Alpencrossen macht süchtig.

Sagte ich das schon? …. Es begann eigentlich im Jahr 2000 … seinerzeit auf einer Weihnachtsfeier unseres Arbeitgebers. Zwei Bier, zwei Mann, ein Wort.

Fritz, wir fahren 2001 einen Alpencross – abgemacht ist abgemacht – da gibts kein verrücken mehr. Es sollte anders kommen.

Greenhornig wie wir waren, planen wir unsere Tour für den September 2001 – der, wie wir schmerzlich erleben mussten, einer der regenreichsten ever war und dementsprechend die Großwetterlage für einen Cross, nun sagen wir mal, … latent ungemütlich. Eine erste Ausrede hatten wir also gefunden – der Schwur stand aber unverändert im Raum.

Neues Jahr – neues Glück – for the very first time – Alpencross 2002

Wer im Sept01 nicht fährt eben im Juli02 – so einfach ist das. Ein Plan war schnell zur Hand, analoges Kartenstudium und ein paar vereinzelte Infos im damals noch neuen Netz waren schnell gefunden und die Route reifte zu einer Challenge. Tegernsee – Riva. Die Highlights wollten wir nicht auslassen.

Pfitscher Joch

Der klassische Übergang übers Zillertal, das Pfitscher Joch, das garstige Pfunderer Joch, rein in die Dolomiten über die Seiser Alm, den Manghen Pass und dann hinauf zum Karer See. Das Grödner Joch lassen wir nicht links liegen und am Ende der Woche landen 4 glückliche Männer an der Hafenmole in Riva. Es sollte der Auftakt einer alljährlichen Serie von Eisbechern im Cafe Sole sein. Mein Tipp: der exquisite Coppa Yoghurt, alle Jahre wieder eine herrliche Belohnung.

Wer die ganze Tour und Text und Bild nachlesen mag, dem sei mein Buch Faszination AlpenX (Bd1) empfohlen. Wer wissen will, was mir ausgerechnet nach 3(!) Kilometern passiert und warum ich dadurch einen halben Tag verliere, wen es interessiert, ob wir die am gleichen Tage startenden bildhübschen Schwedinnen eingeholt haben, wer sich die Lebensweisheiten von Güni zu Gemüte führen mag oder die rührende Szene in Riva erleben will, der lese Band1. Hier wird aus dem Nähkästchen geplaudert, Tipps verraten und die ganze Geschichte offenbart – natürlich mit allen Adressen und Insiderinfos. Wie es wirklich war bei unserem „ersten Mal“ ?

Faszination AlpenX (Bd1)

Die Kurzversion, Zahlen, Daten, Fakten und ein paar Appetizerbilder folgen trotzdem hier. Love the ride.

Tag1 – 13. Juli 2002 – Tag der Trauer

75 Kilometer, 855 Höhenmeter, Fahrzeit 3:45h

Ein emotional zweigeteilter Tag. Gemeinsamer Start im Team mit abrupter Trennung durch einen bislang noch nicht konkret zugeordneten Defekt am Luftdämpfer meines NoPogos Mountainbikes. So ergeben sich gleich am ersten Tage zwei Erzählungen, aus zweierlei Perspektiven.

Variante 1. Die Teamvariante.

Wir starten, wie vereinbart, pünktlich um 9.00h am Bahnhof-Tegernsee voller Tatendrang los. Großes Hallo, stolz geschwellte Männerbrüste. Nach sage und schreibe 10 Höhenmetern und 3 Kilometer Fahrleistung machen wir eine erste „geplante“ Pause. In einer netten Konditorei in Rottach-Egern ist nun ein ordentliches Frühstück angesagt. Der nächste Halt sollte der für mich verhängnisvoll werden.  ……..

Tag2 – 14. Juli 2002 – Tag des Fluches

42 Kilometer, 1743 Höhenmeter, Fahrzeit 4:06h

Start Zell am Ziller, dann über Mayrhofen und dem Schlegeisspeicher zum Pfitscherer Joch. Dies sind die Stationen des heutigen Tages laut Roadbook. Mit jedem Kilo- und Höhenmeter schwinden die nagenden Desastergedanken des Vortages. Wir schrauben uns (und dies wird der beherrschende Ausdruck der nächsten 7 Tage) in Richtung Schlegeisspeicher hoch.

Mir geht es wieder gut – Gott sei dank, wenngleich mein Stahlfederdämpfer aufgrund der etwas zu weichen Feder wippt zwar (oder aufgrund des zu schweren Fahrers!?). ……

Tag3 – 15. Juli 2002 – Tag der Mega Trails

74 Kilometer, 1430 Höhenmeter, Fahrzeit 5:16h

Aufstehen. Sepp, sein Hunger und seine Karten. Und seine innere Uhr. Brrutal. Nicht Kklassse. Punkt 6:30h reißt uns Guiseppe aus dem Schlaf, macht seine Morgentoilette (räum, räum, pack, pack, rumpel, rumpel) und guggt uns unschuldig an. Ausgemacht war 7.30h Frühstück. Ein Wahnsinniger. Soll er abends doch später ins Bett, damit er morgens länger schlafen kann (wie man es mit kleinen Kindern am Wochenende macht). Wir frühstücken. Ist im Gegensatz zum Abendmahl in dem auf Massenabfertigung ausgerichtetem Etablissement ganz okay.

Der Nebel beginnt sich zu lichten. Etwas Frisch. Eine irre Kulisse steht vor der Tür bereit. Wow. ….

Pfunderer Joch

Seiseralm

Tag4 – 16. Juli 2002 – Der Teer Tag

64 Kilometer, 2028 Höhenmeter, Fahrzeit 4:33h

Frühstück bei Mmmama (Garni Spielbichl, im Südtiroler Pustertal, Josef Campidell, St.Martin Haus 23, I 39030 St.Lorenzen, 0039 474 21101). Und was für eins. Eier im gewünschten Härtegrad, Säfte je nach Geschmacksneigung, Schinken, Käse, Brot, Semmeln, alles da. Wunderbar. Und ich sach noch: besser ist das bei Mmmama.

Heute ist Teer Tag. Wir starten bei dichter Wolkendecke, aber immerhin bei Trockenheit in Richtung St.Vigil. Wir schrauben uns wieder einmal beharrlich auf einer Höhenstraße entlang und machen so mir nichts dir nichts mal eben schnell 400 Höhenmeter.

Unterhalb des Skiliftes, so verriet uns die Kompasswanderkarte, müsste der dicke rote Strich eigentlich fahrbares Terrain sein. Und so ist es. Ein schöner, nicht zu steiler Anstieg, a la Zinnkopf bis zum Gipfel des Col di Ancona (1536m), bei dem uns eine gemütliche Jausenstation erwartet. ……

Manghen Pass – mein Sohn, dass gehört jetzt uns.

Tag5 – 17. Juli 2002 –  Tag der Eindrücke

72 Kilometer, 1881 Höhenmeter, Fahrzeit 5:34h

Die Nacht war kurz. So kurz wie das Bettlaken, das uns bedeckte. So kurz wie die Betten selbst. Einzig Udo konnte die Vorteile des mitgeschleppten 125g Seidenschlafsack in Azurblau voll ausspielen und so die lange Abenddiskussion in der sich das erste und letzte Mal in dieser Woche alles um die Arbeit drehen sollte mit warmen Zehen genießen.

Das Frühstück war – wider Erwarten – passabel und so starten wir wie die Tage zuvor voller Elan und gut gelaunt zum nächsten Etappenziel: Saltria, Passo Duron, Mahlknechtjoch.

Doch zuvor wird getan, was getan werden muss. ……

Levico

Tag6 – 18. Juli 2002 – Tag der Königsetappe

90 Kilometer, 2200 Höhenmeter, Fahrzeit 6:00h

JA. JA. Blauer Himmel. Und ich sach noch: blauer Himmel kommt irgendwann. Der muss ja kommen. Kommt immer nach Regen. Ja, ja, ja.

Wir genießen unser Frühstück and feel good. Alle. Mit einem mitleidigen Lächeln begrüßen wir die Biker, die ihren „mini-cross“ heute und hier schon beendet haben und gar nicht wissen, wie schön das sein kann, weiter zu fahren.

Etwas kühl. Doch die Pension Mayr liegt am Fusse des Berges, der uns zum Reiter Joch führen soll. Hoppala, das war so aber nicht ausgemacht. …….

häppy mäns

Tag7 – 19. Juli 2002 – Tag des Flirts

46 Kilometer, 1577 Höhenmeter, Fahrzeit 4:06h

So ein Leben. Wir verlassen den Kurort Levico. Stadtauswärts über die SS-Strada in Directione zum berühmten Kaiserjägerweg. Ist er noch immer gesperrt ? Ja; Egal.

800 Höhenmeter bergan, wie in den Tagen zuvor schön diszipliniert. Kehre um Kehre. Die Wolken schieben sich kurz zur Seite, als wollten sie sagen „seht her, da unten liegt Levico, schaut es Euch an, ich zieh den Vorhang gleich wieder zu“. Der See und die Bergmassive in weiter Ferne, wolkenverhangene Superstimmung. Es wird von Meter zu Meter schöner. Die Angst, dass wir wegen der Strassensperre weiter oben vielleicht vor verschlossenen Toren stehen, bestätigt sich zum Glück nicht.

Dann ist er da: Cento Cilometri. Der Trail der 100 Kilometer. Durch die Wälder über Stock und Stein und Wurzel geht es auf und ab. Nicht mehr pures Bolzen oder pedalieren, nun ist Geschick gefragt bis zum ersten Ziel: Das Forte „Busa Verle“ ….

Tag 8 – 20.07.2002 – Tag des Triumphs

71 Kilometer, 1708 Höhenmeter, Fahrzeit 4:31h

Viva Riva High. Noch sind wir nicht da, aber es liegt in der Luft. Heute muss es passieren, heute werden wir es schaffen. Nichts kann uns aufhalten.

Maximilaneo Tomasi verabschiedet uns herzlich und wir kehren Folgaria, der schönen Stadt an den Hängen des Trentino den Rücken, bergab Richtung Rovereto, dem ersten Vorboten zum Lago di Garda. Yeah. 13 Kilometer gleiten passen genau in dieses Gefühl.  ….

R*I*V*A

Fritzemanns AMP

Udos NoPogo

Günis Scott

Sepps Corratec

ZDF – Zahlen Daten Fakten – die Statistik

Sa13. So14. Mo15. Di16. Mi17. Do18. Fr.19. Sa.20 So 21.
Km 75 42 74 64 72 90 46 71 17
Km av 20 9 13 14 12 15
V max 50 72 61 69 81
Hm up 855 1743 1430 2028 1881 2200 1577 1708 81
Fahrzeit 3:45 4:06 5:16 4:33 5:34 6:00 4:06 4:31 0:50
M/h up 9 9 10 9 9 10 10
M/h do 13 23 31 21 38 20 33
m/h up max 19 24 68 60 19 18 19
M/h do max 38 121 104 88 136 74 92
°C min 10 9 11 11 11 13 17
°C max 19 31 28 23 37 31 34
% av 9% 13 8 10 8
% max 27 33 48 28

Gesamt-Profil:

  • über 550 km
  • über 13.500 hm
  • knapp 39 h Netto Fahrzeit

Fünf Pässe über 2000m:

  • Pfitscherjoch (2248m)
  • Pfundererjoch (2568m)
  • Grödner Joch (2137m)
  • Mahlknecht Joch (2187m)
  • Manghenpass (2072m)

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