Ein Praxisbericht – Evoc Travel Bike Bag

Das Thema Mongolei ist ja in vielerlei Hinsicht eine echte Herausforderung. Für Bikereisende allemal – zumindest, wenn man – wie wir – mit dem Flugzeug anreisen und dort mit dem eigenen Bike das Land bereisen will. Neben Land & Leute, Sprache & Speisen, Infrastruktur & Informationslage gilt es vor Reiseantritt erst einmal die Logistik zu erkunden und zu planen.

Klar war: wir fliegen. Klar war (leider) auch: die Aeroflot akzeptiert ein mit Folie ummanteltes (zerlegtes) Bike nicht. Für mich wiederum war aber auch klar, ein billiger Pappkarton ist keine dauerhafte und gute, schützende Lösung, zumal wir jeweils einen Umsteigestopp in Moskau auf dem Reiseplan hatten. Kurzum: ein Bikekoffer muss her. Einer der herhält, einer der das auch packt.

Vorgesehen für unser Abenteuer waren zwei Bikes: einmal das „normale“ Hardtail meiner Frau, ein 29er Centurion Backfire in 48er Rahmenhöhe und mit einem Freeland Gepäckträger (für die Ortlieb Gravel Bags). Sowie, und das schien mir wesentlich kritischer, mein geliebtes TREK1120 im 29+ Format, das heißt mit wuchtigen 29 x 3,0 Schlappen sowie Front- und Rear-Rack.

das muss rein

Die Suche im Netz gestaltet sich gar nicht so leicht, gibt es wohl jede Menge Koffer für die klassischen Malle Rennradler, die ihre 6,7kg UCI Geschosse, federleicht in eine Schale werfen können, aber der Markt für XL Mountainbikes ist überschaubar. Ich wurde bei EVOC fündig. Die Bike Travel Bag Pro ist ein Traum in Farbe. Hält sie praktisch, was sie optisch verspricht?

sogar passend zum Kissen 🙂

Der Praxistest

Es hilft nichts. Wer nicht mit dem wabbelnden (und Feuchtigkeitsempfindlichen) Pappkartons reisen mag, der braucht handfeste Lösungen. Ergo: zwei Evoc Bike Bags mussten her. Die Anlieferung erfolgt platzsparend im Maß 136x39x25cm – denn die Bags sind zusammenfaltbar und bei Nichtgebrauch (schließlich fliegt man ja nicht jede Woche nach Malle oder in die Mongolei) gut in der Garage oder im Schuppen verstaubar. Gibt schon mal einen Pluspunkt.

Raumsparer

Schnell ausgepackt und aufgebaut ist sie auch. Jeweils die 2 Kunststoff Rundstäbe für die Reifenfächer und jeweils 2 CFK Stäbe zur Stabilisierung der Tasche in die dafür vorgesehenen Laschen versenken. Fertig. Die Reißverschlüsse sind stabil und laufen sehr souverän und reibungsfrei.

Klar, das Bike zu zerlegen muss man auch bei einer EVOC Bag. Das heißt, Vorder- und Hinterrad raus, Lenker und Pedale demontieren. Fertig. Im Inneren der Tasche sind stabile Klettbänder, die sowohl die Frontgabel, als auch Rahmen und Lenker sicher fixieren. Für den Gabelschaft gibt es ebenso eine Schutzzone, wie für den empfindlichen Hinterbau samt Schaltwerk. Der maximal mögliche Radstand beträgt stolze 126cm – also auch für mein XL Trek machbar.

Meine Ängste, dass etwas sperrige Trek könnte kaum Platz in der Evoc finden, sind unbegründet. Einmal zerlegt und fixiert schmiegt sich der Rahmen gut in das gepolsterte Innenfach ein. Sattel tiefstellen, Gurte festzurren – da wackelt nichts. Für Pedale ist ein Extra Innenfach vorgesehen, ein weiteres nimmt, bei Bedarf, Kleinteile auf. Auch außen gibt es noch ein RV Fach, in dem ich die Anleitung und zwei Inbusschlüssel gelegt habe, damit vor Ort wieder alles schnell zusammengebaut werden kann. Auch passen die zwei Racks sowie meine wunderbare BxB Bag noch in den Stauraum.

alles drin, alles dran

Alles in allem ist das Packstück in maximal 30min bestens verstaut und transportfertig. Ein weiterer Pluspunkt.

Die Eckdaten

Die EVOC Travel Bag ist ein Hybrid-Modell. Das heißt: unten hart und oben weich – will sagen, Hartschalenkoffer meets weiche Tasche. Da wo notwendig verstärkt, dort wo erlaubt ohne unnötigen Ballast. Die Maße aufgebaut sind 138x39x85 (innen 130x27x80) und das Volumen beträgt stolze 285l. Egal welcher Biketyp (RR, HT, Fully, DH, Tria, …) bis 29 Zoll passt alles souverän ins Fach. Nicht ausprobiert habe ich meine 26×4,8er Fatbike Pneus – hier hege ich so meine Zweifel, ob die in die RV Außen-Fächer passen, wahrscheinlich aber ins Innere der Tasche.

die Griffe sind unentbehrlich

Auch im „Echtbetrieb“ – auf dem Weg zum Flughafen und von dort ins Basislager ist die Evoc in jeder Hinsicht ein sprichwörtlich treuer Gefährte. Die leichtlaufenden Skaterrollen (austauschbar) sind breit genug angeordnet – die Tasche ist kippstabil und lässt sich aufgrund der zahlreich angebrachten Griffe in jeder Situation und Lage bequem heben und manövrieren. Top. Pluspunkt, der dritte.

Alles in allem: ich bin begeistert – mit einer kleinen Einschränkung, und die sei der Ehrlichkeit halber natürlich auch erwähnt. Die Tasche bringt nackig knapp 10kg auf die Waage. Das ist wenig, aber knapp 10Kilo sind knapp 10kg. In unserem Fall (und ich denke, dass ist Airline übergreifend ein Standardwert) war das Limit mit 23kg festgesetzt. Ergo bleiben mir gut 13kg für die Zuladung. Beim Centurion war das zunächst kein Problem, doch auch hier schossen wir übers Ziel hinaus, weil wir noch leere Taschen und Zubehör in der Bike Bag verstauten (die Peak Tasche war ja ebenfalls auf 20kg begrenzt). Beim Trek konnte ich die 23kg mit oder ohne Racks einfach nicht unterbieten – die Konsequenz 100Eur Aufpreis pro Packstück. Nimmt man die 125 Euro, die die Aeroflot ohnehin für das Sperrgepäck schon aufruft, landet man kalkulatorisch bei 450 Euro für beide Bikes – One Way. Kein Schnäppchen – aber da kann Evoc schließlich nix dafür.

schöner Reisen

Fazit:

Die BikeTravelBag ist ein toller Reisebegleiter. Perfektes Konzept, schnell und intuitiv zu verpacken, durchdachte Details und sehr robuste Haptik lassen Sorgen alá „kommt mein Bike sicher an“ schnell verblassen. Im Transport souverän, in der Handhabung ein Traum – und nach der Reise, schnell und platzsparend verstaubar. Neuralgische Stellen wie Bremsscheiben, Laufräder, Schaltwerk sind optimal geschützt. Die zahlreichen Tragegriffe erleichtern die Handhabung. So geht Bikekoffer. Chapaeu.

Übergepäck war unvermeidbar

Die aufgerufenen ca. 420 Euro sind in Anbetracht der Schutzfunktion und steten Wiederverwendbarkeit (ggf. kann man sie auch im Freundeskreis mal vermieten) schnell amortisiert.

home again

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