Der AlpX mit Überraschungseffekt

Die Etappen

Anreise. Von Siegsdorf (Udo) nach Traunstein und von Höslwang (Werner)nach Bad Endorf, dann über Rosenheim und Kufstein bis Schwaz im Regionalexpress.
1. Etappe, Samstag, 26.07. Schwaz – Hintertux 47 km, 2383 Hm bergauf, 1529 Hm bergab, 4h:48min Fahrzeit, ca. 20 min Schieben bergauf. Ab Schwaz ( m) über Pill, Mitterweerberg, Weerberg, Innerst/Rieder zur Weidener Hütte (1742m), auf Trail, später Schiebesterecke hoch zum Geiseljoch (2304m), Downhill durch das Horbachtal nach Vorderlanersbach, über Juns nach Hintertux (1528m), Abendessen und Übernachtung in Hotel.
2. Etappe, Sonntag, 27.07. / Hintertux – Sattelbergalm36,3 km, 1502 Hm bergauf, 1341 Hm bergab, 3h:33min Fahrzeit, ca. 10min Schieben/Tragen bergab. Von Hintertux (1528m) über Bichlalm und Sommerbergalm über sehr steile Rampen hoch zum Tuxer Jochhaus (2340m), Tuxer Joch, Kasererwinkel, sehr anspruchsvoller und schwerer Downhill über Trail nach Kasern (1657m) Cappo u. Kuchen auf Alm, weiter über Schmirn, Außerschmirn, Gries und Vinaders (1203m), dann  hoch zur Sattelbergalm (1650m), Abendessen und Übernachtung bei Alois in der schönen Sattelbergalm.
3. Etappe, Montag, 28.07. / Sattelbergalm – Moarer Bergalm / Poschhaus 51,5 km, 2317 Hm bergauf, 1852 Hm bergab, 5h:05min, ca. 1h Schieben bergauf. Von Sattelbergalm (1650m) schieben zum Sattelberggipfel (2084), Genußtour auf dem Brennergrenzkamm (2091m) entlang Kreuzjoch, Steinjoch, Flachjoch, Sandjoch (2153m), Downhill nach Gossensass (870) und weiter zur Mittagspause nach Sterzing (738m), schwerer Wiesentrail an Bergflanke nach Riednaun (1128m) durch das Riednauntal hoch nach Mareit (1165m), ab Bergbaumuseum langer Uphill bis zur Moarer Bergalm / Poschhaus (1909m), Abendessen und Übernachtung in Berghütte.
4. Etappe, Dienstag, 29.07./ Moarer Bergalm / Poschhaus – Stettiner Hütte 39,1 km, 2732 Hm bergauf, 1975 Hm bergab, 6h:03min Fahrzeit, ca. 3h (1700 Hm) Schiebepassagen bergauf. Früher Start an der Moarer Bergalm (1909m) zur schweren Uphill-Schiebe / Tragepassage zur Schneebergscharte (2656m), Downhill auf Trail zum Schneeberghaus (2368m), Downhill nach Moos im Passeiertal (820m), durchs Pfelderertal nach Pfelders (1362m) und Lazins (1419m), hoch zur Lazinser Alm (1883m), lange aber grandiose Uphill-Schiebepassage zum Eisjöchl (2907m), Abendessen und Übernachtung in der Stettiner Berghütte (2876m).
5. Etappe, Mittwoch, 30.07. / Stettiner Hütte – Haselgruber Hütte. 97,4 km, 2468 Hm bergauf, 2908 Hm bergab, 7h:23min Fahrzeit, kurze Schiebepassage. Schieben übers Eisjöchl, Downhilltrail auf Karrenweg zum Eishof, Mitterkaserer, Jägerrast, Karthaus im Schnalstal, Naturns im Vinschgau, Töll, 2. Frühstück nach 43 km Downhill in Meran, Marling, Tscherms, Ultental, St. Pankraz, St. Nikolaus, St. Gertraud, Kirchbergtal, Bärhap-Alm, steile Schotterpiste, Rabbijoch, Haselgruber Hütte (Edelweiß Hütte), Abendessen und Übernachtung in Berghütte.
6. Etappe, Donnerstag, 31.07. / Haselgruber Hütte – Andalo. 76,8 km, 2136 Hm bergauf, 3631 Hm bergab, 5h:09min Fahrzeit, keine Schiebepassagen. Mittelschwerer Downhill, Malga Cespede, Rabbi, Male, unscheinbare aber beißende Rampen nach Pozzo de le As, (Rif. Peller), Tuenno, Teres, Fiavon, Cunevo, Termon, Compodenno, Sporminore, Sporeggio, Bosco Daldos, Lago di Andalo, Andalo, Abendessen in Restaurant und Übernachtung im Hotel.
7. Etappe, Freitag, 01.08. / Andalo – Riva del Garda / Torbole. 55,7 km, 516 Hm bergauf, 1576 Hm bergab, 3h:25min Fahrzeit, keine Schiebepassagen. Val Biola, Molveno, Lago di Membia, Pezzolo, Ranzo, Lago di Toblino, Sarche, Pergolese, Pietramurata, Sent Marocche,  flacher aber steiniger Trail durch das Biotop Marocche di Dro, Dro, Arco, Riva, Torbole, Abendessen im Restaurant, Übernachtung im Hotel.
Rückreise, Samstag, 02.08. / 18,6  km, 221 Hm bergauf, 115 Hm bergab, Zugfahrt. Torbole über Nago nach Rovereto. Mit dem Eurocity bis Rosenheim, weiter mit Regional-Express nach Bad Endorf. 7,6 km, 127h Hm bergauf, 56 Hm bergab. Wieder auf dem Bike von Bad Endorf (540 m)
Endspurt nach Höslwang (600 m).
Der Track

Prolog

Januar. Es ist kalt und windig. Die Wohnung warm und gemütlich. Eine Runde joggen kommt gerade recht. Ein kurzes Telefonat und schon bin ich verabredet. 45min, die übliche Runde. Am Ende des Laufes denke ich noch: Mein Knie, mein Knie.

Februar. Es ist weder warm, noch kuschelig. Die Wohnung heimelig und meine Lektüre spannend. Und trotzdem: eine Runde joggen, wäre nicht schlecht. Ein kurzes Telefonat und ich bin verabredet. 60min, die übliche Runde mit Bonusmetern. Kaum bin ich daheim, schmerzt mein Knie ordentlich. Am anderen Morgen kann ich kaum noch gehen.

März. Einen Arzttermin zu kriegen ist gar nicht so einfach. Mit etwas Verzug schaffe ich es dann doch. Dotore meint, ich sei ein klassischer Meniskuspatient aber im Moment sei es für eine Operation noch zu früh und überhaupt, ich solle mal eine Bandage tragen, dann gehe das schon. Ich trage also Bandage und denke mir am Ostermontag: „Junge, jetzt ist alles wieder gut, geh laufen.“ Also gehe ich laufen. Patrick, Sohnemann, trabt nebenher und noch während sich schon nach dem ersten Kilometer mein Knie zunehmend mit der Meldung „Schmerz“ meldet, sage ich mir insgeheim, „passt schon, wenn Du warm bist, ist alles gut“.

Nach 50min humpele ich ans Auto und bereue einmal mehr gejoggt zu sein. Die nächsten 2 Wochen laufe ich wie ein alter Mann auf Eiern und die Schmerzen rechts unten sind einfach nur lästig.

April. Mein Termin zur Kernspintomographie. Anschließend, d.h. 3 Wochen später Audienz beim Doc. Der Doc bestätigt, was ich befürchtet habe, und was ich 10 Jahre zuvor links schon einmal  gehört hatte. „Tja, der Meniskus ist wohl eingerissen, da sollten wir operieren.“ Zwinkert der Sprechstundenhilfe zu und verweist mich an die Rezeption zur Terminvereinbarung. Ey, ich will im Juli Alpencross fahren und überhaupt, so eine OP kommt mir gerade gar nicht recht.

Mai. Meine liebe Frau fährt mich nach Rosenheim ins Ortho-Zentrum. Sie lächelt. Ich versuche dasselbe. Die Schwester nimmt mich ebenfalls lächelnd in Empfang und gibt mir noch Anweisungen in Sachen Krücken (was für ein Wort) und bezüglich der Stützstrümpfe (ein noch viel besseres Wort). Mein rechtes Bein ist rasiert und so sitz ich da und harre der Dinge. Mein liebe Frau verabschiedet sich immer noch lächelnd, bestätigt einmal mehr zuversichtlich, dass sie noch anrufen werde und ist auf einmal aus meinem Blickfeld verschwunden. In dieses Blickfeld rückt nun ein ebenfalls nett lächelnder weiß gekleideter Anästhesist und fragt mich doch glatt, ob alles klar sei und wie es mir gehe, bevor ich noch versuchen kann zu antworten, fallen meine Lider schwer zu Boden.

10 Tage später umrunde ich – zaghaft – zum ersten Male wieder den Zinnkopf und denke mir so im stillen „Ey, Alter, komm, geht scho, geht scho !!!“

Die Tour – unverhofft kommt oft.

Tag 1 – der Beißer Tag (im Wortsinn)

Es war mühsam. Die Reha, die kleinen Rückschlägen nach meiner ersten Zinnkopftour und das nagende Gewissen, es übertrieben zu haben. Aber nun, heute, nachdem ich doch einige Höhenmeter in den Gliedern, etliche Kilometer in den Beinen und einfach Lust im Kopfe habe, ist er tatsächlich da: der erste Tag des Alpencross Nummero sechs. Am Vorabend in stiller Tradition alles gepackt, alles gewogen und abgezählt. Luft getankt, Seitenbacher portioniert, Xenofit rationiert und Ausrüstung für vollständig und gut befunden. Der diesjährige Plan ist anspruchsvoll. Wie so oft, erlag ich einmal mehr meinen historischen Wahnvorstellungen und wollte natürlich unbedingt ein paar Highlight, so genannte „muss sein“ Varianten in die Tour mit einbauen. Und da ich in meinem Leben noch nie auf der Schneebergscharte und auf dem Eisjöchl war, wurde die Tour halt so gestrickt, dass eben genau diese Highlights (die Betonung liegt auf High) enthalten waren.

Ich bin angespannt und voller Ehrfurcht. Das ganze Jahr spricht man davon, plant, denkt, macht und tut und auf einmal ist er da: der Alpencross. Groß und mächtig, schicksalsträchtig.

Es ist früh am Morgen, meine liebe Frau wird in wenigen Stunden Riva verlassen und mit stolz geschwellter Brust (was für ein Gedanke) von ihrem ersten Alpencross nach 12.000 Höhenmetern zurückkehren. Dieses Mal mache ich kein zweites Mal den Fehler und inhaliere die sprengstoffartigen Naturkostmixgetränke sondern rolle sehr achtsam und konzentriert um 5.45h ohne risikoreiche Nahrungsaufnahme nach Traunstein. Der Zug geht um 6.27h.

Es ist ca. sechs Uhr, als ich am Wochinger Spitz den kleinen Park erreiche und die Luft ist klar und rein. Nur noch wenige hundert Meter trennen mich vom Traunsteiner Bahnhof und dem dort befindlichen Bahngleis, an welchem der Schaffner den symbolischen Anpfiff für den Alpencross 2008 geben soll. Zwei Hunde toben im Park um die Wette und jagen sich gegenseitig, ein dazugehöriges Frauchen steht mit wild fuchtelnden Armen auf dem Wege und ruft schon fast hektisch die Worte „hierher, hierher“. Ich fahre unbeirrt weiter, schließlich hat sie ja nicht mich gerufen. Eines der Viecher hält mich für satte Beute, lässt seinen vierbeinigen Gefährten links liegen und stürmt auf mich zu. Udo Cool denkt sich, was er sich immer denkt: „der tut schon nix“, denkt es und macht noch ein lautes zischendes „Hau ab“ dazu, ruft zu Frauchen „Nimm deinen ÄÀ§xzwÀڳڿ-Hund an die Leine“ und fährt weiter. Hund erschreckt sich, dreht ab, oder genauer gesagt, tut so, als ob er abdrehen würde, um dann unvermittelt ein Haken zu schlagen und haste-nich-gesehen, zack, peng, beiß, mich mit sattem Biß in den linken Knöchel zu beißen. Aua.

Frauchen kommt und ist ganz zerknirscht. Ja, es täte ihr leid, so was sei ja noch nie passiert und überhaupt, wenn ich den Hund schlagen wolle, dann könne ich das selbstverständlich natürlich gerne tun. Ich denke mir: „ey, sei froh, dass ich zum Zug muss …..“ und rolle mit pochendem Knöchel weiter. Treffer versenkt.

Am Bahnhof hat niemand Desinfektionsspray, der Taxifahrer nicht, der Busfahrer nicht, auch der Schaffner guggt mich nur fragend an. In meinem Erste-Hilfe Set sind alle möglichen Mullbinden, aber nix zum desinfizieren. Bergen, Bahnhof. Ein Bekannter steigt ein und wir kommen ins Gespräch. Er, Sanitäter und Krankenpfleger, ich mit frischer Bisswunde. Er schaut mich ernst an, und ich höre nur die Worte die er gebetsmühlenartig mit dem Satz „also ich würde …“ einleitet: „Krankenhaus“, „unbedingt“ „Keime“, Bisswunde“, „nicht zu spaßen“,  „Antibiotika“ und „Amputation“. Mir wird warm.

Endorf, Werner steigt zu. Ich bin etwas weiß um die Nase, Werner, die Erinnerung von 2007 noch frisch im Gedächtnis, schaut mich fragend an, als er sagen wolle „was ist schon wieder?“. Ich sage ohne jede Einleitung: „wir ändern unsere Route, wir machen einen Umweg übers Krankenhaus, das Motto der Tour war ja sowieso ´Operation geht scho´, scheiß auf den Anschlusszug“ und verweise auf meine frische Wunde.

Der diensthabende Doktor im Rosenheimer Krankenhaus lächelt verständnisvoll, ob meiner Eile, begutachtet die noch blutende Wunde und macht sich ans Werk. „Wohin wollen Sie?“ Eine Viertelstunde später hole ich Werner aus den sterilen Gängen des Klinikums, bezahle meine Praxisgebühr und wir hasten zum Bahnhof, in der Hoffnung einen weiteren Zug zu erwischen, der uns mitsamt der Bikes bis nach Schwaz transferiert. Das fängt ja gut an.

Zehn Uhr, Vormittag. Schwaz, Österreich. Der linke Knöchel pocht und in meinem Kopf echotet noch der Satz vom Stationsarzt „wenn die nächsten 5 Tage nix passiert, dann könnte es klappen bis Riva“.

Wir schalten unsere Garmins ein. „Alpencross on“. Eisjöchl und all ihr anderen Gipfel: wir kommen. Wenngleich ich mich ein wenig mit dem linken Knöchel verkopfe, es gelingt mir die ersten Anstiege in Richtung Weerberg zu meistern ohne vom Rad zu fallen. Ein gutes Omen.

Wir hatten die Tagesetappe ja ursprünglich von Lengries bis zur Weidener Hütte geplant. 100 Kilometer wären das am ersten Tag gewesen, daher haben wir etwas umdisponiert. Nicht das die Wegführung von Schwaz zum Weerberg anspruchslos wäre, nein mitnichten: der Teer, die gut 18%ige Steigung und überhaupt mein Puls. Aber als es dann auf den Schotterweg einmündet und der Berg sich immer noch aufbäumt, da meldet sich nicht nur mein Rücken, sondern auch meine Moral und einmal mehr mein Puls mit mindestens 10 Schlägen über dem Durchschnitt. Hundekeime ?

Auf dem Weg zur Weidener Hütte, ich freu mich schon auf eine ordentliche Brotzeit, überholen wir einen einsamen Biker mitsamt seinem Bike voller Ortliebtaschen. Na ja, der hat keinen Hundebiss, ist langsamer und schnauft genauso. Doch keine Keime ?

Oben an der Weidener Hütte, dann das Entsetzen: Baustelle, Kräne, Bauschutt wohin man schaut. Die komplette, einstmals gemütliche Hütte, vollständig ausgehöhlt und scheinbar einem Sanierungsprojekt unterworfen. Nix Brotzeit, keine Rast, keine Erholung. Warum auch, wir haben ja höchstens erst die Hälfte des Weges und, überhaupt, die Wolken über uns, kochen ein Süppchen. Mittlerweile ist der einsame Ortlieb-Ostdeutsche auch eingetroffen und erzählt uns von seinem Plan, ebenfalls die Alpen zu überqueren und dass er so gerne draußen schläft in seinem Schlafsack und das das aber so anstrengend sei und er nicht genau weiß, wo es lang gehe. Na bravo, viel Spass dabei.

Während es immer düsterer und merklich kühler wird, meldet sich Herr Gott von oben donnernd und polternd zu Wort. Die Stimmung schlägt um. Das Geiseljoch in der Sonne, wird mir auch dieses Mal nicht vergönnt sein. Werner ist bereits in seine komplette Regenmontur gesprungen und hat alle Schoten dicht gemacht. Ich selbst, man ist ja lernfähig, habe zumindest alles dabei: Gore Regenhose, Überschuhe, Handschuhe und eine ordentliche Regenjacke. „Werner, wart, ich zieh nur schnell alles an“.

Herr Gott öffnet die Schleusen und pustet uns was, und wir ziehen schiebend und triefend auf dem schmalen sich windenden Trail nach oben bis hinauf zum Geiseljoch auf 2286m. Einmal mehr erlebe ich hier trübeste Suppe und wie man das Wörtchen „ungemütlich“ sonst noch definieren kann. Nun schnell noch die letzte Garnitur ausgepackt, Kopfsocke drüber und dieses mal rechts dem richtigen Wege bis Lanersbach folgen. Der Weg ist voll gesogen, die Pfützen prall gefüllt, der Matsch und Schmodder unausweichlich. Die Kuhfladen zwischendrin machen dass Ganze nicht einfacher und so versuchen wir mehr schlecht als recht unseren Slalom bis ins Tal. Mit klammen Fingern, verdreckter Kleidung und ordentlich durchgeweichten Überziehern an Hand, Kopf und Fuß landen wir – ziemlich ausgepumpt – in Lanersbach. Der alte Herr am Straßenrand meint, bis Tux sei es nicht mehr weit und so entscheiden wir uns, jetzt ist es schließlich auch schon egal, noch Bonusmeter zu machen. Mein Puls ist unverändert überdurchschnittlich, aber das Ziel haben wir nun vor Augen und die Nässe ist nun schon soweit fortgeschritten – schlimmer kann es nicht kommen. Wir schrubben Kilometer und gegen Ende der Rollzeit hat sogar Herr Gott ein Einsehen und stellt die Wasserzufuhr ab. Als wir in Hintertux ankommen sind die Glieder weich, die Haare nass, die Kräfte endlich und die Lust auf einen großen vollen Teller riesig. Wir fackeln nicht lange und suchen das beste Quartier des Ortes auf. Heiß geduscht (ein Fuß muss draußen bleiben), Körperhorchen, eine Runde Matratzencheck und dann ein Stockwerk tiefer und nur noch bestellen. Das volle Programm.

Wir fallen müde und erschöpft ins Bett. Mein Fuß ist noch dran, mein Puls hat sich beruhigt, mein Rücken entkrampft und überhaupt ist der erste Tag geschafft. Was will man mehr. Meine letzten Gedanken vor dem Einschlafen murmeln noch „Scheiß Köter“ und dann schlafe ich tief und fest. Ganz tief und ganz fest.

Erkenntnis des Tages:

1) Hunde, die nicht angeleint sind, können beißen.

2) Ostdeutsche mit Packtaschen haben es schwer.

Adresse des Tages: Pension Jörglerhof, Familie Schrempf, Dorfplatz 769, A-6294 Hintertux, 0043 52 87 87 3 29, www.joerglerhof.at, info@joerglerhof.at

Tag 2 – Der Warmduschertag

Der Anstieg zum Tuxer Haus beginnt halbwegs entspannt. OK, 22% Steigung nach dem Frühstück unmittelbar im Ortskern Hintertux sind, auf vollen Magen, anspruchsvoll. Aber dennoch: mein Puls hat sich normalisiert, mein Knöchel ist weder geschwollenen noch abgefallen. Hoffnung macht sich breit.

Der Weg hinauf zu den Bichlalmen ist moderat, erst ab der Bahnstation wird es richtig kernig. Eine junge Dame, die es sich auf einer Bank gemütlich gemacht hat, ruft uns von weitem schon zu: „Heh, ihr da, ihr seid wohl Cracks, so wie ihr hier hochfahrt“. Werner nimmt die Steilvorlage prompt an, hebt den Brustkorb und lächelt wie James Bond zu besten Zeiten. „Na ja“, meint er bescheiden und lässt die Antwort somit offen, obwohl er eigentlich ein eindeutiges „Ja“ in den Raum signalisieren will. Die kontaktfreudige Lady verrät uns, dass sie schon im Dschungel biken war und an dem Anstieg dort oben bislang noch jeder abgestiegen sei und sie schon gespannt ist, wie wir die Prüfung meistern. Werners Brustkorb wird unmerklich noch ein wenig größer und ich spüre förmlich, wie er darauf brennt, es ihr zu beweisen. Wir nehmen die Schotterserpentine.

Ich kralle mich hinter meinen Lenker, schließlich war ich ja auch angesprochen. Werner beißt. Ich beiße. Wir bohren uns in den Berg … und schaffen tatsächlich die Rampe, deren %Wert bei jenseits der 20 steht, um unmittelbar hinter der Kuppe zu entdecken, was die Lady tatsächlich gemeint hat. Frei nach dem Crocodile Dundee Motto „Das ist kein Messer. Das ist ein Messer“, offenbart sich nun die eigentlich Rampe. Das war keine Rampe, dass ist jetzt eine Rampe !!! Weia. Ich kralle mich hinter meinen Lenker, Werner tritt in die Pedale, als oben ein Doktortitel auf ihn warten würde. Auf halbem Wege komme ich zur Besinnung. Also wirklich nicht, ich bin auf Alpencross nicht bei Österreich sucht den Klettermeister (ÖSDK) – ich brauche meine Körner noch für den Rest des Tages, den Rest der Woche. Udo steigt ab und schiebt. Oben angekommen, grinst Werner breit. „Na?“, ich sage neidlos und anerkennend „Toll, Wörner, gut gemacht, aber das war mir too much und für die Dschungeldame dort unten muss ich mir die Schenkel nicht aufreißen. Nee.“ Weiter geht es bis zum Tuxer Haus und eine allerletzte Bergwertung stellt sich uns in den Weg. Diese meistern wir diesmal gemeinsam, wenngleich auch hier die Bodenhaftung sich in grenzwertige Bereiche verabschiedet.

Tuxer Haus. Rast. Hier auf 2.340m ist die Welt in Ordnung. Ruhe, sogar der Puls schafft den Weg hinunter von 170 auf Normallevel und wir grinsen breit und zufrieden. Zweite Hürde geschafft. Halbzeit Tag Nummer zwei.

Weiter geht es nun in Richtung Tuxer Teich und daran anschließend erwartet uns ein Sahnetrail. Höchst anspruchsvoll, aber weitestgehend – volle Konzentration vorausgesetzt – fahrbar. Wir fotografieren, grinsen, jubeln, filmen, dokumentieren und freuen uns wie kleine Lausbuben nach jeder erfolgreich Spitzkehre, die wir langsamst mit feinfühlig dosierter Bremse uns zentimeterweise erarbeiten. Geil. Genial. Einfach schön. Alpencross Momente der wertvollen Art.

Auch der schönste Trail einmal geht zu Ende und die letzte Sektion führt durch einen steilen Abhang über Stock und Stein und einen Wurzelteppich. Bei aller Liebe: nicht fahrbar.

Nach ca. 20 Minuten spuckt uns der kurze Waldabschnitt wieder aus und vor uns liegt das herrlich fruchtbar grüne Tal von Kasern. Nun lösen wir die Bremsen und lassen es krachen. Ich sage es immer wieder und sage es gerne noch einmal: das ist fast so schön wie Sex. Kein Quatsch. Wow. Der Grasboden und die Furchen im Weg lassen sich wunderbar surfen, hier ein Anlieger, dort ein kleiner Sprung, um die Brocken herum, alles im Takt. So muss Flow sein. Die Wanderer gehen freiwillig zur Seite und nur das Viehgatter kann uns stoppen. Schade, so hätte es noch stundenlang weitergehen können.

Die Rast in Kasern ist obligat. Ein alte Hütte dient als gemütliche Alm mit Cafe Option und hat dicke Kuchenstücke im Angebot. Die nette Bedienung trägt den Rest zum Umsatz bei. „Werner, konzentrier dich auf die Speisekarte“. „Ähm, wo, wer, ich?“.

Wir stellen unsere interne Alpencrossuhr auf „off“ und stoppen sowohl Zeit als auch Raum. Bauern bei der Arbeit rechen Heu, der Wasserfall im Hintergrund tut das, was er schon seit Jahrtausenden tut, er fällt, die Bedienung reißt uns aus den Tagträumen. „Wer? Äh, ja wir hatten zwei Radler und den Kuchen und den Kaffee. Ja, so ein schönes Dirndl hams da an ….“ Unglaublich, Werner zieht alle Register.

Ticktack, ticktack. Selbst 100% Augenblicke gehen vorüber und auch wenn wir das Geschirr bereitwillig der netten Bedienung hinterher tragen, so ändert das alles nichts an der Tatsache, dass wir weiter müssen on our way to Riva. „Werner, komm, reiß Dich zusammen“.

Die Abfahrt bis hinunter nach Jodock ist ein Traum. Vorbei an einer traumhaften Kulisse, alter Häuser links und rechts des Weges, das Tuxer Joch weit hinter uns, der Talkessel öffnet seine Arme und senkt sein Haupt, sodass wir gemütliches Rollen betreiben können und dabei einmal mehr das breite Alpencross-Grinsen üben. Unser GPS führt uns zuverlässig über kleine verkehrsberuhigte Seitensträßchen, die vorbei am rauschenden Bach, eine Wonne und ein Geschwindigkeitsrausch zugleich sind. AAAAAAAAAAarggggggggghhhhhh. Völlig unvermittelt wird aus Teer Schotter und inmitten des Baustellenschotters macht die Strasse, die eben noch so romantisch, friedlich abfallend war einen scharfen Knick über eine nasse Holzbrücke. Scheiße. Werner und ich: beide mit ca. 60km/h voll in die Eisen und dabei versuchen mit möglichst minimierter Geschwindigkeit die Holzbohlen der Brücke zu treffen, ohne ins Schlingern zu geraten.

Irgendwie haben wir es geschafft. Und doch, wir müssen kurz anhalten, um das Herz aus der Hose hervorzuholen und wieder zu beruhigen. Das war knapp. Sauknapp. Boh ey.

Etwas gemäßigter, sozusagen geläutert rollen wir nun weiter bis Vinaders und Gries. Es ist, als ob man die Lausbuben beim Stehlen und Naschen von verbotenen Bonbons erwischt hätte. Irgendwie fühlen wir uns kurzzeitig etwas kleinlaut.

Gries, rechts ab, kurz noch der Anstieg unterhalb der mächtigen Brennerbrücke und schon liegt die kleine Kirche vor uns. Der Abzweig zur Sattelbergalm ist unübersehbar. Dort wollen wir heute mindestens noch hin. Schon mein erster Stopp, seinerzeit 2004 war ein Juwel. In jedem Fall statten wir Alois, dem Wirt, einen Besuch ab.

Auf dem relativ anspruchslosen Weg hinauf zur Sattelbergalm auf 1.637m überholen wir eine Alpencrosstruppe und halten ein zwangloses, aber nettes, Pläuschchen. Puls gut, alles gut. Mein Knöchel ist spürbar, aber weitgehend schmerzfrei, der Rücken klaglos und mein treuer weißer Centurion-Lippizianer pflügt brav seine Spur in den Waldboden. So soll es sein.

Es ist ca. 16h, als wir oben an der Sattelbergalm ankommen. Bestes Wetter. Zu früh zum stoppen, aber irgendwie auch zu spät zum „richtig“ weiterfahren. Wir entscheiden uns zumindest einen kleinen Break einzulegen. Kaum sind wir an der Alm, schon sind die Würfel gefallen. Ey. Wir sind doch nicht auf der Flucht. Traumhaft schön ist es hier, es wäre eine Schande weiterzufahren und diese Wellness Oase links liegen zu lassen. Niemals. „Alois, zwei Bier“. Breites Grinsen.

Einige Biker sind schon hier und so mangelt es an Themen nicht. Die Berge ringsum sehen würdevoll auf uns hinab, wie jene weißhaarige Senioren in den französischen Parkanlagen. Wir beziehen unser Quartier und bestellen zwei weitere Biere. Das Leben ist schön.

„Alois, sag mal, der Zuber dort vorne auf der Wiesn, geht der?“. Alois schaut mich an, als ob ich scherze und antwort „Selbstverständlich, 38°C, probiert es aus, dazu ist er da“. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Runter mit den Klamotten, rein ins Holzdampfbad auf der grünen Wiese mit 360° Gratispanorama. Was für ein Leben. Ungeachtet der Tatsache, dass das Badewasser für alle Gäste das gleiche ist, so bleiben wir mit unserem Weißbierglas doch eine Weile in dieser Holzbadewanne sitzen und versuchen so breit zu grinsen wie noch nie. Mit meinem DIN A4 Funktionsfaserhandtuch trockne ich mich ab und Alois bittet schon zu Tisch. Das Abendmahl auf der Sattelbergalm und erst Recht der zu später Stunde hervorgeholte Grappa Speziale sind eine Wucht. Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: es mangelt uns an NIX. Es geht uns bestens.

Auch wenn dieser Tag ein, was das Tagespensum als auch den abendlichen Badegang betreffend, ein Warmduschertag war, so sind genau dies die Momente und Erlebnisse, die sich einbrennen und die mit dem dazugehörigen Foto als Bildschirmschoner monate- wenn nicht sogar jahrelang andauern. Das Rezept ist ebenso simpel wie gratis: beim nächsten Stressmoment im grauen Alltag: hol dir dieses Bild hervor, schließe die Augen und überlege Dir, was wirklich wichtig ist im Leben. Wirkt, ohne Nebenwirkungen.

Wir schlafen ohne große Umstände schnell und friedlich ein. Werner holt seine Säge.

Erkenntnis des Tages:

  1. Badewannen im Freien heißen Badezuber. Sie fassen 2000 Liter.
  2. Das Wasser ist warm und darin ist es geil.

Adresse des Tages: Sattelbergalm, Familie Nagele, Neder 311, A-6156 Gries, 0043 52 74 877 17, www.sattelberg.com (immer wieder eine AlpX Bank!)

Tag 3 – last minute vor dem Regen Tag

Neuer Tag, neues Glück. Vor uns liegt ein gutes Stück Arbeit. Tagesziel ist das Schneeberghaus, bis dorthin muss ein gewaltiger Buckel überwunden werden: die Schneebergscharte auf 2.690m. Doch bis dahin ist es noch ein Tagesritt. Wir satteln unsere Pferde, nachdem wir ausgiebigst Sattelberg-Rühreier und Sattelberg-Cappucino und einen letzten Plausch mit Alois genossen haben. So kann der Tag kommen.

Jedoch währt die Freude nicht lange. Schon nach kurzer Rollstrecke bäumt sich der Jubiläumsweg auf und vermittelt stumm die Botschaft: Jungs, schieben. Gut 400 Höhenmeter müssen wir nun überwinden, bis wir nach einer Stunde den Sattelberg erklommen haben und am Gipfelkreuz weit über der Brenner Autostrada anschlagen können.

Das Panorama ist phantastisch, der Ausblick in die Ferne atemberaubend, sogar die gestrige Schlüsselstelle, das Tuxer Joch ahnen wir erkennen zu können. Genial. Es geht so schnell und schon ist man wieder mittendrin im Alpencross Alltag. Nicht einmal der Hauch eines Büroschatten drängt sich in unsere Gedankengänge und Gespräche. Alltag ? Kennen wir nicht. Berge, Gipfel, Fernsichten und Hormonschübe, all das begegnet uns in diesen Tagen und es sollten noch viel, viel mehr davon werden.

Die Brenner Grenzkammstrasse ist legendär. Deshalb darf man sie auch ruhig 2x im Leben (oder auch öfter) fahren. Einfach zu schön. Auf einer Höhe von ca. 2000m schlängelt sich die alte Militärschotterpiste am Berghang entlang, gibt immer wieder sagenhafte Blicke in das darunter liegende Tal frei und treibt die Glückshormone in gefährliche Höhen. Es geht uns prima. Auf der Abfahrt lassen wir die Pneus nur so schnurren, die Kehren nehmen wir locker und so vergeht der Vormittag im Wortsinne, wie im Flug. Was für ein Leben.

Kurz vor Gossensaß dann meldet sich das Bremssystem von Werner mit einem verdächtig schmirgelndem Geräusch. Zum Glück geht es nun die 16% Steigung hinauf, da werden die Bremsen selten benötigt, doch beim Gleiten hinunter nach Sterzing nähert sich Werner dem Metall auf Metall Status immer mehr. Zeit für einen Boxstopp. Für Mensch und Maschine.

Die Fußgängerzone von Sterzing ist dafür ein prädestiniertes Terrain. Eine etwas lieblos touristische Nudelportion, ein Radler und Leute-guggen. Einmal mehr Grund genug für unser breites Grinsen. Der Rad Shop um die Ecke könnte um 14h wieder öffnen.

14.15h. Wir sind wieder startklar. Werner hat neue Bremsen und auch neue Pedale (die alten hatten sich verschleißbedingt nach 8 Jahren in die Bestandteile aufgelöst). Udo hat neue Kraft geschöpft. Nun schnell nach Ridnaun, wir haben den eigentlich kernigen Anstieg erst noch vor uns. In mir regt sich Respekt und Ehrfurcht in Anbetracht des Höhenprofils, welches mir an meinem Cockpit schamlos und völlig unbeeindruckt entgegenlächelt.

Etwa 1500 Höhenmeter am Stück liegen vor uns, die letzten 500-600 davon unwegsam und in keinem Fall fahrbar. Es ist mittlerweile 15h. Nach dem Motto „jeden Tag eine gute Tat“ helfen wir der jungen Dame, die mit ihrem Tourenrad am Wegesrand verzweifelt versucht ihr ehemals dünnes modisches Esprit (oder was immer das war) Strickjäckchen aus den Fängen der Kette und des Ritzelpaketes zu zerren. 10 Minuten später hat sie ihr Jäckchen, bzw. die Reste davon zurück und wir schwarze Finger. Weiter geht’s. Der Weg nach Maiern ist traumhaft, wenngleich auch etwas anstrengend. Ein märchenhafter Trail entlang eines Wiesenhangs, durch einen schmalen Wald mit ordentlichen Anstiegen, ein bunter Mix mit allen Stilelementen des Mountainbiken. Wunderbar.

Moarberg. Bergwerk. Klingt als ob hier der Ursprung zu Herr der Ringe zu suchen wäre. Und die Kulisse hier in Maiern ist wahrhaft etwas verwoben gespenstisch. Es fehlen nur noch die Nebelschwaden, die an den steilen Berghängen entlang wischen, als ob sie uns, ob unseres Vorhabens warnen müssten: „Jungs, passt auf, es ist steil, der Berg wirft Euch ab.“

Schon die allererste Neigung lässt uns ahnen, was kommen wird. Meine Herren. Oberkörper nach vorn, Zähne aufeinander, locker bleiben, ruhig atmen (soweit das noch möglich ist) und durchhalten. Vereinsamte Wanderer feuern uns an und mein Respekt steigert sich. Werner, unerschütterlich, verleiht der Hoffnung Ausdruck, dass es irgendwann zu Ende ist. Klar, Werner, irgendwann. So zieht sich der Weg stet und unnachgiebig nach oben, ohne nur einmal wirklich eine Verschnaufpause zu gewähren. Ey ! Scheiße, ist das anstrengend. Sorry, aber ich bleib einfach mal stehen, esse stoisch meinen Riegel und bemerke, wie sich nicht nur meine Motivationslage, sondern auch die allgemeine Wetterlage zunehmend verschlechtert. Wolken ziehen auf. Der Talkessel macht immer weiter zu und ganz weit hinten, kann man nur schemenhaft erkennen, wo die nächst beste menschliche Behausung sich befinden müsste. Wir radeln weiter, Meter für Meter, Schnauferer für Schnauferer, Umdrehung für Umdrehung.  Es ist mühsam, und – so paradox das klingen mag – doch so schön.

Wie ein Bandwurm liegt der Schotterweg, an der sich in die Höhe windenden Bergflanke. Keinen Meter schenkt er her und völlig unbeeindruckt lassen ihn scheinbar unsere Bemühungen vorwärts zu kommen. Einzig allein der Blick zurück entschädigt: die Bergwelt hier ist rau und schroff, aus irgendeinem Stollen werden bald mal Stollentrolle heraus kommen und uns angreifen und versuchen vielleicht uns in die Knöchel zu beißen. Knöchelbeißstollentrolle, oder so was.

So langsam, aber wirklich nur ganz langsam, erscheint am Horizont das Poschhaus. Es ist ziemlich genau Punkt 18 Uhr, als wir am alten Gemäuer der Moarbergalm, auch Malga Posch genannt, anschlagen. Pünktlich mit unserem Anschlag, öffnet Petrus ein Stockwerk über uns die Schleusen und wir überlegen nicht lange, was nun zu tun ist. Genauer gesagt: ich überlege nicht lange. „Ey, Werner, wir bleiben. Jetzt noch 500-600 Höhenmeter im Regen schieben und dann wieder 400 Höhenmeter runter, dann ist es 20h und wir sind am Anschlag – nee, komm, wir brechen ab und bleiben“. Werner zögert und irgendwie bin ich mir sicher, wenn ich frohlockt hätte, ala „ey, alter Warmduscher, komm, wir packen das locker“, er hätte es wohl gemacht. So lässt er sich doch halbwegs schnell überzeugen und wir machen es uns in der kleinen Stube zusammen mit zwei anderen Crosser-Teams gemütlich.  Wobei „gemütlich“ ist es etwas anderes. Auf der Poschalm gibt es keine Dusche, Warmwasser schon gar nicht und auch sonst keine Extras. Die Bikes nächtigen im Kuhstall.

Wir sitzen zu acht in der kleinen Stube. Die eine 4er Gruppe ist locker drauf und schnell sind wir im Gespräch. Die anderen 2 Jungs haben so gut wie noch nie Kontakt mit fremden Menschen gehabt. Sie guggen nur doof und sagen kein Sterbenswort, geben höchst einsilbige Antworten, wenn sie denn gefragt werden. Sollen sie doch. Gegen Ende des Abends gibt dann ein Wahnsinniger der 4er Gruppe das Motto aus: „Schon klar, oder, morgen starten wir um 6h“ Wie bittähhhh?

packen

Ey, nein, NEIN, so haben wir nicht gewettet. 6h. Da ist noch nicht mal der Hahn von der Poschalm wach, da schlafen noch alle, ich glaube, dass ihr spinnt. Aber was macht Werner. Anstatt mich bei diesem strategisch wichtigen Veto zu unterstützen, stimmt er ein, in diesen Wahnsinn. Sagt doch glatt: ja genau, die 1000 Höhenmeter von heute, die uns fehlen, können wir nur so wieder aufholen. Ey ! Das Dumme an dem Thema ist, dass ich insgeheim weiß, dass es soooo verkehrt nicht ist, aber mein Kuscheludo in mir sagt: blas den Schmarrn ab, wir schlafen aus. Am Ende gelingt es mir Werner auf 6.15h runterzuhandeln. Immerhin.

22h Hüttenruh. Draußen gießt es in Strömen. Viel Schlaf bleibt uns schließlich nicht. Mir wird bang, bei dem Gedanken, was morgen vor uns liegt. Wir liegen hinter Plan und wollen morgen noch auf das Eisjöchl auf 2950m und auf dem Programm liegen allein eintausendfünfhundert Höhenmeter schieben. Weia.

Erkenntnis des Tages:

  1. 6 Uhr ist zu früh.
  2. 6 Uhr ist vernünftig

Adresse des Tages: Poschalm, Ridnaun.

Tag 4 – Königsetappentag

6 Uhr früh, genauer kurz nach 6.00h. Wo bin ich ? Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so früh ? Ey, das darf doch nicht wahr sein. Aber: schönstes Tagesanfangsonnenaufgangswetter ! Wow. Frisch gewaschene Luft. Klarer, reiner Blick. Tief einatmen. Herrlich. Sag ich doch, Morgenstund hat Gold im Mund. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Wunderbar. Kommt nur, ihr Berge, wir haben den ganzen lieben langen Tag Zeit, Euch niederzuringen. Ihr schlummert noch, wir sind schon wach. 

Ein mehr oder minder umfangreiches Hüttenfrühstück, das durchaus noch Potential zur Optimierung bietet, nehmen wir, zu dieser frühen Stunde noch etwas maulfaul, in Augenschein und schließlich dann auch zu uns. Der dünne Kaffee macht uns noch etwas munterer (als wir ohnehin schon sind, haha) und die schweigsamen Vögel von gestern tragen zur allgemeinen Stimmung aktuell auch nicht bei. Das 6 Uhr 4er Team hat bereits zum Angriff geblasen und den Saal verlassen und ist auf dem Weg hinunter ins Tal.

7.15h, man stelle sich vor: wir brechen tatsächlich auf. Ein Novum. Das gab es noch nie. Vor uns türmen sich die Steine auf. Ein schmaler Pfad führt steil hinauf in Richtung Schneebergscharte – der Name allein klingt schon schroff und kalt. Wir schieben. Erinnerungen an die Krimmler Tauern 2006 werden wach. Steine so große wie Autos, Stufen so hoch wie 2 Kisten Bier, Absätze und Wegbeulen, alles in allem einfach nur eines:  unwegsam.

der frühe Vogel

Wir kämpfen uns voran. Schritt für Schritt. Obwohl es noch vergleichsweise kühl ist, rinnt der Schweiß bereits die Stirn hinunter. Das Bike lässt sich nur schwerlich schieben, immer wieder verlangt die verblockte Wegführung, dass hochheben, das lupfen und stemmen unserer Alurösser. Ist es anstrengend? Eindeutig: ja.

Nach exakt 1:21h haben wir es geschafft. Das Schweigsam-Duo hat uns fast eingeholt und so stehen wir gegen gut 8.30h zu viert auf 2.680m Höhe und schauen stolz und abermals breit grinsend hinunter in die ringsum liegenden Täler. So geil. Aber so geil schon !!!

Up

Während die Herren Doof sich schnell wieder auf den Weg machen, genießen wir die Aussicht und die dem Himmel sehr nahe Ruhe. Hocken auf den Steinvorsprüngen, machen Fotos und Faxen und geben uns fünfe. Yep. Gut gemacht. Nur noch knapp 1000 Höhenmeter schieben. Na immerhin.

Kraftüberschuss

Die Welt hier oben steht still. Wer einen Ort für innere Einkehr sucht, der wäre hier gut aufgehoben. Da klingelt kein Handy, Fax und eMail haben keinen Empfang und überhaupt wer hier an diesem himmlischen Ort jemals einen Blick in seinen Terminkalender geworfen hat, ist selber schuld. Es ist schlichtweg phantastisch schön. Auch ohne Outlook und Xing.

Time to think

Schön ist auch die Abfahrt, die wir zunächst ein kleines Stück schiebend uns erarbeiten müssen. Das Schneeberghaus auf der anderen Seite der Scharte hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Viele Schautafeln, und das gesamte, sehr aufwändig restaurierte Gelände lassen darauf schließen, dass an diesem Bergwerksstollen und in diesem Bergwerkshaus sich viele, viele Legende und historische Begebenheiten zu getragen haben. Einmal mehr verweilen wir an diesem mystischen Ort, um kurz darauf ins Tal hinab zu gleiten. Durch eine herrliche Landschaft geht es stet Directione downhill. Jaaaa.

Wir landen am Ende der Welt, in Moos, ganz unten am rauschenden Bach, der voller mächtiger Steine ist und an dessen Anschluss sich in Pfelders unmittelbar schon wieder die nächsten Rampen auftürmen, wo das ganze Drama nun wieder bis zur Lazinser Alm von vorne beginnt. Oje. Runterschalten, zusammenreißen, Wasser bunkern, Xenofit und Seitenbacher einwerfen und los geht’s.

Weil es eben ein Naturgesetz ist, dass der frühe Vogel den Wurm fängt, respektive den Berg erklimmt, landen wir – hast-du-nich-gesehen – pünktlich zur christlichen Mittagszeit schon an der Alm und dürfen, ohne auch nur ansatzweise ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, das Mittagessen ordern. Omelett mit Speck, Kuchen, Radler, Kaffee und eine ordentliche Mütze voll Mittagsschlaf in der wärmenden Sonne. Wunderbar.

Jetzt müssen wir „nur“ noch 1000 Höhenmeter schieben und „schon“ sind wir da. Der Blick hinauf zeigt uns jedoch wo, oder besser, wie hoch der Hammer hängt. Gescheit hoch. Unser Ziel in weiter Ferne liegt auf 2900m. Wir kleinen Würmer hier unten auf 1900. Man hat uns gewarnt. Jeder, dem wir unser Vorhaben verrieten, warnte uns mit den Worten: „Jungs, Obacht, hochalpin, 3 – 3,5 Stunden Gehzeit habt ihr da schon vor Euch“. Nun denn, jetzt sind wir schon mal hier und umkehren gültet nicht.

pushing

15.15h. Wir müssen los. Schieben, tragen, stoßen (wie der Schweizer zu sagen pflegt) und das Kehre für Kehre. Die gemütliche Lazinser Alm rückt zunehmend in weite Ferne, das Eisjöchl ist noch nicht einmal erkennbar. Das Gelände wird zunehmend alpiner und wir befinden uns in einem steinernen Meer. Drüben, gar nicht so weit von uns entfernt donnert eine gewaltige Steinlawine den Berg hinunter und das Bollern und Grollen trommelt gewaltig über die gesamte Kulisse hinweg, wie Warnschüsse die uns abhalten sollen. Wir schieben, tragen, stoßen.  Immer wieder halten wir kurz inne, blicken rundum, grinsen, schnaufen, nicken uns zu und folgen stumm und ergriffen unserem Pfad. Was für ein Leben.

17.45h, Uhrenvergleich: 5.45h p.m. Wir sind oben. Richtig oben, knapp auf 2900m am Eisjöchlhaus. Ein Riesenschrei wird frei ! JaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaJaaaaaaJaa!!!!!!!

Stettiner Hütte

Gänsehaut, auch hier wieder beim Schreiben. Unbeschreiblich.

Ganz oben ! Wahnsinn, klasse, toll, prima, schön. Stolz. Ich mache gedanklich die Kerbe auf meinem imaginären Alpencross-Colt. Auch hierher wollt ich schon immer mal. Meine Güte, ist das schön. Jede Menge Eindrücke. Eisjöchl. Volles Haus. Kein Warmwasser, woher auch ? Egal. Die Stube ist warm und prall gefüllt. Voller Wanderer und verirrte Biker, darunter an unserem Tisch auch Alpencrosser aus dem Frankenland. Wir quatschen bis es gegen 22h nun wirklich Sinn macht, die Hüttenruhe zu nutzen, schließlich wollen wir morgen ja auch um 7h starten, logo, wann denn sonst, schließlich fängt der frühe Vogel den Wurm.

In unserem 8er Lager machen wir es uns gemütlich und löschen das Licht um 22.10h. Um 22.30h dann poltern 6 wild gewordene angetrunkene Rentner mit undefinierbarem österreichischem oder sächsischem Dialekt in unsere Kammer und haben scheinbar allen Grund sich über irgendwelche Witze totzulachen und kriegen dabei für die nächsten 20 Minuten einfach ihre Klappe nicht zu. Ich bin drauf und dran mein verbales Rasiermesser zu zücken, rede mir aber immer wieder ein, Respekt vor dem Alter zu haben und mich daran zu erfreuen, dass ich gesund und jünger hier oben sein darf und verkneife mir so meinen bissigen Kommentar. Solche Prolls, da waren wir ja als Teenager handzahmer. Also echt.

Um das ganze zu toppen, holt Werner dann noch seine große Säge hervor. Na bravo.

Erkenntnis des Tages:

  1. Der frühe Vogel fängt den Wurm.
  2. Alter schützt vor alkoholbedingten Ausfällen nicht.

Adresse des Tages: Eisjöchlhaus, Eisjöchl

Tag 5 – der lange Tag

Um 6h ist die gesamte Hütte wach. Alle wahnsinnig, die Wanderer. Die Österreich/sächsische Fraktion in unserer Kammer ebenso. Sie müssen anscheinend noch immer über die Ausläufer der Jokes vom vergangenen Abend denken. An Schlaf ist nicht zu denken. Nun denn, also ab in den spartanischen Waschraum, Eiswasser zum wach werden und dann reihen wir uns in die langsam größer werdende Warteschlange vor dem Frühstücksraum ein. Vorher noch ein Blick vor die Tür. Ein wunderbarer Tag liegt vor uns – schließlich haben wir die zwei schwierigsten Buckel hinter uns gebracht. Die Luft ist rein und klar, noch etwas kühl. Ein paar Steinwürfe entfernt turnt eine Gämsenmutter mit ihrem Nachwuchs auf dem schmalen Grad auf etwa 2950m Höhe rum und lässt sich auch von unsere hektischen Fotografieraktivtät nicht beeindrucken.

Bock

Essen fassen. Naja, Essen ist ein relativ dehnbarer Begriff hier oben. Es gibt ein dünnes Müsli und so etwas ähnliches wie Kaffee. Muss reichen.

7.45h Schluss mit lustig. Auf geht’s. Noch steigt etwas Dampf auf, in der Nacht hat der Regen ein Trommelsolo auf dem Hüttendach hinterlassen, dass man kurz glaubte Phil Collins hat In the Air tonight in Überlänge auf dem Eisjöchl neu inszeniert. Nun herrscht wahrhaft traumhaftes Wetter. Wir schieben die paar Meter bis zum Grat, um dann ebenfalls ein paar Meter talwärts zu marschieren. Kurz darauf genießen wir den abwärtsführenden Trail in all seinen Facetten. Ich spare mir jetzt weitere Ausführungen, sondern verweise auf sämtlich verfügbare Adjektive um die Worte „schön“ und „toll“ herum und möchte den geneigten Leser bitten, sich zurückgelehnt, mit geschlossenen Augen einfach in dieses wahnsinnig phantastische Tal hinab „beamen“ zu lassen und die geeigneten Worte sich dazu zu malen. Unglaublich. Kurze Pause.

episch

Fertig? Das waren 30 (!) Kilometer Sinkflug vom allerfeinsten, durch eine Landschaft die ihresgleichen sucht, in einer Kulisse die schlicht alpin ist, durch Bergdörfer hindurch, die ach …… hach.

Naturns ist also schnell erreicht, die letzten Kilometer auf der Passtrasse hinunter erlauben uns, es richtig krachen zu lassen. Kurz drauf, der Radweg in Meran ist schnell gefunden, sitzen wir im Zentrum von Meran und gönnen uns weltmännisch zwei Cappuccino und ein Schinken/Käse Baguette. Meran, 10h, die Frisur sitzt. Es geht uns gut.

Ungeachtet der Tatsache, dass mein neuer Sigma HR2006 sich aufgrund der scheinbar ungewollten Kommunikation mit dem Garmin verabschiedet und alle Werte unaufgefordert auf Null gesetzt hat, ist alles bestens. Nach kurzer Rast geht es weiter in Richtung Lana. Wir kommen von 2900 Meter, befinden uns aktuell auf ca. 300m und müssen nun wieder auf 2500 Meter. Hallo ? Geht’s noch ?

Leistung im klassischen Sinne haben wir heute noch keine erbracht, nur Höhenmeter kaputtgemacht, also ist es an der Zeit wieder Boden gutzumachen. Die Auffahrt durchs Ultental ist unspektakulär und nicht sonderlich spannend. Ein zäher Teeranstieg verläuft elendig kilometerlang vorbei an kleinen Ortschaften und irgendwann, mittlerweile hat es begonnen wie aus Kübeln zu regnen, wird unsere eintönige Fahrt nur dadurch unterbrochen, dass wir die volle Regengarnitur anziehen müssen. Werner bevorzugt natürlich wilde Fahrten durch den Wald, auch wenn der Boden noch so matschig ist. Roadbook ist Roadbook und somit Verpflichtung genug. So fahren wir am dem Stausee den Weg bis nach St.Walburga durch schlammiges Gelände. Der Regen kommt wie aus dem Gartenschlauch. Direkt, fester gleichmäßiger Strahl. Als hätte der Herr Gott irgendwie spitz gekriegt, dass wir seit den vergangenen zwei Tagen ungeduscht unterwegs sind.

So langsam aber sicher stapeln sich die Höhenmeter wieder zu einem erklecklichen Sümmchen zusammen. Gegen 17h münden wir an der Dorfkirche von St.Gertraud und schütteln uns wie nasse Hunde. Radpflege ist angesagt, all die Nadeln, der Schlamm und Dreck, sonstige klebrige Strassenreste, die sich mit Öl und Schmiere vermengt haben, müssen vom Antrieb entfernt werden, um wenigstens ein halbwegs rundlaufendes Gerät für die vor uns liegenden Aufgaben parat zu haben.

Der Regen hat sich etwas verzogen, über uns grummelt es aber nach wie vor recht ungemütlich und eine Besserung scheint nicht in Sicht. Guter Rat ist teuer. Weiterfahren, jetzt um 1730h mit der Gefahr, dass die vor uns liegenden 1300Höhenmeter (!) im Regen stattfinden,  oder einen vorzeitigen Stopp und somit einen Verzug der Tourplanung in Kauf nehmen? Werner scheint sich moralisch schon damit abgefunden zu haben, dass ich aufgrund der 95%igen Regenwahrscheinlichkeit meinem Frustpotential erliege und verkneift sich seine ansonsten so aufmunternden „komm schon“ Kommentare. Ich ahne, dass er ahnt, dass ich nicht mehr will und denke so bei mir „ha, ich beweis Dir das Gegenteil“, grinse ihn an und sage „wat nu, auf geht’s, gleich 18h, wir haben noch mindestens 2 Stunden Aufstieg vor uns. Wir grinsen, ziehen die Kapuze über den Helm und machen uns für die nächsten 15 Kilometer auf den langen Weg bis zum Rabbi Joch auf 2467m.

Rif. Haselgruber

Auch diesen Anstieg kenne ich schon von meinem Alpencross 2004 und weiß genau, dass gegen Ende des ohnehin steilen Weges, eine Stunde lang der Track unfahrbar wird und einmal mehr schieben angesagt ist. Der Regen hat wieder eingesetzt, nicht mehr so heftig aber dafür konstant nieselnd. Es wird dunkler und merklich kühler. Oben am Rabbi Joch angekommen, sind unsere Hände und Füße klamm und die Erschöpfung macht sich trotz bester Laune (ja, wir haben es wieder geschafft) breit. Um kurz nach 20h fallen wir in die Haselgruber Hütte ein und wollen nur noch eins: Glieder wärmen und heiß duschen und etwas essen. Die evangelische Jugend in der gemütlichen Haselgruber Stube wird zu später Stunde noch das Gesangsbuch hoch und runter an die Zimmerdecke schmettern, die Nudeln werden uns sättigen und die halbwegs warme Dusche konnte uns wieder reanimieren. So wurde alles wieder gut. Die Welt ist an diesem Tag um zwei ebenso zufriedene wie stolze Alpencrosser reicher. Wir sind super in der Zeit, perfekt im Plan und vor allem: wir haben die kernigsten Passagen nun hinter uns. Jetzt kommt nur noch easy going. Ich sollte später eines besseren belehrt werden – bis zum Lago ist es ja doch noch ein Stückchen.

Wir schlafen tief und fest in unserer kleinen 2Betten Kammer, die nach unseren nassen, klammen Radklamotten nur so „duftet“. Werner säbelt.

Erkenntnis des Tages:

  1. Garmin und Sigma können sich nicht sonderlich gut leiden.
  2. Udo ist immer für eine Überraschung gut.

Adresse des Tages: Haselgruber Hütte, Rabbi Joch, 0039 0463  985175

Tag 6. Unscheinbar aber heftig Tag

Wir schlafen aus. Also bis ca. 7.30h oder so. Das Frühstück ist ok und das Wetter leicht durchwachsen aber im Moment noch halbwegs trocken. Unsere evangelische Jugend ist bereits abfahrbereit und wir beobachten die jungen fröhlichen Menschen bei ihren letzten Vorbereitungen. Die Truppe ist bunt gemischt, Cracks und Zaghafte sind dabei und entsprechend ziehen sie sich auseinander wie eine Ziehharmonika. Die Cracks sind schon längst hinter der Kurve verschwunden, da sehen wir, wie es zwei aus der Gemeinde sprichwörtlich „dabreselt“. Tja, Fahrtechnik kann man nicht kaufen, die muss man erlernen.

Wir entscheiden uns für die Regenmontur und versuchen die Teenager einzuholen. Der Trail abwärts von der Haselgruber Hütte ist ein Traum. Mit halbwegs vorhandenem Selbstbewusstsein auch fahrbar. Wir zirkeln talwärts. Ein Stein hier, eine Bachfurche dort, winkelige V-Kehren und so manche Schlüsselstelle wird gemeistert und beschert uns Drivers Glück.

Wir münden am Weg 108 und die 21/22%igen Downhillpassagen lassen die Scheiben glühen – nun ein Spiegelei braten würde keinerlei Umstände bereiten. Weiter geht es bis hinunter nach Male und einmal mehr nutzen wir den Vormittag um uns einen Cappuccino und etwas Dolce Vita im Zentrum von Sterzing zu gönnen. Das Leben ist ein Fest. Prima.

gleich gehts ho och

Weiter geht es durch den Ortskern von Male und entlang des Radweges bis in Richtung Cles, um später steilst bergan den Betonkehren nach Maso Soare für die nächste gute Stunde zu folgen. Der Berg ist im Grunde ziemlich unattraktiv, es geht durch einen Wald, nur ganz selten gibt er Blicke ins Tal frei. Sein Charakter ist eindeutig, er kennt weder das Attribut „Ebene“ geschweige denn „Entspannung“, nein er hat sich entschlossen, wenn ich als Berg zur Welt kommen, dann bin ich einfach nur penetrant steil und unnachgiebig und freudlos. Permanent zwischen 12% und 15% zieht er sich für die nächsten Kilometer durch den Wald, ab und an kommen Rampen von mindestens 18% daher, die eine oder andere hat die Beschaffenheit von gefühlten 22%. Dieser Anstieg ist wie geschaffen dafür eine schlechte Laune zu vermitteln und anschließend zu konservieren. Eklig das Ding. Gut 10 Kilometer geht das nun so. Als wir endlich am höchsten Punkt ankommen, der Höhenmesser zeigt 1779m an, gibt es nichts was auch nur ansatzweise erwähnenswert wäre. Eine Anhöhe fertig. Fertig sind wir auch, wir legen uns einfach auf den Weg, kauen ausgiebig unsere Seitenbacher und füllen den Flüssigkeitsspeicher inwändig wieder auf.

Auf dieser Höhe geht es nun ein gutes Stück weiter, um kurz darauf wieder talwärts zu führen. Meine Kraftreserven sind bereits etwas angegriffen und irgendwie scheint es heute nicht mein Tag zu sein. Wobei die Teerstrasse bis nach Compedenno und darüber hinaus ideal ist, um es laufen zu lassen. Wir beiden ziehen unsere Bahn, machen ab und an ein kleines Windschattenduell und als wir am Fuße des nächsten Berges landen, ist es Zeit für Werner einmal mehr seine Bremsen aufzufrischen und den Satz Beläge zu wechseln. Mein Akku blinkt und so leiste ich mir eine Cola – ein für mich eher untypischer Kaufvorgang.

Noch immer haben wir ein gutes Stück vor uns und die liebliche Umgebung kann mich nicht täuschen: es geht bergauf. Es sind Millionen von Äpfeln, die wir links und rechts hängen lassen, aber es geht bergauf. Und, verdammt, irgendwie ist es mühsam. Werner freut sich über all die Plantagen, ich freu mich das ich lebe, aber irgendwie mangelt es mir an Lebensfreude im Moment. Es ist einfach nur mühsam und auch nach Spormaggiore wird es nicht besser, im Gegenteil irgendein Waldgebiet an einem Berghang durch dessen Flanken wir uns hangeln müssen steht noch auf dem Plan.

üppig

Zu guter letzt zückt der Berg noch seinen Trumpf und baut sich breitbeinig mit in die Hüfte gestemmten Arme vor uns auf und macht einen Buckel, der eigentlich nur als fies zu bezeichnen ist. Scheiß drauf (pardon) ich schiebe. Werner war ein gutes Stück voraus und grinst mich von oben an … ich tippe mal: er ist gefahren. Auch recht.

Alle Qual hat irgendwann ein Ende und als wir vor den Toren Andalos ankommen, wissen wir: das gröbste für heute liegt hinter uns. Es war keine sonderlich atemberaubende Passage, aber eine doch sehr schöne, mit vielen kleinen Lichtblicken aber auch körnerfressenden Anstiegen. Andalo soll nun unser Nachtlager sein. Die Stadt ist beschaulich. Ein Tourismusort, wie er in jedem x-beliebigen Prospekt dieser Welt zu finden sein wird. Das Durchschnittsalter der Gäste liegt knapp unterhalb der Verwesungsgrenze und die Strassen sind voller Rentner und deren Grabbeilagen. Wahnsinn, so was hat man noch nicht gesehen.  Ich komme mir vor, wie ein Baby mit Zweirad-Kinderwagen. Alle starren uns an, als ob wir einem anderen Planeten entsprungen sind. Also, liebe Männer, wenn ihr Euren Frauen sagt „ich mach Urlaub in Andalo“, dann kann sie Euch getrost ziehen lassen. Da passiert nix.

Wir machen uns auf die Suche nach einem angemessen Quartier und es stellt sich heraus, dass sämtliche Gäste-Betten (oder sind es vielleicht Gitterbetten) im Ort scheinbar ausgebucht sind. Unglaublich. Die bisher ergebnislose Suche führt dazu, dass wir am ersten Hause des Platzes einchecken und um Obhut bitten. Die Dame (ebenfalls steinalt) an der Rezeption teilt uns mit, dass wir ein Zimmer haben können, und nennt einen Preis, der dem einer Monatsrente eines Harzt4 Empfängers entspricht. Wir lehnen dankend ab.

Zu guter Letzt kommen wir in einem anständigen Haus unter, sogar das Personal ist unter fünfzig und macht uns obendrein noch einen guten Preis für „Nicht Gebissträger“. Die anschließende Dusche ist ebenso selbstverständlich, wie der Gang zum Dinner. Zuvor haben wir uns ordentlich in unserem zwei(!) Zimmer Apartment ausgebreitet und sämtliche Duftmarken gesetzt.

Das Abendmahl ist angemessen und die Portionen relativ jugendlich. Alles wird gut. Wir freuen uns auf das Finale. Morgen ist Riva-Tag.

Erkenntnis des Tages:

  1. Auch unbekannte Berge sind steil.
  2. In Andalo kann man alt werden

Adresse des Tages: Hotel …, Andalo – wir haben es vergessen. Sorry. selbst suchen.

Tag 7 – Celebration Tag

Was für ein Tag. Heute ist Riva Tag. Von Andalo nach Riva. Ha. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht auf einem Rutsch durchwinken. Kein Thema, keine nennenswerten Höhenmeter und überhaupt als solches doch gar kein Problem. Oder etwa doch?

Nach Molveno geht es zumindest bergauf, doch schon nach kurzer Zeit erreichen wir den netten,  wenngleich touristisch geprägten Ort. Der See liegt friedlich eingebettet in einem Talkessel und ich gehe logischerweise davon aus, dass wir gemütlich an der Uferpromende entlang uns gleiten lassen, im etwa mit dem Auftrieb einer Daunenfeder in der August-Thermik vergleichbar. Doch mitnichten. Der Uferweg hat vom Wörtchen beschaulich noch nie etwas gehört. Immer wieder kleine böse Stiche, grober Untergrund und auch die zahlreichen Wanderer (lauter Sonntagsspaziergänger, obwohl heute Freitag ist) verbessern die Situation keineswegs. So mühen wir uns am See entlang, der nicht vorhandenen Thermik zum Trotz. Auch dieser Abschnitt geht vorüber und meine Gedanken reduzieren sich zusehends auf 4 lapidare Buchstaben R-I-V-A. So ähnlich scheinen manche Männer gestrickt zu sein, wenn sie nur an die 3 Buchstaben von 6 denken, ich habe momentan nur eines im Kopf: R-I-V-A.

Movleno

Der Weg zieht sich, es geht nicht so richtig vorwärts und ich frage mich zunehmend, warum die insgesamt 52 Kilometer Wegstrecke nicht wie im Fluge vergehen. Das mag unter anderem daran liegen, dass der liebe Herrgott (genauer genommen wir selbst, mit unserer Routenplanung)  noch eine weitere Prüfung eingebaut haben. Der Sentiero Bael ist ein weiteres „Hindernis“ bei der gedanklichen Reduktion auf R-I-V-A. Es geht wieder einmal mehr über kleine Hürden und scheint partout nicht enden zu wollen. Noch immer liegen rund 35 Kilometer vor uns. Weiter geht es von Ranzo nach Pietramrata und die eben genossenen traumhaften Blicke von der alten Schotterstrasse hinunter ins Tal, werden verdrängt von eben diesen 4 Buchstaben. „Hey, Werner, nicht mehr fotografieren, lass uns fahren, riechst Du es nicht, Riva liegt in der Luft“. Werner guggt mich an, als ob ich schwedisch reden würde, bleibt stehen und fotografiert. Er fotografiert oft. Fast zu oft – zumindest in diesem Moment – zieht es mich doch magnetisch nach Riva und bin wie mit Scheuklappen versehen, bemerke gar nicht die Obstplantagen, die zahlreichen saftig bewachsenen Apfelbäume, die schönen Häuser, die Olivenhaine, und den Einstieg in den Trail, auf den Werner zielstrebig zusteuert. Ey, wieso Trail, auf der Strasse geht es doch viel flotter. Hilft nix, Roadbook ist Roadbook und Werner will durch diesen Trail, der sich fies verblockt uns im den Wege steht, als wolle er uns von unserem Tages- und Endziel abhalten.

Dreckssteine, wellige Wurzeln, Pfützen sternvoll Schlamm, Furchen und das alles im Schlängel-ich-stress-euch-Format. Geht denn das nie zu Ende. Der Trail ist eigentlich phantastisch, aber wenn dann bitte an den anderen 364 Tagen des Jahres, nur nicht heute. Voller Ungeduld zirkele ich um die Unwegsamkeiten herum, Werner ist happy, er filmt und fotografiert, als ob er heute nichts weiter mehr vor hätte.

3, 2, 1 … .R*I*V*A

Und dennoch, die Stunde naht, wir nähern uns der Siesta Zeit, es ist kurz vor 13h und Riva liegt in der Luft, in weiter Ferne liegen die ersten Häuser des Ortsrandes vor uns, jetzt gibt es kein halten mehr. Ich gebe Gas und Werner mit mir, teilweise freihändig filmend, ist ja schließlich alles äußerst spannend hier.

Lange Rede, kurzer Sinn: 3, 2, 1 …………. Riva, Palazzo Congressi, ein Eisbecher bitte, ein Weißbier, ein Radler …………… Ehrfurcht, zum sechsten Mal in meinem Leben. Es ist so geil. Es ist so schön. Es ist einfach unbeschreiblich.

sags nochmal

Werner und ich liegen uns in den Armen, wir grinsen wie Honigkuchenesel, fühlen uns wie die Made im Speck, sind einfach nur happy. Das kann uns keiner nehmen.

Ausgiebige Pause an der Gelateria Artigianale. Ein Traum. Innere Einkehr.

Wir genießen den Nachmittag, spielen noch ordentlich das Bikini-Wegdenken-Spiel an der Uferpromenda von Torbole und flanieren, nachdem wir traditionell im Elisabetha eingecheckt haben, durch die Gassen von Torbole um uns mit dem eigentlichen Ziel dieser Reise zu befassen: Geschenke kaufen. Üppig.

Noch immer ergriffen von unserem Glück nahmen wir zuvor natürlich noch ein feierliches Bad im Pool unseres Hotels, duschten ausgiebig und widmeten uns dann der Abendplanung.

Wie sagt ein deutsches Sprichwort: je besser man plant, desto härter trifft einen der Zufall. Der sollte uns treffen. Der Abend hatte es in sich. Es drängt sich auf, dass Erlebte erst einen Tag später zu erzählen, erst mal sollten wir unsere Gedanken sortieren und den Rauch der intensiv genossenen Original kubanische Romeo&Julietta-Zigarre im Nachthimmel des Gardasees verpuffen lassen……. Oh, what a night.

feuchtfröhlich

Erkenntnis des Tages:

  1. Wenn man nur eines im Kopf hat, kann der Weg lang werden.
  2. Italienische Polterabende enden oftmals überraschend.

Adresse des Tages: Hotel Elisabetta, Torbole +39 0464 505176, www.hotelelisabetta.com

Tag 8 – Aus der Traum Tag

Weia. 5 Uhr irgendwas. Ich habe irgendwie mit meinen Radklamotten geschlafen. Mein Kopf pocht ein wenig. Wo bin ich? Was war los? Was ist passiert? Mal ganz langsam.

In dem Hotelzimmer, in dem ich mich befinde, herrscht latente Unordnung. Zwei gepackte Rucksäcke. Keine Frauen. Ein gutes Zeichen. Werner sortiert seine Sägelaute und ist noch in weiter Ferne. Ich kann mich erinnern. Nicht gut, aber immerhin. Es war spät. Zu spät. Wir haben gelacht. Viel. Zu viel? Wir haben auch getrunken. Ein bisschen.

Heischa, so langsam finde ich die einzelnen Puzzlestücke, setze sie zusammen. Torbole, Zigarre, italienische Frauen beim Jungesellinnen (!) Abschied, Dinner, ausgelassene Stimmung, Weltuntergang, Weißbier, Vino, Donnerwetter, Grappa, Sturzbäche, Salat, Fisch (Seewolf), WindsBar, Spaziergang, „do you like Mothers?“, Gewitter, TableDance, Obstsalat, Malcesine, WindsBar, Alpencrosser – ganz viele, Alpencross, Sturm, Finale, Feiern, Celebration, Sekt, ……

Bloß die Reihenfolge, wie war die Reihenfolge? Welches Puzzlestück gehört wohin?

Es war so: wir waren essen. Wie immer. Feudal. Es war prächtig. Ich einen Seewolf, Werner auch etwas. Wir beide Wein. Eine ganze Flasche. Was sonst. Ich noch Obstsalat. Klar, ess ich oft ab und zu, selten. Die Stimmung wurde immer besser. Ein guter Moment, meine über die gesamte Woche mitgeschleppten Romeo&Julietta Zigarren, die mir die liebe Caro in einer Aluhülse kredenzt hatte, hervorzuholen, und: SURPRISE: Werner, hier, unsere Siegesprämie. Julietta.

Und wie auf ein Stichwort, drehen sich die sechs, oder sieben, oder waren es acht Damen um und lächeln uns mit  ihrem tiefsten italienischem Lächeln an. Wir lächeln zurück. Ein Wort das andere. Wir deutsch, die Damen tief italienisch. Puh.

Man kommt ins Gespräch, mehr oder weniger. Einige der Damen sind nett. Oder so. Hui. Die Dinge entwickeln sich und kaum hat man sich versehen wird man zur Jungesellinnen Abschiedsparty ins 30 Kilometer entfernte Malcesine eingeladen. Udo fackelt nicht lange und sagt zu, während Werner überlegt.

Während Werner überlegt, überlegt es sich der Herr Gott über uns anscheinend auch und schickt ein bitterböses tiefes Donnergrollen hinunter an den Gardasee, als wolle er sagen „stopp Jungs“. Die Fahnenmasten biegen sich verdächtig, das Wasser peitscht unvermittelt über die Hafenmauer, die Nacht ist auf einmal so schwarz, wie die Gedanken der noch unverheirateten Damen am Nebentisch.

Mittlerweile ist Werner mit seinen Überlegungen am Ende angekommen und hat sich dazu durchgerungen mitzukommen, zur Table Dance Bar nach Malcesine. Scheiß drauf. Zigarre hat man nur einmal im Jahr. Während wir den Rauch genüsslich grinsend ausströmen lassen, kommt der Deutsche vom Nachbartisch und beschwert sich bitterböse über die Qualmwolke, die wir produzieren. Wir sitzen im Freien, wohlgemerkt.

Wir spendieren der grantigen Runde einen Grappa und auf einmal ist alles gut. Die Jungs gesellen sich zu uns, die neidvollen Blicke der letzten halben Stunde gehören der Vergangenheit an. Während sich am Gardasee ein Orkan allererster Güte zusammenbraut, versuchen wir mangels sprachlicher Qualifikation die Planung in Richtung Malcesine zum Ende zu bringen – als plötzlich die Sturmflut dafür sorgt, dass sämtliche Tische und Stühle durch die Lüfte wehen und wir schnellsten den schützenden Raum der Bar aufsuchen. Wir hängen fest. Malcesine liegt in weiter Ferne.

Es kam, was kommen musste. Wir lassen Malcesine sausen und wechseln, durch den Dauerregen rennend, zur nachbarlich gelegenen Windsbar und setzen dort unsere Feier mitsamt den Damen fort. Oh what a night.

Um es kurz zu machen. Wir hatten Spaß, es war ein herrlich bunter Abend, wie ein Abend nach einem Alpencross eben angemessen und ausgelassen sein darf. Die Gentlemen genießen und haben nicht das geringste zu verschweigen.

Schweigsam sind wir jedoch nun in den Morgenstunden, während ich der Zahnpflege nachgehe, schält sich Werner aus dem Hotelbett und widmet sich scheinbar seinem persönlichen Puzzlespiel. Na, hoffentlich kommen die Fotos von ihm nicht in falsche Hände.

Etwas belämmert schleichen wir zu dieser absolut unchristlichen Zeit ohne den Hauch eines Frühstücks aus dem Hotelzimmer und schwingen uns ein letztes Mal auf unsere Selle Italia Sättel. Hüh …. Auf nach Rovereto. Wat mut, dat mut.

Für die 25 Kilometer benötigen für knapp 60 Minuten und unser Motor ist wieder auf Betriebstemperatur. Ein Ticket, einen letzten italienischen Cappuccino im Pappbecher, ein Croissant und warten auf den Treno. Heimreise. Mein Knöchel ist zwar immer noch spürbar, aber weder blau noch geschwollen, mein Knie hat gehalten und in my mind liegt ein wahrer Schatz an Memories. Was für ein Leben.

Koki

Die Fahr nach Rosenheim vergeht wie im Flug, wir fordern den Akku unserer Kameras heraus und machen eine erste Sichtung der Fotos der vergangenen Tage, schlemmen ein wenig an unserem Lunchpaket und freuen uns auf unsere Family. Rosenheim, Endorf, aussteigen. Die letzte Etappe zu Werner leitet das Ende vom Alpencross 2008 ein.

Als wir durch die letzte Grünanlage fahren, kommt uns kein Hund entgegen, sondern nur die wild schreienden Heerscharen unserer insgesamt 6 Kindern. Der Alltag hat uns wieder.

Erkenntnis des Tages:

  1. Immer wieder schön. Alpencross ist fast so schön wie „xxx“.
  2. Home is where your heart is.

Adresse des Tages: Hotel Mama, Siegsdorf.

rollin home

Epilog

Der Knöchel schmerzt, das Knie hat sich beruhigt. Der Kopf ist wieder klar und frisch. Die Gedanken sind außer Rand und Band und geschwängert von Glückshormonen. Das Leben ist ein Fest.  

Alle Jahre wieder bereitet mir die Aufbereitung des Erlebten, die Sortierung der Fotos, das hervorholen der Gedanken und Momente, dieses virtuelle „ein zweites Mal zu fahren“, das Schreiben, formulieren und der Sound meiner Tastatur eine schier unbändige Freude, dass es eine Wonne ist, wenn das letzte Kapitel erreicht und das Dokument in Richtung Druckreife sich bewegt, um kurz darauf pdf Status zu erhalten und einmal mehr auf den wichtigen Webseiten dieser Welt (Centurion, Deuter, Udokah) für alle Zeiten verewigt zu werden.

So besehen, erlebe ich den Flow gleich zweifach, einmal beim Cross an sich, einmal bei der Nachbereitung. Was als wirre Idee 2002 begann setzt sich nunmehr Jahr für Jahr fort, es wird gefeilt, geschliffen und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wunderbar.

Und so ist auch dieses Jahr, das Ende der Saison ist erreicht, einmal mehr der Gedanke und die Vorfreude auf das kommende Jahr vorherrschend wenn es wieder heißt: auf die Plätze, Rucksack packen, Looooos.

Und ich habe mir eines fest vorgenommen, kein Hund und auch kein Naturkostmixgetränk dieser Welt hält mich davon ab.





1 Kommentar

Der ganze Wahnsinn auf einen Blick – Udo Bike Blog · 27. August 2020 um 17:54

[…] Die Story dazu –> hier. […]

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