Bengt Stiller. Cooler Typ. Authentisch, schnörkellos, uneitel und vor allem eines: ein Kenner der Szene. Einer der weiß was Sache ist, wenn man über Räder, Rennen und Rahmenbauer spricht. Einer der sie kennt (und auch besucht hat), die Protagonisten, die Nerds, die Ikonen, die Helden und all die Klassiker. Aber auch einer, der weiß wie sich Qual anfühlt. Einer der Paris – Roubaix nicht aus den Magazinen kennt, sondern die Pflastersteine beim Namen. Bengt hat sich durch das „HMR – Hellenic Mountain Race“ gequält, er kennt die Ultra Distance ebenso gut wie die legendäre „In Velo Veritas“ oder natürlich die „L´Eroica“ weil er eben auch da mit dabei war. Mittendrin statt nur dabei. Der Kerl ist eine echte Marke, wie der Berliner sagen würde. Ein Typ eben. Das Gespräch mit ihm so locker und unverkrampft wie seine lesenswerten Storys in seinem mächtigen Bildband „Räder aus Stahl“. Er kann nicht nur erzählen, er kann auch fotografieren. Das Ergebnis liegt schwer auf meinem Schoß. Über 216 bildgewaltige Seiten, viel kurzweiliger Lesestoff, inspirierend und begeisternd. Der Delius Klasing Verlag bringt mit dem Band ein Herzblut Buch in den Handel und wird einmal mehr seiner Rolle als Rad-Publikator gerecht. Ein Buch über nicht nur über Klassiker, sondern ein Buch, dass das Zeug zum Klassiker hat.
Dabei spielt es keinerlei Rolle, welche der 12 Storys man zuerst in Angriff nimmt. Man kann es vorwärts, rückwärts oder nach dem Zufallsprinzip in die Hand nehme, gerne auch mehrfach. Sein Besuch bei „Herr S.“ ist eine wunderbare Erklärung dafür, dass es Sammler gibt. Seine Freundschaft mit und zum Rahmenbauer „Fern“ gewährt tiefe Einblicke in die Kunst des Rahmenbaus und gibt Aufschluss darüber, dass Liebe zum Detail mehr als nur Besessenheit ist. Wer will schon ein Cube fahren, schießt es mir da durch den Kopf? Bengt Stiller war bei Pelizzoli, bei Moulton und natürlich auch bei Masi oder Michael Zappe. Er erzählt vom Leiden und Erleben auf den abseitigen Rennstrecken dieser Welt und dokumentiert mit seine phantastischen Fotos großformatig Leidenschaft und Euphorie. Dafür sind Bildbände ja auch da.
Neben den ausdrucksstarken Fotos und dem flüssigen, autenthischen Schreibstil schwingt zwischen all der Druckerschwärze noch viel mehr mit: Wissen und Kompetenz, Empathie und Erfahrung. Power statt Phrasen vom Schreibtisch aus, Zeilen, die entweder im Sattel oder den Echokammern der Radgeschichte entstanden sind. Bengt hat sie besucht. Das ist gut so. So bekommt der Leser, Bike Enthusiast ein Werk in die Hand, welches mehrmals geblättert und gelesen werden will. Ein Buch, dass sich nicht nur unter dem Weihnachtsbaum gut macht, sondern auch als „Selbstgeschenk“ in jeder Fahrradbibliothek stehen darf, nein, stehen sollte. Es gibt so „Lexikas“, die müssen einfach sein. Bengt Stiller, cooler Typ, cooles Buch. Danke dafür !!
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