Alpencross 2006

von Udo Kewitsch ©

Prolog

Januar. Hans Georg hat mal wieder eine verrückte Idee. „Heh Udo, was hältst Du von Hilleberg Zelten? Die sind doch super. Das wäre doch mal was, mit so einem Zelt irgendwo im nirgendwo hoch oben und mein geiler Benzinkocher – sonst nix? Ha? Ha? Sag schon?“

Was macht Udo. Stellt die Regeln auf: „Ich organisier das Zelt – du crosst mit mir“. Top – zwei Freunde – ein Wort.

Februar/März. Das Zelt ist geliefert, zuerst im Wohnzimmer, dann auf der Schneewiese gebührend getestet. Lange, lange halten wir uns an dem Gedanken fest. Die Alpencross Route wirde so geführt, dass nur  geniale Perspektiven und ebenso einsame wie romantische Zeltplätze am Rande der Wildnis am Track vorbeiführen.

April/Mai/Juni. Irgendwann, der Schnee ist längst geschmolzen, die Sonnenwende steht vor der Tür, setzt schlagartig der Verstand ein. Die Frage rollt auf uns zu wie ein Tsunami und türmte sich, je näher der Tag X kam, umso bedrohlicher vor uns auf: wie sollen ihr das ganze eigentlich transportieren? Schließlich gilt es Schlafsack und Therma-Rest Matten zu inkludieren. Der Benzinkocher ist bereits gestrichen. Lange Rede, ganz kurzer Sinn. Ratio siegt, wir entscheiden uns mit einem weinenden Auge gegen den Nallo-GT-Alpencross,  um einfach jede Form von Desaster, Unvernunft oder gar Blödsinn auszuschließen.

Juli. Pünktlich. Fast schon unheimlich. Die Nase läuft, der Hals kratzt, mein Körper knarzt. Und ich sag noch zu meiner lieben Frau, neulich am Dienstag „wehe, Du steckst mich an“. Und ich sag noch.

Pünktlich. Freitag früh. Nase, Hals und Körper melden der Kommandozentrale im Oberstübchen „nicht gut“. Kommandozentrale registriert, checkt die empfangenen Signale mit meinem internen Kalender ab – schließlich ist Mann ja ordentlich verdrahtet – und meldet umgehend: „Terminkonflikt – heute Nachmittag 15h, Alpencross-Start.“ Oh mein Gott. Schöner Scheiß. Pardon.

Seit Jahreswechsel gilt, vor allem für Hansi: „sei ja fit, sieh zu, dass Du trainierst, gehe biken, Alpencrossen tut man nicht mal eben so nebenbei, da muss man sich vorbereiten und auf den Punkt fit sein, …….“ Und so weiter und so fort. So predige ich seit Wochen, meist gegen einen scheinbar Tauben, aber zumindest so beharrlich, dass man während des Crosses niemals hätte sagen können: „Hättest halt mal was gesagt“.

Ich, derjenige, der wie ein Blöder seit Wochen und Monaten das Projekt Krimmel Alp-X treibt, pusht, plant und davon spricht, wann, wie, wo und überhaupt, dass alles ganz wichtig ist, ich habe nun eine schniefende Nase am Hals, einen krächzenden Hals an der Backe und lahmende Gebeine um mich rum. Es kommt was kommen muss: die quälende und zugleich peinigende Frage: „Sag mal, Udo, kannst Du überhaupt fahren?“. Ey.

Pünktlich um 13.30h dann der Anruf von Hansi. Er ruft immer vorher an, wenn er später kommt. „Du, Udo, ich kann nicht, bin irgendwie so grippig, schnupfig und überhaupt.“

Nix da – so leicht legst Du mich nicht rein. Ich weiß genau, dass Du die letzten Wochen damit verbracht hast, nach einer passenden Ausrede zu suchen, wie Du diesem Alpencross entrinnen kannst. Es gibt kein Entrinnen – außer ich werde krank.

Wie sagt der Kölner: „wat mut dat mut“. Also ich trotze den Keimen und Bakterien und versuche die Vorfreudehormone einfach überfallartig zu aktivieren – wird schon schief gehen.

Gepackt wurde am Vorabend – alljährliche Routine. Da war die Nase noch nicht rot.

Der 1. Tag – Fr 21.07. Der Ich-hab-die-Nase-voll-Tag

(40km, 2h:55min, 1020 Höhenmeter)

Siegsdorf – Ruhpolding – Seegatterl – Hindenburghütte – Straubinger Haus

Schnupfen. Das sagte ich schon. Egal – irgendwie geht es, schließlich haben wir (eigentlich mehr ich) lang genug darauf gewartet, dass das Starterband an meiner durchtrennt werden kann. Genial. Alpencross-Start mit abstoßen von der Heimatgarage. Empfehlenswert.

Mit leicht zeitlichem Verzug reisen wir also um 16h ab und rollen die ersten heimischen Meter in Richtung Ruhpolding. Vor uns liegen doch einige Höhen- und Kilometer. Die Sonne scheint, es ist wunderbar warm – was mich unmittelbar vor Abreise noch zu der Frage veranlass: „Muss ich die dicke Kuscheljacke wirklich mitnehmen?“ Wiegt ja alles nix, zumindest jedes Einzelteil als solches ist so schön leicht, also rein in den Deuter TransAlp – Platz hab ich ja genügend. Lieber eine Jacke in Reserve. Jugendlicher Leichtsinn gepaart mit vom Schnupfen vernebelten Stirnhöhlen.

S

Hans Georg ist guter Dinge. Immerhin hat die Aktion „Bayern Light“ in den letzten 4 Wochen bei ihm dafür gesorgt, dass einige seiner Kilos der Kohlsuppe zum Opfer fielen, was wiederum zur Folge hat, dass er so ganz und gar nicht sich beeindrucken lässt, von dem was kommen mag. Das irritiert mich nun doch latent. Wollte nicht ich eindrucksvoll und heroisch vorausfahren, geschmeidig am Gipfel auf den keuchenden Freund warten und väterliche Milde walten lassen, wenn es darum geht eine Pause zu genehmigen. Wer keucht bin ich – und das schon jetzt.

Erster Boxenstopp beim Radl Sepp. Ein Schlauch wird benötigt, Luft muss noch rein, etwas Small talk („wir fahren jetzt zum Baden an den Gardasee“) und schon geht es weiter Richtung 3-Seen und Seegatterl. Ich fühl mich „so la la“ aber noch ist keine Steigung in Sicht.

Rollin´. Projekt Krimmel Cross hat begonnen. Wunderbar. Ich habe Respekt vor der kommenden Route, wir haben ein paar knackige Gipfel inkludiert und einen hübschen Anteil Schiebe/Tragepassagen dabei. Aber Respekt und Angst sind zweierlei – immerhin ist dies mein Cross Nummero 4 und wenn man von Tag zu Tag denkt und nicht in Gesamt-Summen, dann kommen wir schon vorwärts.

Seegatterl Parkplatz, berühmtes Nadelöhr im Winter. Kurzer Stopp, der zweite. Wieder ein Foto und die Erkenntnis, dass die offizielle Tourenführung gemäß unserem Roadbook eigentlich, strenggenommen, erst jetzt startet. D.h. die ersten 30km waren quasi Bonus Meter. Also: Tacho auf null. Wohin? Rechts hoch, links war ja letztes Jahr. Erster markanter Zielpunkt: Hindenburg Hütte. Hansi bleibt entspannt: „Udo wo muss ich fahren?“. Schließlich bin ich für das Guiding in den nächsten 7 (oder werden es 8?) Tage verantwortlich.

Es geht bergan, nicht wirklich steil, aber doch irgendwie eindeutig anders, als wenn es denn flach wäre. Meine Pumpe zeigt unübliche 153, mal 155 Schläge, bis hin zu 158. Das sind ca. 10-15 Beats too much. „Udo, werd´ mir nicht schwach“. Will nicht krank werden. Hinzu kommt die latente Angst, einen großen Fehler zu machen, falls ich mit diesen grippalen Infekt-Anzeichen weiterfahre und mir damit flugs in Sachen Herz das Risiko einer Herzmuskelentzündung einfange. Quatsch oder Panik? Was immer – es nervt in jedem Fall.

Wir münden bei der Hindenburghütte und der Blick ins Tal versöhnt. Ich muss schnaufen und hab einen ordentlichen Durst – oder suche vielleicht nur nach Ablenkung. Die Hütte ist verwaist. Keine Seele,  nirgendwo. Ok – Hansi, wir knacken den abgeschraubten Wasserhahn, der aus der Hausmauer ragt, an den Hörner. Pack dein Gerber-Tool aus – das einzige Allgemeingut in deinem spartanischen Hüfttascherl. „Gerber Tool?“ fragt Herr Hans und setzt dabei seinen unschuldigsten Gesichtsausdruck auf – „Oh, das hab ich wieder rausgeworfen – das war eindeutig zu schwer, brauchen wir doch nicht, oder?“. Mein Freund Hansi.

Also muss mein Notfallkoffer ran. Was brauchen wir? Kabelbinder, Pflaster, Luftpumpe, Wetterstation, ….. Toppeak Alien-Werkzeug – ist ja schließlich alles am Mann, wenn wundert das derselbige schnaufen muss. Ok. Es dauert eine Weile – und schon tröpfelt uns das kostbare Nass entgegen. Endlich. Durstlöcheffekte sind wohltuend, aber ….

… wir sind noch lange nicht am Ziel. Der eigentliche Anstieg kommt erst. Die Fahrbahn wird ruppig, die Rampe nun wirklich steil. Nein, nein, ich muss hier nicht mit aller Gewalt jemanden was beweisen. Hansi kommt zwar 5 Meter weiter, dann aber ist sie da: die erste Schiebe-Passage dieses Krimmel-Crosses. Auch egal. Schieben wir halt einträchtig. Der Weg ist nun auch keiner mehr, geröllig und mit mehr als 23% einfach zu steil.

Up

Als es flacher wieder wird, wird es zunehmend dämmriger. Die Strafe für unseren späten Start. Das Straubinger Haus wird doch nicht auch geschlossen haben? Hat jemand reserviert? Udo Unbekümmert war der Planungsmeister. Toi toi. Mein  Akku blinkt. Innerlich im Sinne von „keinen Bock mehr“ äußerlich auf meiner Polar Uhr, die mir eindeutig mitteilt: slow down, mein Junge.

Der Slow Down liegt zum greifen nah. Wir können das Straubinger Haus schon ahnen und die letzte ordentliche Rampe ist schnell bezwungen, das Panorama überwältigend. Der „Wilde Kaiser“ im Abendlicht – genial. Ich sag es immer wieder „Alpencrossen ist geil“

Ich bin platt aber zufrieden. Tag 1 ist biketechnisch abgehakt, jetzt essen fassen, und dann piano – viel Schlaf. Schnupfen wegschlafen. Die Zimmer sind super, der Ausblick perfekt. Der Wirt gesellig und das Essen ordentlich. Schön brav eine Suppe vorweg, dann einen gesunden Knödel mit Kraut und natürlich darf auch ein leichtes Weißbier auf dem Speiseplan nicht fehlen. Es geht uns – einmal mehr (fast ganz) gut.

Die Uhr schlägt 21x und wir besprechen gerade den nächsten Tag, als die Tür aufgeht und 3 Biker den Raum betreten. Hansis Kusine ist auch darunter – die Welt ist klein. Großes Hallo und Aha und Weißbier Nummer 2 ist schnell bestellt. Ich klinke mich um 22h reumütig aus – Schnupfen wegschlafen steht auf meiner Absichtsliste. Wat mut dat mut.

Draußen sorgt ein ordentlicher Sturm mit ebenso ordentlichem Dauerregen für ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit.

Ich schlafe saumäßig schlecht, werde mehrfach wach und die Nase läuft wie ein Wasserhahn. Zu allem Überfluss schnarcht Kollege Hans im Stockbett unter mir unnachgiebig, als ob dies ein probates Mittel gegen tropfende Wasserhähne wäre.

Auszüge aus den Tagebüchern des H.-G.F aus S- Teil 1

Seit 4 Wochen habe ich versucht mit Bayern Light abzunehmen, vorher 2-3mal radeln. Immerhin Zinnkpf und Bründling. Seit Anfang des Jahres ermahnt mich mein Freund Udo zu Höhen- und Kilometern, aber der lange Winter und die Sehnsucht nach Segeln waren wichtiger. [..]  Ich hatte ein schlechtes Gewissen und suchte nach Ausreden diesen Transalp zu verhindern. Immerhin habe ich es schon auf 10-12- Radtouren gebracht (inkl. Sterbetour am Levico See).Fit fühle ich mich nun, weil ich 6kgabgenommen habe und wieder viel gelaufen bin. 

Die Adresse des Tages:

Der 2. Tag – Sa 22.07. – Der knapp-vorbei-ist-auch-zu-lang-Tag

(69km, 5h:57min, 1700 Höhenmeter)

Straubinger Haus – Erpfendorf – Kirchdorf – Going – Oberdorf – Kitzbühl – Stref – Hahnenkamm – Pengelstein – Aschauer Höhenweg – Aschau

06.30h!! Hans Georg ist wach. Meine Herren – ich bin doch grad erst eingeschlafen. Er läuft in unserem Kämmerlein auf und ab, als ob joggen draußen nicht möglich wäre und denkt sich nichts dabei. „Bin mal draußen“ sagt er schließlich doch, schnappt sein Handy und macht sich auf den Weg. Kam nicht irgendwann mitten in der Nacht auch mal diese eineindeutige „hier-kommt-eine-Sims-Melodie“ daher. Nun denn. Verliebte Jungs.

Noch einmal dösen, dann duschen, die Lebensgeister wecken, die Nase spülen und das Kreuz durchstrecken. Schluss mit lustig. Heute ist ein Ganztages-Cross.Tag, Kitzbühl wir kommen.

Ordentliches Frühstück muss sein. Die Luft ist frisch gewaschen und die umliegenden Berge, insbesondere das imposante Massiv des Wilden Kaisers liegt wie auf dem Präsentierteller vor uns und wird seit geraumer Zeit von der Sonne wach geleckt. Als Gott die Berge schuf, war er bei Sinnen!

„Ich gehe mal eben die Pferde holen“ wird der Spruch der Woche, der uns immer deutlich machen wird, dass wir treue Gefährten mit uns führen, die uns über alle Hürden tragen werden („Brav, Brauner“ wohlwollendes tätschel, tätschel am Oberrohr).

Wilder Kaiser

Ok, wer abends oben schläft, kann morgens früh schön abfahren. Und nichts anderes steht nun auf dem Programm. Erpfendorf, aus dem Weg, wir nehmen 10 Kilometer Anlauf und sägen jetzt eine ordentliche Spur in den Schotter. Herrlich.

So kann der Tag beginnen. Nun liegen ca. 30 Kilometer gemäßigte Gerade bis zum Ortskern Kitzbühl über Going und Oberdorf vor uns. Stimmung gut, allgemeines Wohlbefinden im Grunde uneingeschränkt (bis auf die Nase) und die Reifen summen unisono auf dem gut präpariertem Radweg ein AlpX-Liedlein. Irgendwo am Wegesrand wünscht sich Hansi einen Expander, weil er seine SIGGS XXL Flasche und deren Verschluss jüngst ordentlich über den Schotter gejagt hat, was sie mit einer gewissen Undichtigkeit zu bestrafen wusste. Der fette Expander soll künftige Eigenmächtigkeiten der 1,5l Schweizer Bottle verhindern.

Wir rollen und rollen und machen den Fehler uns minutiös ans Roadbook zu halten, was dazu führt, dass alle 400 bis 800m ein Stopp und Check notwendig wird, da die Streckenführung uns über alle möglichen Höfe und Nebenstrasserl führt. Die Gegend ist zwar nett, aber im Sinne des Vorwärtskommens wäre eine konkrete Nebenstrassen Verbindung von Erpfendorf nach Kitz vollkommen ausreichend gewesen. Egol.

Wir erklimmen als Dreingabe noch eine kleinen Buckel bei Oberdorf, um schließlich irgendwann und irgendwie (den Weg find ich nie wieder) gegen Ende des Vormittages im Zentrum von Kitz, dem mondänen Kitzbühl, zu landen. Die Sonne hat den Wilden Kaiser, den wir nun von der entgegen gesetzten Seite bewundern dürfen, längst besiegt und strahlt ihr schönstes, aber auch allerwärmstes Lächeln. Zieht Euch kühl an, es kommen ein paar Höhenmeter – 1.000 an der Zahl – nur. Kitz, buntes Treiben, Porsche hier, dicker BMW dort, ein paar schicke Menschen an dieser und jener Ecke, die Cafés sind gut besetzt, man hat scheinbar üppig gut Zeit hier.

Nur wir nicht, wir wollen nach oben, obwohl es gerade jetzt so gemütlich wäre, einzukehren und ein wenig „people watching“ zu machen. Nix da. Pflicht ruft. Aufi.

Es gelingt uns – trotz der vielen Wegführungsoptionen sogar den Einstieg zielsicher und punktgenau zu treffen.

Also gut. Es geht gleich richtig los, nicht nur so klecker, klecker, sondern gleich klotz, klotz. 12%, 18%, 18%. Damit es sich auch lohnt. Mein Puls meldet wieder mal „mach langsam, Jung“ und Hansi hat irgendwie einen anderen Rhythmus heute und fährt zügig voran. Bayern light lässt grüßen.

Wir driften auseinander und ich folge beharrlich unserem Roadbook, kreuze schließlich den wunderschönen Seidlalmsee. Immerhin kann sogar ich noch zwei Alpencrosser überholen, die auf ihrem GPS geführten Weg nach Arnoldstein scheinbar auch schon ordentlich Körner gelassen haben und meinem Hinterrad nicht folgen können. Hä hä.

Der Weg zieht sich, nachdem kurz zuvor eine herrliche gewundene Trail Passage durch den Wald mich führte, geröllt es nun zunehmend steil Richtung legendäre Mausefalle. Soll doch hier (runter)fahren wer will, so steil kann man bergauf jedenfalls nur schieben. Unterhalb des Starterhäuschens mündet man direkt an der Alm, bei der der Wirt mir wild gestikulierend zuwinkt. „Kum her, kum her“. Meint er etwa mich? Ich muss erstmal wieder auf 110 herunter und gehe dann, um Coolness bemüht, zu dem am Tisch sitzenden Wirt auf die Sonnenterrasse.

my home is …

„Do, host was z´drinka, wo kumst den her?“, sagt es, setzt mir einen ordentlich doppelten, wenn nicht fast dreifachen Williams mit eingelegter Birne vor und grinst mich aus seinen Lederhosen heraus an, als ob Spaßtag wäre. Ich grinse, antworte aber erst nachdem ich das Ding ordentlich geleert habe. „Von unten und will nach oben, bzw. dann zum Gardasee“. Alle Ehre, alle lachen. 1:0 für echte Alpencrosser.

Noch ein kurzes Geplänkel, was dazu führt, das sogar ich bemerke, dass der Wirt zu dieser fortgeschrittenen Stunde des Tages (wir haben Mittag) nicht mehr so ganz nüchtern ist, aber was soll es. Oben angekommen, hört man das Rauschen der Hahnenkamm-Gondel und ich kann sogleich die Suche nach dem vermissten Hans-G-F. aus S. aufnehmen.

Och nein, er sei anders gefahren („See? See hab ich keinen gesehen. Waldtrail auch nicht“) und warte sogar schon eine Weile. Das kommt davon, wenn man Umwege macht. Nun, wir sind zwar oben, aber noch lange nicht ganz oben. Pengelstein – next WP (Wegpunkt). Also noch einmal ca. 300 Höhenmeter bergan.

Das Hochplateau rund um den Hahnenkamm, die Streif und das gesamte Skigebiet hier oben ist wunderschön. Die Blicke reichen weit, die Wanderer verteilen sich unaufdringlichen weitläufig. Die Sonne lacht unvermindert und die Einblicke in die diversen Täler mit Blick auf die zahlreichen Almen an saftigen Hängen veranlassen mich immer wieder kurz zu einem Stop & Blick.  Das ist alpen-xen. Das muss man inhalieren, in sich aufsaugen und gut sein lassen.

Mein Puls bleibt hochtourig, die Nase röchelt vor sich hin, der Rücken schmerzt (hätte ich doch die dicke schwere (!) Jacke daheim lassen sollen?). Also irgendwie bin ich noch nicht ganz 100% auf der Höhe meiner Möglichkeiten. Hansi erbarmt sich und nimmt für die letzten 200 Höhenmeter meinen Rucksack. Der hat es gut, mit seinem Hüfttascherl. Wow. Ein geiles Gefühl. Frei wie ein Vogel fliege ich den Berg hinauf. Hansi hat, frag mich nicht wie, sein ohnehin schon minimalistisches Hüfttäschchen nochmals entsorgt und unterhalb des Sattels festgebunden, wo nun 3 Behältnisse ihr Dasein fristen. Der Hammer. Aber das Gerbertool aus Gewichtsgründen daheim lassen.

Pengelstein und Ziel im Sinne von höchster Punkt, des Tages ist erreicht (1938m). Ausschnaufen. Luft holen, Nase putzen, Seitenbacher Powerbombe essen, rasten. Die Station auf dem Pengelsteingipfel ist menschenleer, das Riesenrestaurant, welches wohl im Winter oder am Wochenende Heerscharen von Touris versorgt ist heute stumm und taub und bietet weder Wasserhahn noch sonstiges Unterhaltungsprogramm.

Sehr zum Leidwesen von „meinen“ zwei Crossern (Anm. jene die ich vor der Mausefalle versägte), die plötzlich nach unserer 60minütigen Pause wasserlos hier eintreffen und völlig malle sind.

Weiter geht’s. Schaffen wir noch das Stangenjoch? Dann wären wir unserem Plan weit voraus. Mal sehen. Die Vorräte in unserem Energiespeicher sind begrenzt, aber irgendwie haben wir das Gefühl, dass dieses Vorhaben nicht unmöglich ist. Der Weg hinunter zur Unterkaralm, vorbei am Pengelsteinsee, ist sehr steil und grobschotterig. Wohl dem der gute Bremsen und ein ordentliches Fahrwerk hat. Mein braver Brauner (der eigentlich ein weißer ist) schluckt mit seinem LRS System alle Brocken ordentlich weg und liefert tadellosen Komfort. Die Magura verzögern ebenfalls bestens. Kurzer Kartencheck, kurz vor der Unterkaralm und dann geht es auf den Aschauer Höhenweg, der sich entlang des Berges lieblich durch die Landschaft schlängelt. Der Abend kündigt sich an, es wird etwas kühler und die Uhr marschiert in Richtung 19. Wir sind bis hierher ordentlich gerollt und haben ein gutes Stück Tagwerk hinter uns gebracht: gut 65km und über 1700 Höhenmeter.

Nun stehen wir hier inmitten einer Weidenlandschaft auf 1300m, lauter Kuh-Almen um uns rum und die spannende Frage lautet. Wo übernachten? Noch Richtung Stangenjoch (weitere 350 Höhenmeter und die Unwissenheit, ob dort eine bewirtschaftete Alm ist) oder aber abwärts nach Aschau, runter auf ca. 1000m und am nächsten Morgen wieder alles hoch.

Das alles zwischen dem Gefühl des „platt-sein“ und „vorwärts kommen-wollen“. Was tun ?

In Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde und aufgrund des Hinweises eines Bauern („ein paar hundert Meter weiter unten ist eine bewirtschaftete Alm“) machen wir uns auf den Weg ins Tal. Von wegen „ein paar Hundert Meter“, aus diesen hundert Metern werden in Wirklichkeit fast 2 Kilometer und wir stehen vor den Toren Aschaus. Die Alm nimmt ohnehin keine Gäste in ihren Arm und deshalb ist es jetzt auch schon egal, ob wir in den Ort fahren oder nicht. Wir finden eine gemütliche Unterkunft (Gästehaus Mösel) und lassen uns im urigen Gasthof des Ortes mit einer dicken fetten Fleischplatte für 2 Personen standesgemäß verwöhnen. Weißbier, Grappa, ein Achterl Roten – hach, das Leben kann so schön sein.

Wir landen ohne weitere Zwischenfälle (von zahlreichen Sims-Unterbrechungen des Hansi F.  einmal abgesehen) gegen 22.30h in unseren Kojen und schlafen den Schlaf der gerechten Braven Alpencrosser.

Ich schlafe zumindest schon mal besser als am Vorabend, irgendwie schaffe ich es sogar Hansi sein Geschnarche zu überhören.

Auszüge aus den Tagebüchern des H.-G.F aus S- Tei 2

Jetzt am Morgen des 2.Tages fühl ich mich ganz gut. Über Nacht alles trocken bekommen (mit Zeitungen). Udo ist leicht verschnupft und ich bin gespannt wie es weitergeht. Und jetzt kommt es: An meine Tanja denke ich ständig.:-).

Sehr gutes Frühstück, 3 Rührereier und Speck, gut geschlafen, geduscht, gepackelt, [..] Kitzbühl mit hoher Porschequote.  [..]

Trinken, trinken, trinken. Pause am Bach mit Müsliriegel und Banane und Wasser im Genick, Kappi und auf die Arme.[..] Einkehr in Aschau. Weißbier, Willie, Rotwein, ein weißer Spritzer. In der Nach 1 Liter getrunken.

Die Adresse des Tages:

Gästehaus Mösl, Kirchberg in Tirol, Hinteraschau 2, 0043 53 57  81 22

Alternativ:

Oberlandhütte, Uwe Springer Falkensteinweg 35 A-6365 Kirchberg in Tirol Tel.:  +43/5357/8113 Fax.: +43/5357/8113 Email: oberlandhuette@aon.at
 

Der 3. Tag – So 23.07. – Der Klatschnass-Wellness Tag

(54km, 4h:57min, 1840 Höhenmeter)

Aschau – Stangenjoch – Baumgarten – Wildkogel – Brambach – Wald – Krimml

Neuer Tag, neues Glück. Mama Mösel organisiert mir noch ein paar uralte Hustenbonbons (mein Hals kratzt) aus ihrem Fundus oder besser gesagt aus einer betagten Blechdose und spendiert uns ein schönes Frühstück mit frischen Eiern und eifriger Nachfrage „wohin wir fahren und warum wir uns so was überhaupt antun, usw. usf. „Ja mei, so ein Wahnsinn, aber das machen jetzt so viele junga Leit, gell.“

Nun denn, also alles wieder rauf, was wir gestern Abend noch so runter geschrubbt sind. 300 Höhenmeter on top zur Ursprungsplanung. Das breite Schotterband in Richtung Rettensteinhütten ist allerdings gut fahrbar und macht uns das Leben nicht sonderlich schwer. Es geht moderat hinauf und nach einer guten halben Stunden stehen wir am Wegkreuz, an welchem gestern gegen 19h die Entscheidung „links hoch oder rechts runter“ zu treffen war. Das Wetter ist leicht mürrisch, Wolkenbänder ziehen auf, ein etwas kühlerer Wind bläst und die Sonne, die eitle Diva, mimt heute einen auf „bescheiden“.

Jetzt noch mein halbwarmes Negligé (Anm.: Spitzname für meine Kuscheljacke aus Ballonseide) an meinen Kuschelkörper und meinen Fleecebuff auf meine Denkerstirn – fertig ist die Kuscheltüte und das Wohlfühlaroma. Hansi schüttelt den Kopf und beharrt auf T-Shirt-only-Dress-Code.  Was soll er auch machen – er hat ja nicht mehr dabei. Mir ist jedenfalls kuschelig. Sche. So sche scho.

Wir ziehen, nach kurzem Brunnenstop, weiter unsere Bahn in Richtung Stangenjoch. Der Weg wird schmäler und unwegsamer, eine Weile wird aus dem Weg ein Pfad und aus dem Pfad schließlich ein leichter Steig. Dritter Tag, dritte Schiebepassage. Die Wolken dort oben machen gemeinsame Sache und rotten sich zusammen. Und schließlich nach gut eineinhalb Stunden ist auch dieser kleine Gipfel auf ca. 1.724 m geknackt. Panorama und Stimmung top. Wohl dem, der ein paar Accessoires zusätzlich dabei hat und sich nun wärmen kann. Hansi bleibt unbeeindruckt und tut so „als ob er nicht fröre“. Ich schmunzele.

Es gibt spontan Seitenbacher Powerbomben für etwaige Kraftvorratsbehälter inwändig und wir verlassen, bevor die ersten Tropfen sich am Boden niederlassen, diesen Ort, der ungemütlich zu werden beginnt. Es geht zunächst eben, schließlich ordentlich abwärts und wir münden nach nicht allzu langer Abfahrt unmittelbar an der Baumgarten Alm. Pünktlich mit Eintreffen an dieser wahrhaft vollbesetzten Alm, hat sich der liebe Herr Gott auch entschlossen, diesem Alpencross ein wenig Feuchtigkeit zu spendieren.

Es regnet. Erst zaghaft, dann etwas entschlossener. In jedem Fall wäre es die unausweichliche Konsequenz, dass man nass wird. Also kehren wir ein. Hatten wir ja schon länger nicht mehr. Die Alm ist urig und vollbesetzt. Innnen dröhnt ordentlicher „Ziach-Lärm“ heraus und in mehr oder minder unregelmäßigen Abständen irgendwelche lautstarken Trinksprüche oder sonstige Gesänge. „Einen Tee, bitte, und noch einen Hagebutten für meinen Freund mit der roten Nase“ spricht Hans Georg beherzt und übernimmt somit das Kommando bezüglich der Versorgungslage.

3 „Jungs“ auf ihren kleinen giftigen kompakten GasGas Trialmaschinen kommen heran und vollführen ihre artistischen Kunststückchen. Mr. Obercool nimmt kurz Anlauf und erklimmt eine meterhohe Rampe, die selbst mit Turnschuhen noch einen gewaltigen Körpereinsatz erfordern würde. Es tröpfelt, es nieselt, es regnet, es hört auf, fängt wieder an, kühlt ab. Gemütlich ist etwas anderes. „Noch zwei Tee, bitteschön“.

Und schließlich, nach der dritten Tasse Tee und einem Schnaps, scheiß drauf, wir starten. Regenjacke an – schließlich haben wir sie auch mitgeschleppt und aufi. Raus aus der Alm, ein ganz kurzes Stück abwärts und dann grobschotterig und anhaltend bergan. Mühselig wäre vielleicht das passende Wort für die kommenden 1-2Stunden. Es kommen uns auf diesem Karrenweg tatsächlich mehrere PKWs (man staune: Kennzeichen HH) entgegen. Wir ziehen schweigend unsere Bahn und freuen uns, dass der Regen langsam nachgeläßt. Oben auf der Geisenalm, unterhalb des Wildkogelgipfels kehren wir erstmal richtig ein – warum auch nicht, war ja schon länger nicht mehr – und gönnen uns Radler, Apfelstrudel, Cappuccino und was man halt so hat.

Ein kurzer Ratsch und dann der letzte „richtige“ Anstieg des heutigen Tages, der durchaus als knackig bezeichnet werden kann. Vorbei an uralten, total urtümlichen Steinhütten muss nur noch der letzte Stich gemeistert werden, dann sind wir auf 2127m. Immerhin.

Wir genießen die Aussicht und inhalieren all die Dinge, die in uns strömen. Die junge Wandersfrau mit den schönen Schuhen (Blumenmuster) macht noch ein obligates Gruppenfoto und dann rüsten für uns für den Downhill (im Sinne von d o w n). Das Team hat entschieden anstelle des versteckten, verwinkelten und wahrscheinlich wurzelnassen Trails, die lange Schotterabfahrt zu nehmen. Und so können wir es beide krachen lassen. Herrlich.

Runter bis nach Brambach. Endorphine fliegen geradezu wie Jets in der Gegend herum.

Von Brambach „nur“ noch den Rad/Waldweg bis Krimml und wir haben ein weiteres ordentliches Stück geschafft. Rainy Men macht jedoch wieder seine Hausaufgaben und stellt Mann und Material erneut auf die Prüfung. Wir sind mittlerweile pitschepatsche, fahren aber stoisch und scheinbar unbeeindruckt den Wegweisern folgend.

In Krimml endlich angekommen, gilt es nur noch ein ordentliches Quartier zu finden. Die Hausdame der ersten Herberge verrät uns „alles besetzt“ obwohl draußen lauthals „alles frei“ angekündigt ist. Ob dieser etwas sonderbaren Logik verlassen wir das Etablissement kopfschüttlend, war doch gar kein Wille erkennbar auch nur darüber nachzudenken, ob ein Lager frei sein könnte. Wir disponieren also um und entscheiden uns, frei nach „nicht kleckern, sondern klotzen“, für ein wunderbares, wunderschönes, wärmendes (www) 4**** Hotel und können sogar recht erfolgreich einen ordentlichen Preis für die Halbpension verhandeln.

Sauna, Pool (nackigJ),  und Wellness-Groten. Abends ein opulentes Essen mit Bier und Wein und Grappa. Sehr schön, auch wenn ein zweiter Nachschlag vom Buffetmeister mit strenger Miene verneint wird. Hansi simst zur Abwechslung.

Wir schlafen den Schlaf der Gerechten. Morgen kommt der Königs-Tag. Ich hab Respekt, fühl mich aber nicht mehr gar so schlecht. Innerlich hatte ich mit mir vereinbart, wenn ich bis und über Krimml hinaus komme, dann komme ich auch in Riva an. So sei es.

Auszüge aus den Tagebüchern des H.-G.F aus S- Teil 3

Frühstück mit Eiern, dann zuerst die 300Höhenmeter, die wir verschenkt hatten wieder aufgeholt, dann wurde es mühsam.Die Beine eher schwer. Bis zur Geisenalm, dann Apfelstrudel. Dann zum Gipfel Wildkogel. Endlich. Wunderschöne Aussicht über die Gipfel zum Wilden Kaiser (Anm. nix Kaiser! Schon gar nicht Wild!) Tolle lange Abfahrt.[..]  Steigen im 4* Hotel bei Hr. Schöppl ab. Schöne Zimmer, groß, sauber, gutes Bett, enge Dusche, Wellness in der Sauna, Abendessen mit Griesnockerl (2 nicht 3) – alles gut.Spaziergang in der Nacht – aber Reinfall.

Die Adresse des Tages:

Der 4. Tag – Mo 24.07. – Der hört-das-nie-auf-Tag

(55km, 6h:13min, 2755 Höhenmeter)     

Krimml – Krimmler Tauernhaus – Krimmler Tauernpass – Tauernalm – Kasern – Prettau – Luftach

Neuer Tag – neues Glück. Wir fühlen uns gut. Frisch geduscht und ausgeruht und nach einem der Erwartungshaltung nur bedingt entsprechendem Frühstück (kein Lachs für Hansi) hole ich die Pferde aus der Tiefgarage. Sie hatten frischen Hafer (soll heißen einen Tropfen Öl) und sind gestriegelt (abgespritzt) und gekämmt (von grobem Schmutz befreit). Brav Brauner.

Ein paar Einroll-Kilometer auf Asphalt, und wir münden am Wanderweg, der uns Richtung Tauernhaus führen wird. Die relativ breite Schotterstrasse wird von der scheinbaren lukrativen Haupteinnahmequelle des Ortes stark frequentiert: Taxi-Verkehr rauf und runter, Richtung Wasserfälle. „Wir bringen Sie zu den schönsten Aussichtspunkten“ „Wir zeigen Ihnen die geheimen Plätze“ (wo sonst keiner ist, haha!!!) usw. … nach diesem Motto geht die Karawane der Landrover und VW-Busse im Viertelstundentakt hin und her, hoch und runter, immer wieder.

Krimmel

Wir starten am Berg mit einem Überholmanöver. 2 Jungs oder besser Knaben, augenscheinlich auch Crosser, werden stilecht von uns versägt, sprich mit gleichmäßigem Rhythmus abgehängt. Ein schönes Gefühl J. Tja, Jungs, ihr müsst noch Körner sammeln. Die Steigung ist nicht schlimm, der Weg gut beschaffen und die vereinzelten Aussichtsmöglichkeiten ins Tal sehr romantisch. Der unbeleuchtete Tunnel im Fels (300m) spuckt uns wieder aus und so langsam öffnet sich eine phantastische Hochebene auf unserem Weg zum Krimmler Tauernhaus auf 1600m. Hansi sucht nach Winnetou, ich nach Uschi. Unsere Pferde gehen hoch erhobenen Hauptes beharrlich ihren Weg nach oben. Meter für Meter. Ich tätschele das Oberrohr meines treuen Centurions.

Dieses Hochtal hier ist traumhaft. Atemberaubend. Wir haben bestes Wetter. Links und rechts gehen die Bergflanken hoch, vor uns saftigstes Grün, zwischendrin ein Bachlauf der sich als Bandwurm um die vereinzelten Almen windet. Glockengeläut der Kühe, vereinzelt Wanderer und immer wieder mal ein scheinbares Rinnsal in der Ferne, welches in Wirklichkeit ein dicker Wasserfall am Berghang ist. Der Himmel über uns frohlockt mit leuchtendem Blau.

Superklasse. Wow.

Am Tauernhaus vorbei, Hansi  lehnt eine frühe Einkehr vehement ab, und so machen wir am folgenden Wegkreuz (geradeaus Birnlücke, rechts Krimmler Tauern) nur eine kurze Seitenbacher Powerbomben Rast.

Das Bikerpäarchen, welches seinen Weg, so erfahren wir auf Nachfrage, die nächsten zwei Tage wandernd fortsetzten wird, versorgt uns noch mit guten Ratschlägen und einem leicht skeptischen Blick ob unseres Vorhabens über die Krimmler zu „radeln“. Ein kurzer Blick auf die hervorragenden Kompass-Karten und dann krempeln wir gedanklich die Wadeln auf und steigen ein, in die Wand. Eine erneute Schiebepassage, die allerdings nicht allzu lang dauert. Wir münden an einem weiteren, ca. 200m höher gelegenen Hochtal und können auf einem schmalen Schotterband weiterradeln.

Dieses Tal ist schmäler und roher. Überall Steine, gröberes Geläuf, und ein sich verengender Weg kennzeichnen diese ersten Meter der nun kommenden Odyssee.

Oh Mann, oh Mann. Was haben wir denn da geplant. Der Blick in dieses weite Tal hinein, an dessen (un)Ende(lichem) sich riesige Bergwände auftürmen, offenbart, das dass, was nun kommen wird, wohl nicht in die Kategorie „Vernunft“ gehört. Wir radeln dennoch weiter. Ein Stein hier, ein Stein dort, etwas Verlagerung des Körpers, Lenker immer schön einsetzen, Vorderrad lupfen, vorausschauen. Es wird verblockter und bockiger. Und irgendwann, schon sehr früh, gemessen an der (Vor)aussicht, macht es einfach keinen Sinn mehr, Mensch und Maschine gemeinsam über das Bollwerk aus Stein und Wiesenbeulen zu zirkeln, also runter vom Sattel und die Zügel (sprich den Lenker) rechts vom Reiter schiebend vorwärtstreiben. Oh je. Keine Ahnung, wie weit das noch gehen mag, keinen Schimmer, wo das Ende dieser hohlen Gasse liegen könnte. Wir sehen nur eines: Steine, Beulen, Bachläufe, Klumpen, Brocken und ähnliches ungemütliches. Ok, wir schieben und schieben und würden wahrscheinlich heute noch schieben, wenn wir nicht irgendwann mal zwischendurch gedanklich gestorben wären, weil es nach ca. 2-3 Stunden dann doch mal zermürbend wurde. Irgendwann an diesem unendlichen Nachmittag wurde es dann zu allem Überfluss auch noch steiler und zu der Wegüberbrückung der Horizontalen kam die eklige Vertikale noch hinzu. Der Höhenmesser zeigt 2200m, mein Hirnkastel meldet aber „ällabätsch, Du musst noch mindestens weitere vierhundert Höhenmeter schrubben“. Meter für Meter. 2240m, nur noch 360 Höhenmeter.

Auf einmal, völlig unvermittelt macht es einen Schnalzer. Peng, knarz, knirsch. Tasche ab. Ohoh. Die Satteltasche oder konkreter die Halterung derselben ist gebrochen. Der stete Schlag auf der Hinterachse und damit der verlängerte Hebel des steten Stoßes war zu viel für die kleine Plastiknase. Hansi rechnet mit dem schlimmsten, ich setze meine ganze Hoffnung auf die Kabelbinder. Machen wir es kurz: Hansi´s genialer Mini-Expander und meine genialen Kabelbinder fusionieren zu einer perfekten Lösung und die Reise kann ungetrübt, nach nur kurzer Unterbrechung weitergehen.

Ganz weit unten im Tal, sehen wir 2 kleine Punkte und ahnen, dass dies die versägten Jungs sein könnten. Haha, vorwärts, es sind ja nur noch 350 Höhenmeter. Voraussehen kann man die Streckenführung nicht, nix ist erkennbar, nur die jeweils nächsten 50meter (horizontal) sind durch vereinzelte rote Punkte greifbar, wohin das große Ganze führt, kann kein Mensch ahnen. Irgendwo da oben müssen wir drüber. Nur noch 340 Höhenmeter. Mühsam, mühselig so ein Alpencross mit Schiebepassage.

Nur noch 335 Höhenmeter. Mein Ferse rechts meldet sich und erbittet Aufmerksamkeit: Blase. Mein Hinterrad mischt sich ein und macht ebenfalls Meldung: „zzzzziiiiiiiiiieeeeep“, immer nur ein paar kurze Bruchteile von Sekunden, aber die Bremse schleift unnachgiebig. Hinzu kommt Durst. Zzzzzzzzzziiiiiieeep. Aua, meine Ferse. ZZZiiiiiieeeep. Nur noch 331 Höhenmeter. Ja, sag einmal, geht denn gar nix mehr vorwärts. „heeee Hansi, Pause, scheiß Berg, scheiß Bremse, scheiß Ferse, scheiß Durst. Nur noch 330 Höhenmeter. „Haaansi, warte“.

Lieber Leser, wir überspringen die nächsten unendlichen 200 Höhenmeter und ungezählte Zzzziiiieeeps und sind ein gutes Stück in nur zwei Zeilen vorangekommen. Mittlerweile habe ich den Eindruck, mich in einer öden Steinwüste zu befinden. Nur noch Geröll, so weit das Auge blickt, aber der Übergang muss irgendwo da oben sein. Ich muss an Sex denken. Kein Quatsch. Man hat ja schließlich Zeit bei solchen Gelegenheiten mal nachzudenken. Diese Passage ist wie Sex. Das stundenlange Schieben hier ist quasi das Vorspiel, und wenn wir dann endlich oben sind, ist der Orgasmus ganz kurz, obwohl wir die ganze lange Zeit schon daran denken und darauf freuen. Isn´t it? J

Ziiiiiiiiiieeeep. Schürf, schab, schab im Bereich der Ferse. Durst, nur noch wenige Meter und dann – ok ich sag es Euch – und dann sind wir endlich O B E N ! Hört ihr gerade jetzt noch das Echo unser beiden Schreie, welches, glaube ich, heute noch im Bereich der Krimmler nachhallen müsste, so erlösend kam es aus unserer tiefsten Seele? Geil. Super. War doch gar nicht soooo schlimm, das bisschen Tragen, die kleine Blase. Jaaaaaaa, geschafft, geschafft, geschafft.

Wow. Mann, wir sind echte Kerle. Japapaduuuu. Hansi simst, glaube ich. Hach ist das super.

Wo ist mein Riegel, wo meine Trinkflasche, heha, wo meine zweite Trinkflasche? Weg. Irgendwo da zwischen diesen Milliarden von Steinen muss sie liegen. Und wenn mein Reisepass darin wäre, ich würde nicht mehr zurückgehen. Keinen Meter. Nee.

Wir genießen dieses Gipfelglück ausgiebig. Sind stolz, grinsen, wie Männer halt grinsen, wenn sie mal was geschafft haben. Freuen uns und glotzen wie doof rundum. Das Panorama ist …………….. (sorry, hab gesucht, aber kein Wort gefunden). Meine Fresse, ist das geil. Auch jetzt, 3 Wochen nach unserem Cross, beim Schreiben dieser Zeilen, vibriert es innerlich, wühlt mich auf und macht mich happy,  glücklich und zufrieden. Verliebte Jungs. Schön.

Ladies & Gentlemen, meine Damen, meine Herren, liebe Bikefreunde und solche, die es werden wollen, es hilft einfach nix, ich muss noch zum Thema Bebilderung meine Hausaufgaben machen und dokumentieren, was dokumentiert werden muss. Zu schön die Panoramen, die uns heute begegneten. And the winners are:

Irgendwann, Stunden später (zugeben, das ist nun etwas übertrieben) kommen die zwei versägten Jungs aus den Morgenstunden auch am Gipfel an. Väterliches Grinsen unsererseits, gegenseitiges Fotografieren und gemeinsames weit-watching. Wo kommt ihr her, wo fahrt ihr hin? Was Crosse halt so schnaken.

Proud

Und nun werfen wir mal ein Blick auf das tolle Roadbook. Ach Du Scheiße. Mindestens 800 Höhenmeter wieder runter schieben?????? Das darf doch nicht war sein. Welcher Volltrottel hat das denn ausgetüftelt? Ich!

Nun zwei Möglichkeiten: a) wir bleiben hier oben und treten in den Streik und warten bis der Weg sich ebnet oder b) wir schieben abwärts solange Gott bei uns ist.

Wir entscheiden uns widerwillig für b).

Der blockige Weg ist so gut wir nicht fahrbar, einzelne Serpentinen sind eine klasse Herausforderung. Die eine oder andere Fahrprüfung bestehe ich souverän, alles in allem ist es aber völliger Quatsch hier zu versuchen, sich das Schlüsselbein zu brechen. 650 Höhenmeter später lacht uns die Tauernalm auf 2018m an. Sigi Kammerlander, der Cousin des berühmten Bergsteigers, ist hier der zuständige Wirt und zudem ziemlich cool. Ein Weißbier, Speckplatte für Hans-Georg und ein Achterl Rotwein für jeden von uns. Wir small talken über alles Mögliche und erfahren, dass die Schieberei noch kein Ende hat.

Weitere 300 Höhenmeter sind unwegsam, verrät uns Kammerlander und allein die Tatsache, dass Sigi Wegbauer und somit auch verantwortlich für die Wegbeschaffenheit hier oben ist, wird in diesem Jahr noch keine Besserung herbeiführen. Vielleicht ist diese Trasse ja in 10 Jahren geteert. Wir putzen sauber unsere Teller und Gläser zusammen und machen uns auf den Weg. Sigi Kammerlander muss auch noch ins Tal, das macht er wohl täglich. Während wir mühsam, Stufe für Stufe, Klippe für Klippe umschiffen, springt Sigi KAmmerlander auf einmal wie ein junger Steinbock querfeldein an uns vorbei und ist auch schon hinter den nächsten Latschen verschwunden. Trailrunning kann schneller als Abwährtbiken sein.

Dann aber endlich münden wir in Kasern und können die Stollen laufen lassen. Summ summ.

Die letzten noch verbliebenen Glückshormone setzen sich frei und aufrecht sitzend, freihändig stoßen wir in unregelmäßigen Abständen Freundensschreie aus und verleihen damit unserem hochtrabenden Gefühl lautstark Ausdruck.

Zielpunkt Luttach. Das ***Hotel ist schnell gefunden, sogar eine Sauna ist geboten. Netter Ort. Wunderbar. Abends dann die obligate Einkehr in einem Ristorante, immerhin sind wir jetzt in Italien, Weißbier, und Grappa für meine Freunde. Herrlich.

Hansi simst und schnarcht anschließend einmal mehr sehr zuverlässig, ich schlafe tief und fest und gut und zufrieden. Wenn ich es bis hierher geschafft habe, dann schaffe ich es auch bis Riva. Das war der Deal. Jawohlja.

Auszüge aus den Tagebüchern des H.-G.F aus S- Teil 4

Bescheidenes Frühstück – kein Lachs, Rührei auf Verlangen.[..]  und dann auf einmal tut sich vor uns ein Tal auf. Ein unwahrscheinlich schönes Naturerlebnis. Links und rechts hohe Berge, mittig ein reißender Fluss, der unten zum Wasserfall wird. Winnetou fehlt. [..]  Von jetzt an geht alles sehr mühsam. 3,5h Schieben und tragen, mehrere Pausen, (die Krisperl tauchen irgendwo weiter unten wieder auf). Wir treffen zwei Wanderer und fragen wie weit noch. Die Antwort: 1h ist die Aussage. Wir können es kaum glauben. 45min später kommen ich als erster am Gipfel an. Jauchzer. [..]  Der Tourenplaner gehört an den Marterpfahl !!! [..] Brotzeit bei Sigi Kammerlander, Brettljause, Weißbier, ein Mittagschlaf war grecht. Euphorische Abfahrt, aber KO.

Die Adressen des Tages:

Der 5. Tag – Di 25.07. – Der locker-im-Plan-Tag

(61km, 4h:48min, 1700 Höhenmeter)

Luttach – Sand i. Taufers – Bruneck – Kronplatz – St.Vigil – Pederü Hütte

Wir fassen Frühstück und checken die heutige Tagesetappe. Das Profil zeigt zunächst mal gemütliches Rollen an. Schön. Hansi simst, völlig unüberraschend, schon vor dem Frühstück. Ey, gestern war Königsetappe. Geil. Stolzes Grinsen.

Ich habe heute meinen Braunen vorzeitig aus dem Stall geholt (8.00h) und nebenan zur Rad-Station gegeben. Das ZZZiiieeep musste weg, eine neue Flasche (weiß) musste her und auch komfortablere Socken für die blanke Ferse standen auf dem Einkaufszettel.

Kurz nach 9.00h ist Start, der Bikehändler hat perfekte Arbeit geleistet, die Bremse quietscht nicht mehr, die Beläge waren fast herunter und die Taschen hinten hält (dank Kabelbinder). Die Flasche ist weiß, die neuen schwarzen Socken duften neu und haben Himbeergeschmack.  Roll over Bruneck. Yeah.

In Bruneck entfacht sich dann eine freundschaftliche Diskussion zwischen dem Verfechter des Minimalismus (Hans Georg) und dem Vertreter des Sicherungsgedankens (Udo Detlef). Immerhin hab ich einen Bikefreund in Bruneck und somit die einmalige Chance ein paar überflüssig Gramm zu entsorgen (wer braucht schon eine Regenjacke in diesem Traumsommer?). Flo, frisch gekürter Transalp Finisher auf Rang 131, erklärt sich ohne Zögern bereit, die Sachen in einem Geschäft in der Nähe der Hauptstrasse abzuholen. Hansi meint, ich solle alles über Bord werfen und den restlichen Alpencross nur noch mit der am Kabelbinder hängenden Satteltasche bewältigen. Ich liebe meinen Deuter Transalp und will eigentlich nur 1 Pfund oder höchstens 1 Kilo entsorgen. Wie an einem Tau ziehen wir die Meinungen hin und her, mit dem Ergebnis, dass ich gewinne und meine Regenhose, meine Winterhandschuhe, einige Karten und die Ärmlinge abwerfe ohne auf meinen Rucksack zu verzichten. Weil ich will und aus. Was manch einer zwar nicht versteht, ihm aber letztlich egal ist.

Bruneck, schön gelegen, schöne Menschen, für eine (verdiente) Rast aber noch nicht fällig. Also fahren wir unbeirrt weiter nach Reichenhart. Und nehmen den Berganstieg Richtung Kronplatz oder besser „Concordia 2000“ (dieser Name steht für die 14t (i.W. vierzehn Tonnen !!) schwere Glocke, die von den Liftbetreibern des Kronplatzes gestiftet wurde und die als imposante Friedensglocke dort ihre feste Bestimmung hat) . Ey, steil. Meine Güte. Steil und so konstant. Nix Zinnkopf. Natürlich ist es Mittag und somit beste Gelegenheit für Mutter Sonne zu beweisen, was in ihr steckt. Steil und lang.

Konkret: der Weg war lang und irgendwie auch steil und irgendwie haben wir beide innerlich geflucht und gekeucht und doch den Kampf gewonnen. Nicht ohne vorher x-mal am glücklicherweise stet kreuzenden Bach anzuhalten, den Kopf 100% unters sprudelnde Nass zu hängen und die Flaschen mehrfach leer zusaugen. Dann auf einer Höhe von 2086m stellt sich jenes x-fach erlebte es „geschafft zu haben“ ein und jeder nimmt sich seine erforderliche Auszeit für Muskel und Geist. Stillschweigend vereinbaren wir beide, dass wir selbst wenn uns jemand 100 Euro böte, nicht den schmalen Pfad hinauf zum Kronplatz Gipfel auf 2275m nehmen würden. 2.086m reichen an diesem Tage. Wir haben unsere Hausaufgabe bis hierher wahrlich gemacht. Dennoch ist ein wichtiger Hinweis vonnöten: der Kronplatz ist nicht nur ein empfehlenswertes lohnendes Bikerevier, sondern auch ein Traum für jeden Wintersportler. 105km Pisten warten auf den Einsteiger, den Fortgeschrittenen und den absoluten Crack. Schneegarantie (!) von November bis April ist verbrieft und das Panorama im Winter mindestens ebenso spektakulär wie in einem Alp-X-Sommer.

Der nun folgende Höhenweg ist reine Formsache, die Einmündung in die abwärts zeigende Schotterstrasse kurz darauf ebenso. Nur kurz jedoch ist der Untergrund lose, dann schon folgt das Teerband und lässt uns entspannt bis in den Ort St. Vigil gleiten. Sinkflug. Yep.

Dort, St.Vigil, machen wir eine ausgiebige Rast im Schatten, Kuchen, Eis, Kaffee, vielleicht war auch ein Bier dabei. Wunderbar. Hansi macht der Bedienung Komplimente („Hat man Ihnen schon mal gesagt, dass das Dirndl Ihnen wirklich super steht?“) So ein Schleimer und dann nebenbei der lieben Tanja simsen. So sans, die Jungs. Tststst.

Unser heutiges Tagwerk ist eigentlich erledigt, wenn wir dies als lazy day buchen würden, aber irgendwie ist noch genügend Treibstoff im Tank und so nehmen wir den Schnapper auf Teer bis zur Pederü Hütte auf einer Po-Backe noch spielerisch ins Programm mit auf. Am Fuße des Weges dorthin, frohlockt der Flusslauf und die davor befindliche Liegewiese zu einer weiteren gemütlichen Kurzrast. Wir liegen gut in der Zeit und Alpencross soll ja auch nicht zu Verkrampfungen führen. Kurz ein Fragezeichen, keine Frage, wir machen einen Boxenstopp. Brav Brauner, geh grasen, Hansi will im klirrenden Bergbach baden. Udo guggt.

Dann gegen 18h, Sattel auflegen und Galopp. Die absolut faire Steigung und der bislang seltene Asphalt verleihen Flügel. Wir galoppieren im Wortsinne hinauf. 11, 12, mitunter 13, 15, 17km auf der sanft ansteigenden Strasse bis zur Pederü Hütte. Irgendwie fahren wir ein imaginäres Rennen gegen unsere inneren Vampire, die erfolglos versuchen uns einzureden, dass wir schlapp sein könnten. Mitnichten. Es wird ein kleines Rennen, ohne Sieger und Verlierer, in jedem Fall aber mit dem Resultat, dass wir zufrieden grinsend und wohlig erschöpft vor den gewaltigen Dolomiten Felsen der Pederü Hütte das Ende der 5. Etappe im Sinne von „gimme five“ abklatschen.

Die Hütte ist touristisch. Es wird wohl Zeiten geben, da geben sich Heerscharen von Bussen oder Wanderern hier die Klinke in die Hand. Die Wirtin ist wenig kooperativ und die angepriesenen „ganz neuen Zimmer“ entpuppen sich als ganz normaler schon vielfach genutzter unterer Standard. Das anschließende Abendmahl und Kartenstudium verläuft ohne besondere Zwischenfälle, allerdings kann die junge Bedienung gegen 1930h Hansis Wunsch nach einer abschließenden Portion Kaiserschmarrn überhaupt keine Gegenliebe entgegenbringen, da die Köchin das Haus bereits verlassen hat. „Was? ICH soll einen Kaiserschmarrn machen, na na na“, sagt sie auf unsere Anfrage und fügt gedanklich noch ein „ich glaub, das du spinnst“ hinzu, kehrt uns den Rücken und ward nimmer gesehen. Überhaupt sollten wir unser Essen frühest möglich antreten, da wir die einzigen Gäste an diesem Abend waren, dafür bekamen wir aber einen fest zugewiesenen Tisch (der andere von den über 30 anderen war schließlich schon eingedeckt und fest vergeben für das morgige Frühstück).

Kartenstudium, ein oder zwei Bierlein, ein Grappa, einmal Ritter Sport und was weiß ich noch alles. Wunderbar. 2230h oder 2300h, Bettruhe im weitesten Sinne, denn das Schnarchen folgte sogleich. Vorher wurde noch ordentlich gesimst.

Auszüge aus den Tagebüchern des H.-G.F aus S- Teil 5

Sehr gutes Frühstück. Sauheiß. Fahrt zum Kronplatz ab Bruneck 1200hm, NUR. Bei praller Sonne. Fast kein Problem. Seit Fahrbeginn bei Hälfte der Strecke 3l getrunken. Mörderheiß und vor allem grobschotterig. Oben angekommen, fix und fertig. Fast am Krampf, dehydriert. Udo sagte noch die ganze Zeit „es kann nicht mehr weit sein, schau mal wie weit wir schon oben sind.“[..]  Die 1.Pause des Tageas in St.Vigil. kurz gebadet, saukalt im Unterhoserl, Wettrennen zur Hütte, gutes Abendessen.

Die Adresse des Tages:

Pederü à  nee, viel besser:

Rifugio Fanes Hütte, Fam. Max Mutschlechner – P.Iva: 02476980210, I-39030 S.Vigilio di Marebbe St.Vigil in Enneberg Al Plan, AltoAdige Südtirol Val Badia Gadertal Dolomiti Dolomiten Italy, Tel.: +39 0474 501 097 – E-mail: info@rifugiofanes.com, www.rufigiofanes.com

Der 6. Tag – Mi 26.07. – Der Bindel-Weg-adé-Tag

(76km, 5:58min, 2000 Höhenmeter)

Pederü Hütte – Fanes Hütte – Limojoch – St.Kassian – Col di Luna – Prolongia – Incisa – Cherz – Araba – Passo Pordoi – Canazei – Moena

Wir liegen in unseren Kojen. In der Nacht zieht ein ordentliches Donnerwetter über uns hinweg. Der Blick auf die Felsen wurde gegen 23 Uhr nahezu unwirklich. Wetterleuchten und Blitzen und Grollen. Mystische Stimmung, heller Fels vor scheinbar schwarzer Wand. Wetterleuchten, Blitze zucken. Es würde nicht überraschen, wenn demnächst die Krieger aus dem Herr der Ringe Epos, über die Pederü Hütte herfallen würden, so schicksalsschwanger ist der Moment. Irgendwann schlafen wir über diesen Gedanken hinaus unangetastet und schließlich unbekümmert ein.

Der Morgen empfängt uns wieder mit dieser frisch gereinigten Luft, wie vor ein paar Tagen am Straubinger Haus, welches den direkten Vergleich ohnehin nicht zu scheuen braucht, war es doch um ein vielfaches freundlicher und stimmiger als diese Touristenhochburg hier am Fuße der Dolomiten..

Hansi simst zur Abwechslung und nach kurzer Dusche und dem Check der Packstücke freuen wir uns auf das Frühstück auf dem eigens für uns reservierten Platze. Hans Georg bestellt 2+1 Ei und wir entdecken auf dem „Buffet“ (falls man die zwei dort befindlichen Teller als solches bezeichnen kann) sauber abgezählt jeweils 2 Scheiben Wurst und ein wenig Marmelade sowie Müsli und etwas Obstsalat. So mag es nicht verwundern, wenn die 2 Scheiben Wurst nach relativ kurzer Zeit ausverkauft waren und wir die Wirtin erneut bemühen mussten. Wer nun glaubt, die Wursttheke wurde wieder komplett aufgefüllt, sollte recht behalten. Es lagen wieder, fein säuberlich abgezählt 2 Scheiben (für jeden eine), auf dem großen Teller. Sauber aufgerollt, damit man den Überblick nicht verliere.  Zur Strafe mache ich mir eine ganze Wurstsemmel auf Vorrat und stecke diese unrechtmäßigerweise in meinen Rucksack. Ätsch.

Zeit die Pferde zu holen. Brav Brauner. Hansi geht zahlen und erfährt dabei, dass die Kosten für unser opulentes Frühstück schon im Zimmerpreis (waren ja auch ganz neue Zimmer) inbegriffen waren, ABER – und jetzt kommt es –  die 3 Eier natürlich extra berechnet werden müssen. Und nun aufpassen: 0,90 pro Ei. Macht insgesamt 2,70 Euro = 5 Maak vierzich für 3 Eier vom Huhn. Dafür bekommt man anderswo ein Backhendl mit Pommes. Wenn ich das gewusst hätte, ich hätte meine verbale Rasierklinge ausgepackt. Glück gehabt Frau Wirtin. Pederü erhält somit für mich das Prädikat „vorbeifahren“.

Ok, Pederü abgehakt. Der Schotter beginnt vor der Haustüre und irgendwie fühle ich mich frank und frei und frisch. Die Steigung ist durchaus ein kleineres Ritzel wert, der Untergrund eher lose als fest, und trotzdem hab ich innerlich Rückenwind. Nächstes Etappenziel ist Fanes. „Hansi wo bist Du?“ Simses kostet eben auch Energie. Ich pedaliere und ziehe von dannen. Ein schönes Gefühl. Wir schrauben uns hinauf auf die Fanes Hochebene, jenen Dolomitenkessel, der weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt ist und vor Schönheit nur so strotzt. Der hinter uns kommende Alpencrosser verliert Meter für Meter,  oder anders gesagt, wir gewinnen Meter für Meter. Wieder einen versägt. Das gibt ne imaginäre Kerbe ins Oberrohr.

Fanes Hütte. Hach, ist das schön. Erinnerungen an das Trainingslager 2002 werden wach. Doch der nächste Stich kommt sogleich. Nun müssen wir das Limojoch bezwingen und der kurze Schnapper bäumt sich ordentliche 20-22% vor uns auf. Die Landschaft verwöhnt uns an jeder Wegbiegung mit neuen optischen Highlights und so kommen wir zumindest kurzweilig, wenngleich mit gewisser Mühsal vorwärts.

Die Zahl der Wanderer nimmt zu, allerdings mit einem kräftigen Bonjourno kommt man gut voran und – ganz anders als in deutschen Landen – niemand will uns den Unterschied zwischen Wander- und Radweg erklären. Ein weitläufiger schmaler Pfad, links und rechts die Kesselflanken und das Limojoch rückt näher. Traumhafte Kulisse wäre der Untertitel auf diesem Gemälde.

Es geht gut voran, wir zirkeln unsere Bikes über die Trails und Stufen vorbei und entlang am schroffen Fels und landen schließlich an einem wunderschönen Aussichtspunkt. „Hansi, bind die Pferde an, wir rasten.“ Keine Frage, soviel Auszeit muss sein.

Udo macht ein paar wunderschöne Pictures, irgendjemand ein Gruppenfoto von uns beiden und dann heißt es einmal mehr abwärts schieben. Vorher noch kurzer Anruf bei meinen Freunden in der Arbeit und ein süffisantes „mir geht’s bestens – weitermachen“. Nach ca. dreißig Minuten tragen/schieben münden wir an einem kleinen Schotterweg und lassen uns abwärts treiben. Die unten kreuzenden Hauptstrasse wird, nach einer abermaligen klitzekleinen Rast, gequert und unser 100% perfektes Roadbook leitet uns zum nächsten Anstieg, der zunächst scheinbar harmlos beginnt. Unser Ziel ist Prolongia.

Schraub, schraub, etwas ratschen, etwas flachsen, den Steinen ausweichen und dabei Meter gewinnen, richtige aufrechte Alpencross Arbeit halt.

Und dann auf einmal bäumt der Weg sich auf. Erst einmal, dann ein zweites Mal. Jedes Mal, sowohl bei Hansi, als auch bei mir, sagt der innere Schweinehund verbissen: los hoch, quäl dich Du Sau. Und jedes Mal meistern wir die nunmehr zahlreicher werdenden Rampen, die sich irgendwo im Bereich zwischen 20% und 24% Grad bewegen, und uns anscheinend am Fortgang der Tour hindern wollen. Aber mitnichten, oben spuckt der Berg uns auf eine hochgelegene Wiese mit ungezählten Almen schwitzend und keuchend wieder aus, die Wolkenstimmung ist lebhaft, schönstes Blau/Weiß und dort weiter drüben eine ordentliche Wand, die eher dunkel getönt ist. Liegt dort Mordor?

Die Prolongia Hütte macht schon aus der Ferne einen einladenden Eindruck und was liegt näher als mal zur Abwechslung eine richtige Rast einzulegen? Cappuccino, Weißbier (sind ja Mineralien drinne), ein Stück Kuchen, und für Hans Georg ein dicker fetter Teller Spaghetti – Bayern light war gestern. Herrlich. Der Weg führt uns weiter, steilst bergab und wir münden nach schöner Abfahrt in Cherz und dann in Araba um einen weiteren Anstieg zu nehmen: den Passo Pordoi. Damit verletzten wir erstmals unsere Roadbook-Regel „du sollst nicht fremdfahren“.

Aber wir haben gute Gründe: 1) die vorherige Wand (die sich aber wohl wieder verzogen zu haben scheint), 2) die Beine, die mitunter mitteilen keinen Bock mehr zu haben), 3) die damit verbundenen Höhenmeter on top, 4) die von anderen Bikern angekündigte Wegbeschaffenheit und Steilheit – ergo: keinen Bock auf erschwerte Bedingungen, so viel easy going muss drin sein, obwohl es ein kleines wenig an meiner Bikerehre kratzt. Lange Rede,  …. Der Bindelweg muss warten, dann wohl ohne Hansi, in Angriff genommen werden.

Vor uns starten 4 Rennradler, wir hinterher. Hans Georg verspürt einen kurzen Moment Wage- wenn nicht sogar Übermut und will sich an die Hinterräder der Minimalisten hängen.

Wir sind gut dabei, einer der Rennradler schafft es nicht, den Abstand zu vergrößern, wir kurbeln unbeirrt gleichmäßig im Windschatten der Jungs hinauf, Kehre um Kehre, deren es 34 gibt. Und was passiert: jene Wand, die sich scheinbar verzogen hat, braut sich abermals zu einer tiefgrauen Suppe zusammen und es beginnt, ca. 200Höhenmeter unterhalb des Gipfels zu tröpfeln, dann zu regnen, schließlich zu schütten, was an Eimern über uns mobilisierbar scheint. Wir werden pitschepatsche nass und machen einen Notstopp 100m unterhalb des Passo Pordoi. Kopfsocke an, Negligé an und einen warmen Cappuccino ordern. Rasten. Hansi verspürt unbändige Lust nach einem sauberen Schinken-Käse-Toast und wir setzen dem ganze noch eine Krone auf, indem wir alles mit einem tiefroten Achterl begießen. Wenn schon Zwangspause, dann eine genüssliche.

Nach ca. einer Stunde versiegt die Regenrinne und wir entscheiden uns zur Weiterfahrt. Also hoch auf den Pordoi, dann wieder runter nach Canazei. Wenn auch der Asphalt noch nass ist, und somit die Reifensprenkelanlage volles Rohr sprüht, wir lassen es krachen. Herrje, so schön, die Autos haben keine Chance und in Canazei gibt es den obligaten Hormon Schrei

Von Canazei nach Moena ist es ein Klacks, nur abwärts, nur Teer. Komme was will. Moena, hübsch wie eh und je und das von uns gewählte Hotel überzeugt, durch besten Service und schöne Zimmer und den (von uns leider ungenutzten) Wellnessbereich.

Abendliches Eintauchen in die Nachtwelt. Eine Pizzeria ist schnell gefunden und wir lassen uns verwöhnen. Die Bedienung und deren Tochter lassen Hansi sogar temporär vergessen, dass sein Handy eine Sims Funktion hat, die Dame nebenan verwöhnt uns obendrein noch mit einem netten Dekolleté. Voila, da sage einer noch, Alpencross sei nicht spannend. Man kann doch nicht überall hinschauen.

Noch ein kleiner Bummel und dann ab in die Heia. Hans Georg hat offensichtlich noch überschüssige Energien, zappt nach eigenen Angaben bis spät in die Nacht hinein mit Fritz Wepper & Co noch die Glotze ab.

Auszüge aus den Tagebüchern des H.-G.F aus S- Teil 6

Bescheidenes Frühstück. Kein Obstsalat. 4 Blattl Wurst, Ei gegen Aufpreis. Auffahrt nach Fanes, 550hm, grobschotterig, am Schluss sausteil, nur was für Krisperl. Kurze Pause unterhalb des Limojochs, leider keine Spaghetti, […] dicker Quervermerk: wir haben es bald geschafft. [..] um dann den Bindelweg auszulassen, Gottseidank, 1000hm weniger, dafür im Sonderangebot Passo Pordoi. Dann Teerstrasse hinter Udo her. Abends Pizza und Tiramisu.  

Die Adresse des Tages:

Hotel Faloria – Piaz de Sotegrava, 18 – 38035 Moena – tel. +39 0462 573149 – fax +39 0462 574491 – info@hotelfaloria.it, http://www.hotelfaloria.it

Der 7. Tag – Do 27.07. – Der Kilometer-Schrubber-Tag

(111km !,  6h:20min, 1645 Höhenmeter)

Moena – Weg 519 – Karer Paß – Karer See – Obereggen -. Deutschnofen – St.Pietro – Neumarkt – Etsch Radweg – Trento

Finalstimmung macht sich breit. Breit daher auch das Grinsen auf unseren Gesichtern. Ein Blick aufs Höhenprofil offenbart: das Schlimmste liegt bereits hinter uns, da wir diesmal keine Strapazen ab Moena (die Route 2002 führte von Moena noch über etliche Berge) mehr vor uns haben und somit die mir bekannte Route bis nach Obereggen über den Karersee halbwegs moderat sein dürfte, bevor wir ins Tal an die Etsch gleiten und zum Endspurt übergehen. Aber zunächst müssen natürlich noch ein paar Kilo- und Höhenmeter abgearbeitet werden.

Wanderweg 519 lautet die Formel, die mich damals, 2002, schon so begeistert hat. Er liegt hier irgendwo vor unseren Füssen. Ja, irgendwo, nur wo. Nach einigen Irr-Metern und auch umsonst geschrubbten Anstiegen finden wir den romantischen Weg und frag-mich-nicht-warum, mein Turbo setzt ein. Ich schieße förmlich davon. Hansi hält mich für bekloppt, was meinen Vorwärtsdrang jedoch nicht mindert. Der Weg ist genauso schön wie damals und mein Bike und ich und meine Gedanken ziehen vorwärts. Alpencrossen ist soooo schön.

Es muss einmal gesagt werden. Man ist mit sich, kein Stress, schon gar keine Not, alles wunderbar. Man kann ja jetzt beim lesen mal kurz verharren und selbst einen Gedanken bilden, eine Vision modulieren. Stelle sich einen gewundenen Waldweg vor, tiefgrüne Bäume, einen Bachlauf, Wandertafeln, Stille, Ruhe, Frieden, Pilze, wilde grüne Farne. Kopfleer, keine Arbeit, kein Bestellwesen,  keine Auftragsbücher. Nix. Nur Frieden. Eine kurze, lange Woche.  Hach.

Wir münden am Karerpass. Irgendwann kam Hansi auch kopfschüttelnd des Weges, sodass wir wieder vereint sind (haha). Nun die Abfahrt zum Karersee, dort wo alle hinfahren. Hatten wir schon mal, will ich meinem Freund H.G. aber nicht vorenthalten. Der Karersee ist smaragdgrün. Die Busse auf dem Parkplatz verschiedenfarbig. Cola, Snickers, Wurstsemmel,  Bayern light ade.

Jetzt nur noch den Wald bis Obereggen queren. Eine leichte Übung. Wir finden sogar den nächsten Wanderweg mühelos und folgen der Schilderung. Solange bis der Weg sich gabelt. Links oder Rechts? Das Pärchen, das des Weges kommt, empfiehlt links, obwohl ich zu rechts tendiere. Aus welchen Gründen auch immer: wir fahren links. Das war ein Fehler. Der Weg zieht nur noch hoch, von wegen queren. Das war nicht der Weg, dem wir damals gefolgt sind. Nein, nein. Ich protestiere, mitunter lautstark („Hansen, komm, wir fahren zurück, und ich sach noch: rechts“), aber mit jedem Höhenmeter mehr, reduziert sich die Vernunft wieder umzudrehen. Mittlerweile sind wir auf exakt gleichem Höhenniveau vom Karerpass. Schön doof. Irgendwann geht aber auch diese Passage zu Ende und wir landen unterhalb von Obereggen. Also noch einmal hinauf und dann hoffentlich und endlich nur noch runter bis zur Etsch!?

Übermut

Die Talfahrt ist von kurzer Dauer. Enttäuschung. Der folgende Weghinweis nach Deutschnofen zeigt eindeutig nach oben. Oh manno. Wieder hinauf. Herrschaft. Wenn die Beine auf „abwärts“ programmiert sind, fährt es nur schwer hinauf. Wir ziehen stumm bergwärts und warten auf den erlösenden Moment. Heute war eigentlich lazy day geplant. Deutschnofen kommt, wir verfahren uns ordentlich und müssen wieder umkehren um dann talwärts sausen zu können. Aber auch dieses Glück ist nur von kurzer Dauer. Das Asphaltband schlängelt sich weiter nach oben. Kartenstudium, fluchen und Verwünschungen. Dann St. Pietro und ein Riesenhunger gepaart mit Riesendurst. Hans Georg philosophiert über die Wetterlage St.Pietros im Winter und wie die armen Menschen hier auf 1300m denn aus dem Schneechaos entkommen können.

Laut Karte kommt nun endgültig die Abfahrt bis runter auf ca. 300m. Und fürwahr: sie kam. Asphalt, komm, wir schlitzen dich auf mit unseren Stollen. Mittendrin immer wieder Glutofenähnliche Temperaturen. Wir fliegen talwärts. Dem Gardasee entgegen. Auer. Neumarkt. Etsch. Radweg. Gegenwind.

Nach unseren überschlägigen Berechnungen sind es nur noch ca. 80km bis Rovereto. Man sieht sich kurz in die Augen, um den Gedanken, nachmittags um  1730h schnell wieder zu verwerfen. Aber bis Trento könnte man noch kommen. Sind ja nur ca. 40km. Gegenwind.

Die nun folgenden ca. 2 oder besser ellenlangen 2 ½ Stunden sind wie folgt ausreichend beschrieben: Gegenwind, Gegenwind, Gegenwind, Durst, Gegenwind, Gegenwind, Gegenwind, Durst, Kreuzweh, Gegenwind, Gegenwind, Durst, Gegenwind, Gegenwind, Kreuzweh, Scheißstrecke, heiß, Gegenwind, Durst, Etsch fließt schneller, Gegenwind, Umleitung, Gegenwind, neue Umleitung …… usw. usf. .

Meine Herren, war das eine Quälerei bis wir schließlich und endlich in Trento eintreffen. Ich bin fix und foxi, Hansi relativ guter Dinge (ist ja klar, er hat sich am Morgen ja auch nicht wirklich eingesetzt :-)). Mir ist es egal, ob wir eine Unterkunft haben oder nicht, ich will jetzt ein Bier und so besetzen wir die erstbeste Eisdiele. Buchen von dort telefonisch das Hotel Vela und fahren die letzten 500m (laut Schild / real waren es 2000m) bis zum Hotel und checken hungrig ein.

Die Zimmer sind „naja“, aber ich wechsele heut das Quartier nicht mehr.  Das Personal ist bemüht und anständig, der Ober sehr engagiert. Hansi nimmt ein opulentes Menü, mir reichen ein paar Nudeln.

Ey Mann, wir haben heute 111km runtergeschrubbt. Das ist anständig. Der Abend verläuft ohne weitere Zwischenfälle, alle sind happy. Hansi simst. Hansi schnarcht wie immer mit offenem Mund. Eigentlich könnte man jetzt auch ein wve.datei anhängen. So eine mit diesem unregelmäßigen Grunzen, von leise bis hin zum Donnergrollen bzw. jener Tonlage, die Nilpferde oder Seekühe wohl haben müssen, kurz bevor sie so einen ganzen Eimer Seegras zu sich nehmen. Irgendwie so ähnlich. Furchtbar. Muss grinsen.

Auszüge aus den Tagebüchern des H.-G.F aus S- Teil 7

Übernachtung gut, Hab noch geglotzt bis nach 24h (scheiß TV). Frühstück gut, Eier und alles. Später losgefahren. Such dann nach dem Weg, obwohl der Guide schon mal hier war. Odyssee mit 200hm in den Wind. Zauberwaldweg – Udo fährt vor mir im Hochpuls. Ich habe keine Kraft, zuviel gefrühstückt. Würde teilweise am liebsten schieben. [..] 2.Odysee nach Obereggen. Lt. Guide „geht es nur quer oder bergab“. Ergebnis 350 Höhenmeter „Abfahrt“ nach Obereggen, nach Deutschnofen weitere 500hm und 7km, nächste Abfahrt wieder mit Auffahrt. Gefühlte Temperatur 40°C, [..] Abends Menü !

Die Adressen des Tages und Folgetages:

  • Hotel Vela, Trento, Via Santi Cosma e Damiano 21, I 38100 Trento, +39 0461 827200, Fax +39 0461 82 99 24, www.hotelvela.com, info@hotelvela.com
  • Hotel Elisabetta: I-38069 Torbole TN – Gardasee – Trentino – ITALIA – Tel. +39 0464 505176 Fax +39 0464 505619, e-mail: info@hotelelisabetta.com

Der 8. Tag – Fr 28.07. – Der Klacks- / gimme-five-Tag

(60km, 2h:30min, 220 Höhenmeter)

Trento – Etsch Radweg – Aldena – Rovereto – Mori – Loppio – Nago – Torbole – Riva !!!!!!!!

Tag 8 – Final Tag. Final Day. Yeah. „Ey, Lago, wir kommen. Ey, Hansi, einen Berg erklimmen wir aber schon noch, oder ? Komm, ey Alter, einmal bis Aldena und dann Richtung Lago di Cei. Bonustour, als Ausgleich für den entgangenen Bindelweg. Komm schon“. Doch Hans Georg lässt sich nicht erweichen und bleibt auf der Weichei-Schiene:  „Nein Nein, ich will eine Kaffeefahrt. Das hab ich so gebucht.“

Gebucht ist gebucht. Also nehmen wir den Etsch Radweg aufs Korn, der am heutigen Tag wenigstens nicht diese unmögliche ZickZack UmleitungHinleitungsführung, hat sondern fast geradlinig ist.

Radel, radel, radel, es geht voran. Rückenwind. Na also, geht doch. Nur noch ca. 40, maximal 50km, höchstens 60km (die es dann auch geworden sind) stehen auf dem Programm, dann haben wir es (erneut) geschafft: Alp-X-finisher zu sein. Aber zunächst gilt es zu strampeln. Keine große Mühe an diesem Tag. Die Sonne scheint, der Weg ist eben, die Laune bestens, teilweise freihändig und Endorphin geschwängert kommen wir vorwärts. Aldena, hier ginge es zum Lago di Cei (heh, Hansi, komm, nur 1x da hoch) aber wir bleiben brettl-eben Richtung Rovereto (Ohne mich mein Freund). Mori, Loppio, jajaja bald kommt er, Nago, gleich, jaja, und dann ist er wieder da, dieser erste Blick auf den unter uns liegenden Lago di Garda und und die am anderen Ufer gut identifizierbare Ponalestrasse, die uns zu zuwinken scheint. Meine Güte. Ein Grinsen huscht über unser Antlitz. Ja, ja, mir san schon Kerle.

Also, komm schon, nur noch runter nach Torbole, dann am Strand entlang und „Bikini-wegdenken“ spielen. Die letzten Meter flutschen so dahin, wir gleiten durchs Volk, der Lago ist gut besucht und das eine oder andere Ausweichmanöver gelingt mühelos.

Riva

Um es kurz zu machen. Schlag 12.00h MEZ trudeln wir auf den Marktplatz in Riva ein und widmen diesem Cross jetzt eine Gedenkminute. Oooohm.

Natürlich ist der Tag noch lange nicht zu Ende, aber der Alpencross im Sinne des Bikens hat in diesem Moment die Zielflagge gesehen. Stolz, Stille, Simsen – diesmal auch ich, Grinsen, Inhalieren. Jenes Gefühl, das einen beschleicht, wenn so etwas wie Ergriffenheit ins Spiel kommt. Hans Georg redet nicht viel, macht das mit sich aus, aber irgendwie ist auch er SAUstolz.

Siehst Kumpel, ich hab’s Dir doch gesagt: Du schaffst das, isch reiß disch mit. Genauso hat’s sein müssen. Keine Panne, keinen Sturz, keine ernsthaften Komplikationen (vom Schnarchen mal abgesehen), einfach nur crossen und glücklich sein. Keine Termine,  keine Hektik,  nur die Berge, ein paar J Höhenmeter und eine runde Woche. Sag ich doch.

Natürlich statten wir „meinem“ Cafe einen Besuch ab,  Weißbier, Coppa Yoghurt und stolzgeschwelltes Grinsen über den gesamten Platz. Mein Teil des Guiding ist abgeschlossen, Hansi muss nun für die Rückfahrt sorgen.

Der Nachmittag und der Abend verläuft friedlich. Wir verweilen am Yachtclub und ich gehe sogar ins eiskalte Lagowasser. Obligat abends, nach entsprechender Vesper, in die Windsbar und anschließend abermals ins Hotel Elisabetta. Morgens um 5h (igitt) läutet der Wecker. Der Zug, soviel ist schon mal bekannt, geht um 7.03 mit umsteigen in Bozen. Ob die Bikes mitreisen dürfen ist noch nicht so ganz klar. Wird schon schief gehen.

Ich beende hier meine Aufzeichnungen, wenngleich, die Reise natürlich erst am nächsten Tag endet. Dennoch lasse ich die Finalstunden einfach so im Kopf, bin glücklich ein 4facher Crosser zu sein und im Gedanken schon beim fünften Streich.

Es gäbe noch viel zu erzählen, von Edita am Bahnhof Rovereto, von der Zugfahrt und dem überaus korrekten Schaffner, von der Heimreise ab Rosenheim und vom Glück, welches man empfindet, wenn man auf des Radels Rücken daher geritten kommt. Flow. Wow.

Auszüge aus den Tagebüchern des H.-G.F aus S- letzter Teil

Udo scharrt mit den Hufen. Er will unbedingt noch einen Gipfel erklimme. Ich will eine Kaffeefahrt nach Rovereto und Torbole.

Hier enden die Aufzeichnungen abrupt !

Nr4

Fazit:

Hm. Was für ein Fazit zieht man nun. Zum einen kann man sagen: ich hab ihn mitgerissen. Jawollja.

Schön war es – klar. Stolze, geschwollene Männerbrüste. Viele, viele Highlights auf dieser Route. Die Krimmler Tauern, irre geil, aber next time, dann doch bitte mit den dicken Wanderschuhen, einem Rucksack und Bergstöcken. Das Gefühl nach Riva einzulaufen ist immer wieder schön, wenngleich beim vierten Male jenes Kribbeln einer gewissen Abgeklärt- und Entspanntheit wich, ohne nicht auch trotzdem irgendwie sehr intensiv zu sein.

Infiziert vom Virus Alpencross bin ich einmal mehr. So  früh wie dieses Mal war noch kein Bericht fertig (wir schreiben heute den 14.8.2006!) und so früh wie dieses Mal hab ich noch nicht an den nächsten Cross gedacht. Stolz vermischt sich also mit jenem Grinsen im Gesicht, das Männer manchesmal zu haben pflegen, wenn sie irgendwie einen erfolgreichen Haken geschlagen haben.

Eine schlimme Erfahrung nehme ich mit: die, dass solche schönen Dinge im Leben einfach viel zu schnell vorüberziehen und nun schon wieder fast 3 Wochen “after cross” vorbei sind. Aber nach dem Cross ist bekanntlich vor dem Cross.

Eine tolle Woche liegt hinter uns, und es hat – wie man so schön sagt – gepasst. Wenngleich Hansi sicher gut nachdenkt bevor er sich auf ein solches Abenteuer ein zweites Mal einlässt, so habe ich ihn doch 1-2mal dabei erwischt, wie er sich diebisch gefreut hat und innerlich sein Ego nahezu gejauchzt hat. Isch reiß disch mit, war das Motto. Mission erfolgreich beendet.

Schön war es, kurz war es, trotzdem schön und sehr intensiv. Die Pausen zu kurz, die Anstiege zu lang und trotzdem phantastisch.

Der Rest ist in meinem Kopf, irgendwo in den “Fühl”hälften verborgen und ohne Verfalldatum bis auf alle Ewigkeiten abgespeichert. So soll es sein, so wird es sein, so ist es. Amen.

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©by Udo

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ZDF:

Pässe / Gipfel über 2.000m
Wildkogel 2127m
Krimmler Tauernpass 2.634m
Kronplatz 2.086m
Fanes Hütte 2.060m
Limojoch 2.174
Pralongia 2.133m
Passo Pordoi 2.238m

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