Abenteuer Mongolei – bevor es losgeht

Am Anfang war ein Bild. Ein mächtiger Adler mit weiten Schwingen. Schwarzgrau im Gefieder, gefährlich im Antlitz mit einem in Leder gehüllten Schnabel, der nur darauf wartet, die zu jagende Beute zu erlegen.

Ein Bild. Aber zwischen Bild (Adler) und Tat (wie komm ich dahin) steht der Plan. Das Problem: der Adler lebt in der Mongolei, genauer gesagt sehr viele seiner Art, gar so viele, dass dort im abgelegenen Ort Ülgii im Westen der Mongolei alljährlich am ersten Oktoberwochenende das berühmte Eagles-Festival stattfindet. Bedeutet: wer dorthin will, ist gut beraten sich einmal etwas näher mit der Mongolei zu beschäftigen. Noch dazu, wenn es keine rundum betreute Pauschalreise sein soll, sondern eine möglich individuelle Bikepacking Abenteuer Reise.

Sprich: Siri sag mir: wie komm ich nach Ulanbaator, kann ich zwei Bikes plus Sack und Pack problemlos mitnehmen, wie ist die Wasserqualität, wie werden die Temperaturen zwischen Mitte September (Abflug am 14.09.) und Mitte Oktober sein, hat es Schnee in Ülgii, hat es Hitze in der Gobi Wüste, wo kann ich übernachten, einkaufen, mich versorgen, wenn in diesen 4 Wochen vornehmlich unser Helsport 2 Mann Zelt und der Soto Kocher für die Grundbedürfnisse zuständig sein werden. Last but not least, wie komme ich, einmal gelandet, zu einer ersten Anlaufstation.

Fragen über Fragen. Siri hatte keine Antwort, ich war gefordert.

Hardware. Zwei Bikes. Das muss sein. Wenn schon nicht Alpencross, dann mit Bike. Die Wahl fällt auf mein Bikepacking Bike, das Trek1120, meine Frau will nicht auf ihr 29er Backfire verzichten. Doch schon hier gilt es die Weichen zu stellen: die Straßen in der Mongolei sind ruppig, Dorner säumen gerne die Wege, bedeutet: Schlauchlos ist dringend zu empfehlen. Also rüste ich alle vier Pneus entsprechend um. Die Skinny Strippers aus USA sollen eine möglichst 100%ige Performance bieten. Bestellung läuft.

Zweiter Punkt: das Gepäck. Wer 4 Wochen offroad und zum Großteil ohne gebuchtes Hotel unterwegs ist, der benötigt alles „am Mann“, d.h. Zelt, Matte, Kocher, Geschirr, Kleidung, und so weiter und so fort – Kamera natürlich auch. Keine Lust, 15 Kilogramm auf den Rücken zu laden, also wird das Bike ordentlich aufgerüstet. Satteltasche, maßgenaue Rahmentasche, Oberrohrtasche, Lenkertasche und last but not least werden wir wohl auch den Rucksack nicht vermeiden können.

die Tasche meiner Wahl. Steckt was weg.

Das mit dem Zelt war schnell geklärt. Superleicht sollte es sein, geräumig aber auch. Schnell aufbauen und sturmsicher. Die Wahl fiel auf das Helsport Lofoten Superlight (ich spare knapp 1kg gegenüber dem Hilleberg Kaitum2). Nächste Challenge: Matte und Schlafsack. Google – genauer www.climatedata.org – verrät: Schnee und Temperaturen mit bis zu -5° sind ohne weiteres möglich … d.h. vergiss die leichte Sommermatte und den leichten Sommerschlafsack. Eine Therm-A-Rest NeoAir mit einem ordentlich R-Wert (>5) ist ebenso Pflicht, wie ein guter (aber dennoch leichter) Daunen Schlafsack (die Quadratur des Kreises, ich weiß).

Morning has broken

Ohne Wasser ist alles nix. Doch die weiten Steppen der Mongolei bieten mitnichten an jeder Ecke einen oberbayrischen Brunnen in Trinkwasserqualität. Auch ist die Besiedelung – positiv formuliert – überschaubar. Gut 1,5 von insgesamt 3 Millionen Einwohner leben in drei Großstädten (Ulanbaator, Erdenet, Darchan), der Rest teilt sich das riesige Land (> 1,56 Mio KM²) und kommt somit nicht mal auf 2 Einwohner pro KM² (Deutschland 231 Einwohner/KM²). Also macht es Sinn, wenn man Wasservorräte sichert und – besser noch – im Vorfeld dafür sorgt, dass man Trinkwasserqualität produzieren kann, auch abseits der Zivilisation. Unsere Wahl fiel auf Katadyn Wasserfilter und einen sogenannten Steriepen. Der Steripen vernichtet jedes Kleinstgetier durch Ultraviolette Strahlen, die zwei faltbaren Filter sorgen für Bakterienfreie 1500 Liter Trinkwasser. Das wäre schon mal geklärt.

Auch das Thema Küche stellt mich vor einige Fragen. Der bisher bestens bewährte Trangia Spiritus Kocher bleibt zuhause. Einerseits gibt es da hinsichtlich Performance und Komfort noch bessere Lösungen, andererseits ist die Verfügbarkeit von Spiritus in diesem weiten Land mit einer überschaubaren Infrastruktur keinesfalls flächendeckend gewährleistet. Die Lösung heißt: Soto Stormbreaker. Der Kocher läuft mit Normalbenzin alternativ mit Gas und ist in Sachen Leistung ein echter Hit. Die Spaghetti sind gesichert.

Küche

Strom. Wichtig. GPS, Handy, Steripen, Stirnlampe, ….. alles Stromfresser, wenn auch planbare. Ein Verlängerungskabel schien mir sinnfrei, auch ein Generator sprengt die Grenzen des Freigepäcks, erschwerend kommt hinzu …. längst nicht jede Jurte (und schon gar nicht unser Zelt) ist mit einer Stückdose ausgestattet. Was bleibt? SON Nabendynamo heißt die Lösung. Damit wird jede Kurbelumdrehung ab 5km/h in pure Energie umgewandelt und im sogenannten „Forumslader“ gespeichert. Damit sollte der Punkt Energiemanagement auch gelöst sein. Wir sind autark.

Neben vielen anderen Kleinigkeiten, die es noch abzuklären gilt, ist damit zumindest einmal die Grundversorgung gesichert.

Eine der Kernfragen: was mach ich mit den Rädern und wie geht die Airline (Aeroflot) damit um. Die Sache mit dem Pappkarton ist immer etwas heikel, da instabil und kaum Stauraum für Taschen etc. vorhanden ist. In Folie einwickeln von der Airline nicht akzeptiert. Aber auch ein stabiler Bikekoffer hat so seine Nachteile. Er wiegt. Die Airline erlaubt 23kg für das Sondergepäck. Wiegt das Rad 13-14kg, ist das Pflichtenheft für den Koffer eindeutig, die Auswahl im Markt aber begrenzt. Mit dem Evoc könnte es klappen. Wird spannend.

<< Evoc Foto folgt >>

hoppala Übergepäck

Last but not least. Die Route. Wie tun wir? Wie gesagt, das Land ist riesig, ein guter Plan unerlässlich. Die ursprüngliche Idee, von Ulaanbator nach Ülgii zu radeln, kannst Du vergessen. Knapp 1700km sind auch in 4 Wochen kein guter Vorschlag. Aber die Verbindungen innermongolisch sind überschaubar, ein Intercity mit Bike-Mitnahme, fährt nicht und auch sind die Interrent Stationen übersichtlich verteilt, nämlich gar nicht. Also umdenken.

Wir landen in Ulaanbator, akklimatisieren uns und werden eine 2-3wöchige Rundtour über die Gobi Wüste absolvieren. Anschließend steigen wir (ohne Bikes) in eine kleine Propeller Maschine und hoppen nach Ülgii – wird schon klappen. Nun kommt der Faktor Zufall ins Spiel. Es ist immer gut, wenn man einen kennt, der einen kennt. Ich kenne Alan. Alan kennt Rene und Rene kennt Urka. Urka ist Reiseleiterin in Ulaanbator und hilft uns nun in Sachen Grobplanung.

Abflug Deutschland am 14.09.2019 …. Wer die Reise verfolgen und/oder nachlesen mag à hier auf diesem Kanal www.udokah.de werde ich berichten und freue mich auf viele spektakuläre Fotos.


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