Liebe Leserin, lieber Leser. Schwere Zeiten. Nicht nur die Welt dreht im Wortsinn am Rad, sondern auch die social Media Chatrooms stehen Kopf. Kein Tag vergeht, an dem nicht a) Verschwörungstheorien zum besten gegeben werden, keine Stunde verstreicht, in der nicht zwischen „kleiner Grippe“ und dem „Weltuntergang“ alles hoch und runter diskutiert wird, mal sachlich fundiert, mal völlig wirr schwadroniert. Gefühlt jeder dritte (also wir beide, Leser und Autor, nicht) fühlt sich berufen eine wichtige Funktion in der Wertegemeinschaft einzunehmen. Das geht über wohlwollende Hilfssheriff Ermahnungen bis hin zum Denunziantentum. Da wird mit Querverweis auf die Bergwacht jede auch nur ansatzweise mit frischer Luft in Verbindung zu bringende Aktivität sofort an den öffentlichen Pranger gestellt, der Zeigefinger ausgefahren und angeklagt. Wahlweise international (stay home), national (bleib daheim) oder gern auch lokal (bleibts dahoam).

Bevor ich abschweife, nur eine kleine These. Gehen wir mal davon aus, dass zumindest ein paar zaghafte und äußerst gehorsame Menschen die Ausgehbeschränkung tatsächlich als Ausgehverbot wahrnehmen und daheim bleiben. In der Vergangenheit lag die Zahl der tödlichen (!) Unfälle allein nur im Haushalt bei ca. 10.000 (!) Menschen per Anno (Quelle). Die Zahl der Bergtoten, die die Bergwacht beklagt bleibt mit 1000 / Jahr im etwa seit Jahren gleich (Quelle).

Nehmen wir nun also an, mehr bleiben zu Hause, weniger gehen auf den Berg ….. ihr wisst, was ich meine. Zumal in Zeiten wie diesen gerne mal Wohnzimmerwände neu gestrichen, die alten Tapeten entfernt oder der Wintergarten gerne mal von Grund auf gereinigt wird. Leitern haben Konjunktur. Ich komme vom Thema ab.

Radfahren ist gesund, Radfahren macht Spaß, auch – oder gerade jetzt in diesen Zeiten – wenn Corona die Weltpresse und die SocialMedia Chatrooms beherrscht. Drum gilt m.E. wie so oft: alles mit Augenmaß und entsprechender Besonnenheit kann nicht schädlich sein. Aber wer raus geht, sich spürt, frische Luft inhaliert und dabei Endorphine produziert, der – so meine kühne Behauptung – lebt gesünder als so mancher Miesepeter Hilfssheriff, der jeden noch so harmlosen Ausflug mangels eigener Motivation sofort mit Hashtag #bleibdahoamzefix kommentieren muss.

Warum?

Zehn Gründe, warum Radfahren gesund macht

Radfahren ist gut für die Gesundheit – weiß ja jedes Kind. Aber was genau wird denn gesundheitlich gefördert? Der pressedienst-fahrrad hat zehn Gründe ausgemacht und zeigt, warum bereits eine halbe Stunde Radfahren für Leib und Seele positiv ist.

1) Radfahren stärkt das Herz-Kreislauf-System

Regelmäßige körperliche Aktivitäten verringern das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sagt, dass bereits fünfmal in der Woche 30 Minuten Bewegung dem Bewegungsmangel und den daraus resultierenden Zivilisationskrankheiten entgegenwirken. „Radfahren stärkt nicht nur die Beine, sondern auch das Herz. Bereits 33 gefahrene Kilometer pro Woche sollen das Risiko für koronare Herzerkrankungen halbieren“, weiß Jasmin Schejbal vom Fahrradhersteller Winora. Dabei gehe es nicht um sportliche Höchstleistungen. Bereits mäßige, vor allem aber regelmäßige Bewegungen können helfen. Der Blutkreislauf kommt in Schwung, was das Schlagvolumen des Herzens erhöht und gleichzeitig die Pumpleistung beruhigt. Außerdem wird das Blutvolumen des Herzens vergrößert. Als zusätzlicher Nebeneffekt wird Cholesterin abgebaut, was eine Verkalkung der Blutgefäße verhindert. „Davon profitieren auch E-Biker, denn auch Radfahren mit Motor fördert bei Menschen aller Altersstufen die Gesundheit“, beschreibt Schejbal.

 2) Radfahren stärkt das Immunsystem

Radfahrer sind die wahren Künstler im Gesundbleiben, obwohl sie Regen, Wind und Kälte ausgesetzt sind. Diverse Studien haben mittlerweile dokumentiert, was Radprofis in der Praxis beweisen: Körperliche Belastung und Erholung an der frischen Luft erhöhen die Leistungsfähigkeit des Immunsystems. „Es ist äußerst wirksam, sich unterschiedlichen Kälte- und Wärmereizen auszusetzen. Das dient effektiv der Stärkung des Immunsystems und macht widerstandsfähiger gegen Erkältung“, bekräftigt Dauerradfahrer Volker Dohrmann vom Radhersteller Stevens Bikes. Hinzu kommt, dass bei Bewegung an der frischen Luft mehr Licht über die Netzhaut aufgenommen wird, was die Vitaminproduktion fördert und so ebenso die Abwehrkräfte stärkt. Der schützende Effekt tritt jedoch erst langfristig ein. Kurzfristig hingegen kann das Immunsystem besonders nach harten, anaeroben Trainingseinheiten auch geschwächt werden, weil der Anteil der schützenden Lymphozyten abnimmt.

3) Radfahren verbessert die Funktion der Atemwege

Die Lungenfunktion profitiert besonders vom rhythmischen, zyklischen Charakter des Radfahrens. Die Lungen werden dauerhaft mit frischem Sauerstoff versorgt und die erhöhte Atemfrequenz stärkt die umliegenden Muskeln. Eine trainierte Lunge pumpt mehr Luft aus den Lungenflügeln und dadurch kann mehr sauerstoffreiche Luft nachströmen. Verstärkt wird der Effekt beim Radeln im Grünen. Aber Vorsicht: Zu kalte Luft kann zu Problemen führen. „Wenn die Temperatur deutlich in den Minusbereich geht, kann man als Radfahrer auf eine Gesichtsmaske oder ein Schlauchtuch zurückgreifen“, rät Anna Rechtern vom Outdoor-Spezialisten Vaude

 4) Radfahren hilft bei Rückenleiden

Rückenschmerzen rühren meist daher, dass die Muskulatur im Rumpfbereich zu schwach ausgebildet ist. Dazu kommen schlechte Bewegungsgewohnheiten und/oder falsche Sitzhaltungen am Arbeitsplatz. Für einen gesunden, stabilen Rücken sind gerade die tiefer liegenden, kleinen Muskeln zwischen den Wirbeln wichtig – und die werden durch Radfahren gestärkt. „Wichtig ist dabei die richtige Sitzhaltung: Der Oberkörper sollte etwas nach vorne geneigt sein, damit der Körperschwerpunkt möglichst über den Pedalen liegt“, erklärt Sebastian Marten vom Hersteller MTB Cycletech. Außerdem könne das regelmäßige Pedalieren dafür sorgen, dass chronische Rückenschmerzen gelindert werden. Hier lassen sich allerdings keine pauschalen Aussagen treffen, da Rückenleiden ein individuelles Thema sind und bei manchen Problemen das Radfahren die Leiden auch verstärken kann.

5) Radfahren hilft gegen Depressionen

Bereits 30 Minuten Radfahren reichen, um reichlich Endorphine auszuschütten. Sie sind dafür verantwortlich, dass sich Radler entspannter fühlen und weit weniger an Depressionen leiden als Nichtsportler. Das belegt eine Studie der Universitätsklinik Tübingen. Bei Menschen mit Depressionen würden sich die Blutwerte nach 30 Minuten Radfahren wieder normalisieren. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die gleichmäßigen, zyklischen Bewegungen des Pedalierens eine entspannende Wirkung auf die Psyche haben.

6) Radfahren schützt die Gelenke

Die zyklische Be- und Entlastung der Gelenke sorgt dafür, dass die Gelenke besser mit Nährstoffen versorgt und Abbauprodukte entsorgt werden. „Besonders die Knie sind beim Radfahren viel weniger belastet als etwa beim Laufsport“, erklärt Tim Weingarten vom Ergonomiespezialisten Ergon. Selbst Menschen mit bereits geschädigten Gelenken können durchaus mitradeln – oder alternativ zum Liegerad greifen. „Die liegende Position mit breitem Sitz entlastet den Oberkörper. Auch genießt man einen guten Rundumblick und durch die ergonomische Sitzposition werden taube Gliedmaßen verhindert“, so Alexander Kraft vom Liegeradhersteller HP Velotechnik.

 7) Radfahren stimuliert das Gehirn

Oft kommen einem beim Radfahren die besten Ideen – Albert Einstein oder Arthur Conan Doyle sind dabei nur einige Beispiele von bekannten Persönlichkeiten, die sich gerne aufs Rad schwangen. Das liegt daran, dass die Bewegung die Hirndurchblutung anregt, was zu einer besseren Verzweigung der Nervenzellen führt. Das Gehirn wird somit leistungsfähiger.

8) Radfahren verbessert die Koordination

Lenken, Pedalieren, Umschauen, Konzentrieren: Radfahren stellt komplexe motorische Anforderungen. „Zudem werden verschiedene Formen der Wahrnehmung geschult, was gerade bei Kindern die Koordinationsfähigkeit und das Gleichgewicht stärkt“, erklärt Guido Meitler vom Kinderradhersteller Puky. Speziell im Verkehr werden die unterschiedlichen Sinne geschärft. Hinzu kommt, dass durch das Radfahren Transfereffekte für andere Bewegungsformen erzielt werden. „So ist Radfahren auch eine gute Vorbereitung für andere Sportarten“, ergänzt Meitler.

9) Radfahren hilft beim Fettabbau

Ausdauertraining ist eine effektive Methode zum Fettverbrennen. Beim Fahrradfahren kann man sowohl aerobes, intensives, als auch Intervalltraining absolvieren. Bei der besseren Trainingssteuerung helfen entsprechende Leistungsmesser. Hobbyradlern, die ihren Stoffwechsel ankurbeln wollen, rät Mareen Werner von Sport Import zu längeren Strecken mit geringer Intensität. Geübtere Biker sollten sich mit Intervalltraining versuchen, also auch einmal einen kurzen Sprint einlegen. „Trainingspläne helfen, effektiver abzunehmen“, bekräftigt Werner.

Ort der Ruhe

10) Radfahren verbessert den Schlaf

Wissenschaftler der Universität Oregon haben festgestellt, dass gerade die Leicht- und Tiefschlafphasen bei aktiven Menschen deutlich besser sind. Dabei ist aber Sport nicht gleich Sport. Radfahren bietet sich insbesondere für Menschen an, die ihre Aktivität in den Abendstunden betreiben. Ausdauersportarten verbessern die Schlafqualität, weil es hier im Gegensatz zu z. B. Ballsportarten nicht um Sieg oder Niederlage geht. Der Körper wird weniger in Aufregung versetzt und schüttet weniger Hormone aus, was das Einschlafen erleichtert.

geschafft

Fazit:

Lasst die Kirche im Dorf, geht raus, weißelt das Wohnzimmer, bleibt fit und munter aber vor allem: bleibt friedlich. Gemeinsam kommen wir durch diese Zeit, die eine oder andere Opfergabe wird wohl noch fällig und wenn der Kellner erst die Corona Rechnung bringt, kann es sein, dass mancheiner Schluckauf bekommt, dass alles sollte uns aber nicht davon abhalten (mit gebotener Vorsicht) radeln zu gehen und sich abends über tanzende Glückshormone zu freuen. Diese dürfen dann gerne in den Chatrooms dieser Welt geteilt werden. Bleibts gesund (anstelle von dahoam).

Besser Social distancing als Maskenpflicht 🙂

*** (c) Udo, udokah.de, Apr20 *** / an dieser Stelle herzlichen Dank an den pressedienst-fahrad pd-f von Gunnar Fehlau für diese 10Tipps.


2 Kommentare

Schorsch · 19. April 2020 um 12:49

Zehn von Zehn Punkten für diesen Text! 👍🏻

    Udo Kewitsch · 19. April 2020 um 20:37

    Schorsch, Bruder im Geiste … dankeschön …. ich freu mich auf unsere nächste Tour mit allem Drum & Dran ! stay tuned, bleib fit, Udo

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