Test Trek 1120

Was für ein Anblick. Wer dem Trek 1120 erstmalig begegnet, wird sich kaum nachstehenden Assoziationen verwehren können: Abenteuer, Overnighter, MicroAdventure, Offroad, BikePacking. Wenn nicht ein Trek1120, welches Bike ist dann das ideale Testrad für das Magazin BikeAdventure?

Die Optik ist markant aber auch polarisierend, die zwei Gepäckträger in knalligem Orange prägen das Erscheinungsbild. Der Alu-Rahmen tritt in dezentem, aber bestens passendem Anthrazit an. Auch die Carbon Gabel an der Front ist in diesem dunklem Grau gehalten. Optisch mag das Bike die Geister der Geschmäcker spalten, in meiner Wahrnehmung erhält diese Maschine die volle Punktzahl für Präsenz und den coolen Auftritt.

Doch Optik ist ja nicht alles. Wie verhält sich das Trek im Offroad Betrieb, wie meistert es die Anforderungen eines BikePacking Abenteuers, wie sieht es aus mit Ausstattung, Fahreigenschaften und last but not least natürlich mit dem Preis Leistungsverhältnis?

Der Preis. Ich bin geneigt zu sagen: günstig. Auch wenn die aufgerufenen 2.699 Euro wahrhaft nicht aus einem Low Budget entnommen werden können und die Ausstattung in diesem Bereich natürlich nicht die Creme della Creme der Edelteile bietet – dennoch erhält der Abenteurer in Spe für diesen Betrag viel Bike fürs Geld. Nehmen wir die Ausstattung: die Carbon Gabel ist hochwertig und glänzt mit einer 110mm Einbaubreite, bietet Anschraubpunkte für die BikeAdventure Taschen oder Halter und sorgt für ein sehr gutes Fahrgefühl. Der Rahmen selbst ist ausreichend steif und lässt durch den 110er / 148er Boost Standard genügend Platz für die 29er Reifen im Plus-Format (Bontrager 3,0). Diese Reifen wiederum dämpfen ausreichend. Im Fahrbetrieb haben wir keine Federelemente vermisst und hatten niemals das Gefühl „hart geschlagen“ zu werden.

Sogar eine vom Lenker bedienbare und versenkbare Sattelstütze ist im Paket enthalten und Zugführung für Stütze und Schaltung sind im Rahmen integriert – das sorgt für eine aufgeräumte Optik, zumal der zweite Schalthebel für einen Umwerfer entfallen kann. Der 1×11 Antrieb von Shimano (leider nur SLX) arbeitet effizient, natürlich nicht so seidenweich wie die gruppenhöheren Systeme. Das Bike war im Auslieferungszustand leider etwas unpässlich, die Schaltung nicht optimal eingestellt, der Sattel schief, die Schnellspanner lose – wer jedoch ein Bike übernimmt, prüft diese Punkte schnell und kann die „Fehler“ umgehend korrigieren.

Die SRAM Bremsen, Level T, arbeiten vorbildlich und vor allem völlig unauffällig. Lange Abfahrten und schnelle Runs werde so zu „Grinse-Passagen“. Etwas störend wirkte für mich der knapp bemessene Bontrager Lenker. Die Kröpfung ist sehr angenehm und erinnert an das Jones-Bar Konzept, der Abstand (690mm) zwischen den Lenkerenden dürfte aber meines Erachtens gerne breiter ausfallen und würde ein besseres Handling bescheren. Auch die Lenkergriffe sind sehr hart – dies ist jedoch ein Tuning Posten, der mit wenig Aufwand schnell optimiert werden kann.

Das Alleinstellungsmerkmal des Trek ist und bleibt jedoch die Gepäckträger Lösung. Die hauseigene Entwicklung mit einem Aufnahmesystem hinten eignet sich für BikePacking Anwendungen ideal. An der Front findet in Rollen und oder Packsäcken jeder Art das Equipment ebenso gut seinen Platz wie auf dem Hinterbau. Da die Zuladung in Summe auf 136kg beschränkt ist, bleibt selbst für einen Fahrer mit ca. 100kg und dem Bike Eigengewicht von 14kg noch Platz für rund 25 Kilo-Abenteuer Ware. Die mitgelieferten Harnesstaschen für hinten (li/re) nehmen Schlafsack & Co willig und rüttelfrei auf – wer es aber (ab und zu) puristischer mag: mit wenigen Handgriffen sind die Gepäckträger entfernt und ein reines MTB in 29+ Optik ist verfügbar.

Das 1120 klettert willig und der 1×11 Antrieb bringt den Piloten auch an steilen Rampen sehr effizient nach oben. Auf der Ebene und in leicht abschüssigen Gelände ist jedoch auf kleinstem Ritzel ab einem gewissen Punkt dann Schluss mit Speed. Die 11 Zähne am Ritzel in Verbindung mit dem 30er Kettenblatt vorn sind nicht für lange und anhaltend schnelle Passagen gedacht. Dennoch, ein Ausritt mit dem 1120er macht Laune, treibt einem das Grinsen ins Gesicht und sorgt für virusartige Gedanken im Sinne von „wo mach ich am Wochenende meinen nächsten Overnighter?“

Fazit: tolles Bike in eigenständiger Optik mit prima Fahreigenschaften und potenten Abenteuer-Genen und auch noch mit etwas Tuning-Potential (Lenker, Schaltung). Die ausgewogene Geometrie und das Plus Format der 29er Reifen sorgen für Komfort und spenden Freude am Fahren. Das Rack-Konzept ist sehr praktikabel, auch wenn es die Gemüter spaltet. Ein tolles Bike.

Plus

  • Geometrie und Fahrverhalten
  • Gepäckträgerlösung
  • Bremsen
  • Carbongabel

Minus

  • Harte Lenkergriffe
  • Etwas schmaler Lenker
  • Kein Flaschenhalter

Technische Daten

Alpha Platinum Aluminium, Boost148, Midstay, konisches E2-Steuerrohr, interne Zugführung für Schaltung und Vario-Sattelstütze, PF92, Stranglehold-Ausfallenden, G2-Geometrie, eigenentwickelte Befestigungsmöglichkeiten für Gepäckträger

1120 Adventure HCM Carbon, 110 mm Einbaubreite, Federgabelgeometrie, eigenentwickelter Gepäckträger und Befestigungsmöglichkeiten

VR-Nabe, Bontrager, gedichtete Lager, Aluminiumachse, Boost110

HR-Nabe, Bontrager aus Aluminium, Boost148

Felgen, SUNringlé Duroc 50 SL (28-Loch)

Reifen, Bontrager Chupacabra, Tubeless Ready, Inner Strength-Flankenschutz, Aramid-Wulstkern, 29 x 3.00″

Shimano SLX M7000, 11fach

Schaltwerk Shimano SLX M7000, Shadow Plus

Kurbelgarnitur Race Face Aeffect (30 Z.), Direct Mount Narrow-Wide

Innenlager PF92

Kassette Shimano SLX M7000, 11fach (11-46 Z.)

Kette Shimano HG-601

Sattel Bontrager Montrose Comp

Sattelstütze Bontrager Drop Line 125, interne Zugführung, 31,6 mm (15,5″: Drop Line 100)

Lenker Bontrager Crivitz, 31,8 mm

Lenkerband / Griffe Bontrager Race Lite, Schraubklemmung

Vorbau, Bontrager Elite, 31,8 mm, 7 Grad, mit Computer- und Beleuchtungshalterungen

Steuersatz Integriertes gedichtetes Kompaktlager, 1 1/8″ oben, 1,5″ unten

Bremsen Hydraulische Scheibenbremsen SRAM Level T

Gewicht

14.17 kg / 31.24 lbs / Max. Gewicht: Dieses Bike hat eine maximale Gewichtsbeschränkung (Fahrrad, Fahrer und Beladung) von 136 kg.


1 Kommentar

Happy Nights – Test Helsport Ringsting Pro2 – Udo Bike Blog · 6. Juli 2019 um 18:06

[…] Wenn ich zu (länger) zu zweit unterwegs bin würde ich zum Lofoten Superlight greifen (wie ich es bei meiner kommenden Mongolei Tour tun werde), wenn ich aber im Bikepacking Stil immer wieder mal das Micro Adventure und den Overnighter suche und ein 1000 Sterne Hotel nicht buchen kann, dann landet das Ringstind auf dem Träger meines Trek1120. […]

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