin vernachlässigt, und der Preis so günstig. Ergänzend muss ich zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich beim Blättern durch diverse Magazine immer wieder mal sehr gerne an diesen wunderbaren Bildern hängen blieb – früher schon – und die Magazine hießen weder Hustler noch Playdings. Stille Gewässer, spiegelglatte Oberfläche mit einem nicht enden wollenden Horizont zu blauer Stunde, optimaler Weise noch mit imposanter Bergkulisse. Die sanfte Form des Sportgeräts und die Möglichkeit mit Zelt Kocher an einem einsamen Ort seiner Wahl anzulanden ist nur eine der vielen Parallelen zu meiner (Biker)Welt. Bikepacking oder Bootpacking – kommt sich fast aufs gleiche raus, isn´t it?

Und was tut Mann, wenn die Versuchung groß ist? Man gibt ihr nach. Die gute alte Coco Chanel sagte einst: „sie bereut nix, außer die Dinge, die sie nicht getan hat“. Diesen Vorwurf wollte ich mir nicht machen lassen. Das Boot musste her – wenngleich ich das Wort Wasserratte keineswegs in meinen Genen trage … aber diese Lust auf die Möglichkeit den Abenteuerradius etwas zu erweitern frohlockte zu sehr.

Und dann kam der Klassiker. Das Boot war da. Das Boot lag unschuldig, vom neuen Besitzer latent vernachlässigt im Garten. Da lag es gut und geduldig. Ein paar zaghafte Versuche waren es. Asche auf mein Haupt. Einmal fuhr es sogar mit in den Urlaub ohne ein einziges Mal vom Dach gehoben zu werden. NoGo – zu meiner Verteidung sei gesagt: jeder Paddelschlag, den ich nicht mit dem Boot machte, wurde durch vielfache, ja unzählige Kurbelumdrehungen mit meinen Bikes mehr als ausreichend wenn nicht sogar überdurchschnittlich kompensiert. Dennoch: mein Objekt der Begierde mahnte stumm: nimm mich (in der Tonlage so ähnlich wie nachts im Sportsender, wenn die Stimme sagt „ruf mich an!“). Ich musste was ändern. Die Zeit war reif für den Seitensprung.

Das ist der Moment, da kommt Reinhard ins Spiel. Richtig gelesen: Reinhard, nich Chantal, die ich bei solchen Gelegenheiten gerne bemühe. Reinhard ist in Sachen Boot das, was Udo in Sachen Bike ist. Komplett bescheuert und besessen. War ich bisher der Meinung, die einzig gültige Formel in Sachen Sport lautet: perfekte Anzahl Bike = n+1 – gilt für Reinhard die optimale Formel völlig normale Bootanzahl = „Boot = n+1“. Das verstehe wer mag. Is aber auch egal. Reinhard also ist jener, der mir mantraartig die Worte „wir paddeln mal“ soufflierte. Meine ebenfalls mantraartige Antwort lautet meist „ja, müssen wir mal“ … Betonung auf „mal“ … Biken hatte (und hat) schließlich Vorrang.

Doch dann wusste der Wetterbericht vorauszusagen, dass es lau und sonnig werden würde und ich hatte die Tage zuvor mein täglich-rädliches Pensum mehr als überfüllt: kurzum in einem unbedachten Moment des Übermutes rief ich der telefonierenden Gattin von Reinhard in den Hörer „Mittwoch sollten wir endlich mal paddeln“. Der Satz verhallte in der Leitung ungefähr in der Höhe von „…sollten wir endlich…“ da kam die prompte Antwort klar und deutlich „ausgemacht!“. Das ist der berühmte Point of no return.

Ergo: raus aufs Wasser – ich die Nonwasserratte, der Antischwimmer, der Kajakwackler. Egal. Zwei Brezen, zwei Bier, eine Weste und gute Laune genügten. Boot aufs Auto und los gehts (Anmerkung: ja genau, da ist noch ein kleiner Fehler im System, dazu demnächst mehr). Das bayrische Meer lag uns friedlich zu Füßen. Wasserfeste Sandalen, Badehose, Schwimmweste fertig.

Um es auf den Punkt zu bringen. Der Seitensprung vom Pedal zum Paddel war herrlich und – ganz ehrlich – ich hab kein schlechtes Gewissen, im Gegenteil, der Blick in den Spiegel lässt mich bisweilen grinsen. Ich hab mich auch schon dabei ertappt, fremde Magazine zu lesen (Kajak / ich !) und Prospekte anzufordern. Wir werden das weiter verfolgen und mal sehen, wie die zwei sich vertragen, mein Pedalpferd und mein Prijon Kajak. Ich hab da auch schon was im Kopf … Es bleibt spannend, wir lesen uns demnächst wieder hier.

Schöne maskenbefreite Pfingsten @ll.

(c) Udokah, 31.05.2020, inspiriert.


1 Kommentar

Stef · 23. September 2020 um 10:07

Sehr schön geschrieben – mal wieder 😉
Bin sehr gespannt, was das wohl sein wird …
>> Ich hab da auch schon was im Kopf … Es bleibt spannend, wir lesen uns demnächst wieder hier. <<
Aber Ideen in der Richtung habe ich auch schon ..

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