Packed. Loaded. Ready ! 

Kennt ihr das? Man plant und dann kommt es erstens anders und zweitens als man dachte. So auch hier … ursprünglich lautete der Arbeitstitel „GoEast“ .. .wir wollten nach Dubrovnik und ich dann von dort weiter über den Balkan nach „stanbul“ oder Athen (und Kreta, menno Annette) und an der Adria entlang in Italy retour. Manchmal ändern sich die Pläne also starten wir hier und heute unser Projekt GoWest. Einmal mit Lole nach Nizza, dann von dort aus allein weiter Richtung Atlantik, hinauf nach Mont St.Michel und von dort via Paris mit Kumpel Erich wieder Richtung Haustür – sofern nichts außergewöhnliches passiert – was aber so oder so passieren wird. Weil, wer eine Reise macht, der kann was erleben – sagt man so. Is auch so.

Genug der Worte. Freitag 17.04.26 – Wir starten um 9h und ab nun werde ich einmal mehr versuchen der Chronist zu sein, Euch mit zunehmen, teilhaben zu lassen … mal öfter und wenn zu viel passiert in losen Abständen und Intervallen. Auf jeden Fall, so wage ich mal die Prognose – besser wie jeder Tatort Sonntagabend auf der Couch – … es könnt spannend werden … wir lesen uns !

Tag1 – 98 km, 1040 hm, 6:03h Fz- Haustür bis Waakirchen 

8h Tochter Alex kommt zu Besuch  als ob nicht schon genug Aufregung wär  845h Freund Hansi meldet sich an und möchte einen Cappuccino. Als ob da nicht der Autor dieser Zeilen noch irgendwie seine sieben Sachen sortieren müsste!? Um es vorweg zunehmen  Haarbürste und elektrische Zahnbürste liegen jetzt oben im heimatlichen Bad. Aber das passende Ladekabel hab ich dabei  Bravo Udo. 920h Hans Georg fährt mit seinem Brompton ein Stück mit  935h Freund Lole erscheint mit Schwäche bedingtem Versatz am vereinbarten Treffpunkt. 940h. Es geht los  ohne Widerreden. Es dauert keine 10 Minuten, da gibt es den ersten Totalschaden: Lothar kachelt über eine Plasterstufe und verliert sein Rücklicht, woraufhin ich ihn 2km später drauf aufmerksam mache. tja.  Musst du nochmal suchen. Erfolglos, das Licht hat’s zerlegt. Egal. Weiter. Grassau, Bernau, Aschau, Neubeuern, Bad Feilnbach  63km und 3h später darf man den Fuß schon mal wieder auf die Erde setzen. Wir gönnen uns, siehe mal an, doch tatsächlich eine Pause. Bis hier war der Wettergott uns hold. Sonne, Rückenwind, easy goin. Nun kommen doch ein paar Höhenmeter auf uns zu. Hilft Nix. 1040 werden es am Ende sein.  Ey. Dennoch, es geht gut voran, die Landschaaft ein Traum, und kurz vorm Tegernsee müssen wir natürlich auf dem Track bleiben und im Wald auf einem Trampelpfad stromgeladene Hindernisse überwinden. Was macht man nicht alles. Nachdem Michi uns eingeladen hat und der heutige Tag eh keinen Campingplatz als Option hatte, verlängern wir die ohnehin knackige Tour gleich bis Waakirchen. Wenn ich gewusst hätte das im Keller von Michi L. aus W. ungefähr 1000 Flaschen edelster Whiskey lagern, hätte ich in Verbindung mit meinem Wissen rund um Lothar von einem Halt in diesem Hause Abstand genommen. So war klar was kommt  Es eskaliert natürlich. Wir gehen mit überdurchschnittlichem Wohlgefühl ins frisch gemachte Gästebett. Der sleepscore auf meiner Uhr meldet am Morgen unterdurchschnittliche Werte.

Tag2 – 91 km, 893 hm, 5:42Fz –  Waakirchen – Forggensee (Neuschwanstein)

Zum Ausgleich für die feuchte Eskalation wartet in der Früh Geka mit einem alles wieder gut machenden Frühstück auf  Herz was willst du mehr. Danke Michi&Geka für die tolle Gastfreundschaft. Aufgesattelt. Weiter im Text  Nächster Halt Bad Tölz. Dann über eine Klasse Wegführung abseits der Hauptadern weiter bis Murnau, was eigentlich Planende Tag2 wäre. Aber das Knie hält halbwegs her und wir haben noch Zeitpuffer. In Murnau kurzer Lebensmittelstop, dann geht es hinauf nach Bad Kohlgrub. Coffeestop. Im Café spricht uns Barbara an und erfreut sich an unserer Tour. Sie war mit Rad und Tandem schon überall und kennt auch die Trails am Gardasee aus den 90zigern.  Wir fachsimpeln eine Weile, dann zieht es uns weiter bevor eine Begegnung der besonderen Art haben. Der Kerl zieht doch tatsächlich mitten im Wald auf grobem Schotter einen bepackten Leiterwagen mit eisenbeschlagenen Rädern durchs Gelände. Schlappe 150 Kilogramm wuppt er da durch die Gegend  – wie krass is das? Wir führen ein tolles Gespräch und stellen fest: das Leben ist schön.. Die Welt ist wunderbar und die Kirche ein Thema für sich. Wolfram wir sehen uns bestimmt nochmal.
Über Halblech fahren wir – jezz is auch schon Wurscht – bis zum sehr schön gelegenen Forggensee. Heute mal kein Whiskey, dafür verdient das zum Campingplatz gehörende „Restaurant“ höchsten einen Gummipunkt. Den Salat mit überbackenen Camenbert könnte man getrost als lieblos bezeichnen  Als der Ober sich wundert, das ein guter Teil auf dem Teller zurückgeht und vom zahlendem Gast die Wahrheit über die Güte seines Produktes erfährt, erklärt er achselzuckend „naja Käse und Salat“- und glaubt damit den Mist erklärt zu haben. Egal. Das alkoholfreie Getränk war gut. Der Umstand das die zwei Jugendlichen Zeltnachbarn gefühlt die ganze Nacht um ihr Zelt rumschleppen soll hier nicht verschwiegen werden. Egal.

Tag3 – 32 km,  356 hm, 2:22 h Fz- Forgensee bis Grüntensee (Allgäu)

Susanne, die liebe Susi von 198x oder war es grad 197x? kommt uns besuchen. Es gibt frische Brezen, Apfelschorle und je ein Croissant. Wie toll ist das denn? Außerdem haben wir uns schon zig Jahre nicht mehr gesehen. Toll.
Erwähnenswert wäre noch die Tatsache das kurz zuvor ein satter Regenguss hernieder ging und ich Depp viel zu früh aus dem Zelt gekrabbelt und Lothar gefolgt bin. Mit der Konsequenz, das mein Zelt just in dem Moment als es abgedeckt und offen war mitten im Regen stand. Ey. Ok, wir (vielmehr ich) packen alles nass ein und freuen uns auf die Croissants (danke Susi).
Alright, das Wetter ist bescheiden, der Wind viel zu straff und die Temperaturen auch nicht so dolle. Wir fahren trotzdem. Und es geht ordentlich bergan. Ey. Mühsam das alles ist. Knie is noch da. Egal.
Nach immerhin 31km (!!!) kommen wir bei starkem Gegenwind am Grüntensee an und entscheiden – luschig wie wir sind – anzulanden. Egal. Wir stellen das Zelt auf, während die nächste dunkle Wand sich vor uns zusammen braut. Kaum steht alles, fängt es zu Kacheln an. Gute Gelegenheit den Blog zu pflegen  Wer nun glaubt, damit ist Tag Drei erzählt, der irrt. Im Gegenteil, es ging erst los mit T3. Die Seehütte mit den zwei netten Damen ist gemütlich und kuschelig, also – was soll’s – ordern wir ein Bier und zwei mal lecker Kuchen. Nach diesem Genuss folgt Wetterkunde und Körperpflege und weil diese zwei Tätigkeiten überschaubares Ausmaß in Anspruch nehmen, bleibt uns (es kachelt unverdrossen) ja im Grunde keine andere Wahl noch einmal in der Hütte einzukehren. Meanwhile ist auch der Juniorchef eingetroffen. Der Junge ist guter Dinge. Überdurchschnittlich guter Dinge. Nachdem er weiß woher wir kommen, wohin wir gehen und warum wir das alles machen und er zudem die Regenqualität der nächsten Stunden einschätzen kann, spendiert er uns mit den Worten „Ich hab Mitleid mit euch“ einen phantastischen Heuschnaps. Lecker. Sehr. (Michi, das wär mal ne Option zur Spektrumserweiterung).

Auch das Chili Con Carne ist von hoher Güte, leider nur, wir haben die Ladenschlusszeit 18h bereits überschritten, haben die beiden Damen Feierabend und der Wirt meint nonchalant sich auch gut um uns kümmern zu können. Um es vorweg zu nehmen, wir verließen das Lokal gegen 23 (plus/minus) und hatten äußerst aufschlussreiche Gespräche, über deren äußerst konkreten vielschichtigen Inhalte aufgrund eines existierenden NDA hier an dieser Stelle nicht weiter Auskunft gegeben werden kann. Nur soviel: Jürgen, einer der Ureinwohner dieses Campingplatzes war mindestens genauso gut drauf wie der Junior Chef und war auch in der Lage den jeweiligen GutDraufLevel stabil zu halten. Meine Herren, das war ein Story Telling Abend ersten Ranges. Das glaubt ihr mir nicht  drum erzähl ich es auch niemandem. Es gab im übrigen noch Schnaps und Wein und Chef Jnuior zauberte zum Finale ein KI generiertes Lied über unser GoWest Abenteuer auf die druckvollen Bassboxen. Natürlich gab es die Rammstein Version, die Schlager und auch die Pop und Polka Variante. Nüchtern und mit der gebotenen Seriösität dieses Blogs könnte man sagen: ein überaus bunter Abend. BohEy.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, das ich IM Zelt nur das Nötigste hatte und AM Rad draußen meine ganzen warmen Sachen gut und wasserfest verstaut hatte. Die Außentemperatur betrog in dieser Nacht niedrige einstellige Werte. Ich hab gefroren. Das muss doch wirklich nicht sein.. Uff. End Of T3.

Tag4 – 78 km,  735 hm, 4:40h h Fz –  Grüntensee (Allgäu) – Lindau 

Immerhin ist es trocken. Warm allerdings nicht. Um 7h (!) hatte ich mich endlich entschieden doch noch eine Schicht anzuziehen, und deshalb bleib ich heut auch bis 830h liegen. Alles ist noch feucht, wir kommen nur langsam in die Gänge, trocken wird das ganze Zeug eh nicht wirklich, also verlagern wir unseren ganzen Krempel mal in Richtung Haupthaus und kochen erstmal Cappuccino und schneiden Obst fürs Müsli. Sowas dauert, also kommen wir tatsächlich erst gegen 11/1130 in die Spur. Nein, wir kämen in die Spur, wenn Lothar nicht mit seinem etwas unkoordiniertem Fahrstil (Restalkohol??) seine Fronttasche an der Begrenzungsmauer schreddern würde.  Etwas Schwund is halt immer.  Die Sache ist schnell repariert. Können wir endlich los? Jep.

Die Wegführung heute ist traumhaft. Es geht quer durchs Allgäu, auf und ab, bisweilen knackig. Saftig grün, graublau, Wolken/Sonne im Mix, Die Temperatur eher kühl als warm. Mein Knie ist irgendwie tapfer aber stet präsent, keine Ahnung wie das endet. Besondere Vorkommnisse sind nicht zu vermelden, außer das unser Track klasse ist, vorbei an Immenstadt und immer wieder schön abseitig über die Dörfer. Als wir kurz vor dem Ziel Hergersweiler queren, ist eigentlich klar, das ich einem meiner Lieblingslieferanten einen kurzen Besuch abstatten muss. Nett.  Danke für die Apfelschorle, Herr Herrlein.
noch weitere 8km auf einer Backe und wir schlagen am Campingplatz kurz vor Lindau an. Körperpflege, alle warmen Sachen ins (!) Zelt, essen fassen und bloggen. Läuft….

Tag5 –  104 km,  333 hm, 5:46h h Fz  – Lindau – Malans 

Vor dem Tag hatte ich Reschpekt. Ordentlichen.  Schon lange keinen 100er mehr gemacht  Aber wird schon gut werden. Kurzer Stop in Lindau bei den Löwen ist Obligat, Erinnerungen an unsere damalige Tour bis Oberstaufen (1978!!) werden wach  Damals noch mit K-way und Amateur Equipment. Weiter im Text, Bregenz, St.Gallen, es geht dahin, die Wegführung ist klasse und schließlich lädt uns der Radweg entlang des Rheins kilometerlang episch zu einer Rückenwind-Reise ein. Wie geil is dat dann? Es bläst und wir gleiten am Rhein entlang. Die Landschaft ist toll, der Rhein friedlich, der Himmel blau, die Sonne lau, die Stimmung gut, das Knie halbwegs frohgemut. Freunde, wir leben. Sind mittendrin, fühlen uns sauwohl, auch als der Grenzübertritt nach Lichtenstein sich ankündigt nehmen wir grinsend zur Kenntnis, das wir Deutschland, Österreich und kurzzeitig die Schweiz verlassen haben. Weil Lichtenstein schön ist, glauben wir es richtig zu machen auf der linken Rheinseite zu bleiben und pedalieren frohgemut dahin. Der Frohsinn währt exaktamente bis wir vor einer Wand und einem Trampelpfad stehen. Äh? In Deutschland hätte Friedrich Kilometerweit vorher vom Beamtenmichel ein Schild malen lassen „dieser Weg führt nicht weiter“, So aber nicht die Fürsten im Lichtenstein. Die Konsequenz des Ganzen ist klar, oder? Minimum 2 Kilometer im stärksten Gegenwind umsonst retour und rüber auf die rechte Rheinseite. Schweiz. Wohin auch sonst?  Lesson learned. Ok ok . Die finalen Kilometer wuppen wir dann auch noch und so landen wir in Malans an einem gemütlichem Campingplatz an einem rauschendem Bach an. Der Sound sollte uns die gesamte Nacht begleiten. Das zwei Wohnmobile inmitten der Zeltwiese standen, wollte ich kurz kritisieren, mahnte mich dann aber zur Großmut. Am Abend kochen wir Forcellini mit Pasta Pesto weil die Schweiz kein Schnäppchen Gebiet ist. Es geht uns gut.

Tag6 – 17+36 km,  100+434 hm, 1:02+2:35 h Fz  – Malans – Chur / Bellinzona – Lugano

Der rauschende Bach ist unser Wecker. Die vorabendliche Debatte wird in den Morgenstunden fort geführt. Das Problem: der Splügenpass ist gesperrt. Zuviel Schnee. Was die Lage entscheidend verändert und nun vier Herzen in unser beider Brüste schlagen. Einerseits will Lothar nicht vom Plan abweichen, andererseits sagt Udo „hallo mein Knie“ außerdem ist der Weg über den Lukmanier auch nicht leichter und die Option mit Bus oder Zug eine Hürde zu überspringen an der Ehre kratzend. Tja, was tun. Wir entscheiden mal bis Chur zu fahren und wollten Option Zug nehmen. Am Bahnhof dann taritara und hin und her. Bus geht, aber alles Gepäck Gedöns muss weg, Zug geht auch,fährt aber einen großen Bogen via Zürich und ist fast doppelt so teuer.Also doch Bus, jezz aber schnell.  Wir bauen alles ab und in zwei Minuten will der Fahrer starten, no Chancen, also 50min warten. Egal.  Beide Räder nackig, wie Gott sie schuf, sind wir dann geschickt für 2h Transfer bis Bellinzano. Dort spuckt uns der Bus aus, nachdem wir durch eine grandiose Kulisse über St.Bernhard gefahren sind. Spektakulär. Und – to be honest – oben wäre noch satt Schnee gelegen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Nun also noch ein Kilometer machen bis zum Tagesziel Lago Lugano. Zuvor müssen wir noch eine elende Rampe in Form  einer Bergstraße (viel Verkehr) abdrücken. Umdrehung für Umdrehung schmelzen wir auch diesen Vorgang langsam ab.  Unser Camp am Lago is ok und wir fühlen uns wohl. Es gibt einmal mehr Pasta mit roter Soße und ein Bier. Die Welt meint es gut mit uns

 

Tag7 –  87 km,  469 hm, 5:21 h Fz  – Lugano –  Milano

Acht Uhr. Aufstehen. Die übliche Routine. Packeln, sieben Sachen zusammenpacken, Cappuccino kochen, Müsli schneiden, Zähne putzen, startklar machen. 1030h …Gemach Gemach, Mailand wir kommen. Wir reiten am Seeentlamg und müssen später auch mal frequentierte Straßen berühren. Eine führt uns direkt an einer imposanten Tropfsteinhöhle vorbe. Aus circa 20m Höhe tropft es hinab, die Höhlen sind zugänglich und erlauben einen willkommenen Stopp. Induna Olana – cooler aber überschaubarer Ort. Derweil wir passieren etliche vernachlässigte Baupbjekte, leerstehende Fabriken und desolate Ruinen. Italien überlässt so manche Gebäude ganz sich selbst. Die Natur holt sich alles zurück.

Es passiert nichts spektakuläres mehr, aber immerhin erreichen wir die Stadtgrenze von Milan und das war mein erster harter Ankerpunkt. Grinsen ich muss. Wie geil ist das ? Mit dem Bike nach Mailand.  Der Campingplatz ist ok und die Zeltwiese voll. Erstmals sehen wir Bike Reisende und, klar, jeder fragt jeden wohin, woher, wieso? Schön.  Am Abend gibt es Pizza und Bier und alles ist wunderbar, Morgen erobern wir Mailand. Doch wir sollten nicht ahnen wie.

Tag8 – 53 km,  51 (!!) hm, 5:21 3:40h Fz  –  Milano – Pavia

Die Sonne küsst uns wach. Die Temperatur ist lau und mild. Wir machen das, was wir immer machen und auf einmal steht Mike bei uns und bewundert das richtige Rad, erzählt, das ihm schon zwei Titanbikes geklaut wurden und bevor wir uns versehen Multitasken wir die nächsten 60 Minuten zwischen ratschen, fachsimpeln und zusammenpacken hin und her. Das sollte fatale Folgen haben. Mike ist Designer, kommt seit 20 Jahren nach Maillanf, hat hier studiert und hat herrliche wunderschöne lederne Radschuhe (Memo an mich: die will ich auch). Wir packen und reden, reden und packen und nach einer Weile verabschiedet sich Mike um zur Möbelmesse zu fahren (natürlich bei bike). Ich stelle fest, das ich beim Packen diverse Fehler gemacht habe und improvisiere die eine Stange dahin, das ein oder andere Teil dorthin. Egal. Als wir glauben fertig zu sein, Kaffee kochen haben wir übersehen, kommt Mike retour und sagt, „och, ich mach es anders, ich zeig euch ein bisschen was“. Gesagt, gefahren. Er ist nun der Guide und informiert uns, das es gute und böse Ampeln in Milano gibt, entsprechend schreddern wir durch den Stadtdschungel, den Ampeln zum Trotz. Genau mein Ding. Irgendeine Bar an einer Kreuzung wird annektiert und wir ratschen uns durch den Vormittag. Herrlich.  Das Stadion San Siro ist mindestens genauso mächtig, wie die wahnsinnige Siedlung von Liebeskind. Hammer. Es folgt die Scala, eine Denkmal von DaVinci und Last but Not least der irre tolle Piazza del Duomo. Da wollt ich hin. WOW. Wie geil is dat dann? happy ich bin.  Mike derweil informiert uns an jeder Ecke über die Geschichte der Dinge, die gerade an uns vorüberziehen.  Mike, Du bis n toller Typ. Danke für die Zeit. Wir sehen uns sicher nochmal. Am Kanal entlässt er uns mit dem Hinweis, das wir nur noch dem Kanal folgen müssen, was für die nächsten 25 Kilometer stimmen sollte. Pfeilgrad. Hammer. Leider bläst der Wind heute falsch, aber völlig Wurscht. Nächster Halt und finales (entspanntes) Ziel für heute Pavia. Bevor für den Platz aufsuchen, geht es noch kurz in die Stadt. Zwei Bier bitte. Kaum sind die bestellt, kommt Joachim des Weges. E-Bike, 4 xxl Ortliebtaschen, plus zusätzlichen einen Heckkofferraum, der an einen Passat Kombi erinnert. Es macht den Eindruck, als ob er seit Monaten in einer Expedition unterwegs ist, doch eigentlich hat er heut erst den ersten Tag und macht nun Pause, bevor in einer gebuchten Pilgerherberge eincheckt. Seine Geschichte ist die der deutschen Industrie. Burnout, darf nicht mehr arbeiten und keinen Stress mehr haben. Wir nehmen relativ schnell Abschied, und erobern den Campingplatz. Als alles steht und wir Richtung Pizzeria starten wollen, sagt Lothar „kann ich abschließen?“, sag ich (zu schnell) „Ja klar“, um gleich darauf zu sagen „stoooopp, wo ist der Schlüssel“. Da war das Schloss schon zugeschnappt. Sch*.!! Ich erinnere mich genau, wie ich unachtsam des morgens den Schlüssel so halbherzig zwischen Lederschuh und Titanrad Richtung Tasche geworfen, aber nicht in den Karabiner eingeklippt habe. Wer nun 1+1 zusammenzählt kommt zum selben Ergebnis wie wir. Der Schlüssel wird in Milano im Gras liegen, das Schloss hängt gut verschlossen an unseren Rädern. Gut gemacht Udo. Ich besorge mir von der Campingplatz Chefin einen Bolzenschneider, will aber das Abus noch nicht kaputt machen. Wir gehen Pizza essen. Da kommt eine Pizza Motorrad Kurierin des Weges und Udo denkt sich was er sich immer denkt: fragen kostet Nix. Ich frage sie, ob sie nicht Lust auf einen „kleinen“ Auftrag hat (Google sagt 50km)? Und sie lächelt und lässt sich erklären worum es geht. Natürlich muss ich dazu erstmal Miike aktivieren, den Schlüssel suchen und seine Bereitschaft klären lassen. Kurzum,  Silvia, mein Motarradengel macht es, Mike, der Schlüsselfinder hat gefunden und steht bereit und 2 Stunden später steht eine grinsende Silvia mit Schlüssel vor mir. Läuft. Die Lektion: nicht ratschen UND packen, geht selten gut. Erst ratschen dann packen oder andersrum.

Tag9 – 64 km,  300 hm, 3:49h Fz  –  Pavia – Costa Vescovato 

Neuer Tag neues Glück. Wir haben heute einen weitgehend chilligen Tag. Zunächst durch einen Park, die Frauen üben sich im Gruppenyoga, Kinder spielen, Familien machen Picknick und wir überqueren den Po um dann weiter in seiner Ebene weiter zu treiben. Alleen wechseln sich mit kleinen Dörfern ab und irgendwo im Nirgendwo steht eine Stretchlimosine, wie sie uns seinerzeit in Helsinki entgegenkam. Es geht lange Zeit unaufgeregt übers Land, doch dann kommt ein letzter Anstieg und wir steigen noch einmal etwas kräftiger ins Pedal. Der Campingplatz am Ende des Hügels ist sehr sehr chillig. Die Sanitäranlagen sind unisex, der Pool voller schöner Menschen, Dixie ganzen Jugendlichen voller Freude auf die Party im Nachbarort (die Lothar nicht besuchen mag). Unten am Pool brennt die Hütte, da lehnt Lole dankend ab und sucht sich einen einsamen lonesome Wolf Platz. Auch ich verzupfe mich an den Rand. Wir verbringen den Abend ganz entspannt mit einer Brotzeit aus dem Alimentari und anschließend noch einem Bier zuviel. Ich spiele erfolglos zwei Tischtennis Matche und zufrieden schlüpfen wir in unsere Schlagsäcke. Alles fein.

Tag10 – 78 km,  965 hm, 5:10 Fz  – Costa Vescovato – Genua 

Heute ist knackig Tag. 1000 Hm wollen bezwungen werden und es geht nach 1m bereits mit der ersten von sechs Steigungen los. Na denn, auf geht’s. Wir durchqueren eine toskanisch anmutende Landschaft und sind guter Dinge. Die Sonne knallt im Übrigen auch. Auf und ab geht es abseitig der Hauptadern und wir werden nur gebremst, weil irgendein Radrennen ständigz unseren Weg kreuzt. Die surren geradezu vorbei aber wir treffen sie immer wieder, demnach sind wir nicht viel langsamer oder? Nach 5 Anstiegen kommt eine laaaaange Abfahrt hinunter nach Genua, dennoch „nur“ V Max 51km/h. Egal. Die Fahrt durch Genua ist elendig lang und irgendwie übel. Hochhäuser, Verkehr, Müll, enge Straßen, … alles wenig ansprechend … und dennoch kommen wir endlich nach ca einer Stunde am Meer an … jeahhhh. Sie haben ihr (Zwischen)Ziel erreicht. Chaka.  Cool. Nun noch die letzten 90 Höhenmeter hoch zum Platz, dann ist duschen und essen fassen angesagt.

Tag11 – 62 km,  308 hm, 3:58 h Fz  – Genua – Finale Ligure

Weitere 10 Kilometer nötigt uns Genua ab, bis wir aus dieser grauen öden Stadt heraus sind. Verkehr und Lärm sind das Ambiente. Mir persönlich ist schleierhaft, wie man in so einer Stadt leben kann. Net meins. Nun denn. Als ich am Ortausgang das Meer begrüßen will, meint Lothar, „wart noch“ und er sollte Recht behalten. Nur wenige Kilometer außerhalb kommt das Mittelmeer samt. Sonne mit seinem ganzen Charme daher, Der Radweg ist eine Wucht, die Straße weit weg, die Blicke atemberaubend und von Mochael (aus Berlin), den vor zwei Tage lang trafen keine Spur. Gute Reise cool man, und eine gute Zeit die nächsten sechs Monate in Nizza.  Wir radeln und grinsen breit, immer (oder zumindest meist) ganz nah an der Küste geht es bei „best Wetter“ immer weiter, immer weiter …. Es ist so genial. So ähnlich muss sich radreisen anfühlen. Es mangelt uns an nix. Das Leben ist schön. Ich will Euch nicht langweilen, daher nur soviel: ein toller Tag entlang der Küste, mit schönen Radwegen, traumhaften Perspektiven und einem würdigem Finale in dem Städtchen Finale Ligure. Wir bekommen einen Zeltplatz mit Meerblick, den es eigentlich gar nicht gibt.  Es is so geil.

Tag12- 47 km,  222 hm, 2:44h Fz  – Finale Ligure – (vor) Imperia

Ja sag a mal. Wolken? Ok, nur wenige, aber Wolken? Um es vorweg zu nehmen: sie haben sich schnell verzogen. Gut so, wir haben noch drei Tage to Go, und weil wir so fleißig waren, sind es eben nur noch drei Chocken Day Tage a ca 45-50km. Kein Ding, ganz entspannt. Also dann heute ein weiteres Mal entlang der Küste. The Same procedure as yesterday. Läuft. Radweg wechseln sich mit der SS1 und der einen oder anderen Wegführung durch die alten Küstenstädtchen. Erwähnenswert an dieser Stelle Albenga! Wow. Hammer Stadt. Toller historischer Ortskern mit drei (von ehemals vielen) Ziegeltürmen. Fräulein, zwei Sprizz bitte, Das Leben ist schön, die Sonne scheint. Es geht uns bestens. Ohne besonder Vorkommnisse erreichen wir nach kurzer Zeit und mit üppigem Zeitvorrat einen schönen Campingplatz vor den Toren von Imperia. Lothar fiebert schon auf das PSG/FCB Spiel hin und ich hoffe auf einen Sieg der richtigen. Frisch geduscht und tiefen enspannt schreibt es sich in der sich neigenden Sonne doch prima. Grüße an die Leser da draußen.  Two easy day to Go bis Nizza, dann kommt der Solo Modus.

Tag13 – 66 km,  644 hm, 4:21 h Fz  –  Imperia – Menton

What a day. Traumwetter, Rückenwind und von den insgesamt 66km sind ca 40 (!) auf allerbesten zweispurigen Radweg-Autobahnen, immer an der Küste entlang, Selbstredend, das natürlich die Aussicht über die gesamte Strecke hinweg ebenfalls sensationell ist,  Ich jauchze,  Wie geil ist das denn? Irre. Irre schön. Bin happy. Lothar, glaube ich, auch. Es gibt keinerlei Mangel, wobei, stopp, das stimmt nicht ganz. Wir entscheiden uns nach einem Verfahrer, doch zurück auf den Original Track einzubiegen. Das sollte sich als kapitaler Fehler erweisen.  Das Schild mit der Sackgasse störte uns zunächst nicht, dann muss ich wohl den falschen Wegarm erwischt haben und wir landen nach einiger Weile im Nirvana, wenngleich der Track uns Glauben machen will, das wir richtig sind. Sind wir nicht, was wir zweifelsfrei bemerken, als wir die Räder über eine steile Treppe gewuchtet haben und diese dann als Wendeltreppe uns in eine finstere Unterführung lotsen will. Also alles retour. Nochmal Treppen wuchten, weil da oben ist ja eine richtige Straße mit grauem Asphalt.  Klasse, also da lang. Dann das Schild Sackgasse, wird doch wohl nicht für Biker gelten.  Doch gilt für alle. Wir stehen vor einem Tunnel, der nach 500 Metern ins gelobte Land, sprich auf die richtige Spur führt, doch der Tunnel ist zu. Die Klippen zu steil und überhaupt. Also alles wieder retour und den Tunnel mit satt viel Höhenmetern umfahren. Wir haben ja sonst nix vor.  Dafür entschädigt der ebenfalls steil oben gelegene Campingplatz in Menton. Ist Menton schon toll, so ist unser Platz mit Blick aufs Meer maximal toll. Selig wir sind. Am Abend gibt es etwas Fast Food und Zuviel Wein.

Tag14 – 52 km,  637 hm, 3:27h Fz  –  Menton –   Cagnes sur mer 

Final day was unser Team betrifft. Das war der Plan. Lothar hat in Nizza sein Ziel erreicht und steigt morgen in den Bus zu eine  12 Stunden Ritt  – im Grunde fast auf der Route, die uns nach Nizza geführt hat. Doch zunächst einmal müssen wir das Ziel auch erstmal erreichen. Die Berge vor Monaco stehen im Weg und auf unserem Track steht eine einzige Steigung, Knapp 600hm am Stück über den Col Eze. Wir starten frohgemut, die Aussicht von unserem Platz hinunter nach Menton ist phänomenal. Erst einmal den steilen Berg hinunter, dann ein wenig rollen und Zack heißt es „Anstieg  1 von 1“. An einer Gabelung könnten wir noch den chicken Way nehmen und holen Tad von einem Renntadler. „If You Go up, less Traffic, if you go left, Not so Steep“ erklärt er uns. Wir überlegen nur kurz, dann heißt es „Go up“. Auf einer Länge von 4km ist das ganze auch kein Dong. Und das mit „less Traffic“ war gelogen. Egal. Oben angekommen kapern wir eine Boulongerie und machen kurz drauf erst einmal Brotzeit. Dann geht es episch hinunter und an die Cote d Azur.  Grande. Wir erreichen am ganz frühen Nachmittag unser Ziel Nizza. Gimme Five, Lole. Stolz wir sind. Geil. Ein Bier, etwas städteln, und dann heißt es Abschied nehmen. Lole hat sich in einem Massenlager einquartiert, ich fahre noch auf besten Radwegen mit Rückenwind bis Cagnes sur Mer.  Jetzt muss ich mich neu Kalibrieren. Vom Best Buddy Modus reset auf Solotrip. Mal sehen wir mir das gelingt. Der Abend war schon mal gut und ich hab mich in Ermangelung eines Restaurantes selbst bekocht. Es gab klassisch Fussili mit Pesto. Lecker. Spannend wird die Frage, wie lange das Gas noch hält.

Tag15 – 102 km,   1104 hm, 6:48h Fz  – Cagnes sur mer – Les Blimouses

Ich bin guter Dinge. Heute ist Tag1 von Teil2 und Tag 15 der ganzen Tour (muss aufpassen, das ich nicht durcheinander komme). Es geht weiter an der Cote d Azur entlang, vorbei an allem was Rang und Namen hat. Antibes, Cannes und wie sie alle heißen. Hinzu kommt eine Häufung von Porsche und Lambourgini und natürlich all jenen schönen Menschen, die sich damit schmücken. Die Wellen brechen am Ufer, Die einen nehmen ein Bad im Meer, die anderen ertüchtigen sich und manche bruzzeln sich, überall dazwischen die Rennradler mit ihrem charakteristischen zisssssccccchhhhh. Und ich mittendrin. Ein englisches Paar spricht mich an und ist sehr beeindruckt ob der Tatsache, das ich von Bavaria bis hierher gekommen bin. „God bless you“ ruft mir die nette Frau noch hinterher.  Ja, please God, bless me. Irgendwann kann man aber – trotz wirklich wahnsinnig geiler Radwege – kein Meer mehr sehn, also links hoch in die Berge. Wat mut dat mut. Das wär kein Problem, doch als der wunderbare Eurovelo 8 rechts auf eine Rampe zweigt, bekomme ich Zweifel. 15% und mehr bei übler Beton-Guss Piste, die kurz darauf mit ca. 16-17% dann in gröbsten Schotter wechseln sollte. Nee, oder? Das tue ich mir net an, also wieder runter. Des is mir zu mühsam. Unten kommen mir zwei Wanderinnen entgegen, eine davon äußerst attraktiv. Die spreche ich an. Ob es keine Alternative gäbe, ja freilich, aber die ist genauso steil.  Bravo Madame. Wir quatschen noch ein wenig und ich halte das Gespräch zwar am laufen, die Gesellschaft ist ja äußerst angenehm, aber am Sachverhalt ändert sich dadurch Nix.  Die zwei Damen gehen in die Spur und ich beratschlag mich mit mir selbst. Wenn die das gehen können, kann ich das auch iwie fahren, oder? Also nochmal rein in den gleichen Berg. And the good New is: noch ca 1500m ist zumindest das steile vorbei (ich hatte nach 1000 umgedreht) und der Weg wird zahmer, aber dafür superschön toll. Außerdem überhole ich beide noch einmal und natürlich müssen wir alles nochmal besprechen.  Bye bye ihr zwei. Der Rest ist schnell erzählt, und es sollte anders kommen als geplant. Die Wegführung ist klasse, abseits, einsam, naturbelassen, episch toll. Als ich am geplanten Camp anlande, werde ich herb enttäuscht.Das Gras steht 40cm hoch, das Gatter ist geschlossen und hier kommt demnächst wohl auch keiner. Also konsultiere ich meine VeloPlanner App und werde fündig. Jedoch um den Preis gut nochmal 30km und einige Höhenmeter on top zu absolvieren. Hilft ja Nix.  Dann endlich nach dem wunderschönen Ort Bargemon Route ich mich etwas irrläufig ins Camp. Oh Schreck, am Eingang steht Ferme. Das heißt mW „geschlossen“. Nee, oder.  Zum Glück ist Rezeption besetzt und diese teilt mir mit, das seit gestern (!) geöffnet ist. Schwein gehabt. Die Nacht ist friedlich und ich zufrieden.

Tag16 – 102 km,   920 hm, 6:01h Fz  – Les Blimouses – Gilanservis

Komisch, kaum bin ich allein, flutschen die Prozesse nochmal Runde und ich komme heute abermals vor (!) 10h vom Hof.  Bin gut in der Zeit, den durch den On Top Teil gestern bin ich heute an Tag 16 (sprich Tag 2 von Teil2) bereits schon bei Tag3 sozusagen. Verstehst du? Egal.  Ich muss mir im Kopf das nur so zurecht legen, das ich nicht durcheinander komm. Dieser Tag ist schnell erzählt. Es passiert Nix, außer das es unbeschreiblich schön ist und selbst in einem der größeren Orte auch der Intersport Store keine Soto Kartusche mir bieten kann. Nur Camping Gaz. Bäh.  Die Route ist sensationell. Völlig abseits (zu mindest 80%) führt sie durch einsame Wälder, über sanfte Hügel, schattige Flusstäler und  ganz selten mal durch ein Dorf. Ich bin so geflasht, das ich mit meiner JBL mein Glück beschalle und bei blauem Himmel rosarote Gedanken  entwickele. Fest steht für mich auch: Kalibrierung in den Solo Modus erfolgreich abgeschlossen- ich fühl mich total wohl in meinem Rhythmus fahren zu können und warum auch immer, stehen am Ende von Day16 wieder einmal 102km und knappe 1000hm auf der Uhr. Wollte ich vorher nicht und geht jezz nahezu easy auf zwei Backen. Läuft. Natürlich muss Gilanservis ganz am Ende auch wieder mit einer kleinen Rampe angeben, aber das macht den Höhenmeter-Kohl auch nimmer fett. Ein Restaurant hat der Ort nicht zu bieten, also gibt es Baguette mit Aufschnitt aus dem Supermarkt. I feel good. Gn8.

Tag17 – 77 km – 855 hm, 4:54h Fz  – Gilanservis – Reillane 

Today ist mal Schlendrian am Morgen angesagt. Na gut, starte ich halt mal erst um 10h  Manche Dinge brauchen ihre Zeit. Ein paar helle Wolken haben sich zusammen gerottet und stellen der Sonne die meiste Zeit des Tages die Show. Stört nicht Weite, weil irgendwo muss ich gestern meiine zu 90% geleerte Sonnencreme liegen gelassen haben. Also dann mal ohne Schmiere. Die ersten 8km wuppe ich mit nem 25er Schnitt, läuft, dieser sollte sich aber am end of the day wieder relativiert haben, dafür sorgen dann schon die Höhenmeter. Es geht herrlich dahin, auf und nieder, manchmal bretteleben (mit 10000 Schlaglöchern,  manchmal völlig unnötig wild auf einem der Haupstrasse ausweichende  Trampelpfad. Ey. Die Dörfer sind an die Hänge geklebt und die kleinen Bars verlocken zum verweilen. Die leben schon fein, die Franzosen.  Gefällt mir immer mehr. Sprachlich klappt es mit Englisch auch meist ganz gut und ansonsten komme ich mit meinen 10 Brocken ganz gut um die Runden, durch die Bars und die Boulongeries.  Deren Auswahl ist im übrigen ein Traum. Ich Groove über die Hügel, durch die Wälder und an so mancher alten Gasse vorbei. Thats why. Great.  In Reillane muss ich in die Bar des Ortes, die gemäß eines Engländers very famous sein soll und auch so wirkt. Zuvor sprach mich inmitten der Öde noch eine Madame aus Kombocha an und kaute mir fröhlich ein Ohr ab. Mein Camp außerhalb von Reillane ist super, geführt von einer Holländerin, die alles ganz entspannt hier angehen lässt. Platzwahl? Egal! Zahlen? Morgen  vielleicht? Das Wetter? Soll schlecht werden morgen  Ey. Das hab ich nicht gebucht.  Im Moment schaut’s friedlich aus, 90km Morgen im Regen bis St.Remy waren nicht auf dem Zelttel. Daumen drücken Freunde.

Tag18  64 km – 303 hm, 3:34 h Fz  – Reillane – Cavaillon 

Es war doch klar, das es irgendwann passieren wird. Glasklar. Pünktlich um 5h wird somit die WhatsApp Nachricht von Freund Reimhard (ich zitiere „… Regen ist, weil du kennst es nicht, wenn durch Abkühlung der Luft das Wasser auskondensiert. Kommt manchmal vor“ Zitat Ende) obsolet, weil genau dieses „manchmal“ war heute Morgen um 5Uhr und im übrigen den ganzen lieben langen Tag. Sprich ich war heute Rainy Man, es gab einen fetten rainy day.  Doch von vorn.  Wie gesagt um 5h nahm das Unglück seinen Lauf, na gut denk ich mir, dann dreh ich mich solange um, bis es wieder aufhört.  Kurz vorm Drehwurm entschied ich mich dann für einen Blick auf den RegenRadar, der mir verriet: ab 830h holt Petrus nochmal tief Luft. Ok, raus aus dem Sack und jetzt schnell sein. Alles zusammenraffen, eintüten, etc pp. Doch natürlich holt Petrus schneller Luft als ich packen kann, kurzum die Aktion zog sich in die Länge. Ich räume vom Grasplatz in eine kleine Hütte, von der kleinen Hütte in die Waschkammer der Steinhäuser und trockne mehr schlecht als recht das Gröbste, parallel dazu krame ich gesamte Notfall Equipment raus, sprich meine Vaude Monviso, meine Regenhose, Überschuhe, Helmkapuze, den ganzen Kram halt. Um kurz nach sein zeige ich Petrus den Mittelfinger und sage ihm „du hältst misch nisch auf, du nisch“. Und gehe in die Spur. Aus dem Zelt heraus habe ich sinnvollerweise meine online Buchungskünste ausprobiert (die bis dato jungfräulich waren) und mir 65km entfernt eine Bleibe in Cavaillon gebucht. Das ist dann schon mal geklärt. Das erste Bett seit 17Tagen. Unterwegs geht’s munter dahin, das Höhenprofil ist abschüssig, die Radwege (meist eine alte Eisenbahntrasse) sind super, die Langschaft wäre es auch, wenn sie nicht so gräulich wär. In Apt, toller Ort, nehme ich mir die Zeit für einen kurzen Stopp und aufgrund der „kurzen“ Strecke bin ich um 15h am Ziel außerhalb des Ortes. Meine heutige Trockenkammer. Das von Google empfohlene „Restaurant“ entpuppte sich als Pizza Imbiss Wagen, die Pizza war trotzdem sehr lecker. Im.  Bett gibt es jezz noch ein Heineken und dann werde ich beten, das es morgen besser wird wie vorher gesagt.

Tag19  – 77 km – 113 hm, 4:15 h Fz  – Cavaillon – Saint Gilles 

Meine Herbergsmama sagte noch „das Wetter bleibt schlecht und es gibt Sturm. Die Wetterapps meinten, das könnte stimmen, daher mein Ansatz gestern Abend es mit einem Stoßgebet zu probieren. Und siehe da…. Nach einer wunderbaren Nacht in einem wunderbaren Bett (!!) zwinkert mir ein kleines blaues Loch im grauen Himmel durchs Schlafzimmer, als wolle es sagen, „mein Junge, des werd scho“. Und es sollte werden, tatsächlich, den ganzen Tag über kam ich trocken durch, im Gegenteil, tolle weiße Quellwolken auf blauem wohlgesonnenem Himmel. Herrlich. Einmal mehr führt mich meine Route durch historische Orte und eine sagenhafte Natur. Alleen etc pp … sagte es ja schon. Neu hinzu kommt heute die Überquerung der Rhone und in deren Folge die Passage entlang des Rhone Canal. Bohey.  Klasse. Pfeilgrad geht’s dahin, der Wind ist ab und an gegen mich, aber ich mag mich nicht beschweren. Ständig stoppe ich, um ein paar Fotos zu schiessen und fühl mich wunderbar. So geht Solo reisen. Trotzdem schaffe ich einen 18er Schnitt und bin daher zu frühen Stunde (ca 15h) in Saint Gilles und somit rund 50km meiner Planumg voraus. Da ich nicht auf der Flucht bin, entscheide ich mich fürs Camp, zumal mein BBB bzw. die Vorderbremse dringend Zuneigung braucht. Die scheppert schon ganz schön. Und eine Rasur ist ebenfalls fällig. Und überhaupt schaut die Bar da drüben so aus, als ob das Bier schmecken könnt. Es gibt also genug zu tun.
Die Tage im Sattel fliegen. Meine Stimmung ist fein und es gibt keinen einsamen Moment, im Gegenteil. Ich bin mit mir und das ist doch prima. Daheim brennt der Saurüsselkopf derart, das er es ins Fernsehn schafft und was die Politiker so treiben kann ich weder hier on Bike noch daheim on Couch beeinflussen. Also reise ich weiter. Klar, der Plan bleibt straff und ab und an meldet sich der Kopf und fragt nach „sag mal, spinnst – wozu das alles?“. Die Antwort kommt auf leisen Sohlen. Weil es eine Form von Freiheit ist, weil es toll ist genau im Eigenen Rhythmus genauso zu fahren, wie man es für passend hält. Hinzu kommen die unzähligen Eindrücke, Begegnungen und Momente die kostbar sind und die Du so nicht buchen kannst, weil Du sie einfach nur erleben darfst, wie sie just passieren. All das und noch so viel mehr. Das man nebenbei viel leichter ein paar Gramm verliert anstatt daheim nur Salat zu essen macht die Sache obendrein sportlich viel attraktiver. Drum folge ich der Spur noch ein wenig. Die paar Regentropfen die grad trommeln vertreibe ich mit meinem Karma. Morgen gehts nochmal ans Meer.

Tag20 – 82 km – 247 hm, 5:07 h Fz  – Saint Gilles – Vic la Gardiole

Mann, Mann, das ging ja gut los. Ich durchquere die gewaltige Seenplatte und ein ornithologisches Fazsinosum in der Camargue… Vögel aller Arten, die dicken Fische Balzen sich an der Wasseroberfläche, die Schäfchenwolken bilden eine irre Kulisse, der blaue Himmel macht die Szenerie perfekt. Ich speede tatsächlich vor lauter Euphorie mit 20,x im Schnitt dahin, das sollte sich aber schnell ändern. Ich bin geflasht von der Gegend, dem Schauspiel und dankbar, das ich das so tun kann/darf. So geht radreisen. In der Nacht hat es von 23 bis va 4Uhr ordentlich gekachelt und das Trommelfeuer des Regens war eine schöne Einschlafmelodie.  Sorge hatte ich keine, die Wetterapp sagte Sonne to jour. Also fahre ich über Land, episch und der „Landanteil“ auf diesem Abschnitt ist im einstelligen %bereich, der Rest ist Wasser, vor mir, neben mir und überhaupt … Ich bewege mich auf ganz schmalen Landzungen. Bis Aigues Mortes gehts so dahin, irre, die Stadtmauern laden zur kurzen Rast ein und dann kommt einmal mehr Landzungenfahren bis La Grande Motte unterhalb von Montpellier. Mittlerweile sind sogar die Flamingos am Start und ich muss halten, Akku tauschen und fotografieren…. Hätte ich mal besser nicht gemacht.  Und ich denk mir noch „vergiss des Täschchen nicht“ jenes Täschchen, das so perfekt all meine Kabel beherbergt. Und was macht Udo? Er vergisst das Täschchen. Merkt es nach 5km und fährt Vollgas zurück. Zu spät Täschchen weg. Sch*!  Shit Happens. Kannst du machen nix, Der Zufall will, das am Wegesrand ein Supermarkt daher kommt, der zumindest das wichtigste Kabel im Angebot hat. D.h. iPad und iPhone sind Save. Trotzdem ärgerlich.  Kurz zuvor war dann noch die Straße des Tracks derart geflutet, das eine Durchfahrt undenkbar war, über einen halben Meter stand das Wasser (der Regen der Nacht) …. Kurz um, nehme ich die Route direkt am Meer entlang. Strandbiker Udo. Das alles wäre fein, aber der Gegenwind drosselt das Tempo auf 9km/h mehr is nicht, von wegen 20er Schnitt. Pffff… So, nun noch ein Bier in Vic und dann der richtigen Mannschaft die Daumen drücken. Morgen neuer Tag, neues Glück. Dabeim ist der Rasenmäher kaputt.

Tag21 . 86 km – 208 hm, 5:05h Fz  – Vic la Gardiole – Columbiers

Der Himmel ist freundlich, diese scheiss Mücken sind es nicht. Es gibt keinen Grund, warum diese Viecher hier auf diesem Planeten ihr Dasein fristen. Keinen! Es juckt, im Doppelten Sinne, einerseits geht’s weiter andererseits haben sie mich nicht nur 1c erwischt.  Aber ein paar habe ich liquidiert,  Darüber hinaus stelle ich mir die Frage, warum muss in jedem französischem Baum (gilt auch für Deutschland, Schweiz und Italien) so eine blöde Taube sitzen, die nix besseres zu tun hat als gegen 6h, also zur Unzeit, ihr Gurrlaute abzusondern. Immer den gleichen Sermon.  Schlimm. Ok, dementsprechend (Moskoito)  verzichte ich auf das übliche Cappuccino Bialetti Soto Ritual.
Dann geht es in die Spur. Heute mal etwas eher. Es ist schwer zum aushalten, wieder führt der Track am Meer entlang und bietet eine Fernsicht ins Unendliche. Die Segel am Horizont lassen einen Träumen und die Radwege hier in F 7sind 80-90% ein Traum, die restlichen 10-20% sind meist unerhört löchrige Flickeerk-Straßen mit Löchern, Beulen und sonstigem Ungemach. Aber am Radwegnetz in Frankreich könnte sich Friedrich mal ne richtige dicke Scheibe abschneiden. Chapeau, ihr lieben Franzosen, ich fange an Euch richtig zu mögen. Sehr sehr triebienne,  Diesmal ist der Weg entlang am Meer harmlos und nicht wie teils gestern die Beton gegossenen feuchten Träume von Immobilien bzw. Investorenkartellen, wo sich ein Bunker an den anderen reihte. Hier und heute alles lieblich. Auch Sete ist beeindruckend. Ich rolle gerade an, da geht die Glocke und ein rotes Licht stoppt den Verkehr. Eine mächtige Brücke aus dem Jahre 1951 schwenkt nach oben, um die Segler bzw, Motorboote durchzulassen.
Die zweite Hälfte des Tages führt mich episch am Canal Du Midi entlang, Natur pur, perfekte Wege und ab und an ein Ort. Beziers lasse ich liegen und entscheide mich für einen tollen Spot hier in Columbiers. Seit zum Duschen, abhängen und schreiben. Funny Fakt, die ältere Dame mit Rad, die mich gestern nach dem Weg fragte und auch in Vic ihr Zelt aufschlug, ist ebenfalls hier angelandet.und startete heute Morgen schon um 8h, da hab ich grad mal ein Auge aufgehabt, Kurzum: klasse Tour heute, je mehr Meer desto schön, dennoch ist es jetzt auch ok, wenn es „rechts hoch“ in neue Regionen geht. Bin gespannt.

 

Tag22 – 100 km – 303 hm,  5:09h Fz  – Columbiers – Carcassonne (nearby)

What a day. Sensationell, Phantastisch, überragend, famous. Bin begeistert. Gestern war ich motivatorisch nicht bei 100%, heute ist das alles wieder reloaded. What a day. Sensationell…. Usw usd. BohEy. Klasse, Freunde, stellt Euch das mal vor: 100km nur Schotter (meist feinster), 100km Einsamkeit, 100km Natur pur, 100km Canal du Midi. immer (ok, ok, 95%) am Wasser lang, Ab und an eine der vielen Staustufen, die für jeden Kapitän eine kleine Challenge, aber auch Unterbrechung sind, einige kleine Cafés und oder Restaurants des Weges. Herz, willst Du mehr (Meer?). Mehr gibt’s fast nicht. Ich fliege nur so dahin und trotz des ein oder anderen Bummlers unterwegs und trotz der vielen Schranken-Schikanen werde ich am End Of the day einen guten 9er Schnitt haben,  it Gepäck wohlgemerkt. Hammer wie das läuft. Die Eindrücke unterwegs kann man nicht beschreiben, ich rate Euch: selbst mal fahren. Sensationell, usw usf …. Sagte ich ja schon. Grandios. Die paar Woklen unterwegs stören nicht, zumal es am Abend schon wieder knallblau aufreißt. Herz, was wills Du noch. Ich bin im Flow. Love it.

Und ich denke mir gestern Abend noch, ok, mal ein ganz unaufgeregter Tag „nur toll“ am Canal entlang.  Und dann gehe ich mit „Jennifer“ (der franz. Originalname ist unaussprechlich) in das kleine Camp Restaurant und wir quatschen im Rahmen unserer deutsch/englisch/französischen Möglichkeiten über unser Leben und das Reisen. Dann gegen 2130h ist die richtige Zeit für Nachtruhe, dachte ich mir. Jennifer ist bereits im Zelt verschwunden, da will ich doch die Nachbarn vis a vis kurz fragen, ob sie nicht zufällig ein Garmin Ladekabel für meine Uhr haben (hab ja keins mehr). Klar haben sie, und Bier auch, Come on, u wanna a Beer, usw usf … und der Abend nahm seinen Lauf. Wir radebrechen englisch/französisch im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten und nutzen im Zweifel Google Translater. Funny Abende aus dem Leben heraus geboren. Good Night ihr lieben Bretonen, Jo-Jo, Rosanna, Laurent & Olivier. Coole Truppe.

Tag23 – 100 km – 323 hm, 5:35  h Fz  – Carcassonne (nearby) – Deyme

Am Morgen gibts bei den Nachbarn noch Kaffee & Brioche und Jennifer ein wenig als Englisch Übersetzerin aus, dann gehen wir gemeinsam in die Spur, um uns dann aber, jeder fährt sein eigenes Tempo, schnell wieder aus den Augen zu verlieren. Am Ende dieses Tages sind es weitere 100[!] km auf reinstem, teilweise auch üblen Schotter, bei stet starkem Wind, der jedoch meist aus der richtigen Richtung bläst, sodass ich 1-2x den Track zugunsten der Landstraße verlasse und dann so richtig Speed machen kann, kaum Autos und der Wind bläst mich auf der Ebene auf teilweise über 40km/h. So macht Radreisen Spaß. Das ist wohl der Cashback meiner Irland Tour oder unserer Norderney Tour 2025, wo es uns fast weggeblasen hat und wir über 9km/h nicht hinaus kamen. Ansonsten gilt auch heute, reinste Canalarbeit, immer wieder Alleen, Vögel, Bäume, Wasser, Staustufen … All das und noch viel mehr. Muss man gesehen haben. Als ich im Camp anlande, zeigt die Uhr schon wieder 99,5 (wie gestern) – das lass ich so nicht stehen und umrunde den Platz, bis die 100 voll sind. Geht doch.

Tag24 – 91 km – 108 hm, 4:31 h Fz  – Deyme – Moissac

Die Vorhersagen sind gar nicht gut. Genau genommen sind sie schlecht. Also heute mal früher raus aus den Federn, weil ab Mittag sagt er ordentlich Regen voraus, obwohl es im Moment maximal freundlich aussieht. Jennifer hat ohnehin etwas Sorge ihren Zeitplan zu schaffen und wird ,morgen ein Stück mit dem Zug nehmen (während es regnet?). Sie startet gegen 830h, ich folge gegen 930h. Was nun kommt, ist die Wiederholung von gestern, nur noch schöner. Die nächsten 90Kilometer werden heute zu 98% asphaltiert sein und der Weg am Canal Du Midi entlang steigert sich nochmal in Sachen Wunderherrlichkeit. Boh, was für ein Einstieg. Da kannst Dich nicht sattsehen dran. Maximal superklasse, je näher ich mich Toulose nähere, desto zunehmender wird der „Verkehr“. Jogger, Radler, Reiseradler (komischerweise alle in die „falsche“ Richtung), Sonntags-Spazierer, allsowas halt. Klasse. Vielleicht sollten die Herren Putin, Trump und Nethanjau sonntäglich mal hier flanieren, um zu sehen, wie Frieden praktiziert werden kann und trotzdem JEDER happy ist. Ich bin maximal happy. Schmeiße meine JBL Box an und zu der Kulisse passend spiele ich „friedliche“ softe Lieder. Peace  Mister President. Von schlechtem Wetter keine Spur, im 20er Tempo fliege ich den Canal entlang und irgendwo begegnet mir Jennifer. Sie wird aufgrund der Vorhersagen eine kleine Hütte (in ca 5km) nach insgesamt 50km Strecke buchen, es ist ca 12h und ich hab  die 45km so schnell abgespult, sehe nur blauweiße Wolken und entscheide mich weiter zu fahren. Nochmal 40km gehen immer …. Vor lauter Euphorie nehme ich minimal die falsche Wegader am Kanal entlang und lande nach circa 1km am Ende eine Landzunge an, die wie ein Y zwei Flussläufen links und rechts den Halt gibt und mir das Ende meiner Möglichkeiten aufzeigt, also retour.  Natürlich erwische ich auch hier die ungünstigere Variante und muss nochmal 1,5km bis zur nächsten Brücke.  So, jetzt passt es wieder. Weiter geht es frohgemut … ich sollte kurz darauf lernen, was so 2,5km Umwege für Auswirkungen haben können. Besser man bleibt am Track. Immer.
Das Camp meiner Wahl liegt auf der linken Seite vom Kanal, der Track geht rechts. Auch hier verschrumpfe ich 2-3min und denk mir noch „och, die schwarze Wolke da drüben im Norden wird wohl Richtung Jennifer ziehen  (die ja ca. 40 „hinter“ mir bereits eingecheckt hat). Denkste. Diese sch* dunkle Wolke entlädt sich innerhalb weniger Minuten mit einer Wucht direkt über mir, das ich – ACHTUNG —> 2km VOR meinem Camp pitschepatsche nass werde. Soviel zum Thema 2km hin oder her, ich Schlumpf. Es kachelt, und weil es kachelt,  gönne ich mir eine geräumige Zelthütte mit Bad, Küche und so n Zeug. Wäsche waschen, duschen, schreiben, cool down machen und mal wieder in einem Bett schlafen. Ja, ja, Spießer, aber Wurscht. Schön so.

 

Jennifer & meine bretonischen Freunde

Tag25 – 81 km – 148 hm,  4:28 h Fz  – Moissac – Damazan

Haha. Jennifer ist wieder da. Sie muss heute Morgen wohl sehr früh gestartet ein, denn als ich nach meiner gesamten Morgenroutine, inklusive dem vergeblichen Versuch im Morgennebel meine frisch gewaschenen Sachen trocken zu bekommen, gegen 930h in Moissac in die Spur gehe sitzt sie gemütlich mit einem Baguette auf einer Bank. Hello, nicke to See you again, See later, again & again. Und sollte es tatsächlich sein. Weitere 81km Canal erlauf stehen auf dem Programm und ich erspare Euch detaillierte Beschreibungen der Perspektiven, die sich mir to Jour bieten, nur soviel: es bleibt unverändert schön und kurzweilig. Meine heutigen Bgleiter (neben einer temporären Jennifer) sind Sonne und Wolken im wüsten Mix, manch eine unternimmt gar den kurzen, aber recht erfolglosen Versuch, mich nass machen zu wollen. Nix da. Regen war gestern. In Agen decke ich mich beim Lidl mit Getränken und später in der Boulongerie mit den oblogtorischem Gebäck ein. Was muss das muss. Agen selbst ist, naja sagen wir mal so, unterdurchschnittlich schön. Leerstehende Geschäfte, brach liegende Häuser, alles a weng abgeranzt, aber geht ja nicht immer historisch schön. So kommen wir auf den letzten 10km wieder zusammen und steuern einen Campingplatz le Lac an. Schön hier.  Zelt steht, kleiner Vorrat ist vorhanden, es mangelt an nix.  Herz was willst du mehr. Bis Bordeuxu sind es noch 160km, dann wird man den Atlantik schon riechen können . We will See.

Tag26 – 101 km – 565 hm,  5:40h Fz  – – Damazan – Creon

Also gut, noch einmal 45km am Kanal entlang. Es ist ok, die Stimmung unverändert mystisch, aber im Dauer-Schatten über die gesamte Wegstrecke doch ein wenig kühl. Es geht gut voran, und wie in den Tagen zuvor treffe ich Genevieve (der wahre Name) auch heute immer wieder mal on Track, bis sich unsere Wege in Lereol endgültig trennen. Bye bye Genevieve, es war mir ein Vergnügen einen Teil der Zeit mit Dir verbringen zu dürfen. Es war klasse. Danke dafür. Und haste nicht gesehen, geht’s ab Lereol auf einmal wieder „ganz normal“ ins Land, wusste gar nicht mehr wie das geht. Auf und ab. Landschaft gibt es nun auch mal völlig Canal befreit. Der Canal kann mal nun hinter mir bleiben. War gut, aber war auch gut nu. Also nun „normaler“ Landschaftsmodus. Schön nach all den Tagen. Es gibt ein Bier in Sauveterre und umit viel Übermut und JBL Beschallung fliege ich auf nunmehr auf einem grandiosen Radweg Richtung Bordeaux. Noch 30, noch 25, noch 20 usw.   Nach einmal mehr 101km lande ich 12km vor Bordeaux im Camp an und freue mich auf meine Tortellini ala Panna. Leben ist gut.

Tag27 – 70 km –  315 hm, 4:34h Fz   – Creon – Bourg

Der Regen meint mich um 6h in der Früh wecken zu wollen. Nee, Du, da dreh ich mich nochmal um und ignoriere Dich. Und tatsächlich verzieht der Regen sich wieder, wenngleich der Mix aus Sonne und zunehmender Bewölkung bleibt. Also dann die übliche Routine: Zelt trocknen, Kaffee kochen, Müsli schneiden, aufräumen und zusammenpacken. Zelt ist trocken und so geht’s um 944h in die Spur. Mein Plan wäre heute mal etwas easy zu machen, mich durch Bordeaux treiben zu lassen und dann ganz entspannt am Campingplatz nach gut 50km heute mal alles gut sein zu lassen. Es sollte anders kommen. Der Weg nach Bordeaux ist toll und geht leicht von der Hand, wenngleich der Wind um Aufmerksamkeit bittet. Der mächtige Strom und der Blick auf die Stadt entschädigen. Auch die Altstadt ist sehr sehenswert und ich zirkele durch die engen Gassen, bevor ich mir an einem der vielen Plätze einen Cappuccino gönne. Nicht allen Menschen hier geht es gut, einige kramen in Mülleimern, andere betteln offensiv, wieder andere nur sehr passiv mit einem Becher am Boden. Weniger schön, aber scheinbar ist das ein Grossstadtthema vielerorts. Also rolle ich noch etwas rum und mache mich auf den Weg hinaus aus der Stadt. Es bläst, es bleibt unverändert wechselhaft bewölkt, ist aber immerhin trocken. Auf üblen holprigen Straßen erreiche ich schließlich mit etwas Mühe den geplanten Campingplatz. Doch Pustekuchen. Der Platz ist eine Baustelle, keine Seele hier, außer der Besitzer, der das Ding im März gekauft hat und glaubt im Juni halbwegs offen zu haben. Natürlich könne ich bleiben und er habe auch einen kleinen Pavillion aufgebaut unter den (weil es regnen wird!) Ich mein Zelt stellen könne. Nee, Du, null Infrastruktur, keine Seele hier, nur Bauschutt…. Des hat keinen Charme. Also weiter … doch wohin und wie was wo? Ich bin unschlüssig und treffe heute wohl (etwas zu eilig) nicht die allerbeste Entscheidung. Auf jeden Fallmal weiter, soviel ist klar. Doch wohin? Auch das ist klar … der nächste halbwegs „vernünftige“ Ort ist Blayle, das sind nochmal gut 30km, also nix mit Chilltime. Dann kommt der Blödsinn. In Bourg ist nun doch ein Campingplatz ausgeschildert (obwohl die Website „tot“ war) also steuere ich diesen an (ein einfacher Municipal).  Mein Stopp dort lässt mich schon wieder googeln, Wetterlage, Track, etcpp.  Und die Wetterlage sagt ganz klar: morgen isses sch*! Was wiederum bedeutet, das morgen ein unschöner Radtag bevorsteht. …. Und was mach ich? Anstatt die noch verbleibenden 2Stunden (+/-) zu nutzen und vorwärts zu treiben, buche ich ein Zimmer, damit ich morgen früh nicht vom Regen aus dem Zelt getrieben werden. Das ist einerseits ja ok, andererseits eben dov, weil ich ja noch 30km (+/-) hätte vorwärts kommen können. Andererseits, was soll’s, meine neuen Hausherren (deutschsprechend!!) sagen mir, das das Wetter morgen den ganzen Tag und vor allem auch die Küste aufwärts schlecht sein wird, wahrscheinlich sogar über den Donnerstag hinaus (der es im übrigen, weil morgen Vatertag ist sogar in die Schlagzeilen der Tagesschau geschafft hat –  so derart grottenschlecht soll es in Alemagne werden). Na Bravo. Ergo, ich hab ein Zimmer und der Himmel ist (noch!?) halbwegs blaugrau. Und ich hätte 30-40km weiter sein können. Hätte, hätte. Schau mer mal, wie es weitergeht.  Toi toi.  Petrus komm in die Puschen, mach fertig und gut is.

Bordeaux !<br />

Tag28 – 73 km –  290 hm, 4:28h Fz    – Bourg – Port Maubert

Tja, geschlafen hab ich immerhin gut. Und das Frühstück des Hauses war auch prima.  Draußen war es eben noch graublau, doch es ist offensichtlich: da braut sich was zusammen. Ein trockener Tag wird das nicht. Auch verspricht er keine hellblauen rosaroten Stunden, im Gegenteil. Immerhin gelingt mir ein trockener Start auf die ersten 10km, was sich dann aber schnell ändern sollte und auch die Flucht unter drei Bushäuschen ist keine vorwärtsbringende Lösung. Was also hilft es? Rein in die ganze Montur, dafür hab ich sie ja schließlich auch dabei . Rein ins Gestürm. Zu allem Überfluss bläst der Wind auch ordentlich, mit dem einzigen Vorteil im Laufe des Tages verlässt mich der Regen und der Wind bleibt mein beharrlicher Gegner. Macht wenig Spaß. Eigentlich gar keinen, hinzu kommt: die Strecke ist vergleichsweise öde. Es geht kilometerlang geradeaus und das einzige an was man denken muss: wie bekomme ich dieses Scheissgebläse abgestellt? Es bläst ohne Unterlass. Against me. Volle Lotte. 11-12km/h mehr ist nicht drin. Ätzend. Dazu dunkelgraue Wolken und immer schön abwechslungsarm geradeaus. Pfeilgrod. Ich entscheide mich für einen Campingplatz entlang des Tracks und würde dort gerne eine Art Zeltbungalow mieten. Der LˋEstaire wirbt bereits 10km mit seinem 4* Schild. Na fein. Ich kämpfe, die Schilder werben. Nach 65km angekommen, offenbaren sich 4 Sterne als maximal unterdurchschnittlich abgeranzt. Keine Menschenseele, die Rezeption ist leer, der Platz hat seine besten Zeiten hinter sich. Es schlurft eine zum Platz passende Dame daher und trotz der viersprachigen Schilder überall kann sie außer fließend französisch nix. Ihr Google Translater schafft es immerhin mir zu sagen, das es hier weder Restaurant noch sonst was gibt. No, merci. Da fighte ich noch ein Stück gegen den Wind. Der Regen hält sich zurück, doch die Vorhersage für die Nacht ist Dauerregen. Am Platz Port Maubert angekommen, teilt mir der nette Besitzer mit, das alle Bungalows ausgebucht sind. Na super.  ABER: er hat eine halbwegs feine Lösung. Ein Gartenpavillion mit vier geschlossenen Wänden könnte meinem Zelt heute Schutz bieten. Bei der Vorhersage vielleicht eine ganz nette Variante. Einmal ordentlich rauskehren, duschen, Klamotten ans Seil hängen und dann gibt’s ein lecker Bier. Läuft.  Und sein Restaurant hat heute Abend auch was zu bieten. Ich bin versorgt. So geht Vatertag. By the way: Danke an meine Lieblingstöchter für die wahrhaft schönen Botschaften. Happy i am.

Tag29 – 76 km –  419 hm, 4:55h Fz   – Port Maubert – Ronce le Bain 

A new day. Das Wetter hält. Heute Überland und sehr küstennah, der Atlantik kommt nunin seiner vollen Unermesslichkeit zur Geltung. Schöne Häfen, aber auch ein paar Anstiege sind geboten, dann ist Rojan erreicht. Eine dieser Küstenstädte, die vom Tourismus erobert sind. Der Atlantik Rausch, der Wind bläst. Nur leider in die falsche Richtung. Cest la vie. Die Kiter haben ihre helle Freude, irgendwo findet ein kleiner Jahrmarkt statt mit Kettenkarussell und sehr vielen Drachen, die den Himmel verschönern. Alle freuen sich über den Wind. Ich nicht so sehr. Regen macht dich nass, aber Wind macht dich fertig.  Isso.  Es folgen finale, aber irgendwie elend lange 20-25km durch die Küstenwälder, stet auf holperigem Geläuf, unterbrochen wird der Vortrieb nur von den gefühlt 1000 Freizeitradlern, die mit ihren Mieträdern „ein bisschen“ spazierenfahren.  Des is net fair,  ich muss hier hart arbeiten um vorwärts zu kommen.  Dennoch, auch diese Etappe geht zu Ende und als ich am Camp meiner Wahl anlande, erzählt mir der Portier in gebrochenem Englisch, das die Toiletten kaputt sind und man daher noch nicht geöffnet hat, aber um die Ecke ist ein befreundeter Campingplatz…. Und der sollte eine wirklich sehr gute Wahl zsein. Camping le Genets. Perfekt  mit Unterstand und allem drum und dran. Weitere Bikepacker haben sich eingefunden. Stephen, ein pensionierter Soldat, ne richtig coole Socke und zwei wortkarge Basken, die – man höre und staune – auch Richtung Norden fahren, also genau so dov wie ich sind, Stephen war schlauer, er hat die Route mit Windrichtung geplant. Bewusst und mir erzählt wie cool es heute war. Toll Steve.

Tag30 – 84 km –  239 hm, 5:14h Fz   – Ronce le Bain – LaRochelle

Kein Regen, keine Sonne. Es geht in die Spur nachdem ich ordentlich gefrühstückt und meineGPS Daten auf Vordermann gebracht habe, die imposante AutoBrücke inkl. Breite. Radweg ist schnell überquert und wenig später kommt eine Weggabelung an der ich rechts ab muss. Der Abzweig ist auf circa 1015h und wenige Sekunden terminiert. Exakt um 1015h und ein paar Sekunden kommt eine Bikepackerin aus entgegen gesetzter Richtung und will augenscheinlich links abbiegen, die Straße ist breit genug, wir fahren zeitlich auf die neue Gerade und kommen natürlich ins Gespräch. Woher ko  st du, wohin gehst, warum, wieso und all sowas. … Aus dem Einstiegsdialog sollte ein ganztägiger gemeinsamer Radtag mit Helene werden. Sie fährt normalerweise 60km am Tag und hängt sich nun mal an mich dran. Wir kämpfen gemeinsam gegen den Wind, haben einen kurzen Stop in der tollen Stadt Rochefort, die uns zuvor mit ihrer Pont Transborseur Schwebefähre sehr beeindruckt hat, Ein imposantes Bauwerk aus dem Jahr 1900 (nach 27Mon Bauzeit)  .. das heute noch in Funktion ist, aber wir die eine Stunde Wartezeit nicht abwarten wollen. Wenn schon nicht schweben, dann über den mächtigen Viaduc de Martrou  Brücke, die den Charente überspannt. Auch hier links und rechts ein Radweg vom feinsten. Nun kommt, einmal mehr, der Kampf gegen Wind und Natur. Die Landschaft flach, der Wind steil von vorn. Biber, Vögel, Pferde … all das um uns rum. Unser Etappenziel der Camp Municipal vor den Toren LaRochelle wird hart erkämpft. Dafür speisen wir am Abend opulent im Octopus und genießen den Blick auf den rappevollen Hafen. 

 

 

Tag31 – 70 km –  140 hm, 4:36h Fz   – LaRochelle – Tranche sur Mer

Helene hat sich heut für einen DayOff entschieden. Genevieve ist mit ihrem Bruder 90km hinter mir und die zwei Basken vom CampPlatz gestern sehe ich heute Morgen zufällig in der Wäschküche. Travellers World. Doch von vorn. Die Wettervorhersage war einmal mehr bescheiden. Wir hatten gestern noch Bestellungen ans Universum geschickt und wie es scheint, wurden diese auch angenommen. Es ist 8Uhr und alles ist (noch!) trocken. Ich entscheide mich für den frühen Start. Man weiß ja nie. Nachdem alles verpackt, der Kaffee gekocht und der Müsliteller abgewaschen ist, will ich starten. Doch das Universum hat andere Pläne. Es gibt Regen. Eine Stunde lang. Auch ok. Dann wart ich halt, telefoniere mit Erich, der am 26,5. zu mir stoßen wird. Alles im Fluss, dann geht es in den Ort LaRochelle. Wow. Wunderschön.  Kaum gestartet muss ich schon wieder knipsen. Hilft Nix. Doch dann ruft der Track. Einmal mehr ebenfalls wunderherrlich, naturnah ohne jeden Verkehr, durch Alleen, Wälder am Flusslauf entlang, Hohlwege und so vieles mehr, bevor es flach und sehr sehr weitsichtig wird. Unendlich weitsichtig. Hinzu kommt ein Wind, der mich so langsam an die Grenzen bringt. Schneller als 12,13,14 geht es nicht voran, der Mister Wind bläst mir frontal ins Gesicht und ein wenig beneide ich all die mir entgegenkommenden Reisenden ein wenig (man ahnt so langsam, warum keiner in meine Richtung fährt). Nun denn, it is Like it is. Also kämpfen, Meter für Meter. Nach 55km hätte ich mein Tagesziel erreicht, der Ort ist Menschenleer und irgendwie is es noch zu früh (1430h) … außerdem sind meine Vorräte aufgezehrt. Also rein in den Ort. Der hat nix, aber auch rein gar nix zu bieten, ergo: weiter again the Wind. Die VeloPlanner App zeigt einen Camp in ca. 10km … des geht noch locker. Tranche sur Mer…. Auch hier schläft der Tourismus noch und ich einer der ganz wenigen Gäste, aber immerhin lässt sich die Sonne mal blicken (um morgen laut Vorhersage wieder mit Abwesenheit zu „glänzen“). Ich nutze meine Zeit für eine Waschtag und hole endlich meinen Blog wieder etwas auf. Good Night good luck. Liebe bretonische Freunde, ich werde kommen. Erich wir sehen uns am 26.5.

Tag32 – 83 km –  317 hm, 4:54h Fz   –  Tranche sur mer – St, Hillaire

What a day.  In der Nacht hat Petrus ordentlich abgelassen, um 4h früh hab ich mein Bike unter eine Terrasse gestellt. Es soll nicht leiden. Das mag ich nicht. Am Morgen war es dann halbwegs ok. Also, alles wieder zusammenpacken, Same Like immer. Entsprechend spät geht es um kurz nach zehn los. Egal. Die Kilometer bis Les Sables schmelzen geradezu. Die Wegführung ist super kurzweilig. Auf und ab, kurvig, abwechslungsreich, kein Vergleich zur gestrigen „pfeilgrod“ Strecke. Toll. Nochmal muss ich mich wiederholen: Emanuel, das mit den Radwegen habt ihr klasse gemacht. Chapeau. Alle Ehre. Breit, guter Asphalt, toll ausgeschildert, da mangelt es nix. Super.  Entsprechend flott und wohlgemut gehts dahin. Love it. Einzig das Wetter spuckt ab und zu etwas in die wohlschmeckende Suppe. Kurz vor Les Sables meint Petrus etwas abregnen zu wollen, nicht lang, aber zum Nasswerden reicht es auch. Eine kurze Rast ist daher erlaubt, dann weiter und auf einmal zeigt sich der Atlantik von seiner besten wilden Seite. Tolles Wolkenspiel, wilde Wellen, einsame Buchten … so weit das Auge reicht. Es geht’s Teil nur wenige Meter (immer Radweg!!) an der Küste lang, ungestört. Genial. So lasse ich mein Camp liegen und packe noch 10km drauf. Zumal der Forecast für morgen to jour Regen sagt. Ey. Kann das mal jemand ändern? Im Camp stelle ich mein Zelt unter einen „halben“ Baum auf, wird schon herhalten. Jetzt geht’s an die Bar zu den French Jungs, die mir schon „Courage, Courage“ ob meiner Tour zugerufen haben. Prost.

Tag33 – 77 km –  289 hm, 4:28h Fz   –   St, Hillaire – Pornic

Es ist so unglaublich unbeschreiblich. Soviel Eindrücke, das ich mich abends schon anstrengen muss alles wieder hervorzuholen, was mir tagsüber so begegnet ist. Die Nacht war wieder mal regenreich und ich erwische in der Früh ein kleines Fenster um das Zelt unter die nebenan stehenden Eurocamp Hauszelt-Terrassen unterzustellen. Das erleichtert das Packen erheblich. Angesagt ist Pisswetter. Also gut, dann halt mit den Regensachen. Kein Ding. Es geht entlang der Küste zunächst durch die üblichen Touri Meilen, die wetterbedingt Touri-los sind. Doch dann wird es grandios. Der Himmel reißt leicht auf und – the good News is : es gibt Rückenwind! Freunde. Rückenwind. Wie geil is datt dann? Hinzu kommt eine geile Landschaft, natürlich flach aber komplett einsam und Remote. So schön. Die Windräder drehen volle Kraft und dieses gewaltige WuschWuschWusch ist der Sound des Windes. Die Fischer hier kämpfen mit der Ebbe und die Weiden und Auen sind voller Tiere. Küstenidylle soweit das Auge reicht. Auch die schönen Buchten mit ihren feinen Sandstränden hätten einen Robinson Cruseo Charme, wenn die kühle Luft nicht wäre. So erreiche ich breit grinsend den Ort Pornic mit tollem Hafen und versuche ein Camp zu finden. Leichter gesagt als gedacht. Ich finde einen, der zwar mit tollen Symbolen und Full Service wirbt, aber Nix davon hält, was die Werbung mir sagen will. Zu allem Überfluss winkt mich im Camp dann noch ein Franzose, im Auto sitzend, zu sich (kein Zelt von ihm zu sehen?.) und will mich in ein Gespräch verwickel, wie viel ich denn gezahlt hätte und wie lang ich Urlaub habe? Hä? Ich antworte halbherzig und schau, das ich entschwinde, er wandert wenig später telefonierend (vortäuschend?) umeinander und ich denke mir „lass mich bloß in Ruhe“. Schlafe trotzdem tief und fest (und wurde auch nicht behelligt) 😊

Tag34 – 81 km –  429 hm, 4:56h Fz   –  Pornic – Vielle Roche

immerhin kein Regen. Aber es ist kühl und unwirtlich. So wie der Campingplatz, so das ich mich entscheide ohne Kaffee und Müsli schnell vom Hof zu rollen. In Pornic gibt es bestimmt gute Alternativen  Zwei Café au lait und ein Croissant Chocolat später trete ich den Dienst des heutigen Tracks an. Ich werde die ursprüngliche Planung verlassen und nicht rechts Richtung Nantes fahren sondern „geradeaus“ über die große Brücke bis Saint Naizaire und ein ganzes Stück darüber hinaus. Die Bretonen von neulich haben mich eingeladen und ich bin gut in der Zeit und kann die ca 200km locker noch in die Betragne radeln. Doch zunächst darf ich einen weiteren, wenngleich sehr sehr grauen und trüben Küstentag erleben. Immer haarscharf an den Klippen entlang, traumhafte Radwege, bestens beschildert, aber das kenn ich ja nun schon. Rechts die schönen (meist alten) Häuser, links das wilde Meer, der Atlantik in seiner ganzen Pracht und Unendlichkeit. Klasse. Ich berühre kaum Orte, komme aber trotzdem nicht voran, weil ich dauernd stehen bleiben muss, da es andauernd irgendein Fotomotiv gibt. Love it. Dann auf einmal steht sie vor mir. Die mächtige Brücke, die die Loire auf über einem Kilometer Länge überspannt. Gewaltig. Und hoch ist sie auch noch (muss noch googeln). Dann bin ich drüben und verlasse somit (leider) die traumhafte Velodysee Route. Es war mir ein Fest. Ich hab dich lieben gelernt. Daher bin ich unsicher, wie es mir nun „hier drüben“ geht, doch sollte sehr schnell beruhigt werden, wenngleich nicht so perfekt, wie Veleodysee, dennoch auch hier Radwege und Schilder und eine tolle, wenngleich völlig andere Landschaft. Auen, Wälder, Biotope, und soooo viel mehr. Ich komm kaum hinterher mit meiner Chipkarte im Kopf. Und der Campingplatz in Vielle Roche Les Rives a Ferel ist ebenfalls ein Träumchen. Zeitgleich mit mir landet auf Lise mit ihrem Gravelbike an und der Abend wird ein langer Biketraveller Talk. Es macht so Spaß und manchmal ertappe ich mich dabei, …. Ach lassen wir das. Gn8.

Tag35 – 81 km –  593 hm, 4:58h Fz   – Vielle Roche – Bono

Das Drama nimmt um 6:28h seinen Lauf. Ich schätze ihre Zahl auf circa 50. wir haben 7:26h an Schlaf ist nicht zu denken. Seltsamerweise erhalten sie sogar Unterstützung von völlig artfremden Bodentruppen aus der Nachbarschaft. Und das mein Zeltnachbar seit circa 10minuten durch Geraschel und Gepackel nicht zum morgendlichen Frieden beiträgt macht die aktuelle Notlage perfekt. Diese 50 operieren von oben, offenbar gezielt und in steter Absprache. Wenn eine aufhört, startet sofort die nächste. Manchmal scheint es aber auch, als ob drei andere ungeachtet der Tatsache, dass zwei bereits am penetrieren sind, auch noch ihren Beitrag zum quälen leisten wollen. Was ich sagen will ist: Tauben sind sch*Viecher. Echte Mist-Biester. Diese Dauer-Gurrer gehören gegrillt, langsam bei 100*C. Und die Kühe vom Bauern ums Eck haben das Grillen noch vor sich, vielleicht muhen sie deshalb so qualvoll um die Wette. Lediglich das nette Vogelgezwitscher sagt mir: die Welt erwacht, es wird ein guter Tag, weil the good News is: die Sonne leckt mein Zelt, erstmals seit Tagen. Die Tauben können mich mal. Wenn ich eine Steinschleuder finde, schiess ich sie einzeln vom Baum.
Es ist 7.37h, gefahren bin ich noch keinen Meter :-). Das mit dem fahren verzögert sich auch noch, weil a) muss ich das Zelt erst trocknen und dann auch noch reinigen (!) weil (!) eine dieser 50 von oben offenbar nicht an sich halten konnte und – platsch – , wahrscheinlich aus Versehen genau mein Zelt verunreinigt hat. Sch*** Viecher. Und überhaupt steht b) erstmal Frühstück auf dem Programm. Lise ist begeistert von den Soto Teilen und wir haben beschlossen 40km den wir Same/Same haben auch gemeinsam zu fahren, bevor sie zu Mama abzweigt.  Es geht gut dahin und unsere Entscheidung die Bucht in Pinte du Pen aufzusuchen bereiten wir Gewissen mit einem Kauf in der Boulongerie vor. Pausen sind gut für die Seele. Doch 40km sind schnell vorbei und ein gutes Stück trennen sich unsere Wege. Bye bye Lise, danke für die Zeit. War sehr cool, wenngleich kurz. Die Jbl begleitet mich nun mit guter Mucke auf und ab durch fantastisches Geläuf. Wilde Dschungel artige Wälder, Moore, kleine Seen, und dazwischen diese traumhaften Steinhäuser. Auch Vannes ist eine Reise wert. Ich entscheide mich gegen den Track und gegen die Umfahrung, sondern steche mitten ins Stadtherz von Vannes.  Une Biers śil te plait. So geht Reisen. Ich bin tief im Modus und genieße ausgiebig. Nach rund 80km ist auch dieser Tag35 getan und der kleine Campingplatz außerhalb von Bono ist grad recht. Noch ein kurzer Abstecher in den Ort, Zuviel Geld für zuwenig Essen bezahlen und dann ein wenig bloggen und mich wohlfühlen. Morgen steht der Besuch bei meinen neuen bretonischen Freunden (siehe picture weiter oben) an. Sie haben mich so herzlich eingeladen, da konnte ich nicht Nein sagen und hab die Route, dank Zeitpuffer, einfach etwas erweitert.

Tag36 – 70 km –  537 hm,  4:13h Fz   – Bono – Redene 

Voila. Heute ist Asphalt Tag und nach einer Weile verlasse ich die Route 45 und hangele mich auch äußerst ruhig frequentierten Nebenstraße zu meine. Endziel. Meine lieben Bretonen, die mich vor einiger Zeit auf dem Campingplatz in Carcassonne zu sich nach Hause eingeladen haben und derer Einladung ich sehr gerne Folge leiste. So nette liebe Menschen. Ich steuere unterwegs noch ein paar dieser schönen kleinen französischen Städtchen (Landevant, Kervignac, und wie sie alle heißen) an, mache hier und da halt und lasse mich entspannt treiben. Schließlich will ich ja nicht zu früh auftauchen. Die Bretagne präsentiert sich bilderbuchhaft. Natur soweit das Auge reicht, kleine Weiher, viel Wald und komplett unaufgeregte Menschen, so man welche trifft. Anders als ich mich zu einer kleinen Pause in ein Café setze, mein Bike neben dem Stuhl parke und hineingehe um zu ordern. Als ich zurück komme sitzt eine Lederwestenmann aus der Hardcore Harley Fraktion an „Meinem“ Platz, also setz ich mich „dazu“.  Von seiner Weste ist vor lauter Sticker nicht viel zu sehen, Totenköpfe sind auf jeden Fall dabei. Ich sag mal nix. Kurz darauf kommen drei seiner Glaubensbrüder dazu plus eine runzelige Harley-Beifahrerin (mutmaßlich). Sie palavern im gröbste. Schottisch Slang über irgendwelche Dinge „yesterday“ (das war das einzige Wort, welches ich identifizieren konnte) und würdigen mich keines Blickes. Ich sie auch nicht. Bretonen sind mir eh lieber. Dann ist es 1645h und sich steuere nach kurzem Mitbringsel Kauf meine Ziel Adresse an. Rozenn und Laurent empfangen mich wie einen alten Freund (dabei kennen wir uns nur wenige Stunden). Ich solle mich wie Zuhause fühlen und das Bad ist da, „mein“ Zimmer ist dort und ob ich hungrig bin und Durst habe. Wow. Was für ein Welcome. In der Folge kommt Olvier samt Ehefrau Delphine und wir verbringen bei bretonischen Spezialitätem einen wunderschönen kurzweiligen Abend, spielen Palets (ich werde letzter) und testen die Leistungsfähigkeit des Google Translaters. Grandios. Gegen Mitternacht fragt mich Laurent ob ich noch Wünsche hätte und ich sage scherzhaft „Disco“ und es gelingt mir nur schwer ihn davon abzuhalten seine Wohnzimmerboxen in Gang zu setzen. Ich schlage wie ein König in einem Bett!

Tag37 – 84+5 km –  309 hm,  4:39h Fz   –  Redene – Pontivy

Es gibt lecker Frühstück mit Rozann & Laurent und dann kommt der Momemt des Abschieds, wobei es ist nur ein kurzer Abschied, weil beide heute Abend mit ihrem WoMo zu dem Campingplatz kommen, an dem ich auch sein werde, ins 80km entfernte Pontivy. Fein. Meine Route führt mich über eine ruhige Straße. Ach Hennebonnt bevor ich dann wieder einmal der Kanal-Reiter sein werde. Träumchen. Kein Wind, die spiegelglatte Oberfläche reflektiert alle Eindrücke doppelt und ich fühle mich frei wie ein Vogel. Es gleitet wunderbar dahin und am Ende werde ich einen 18er Schnitt haben, obwohl ich immer wieder mal getrödelt hab. Die Landschaft ist ein Traum Bretagne, ich komme wieder. Aber noch bin ich ja da. Canal Biken ist etwas ungemein entschleinigendes, es beruhigt, ich bin im Flow. Die 20, 30, 50, 70 und schließlich gut 80km gehen locker vom Pedal, so locker, das ich am Ende sogar die vierköpfige Radlertruppe einhole, die bei der Rast vorhin circa 10min vor mir gestartet sind, Chaka. In Pontivy ist helle Aufregung, morgen startet der Triathlon und die ganze Stadt inkl. Sportler ist auf den Beinen. Ein schönes Gewusel bei bestem Wetter. Am Abend fahre ich nochmal,mit Laurent und Rozann auf einen Absacker ins Zentrum und unser Abend klingt an ihrem Wohnmobil mit bretonischen Spezialitäten ganz chillig aus. Danke für Eure Zeit.

Tag38 –  88 km – 193  hm,  5:13h Fz   –  – Pontivy – Saint Congard

Die gute Nachricht ist: es gibt keine Bäume im Camp, das wiederum generiert gleichzeitig auch die schlechte Nachricht: die Sonne knallt, dafür gurrt keine einzige von diesen Biestern und runterka* tut auch keine. Ein letztes Frühstück mit „meinen“ Bretonen dann trennen sich unsere Wege für die nächste Zeit, wenngleich wir uns versprochen haben uns wieder gegenseitig zu besuchen . Ich trete another day in canal-adise an. Spiegelbilder am Fluss, jede Menge Eindrücke des Weges, aber ich will Euch nicht langweilen : nur soviel: es ist wunderschön, und Canal hat einen ganz anderen Charaktere, er ist weitläufiger und auch irgendwie offener. Ich komme gut voran, überhole vier Mädels die schon gestern des Weges waren und auch Collin, der via Wales und England auf großer Runde ist, aber täglich „nur“ 50km macht, insofern werden wir uns leider nicht mehr begegnen. Nice to meet you Collin. Ich lande am Camp meiner Wahl,und checke ein, frage nach dem WLan, weil der Platz ja ein „GuestWlan“ anbietet. Die Dame sagt „Not possible, its private“, ich sage „schon possible, bin ja Guest“. „non possible“. So geht das hin und her und ich bin genervt und sage „I want my Money back“ (10eur). Was sagt Madame? „Non possible“. Ey. Nach einigem hin und her geb ich auf und wünsche ihr sie möge reich werden mit meine  10eur und hänge nochmal 10km an meinen Track. Lande bei einem Municipal und einer wesentlich netteren Dame. Haben sie Wifi? „Qui“. Na schau. Als ich versuche mich einzuloggen um meiner Blogger Pflicht nachzukommen, gibt es kein WLAN iund unsere Versuche bis hin zum Reset bleiben erfolglos. Kismet. Kann du machen nix. Ich komme mal früh ins Bett und schlafe gut.

Tag39 –  92 km –  280 hm,  5:15h Fz  – Saint Congard – Bourges des Compes

Der Tag startet mit extrem leckerem Spiegelei mit Käse und natürlich frischem Kaffee. Und dann gehe ich in die Spur weiter den Canal Halage Brest-Nantes entlang, bis Redon, um dort auf eine weitere Kanalroute (Nr42) einzubiegen und nun (aus Kartensicht) aufwärts Richtung Rennes zu fahren. Laurent danke für Deinen Rat. So berühre ich wieder einen Teil meiner alten Route und habe die Rendene Bonus Tour noch einmal upgegradet. Perfect. In Redon muss ich, die Hitze des Tages nimmt ihren Lauf, ein kühles Radler Sans Alcohol mit Citron mir gönnen. Vis a vis sitzt eine gesprächige Dame die später an meinen Tosch kommt, mich (oder mein Rad?) toll findet, ein Foto mit mir machen will und mir einen tollen Tag wünscht. Funny. Danke für die 5min Talk Carmela aus Montreal. Sachen gibt’s. Weiter sind jetzt Kanalarbeiten angesagt  auf geht’s in die Spur des Vilaine. Grande. Meine Campingplatz Wahl erfordert einen kleinen Schwenk abseits des Tracks. Und Zack geht’s in die Berge. Also zumindest im Vergleich zu bislang. Uff. Für all jene die die Temperatur des heutigen Tages in der Bretagne grad net parat haben: mein treuer Garmin zeigte heute u.a. 42*C an. Da wird biken eine warme Sache. Aber i Love it. Ich spür mich und fühl mich wunderbar. Nach 92,2km ist das Camp erreicht und ich trinke tatsächlich 5 so 0,0% citron Radler am Stück (0,25cl) . Das Leben ist fein.

 

ZWISCHENSUMME / KURZES FAZIT und ein paar Gedanken 

Stand heute habe ich 2977 Kilometer abgespult, 16500 Höhenmeter abgearbeitet. Damit ist der geplante Schnitt pro Tag nahezu erreicht, wenngleich minimal unterschritten, was den letzten drei Schlumpftagen vor den Toren Nizzas geschuldet ist, was aber auch total in Ordnung war.
Teil1 mit Lothar war super. Wir kennen uns seit 1971 und da braucht es nicht viel Worte. Danke Lothar für die Zeit  war wieder einmal nach Ostsee und GoNorth super klasse.

Teil2 wusste ich zunächst nicht, wie ich mit umgehen sollte. Was aber innerhalb von 24h sofort frisch kalibriert war. Vier Wochen allein on the road. Geil Love it, wie schon damals in Irland (2012] kann ich sagen „ich wusste gar nicht das ich so gut mit mir auskomme“. Danke Udo, is geil mit Dir. Ein etwas ausführlicheres Summery wir am Ende der Tour mit viel Tiefgang noch folgen. Jetzt freue ich mich auf die Zeit mit Erich und vor allem die nächsten Highlights.

Es ist auf jeden Fall on the road zu sein. Man trifft so viele tolle Menschen, Geneviewe, Rozann, Michael1, Mike,  Wolfram, Susi, Michael3, Laurent, Jojo, Olivier, Delphine, Ellen, Lise, Franz, Jürgen, Carmelle, Collin, und und und all jene mit denen man keine Namen getauscht aber trotzdem Zeit geteil hat, Es tut gut zu sehen, das die Welt auch so funktionieren kann …. Vergessen wir mal denjenigen, der mein Kabeltascherl mitnahm…. Was allerdings zu Folge hatte, das ich im Bretonen Fanclub aufgenommen wurde. Siehst du, kein Nachteil ohne Vorteil.  Danke Rozann.


Tag40-  75 km – 197
hm, 4:10h Fz  – Bourges des Compes – Rennes – Feins

Morgen (Tag 40 / 26.5.!) beginnt Teil 3 meiner Tour (Teil 1 mit Lothar / Teil 2 Udo mit Udo / Teil 3 Erich / Teil4 offen) Ich werde nach den letzten 40km allein Erich um 1445h vom Bahnhof abholen und wir werden ein Stück des Weges bis zu dem Ziel meiner Träume (Mont St.Michel) dann weiter Richtung Paris fahren (weil Ziel Nr 3 nach Milano, Mont Michel ist natürlich auch ein Pic mit dem Eifelturm). Aber ich eile voraus. Tag 40 ist aus heutiger Sicht erst morgen und daher endet der Blog heute auch hier und geht erst wieder weiter wenn Tag 40 gestern war, Kapiert 😊?

Die gut 30km nach Rennes waren schnell absolviert. Um 12h lande ich an und nutze die mir zu Verfügung stehende Wartezeit mit nützlichen Dingen. Zuerst geht’s zu Declathon (! Ich) weil mein Kopfkissen nachlässt und ich mir den Luxus gönne um Ein T-Shirt und Socken zu kaufen.  Und dann mache ich doch tatsächlich etwas ungewohntes. Ich gehe zum Friseur. Um 1445h picke ich Erich vom Bahnhof ab, der im übrigen ein ganz toller ist, weitläufig, modern. Super. Wir folgen noch ein Stück dem Kanal und suchen den unser Camp der Ursprungsplanung auf. Wie schon vermutet. Area Naturell ist komplett Basic und keine Menschenseele dort, also eines weiter. Der Platz vor Feins am See ist superschön und günstig obendrein (13eur für zwei). Wir speisen kurz vorher auf der Straße in einem kleinen Restaurant, weil Erich Hunger hat, leider auch Durst :-). D.h. am Ende des Tages haben wir Zuviel Bier getrunken, aber das wusste ich zuvor. Unsere Zeit am See ist chillig und der Abend klingt am Zelt aus, die junge 16jährige, die hier Ferienjob macht, leistet uns Gesellschaft.


Tag41 – 82 km – 402
hm,  4:30h Fz  – Feins – MONT SAINT MICHEL (!) – St.Hilaire Harcouet

Tag zwei von Teil 3. Wir kommen gut vom Hof und sind bester Laune. Circa 40km to Go bis zu meinem großen (Zwischen)Ziel – eins war ja der Dom von Milano, eines war Nizza zu erreichen (wo ich vor circa 40/45 Tagen mir nicht sicher war ob ich überhaupt ankomme / wg Knie) und nun eben Mont St.Michel. Der letzte große Step ist dann „nur“ noch der Eifelturm … dann schwillt mir die Brust. Aber erst einmal Mont St.Michel. Bereits ca 5-6km vorher sieht man die Shioulette dieser mächtig aufragenden Kirche, die eigentlich viel mehr als eine Kirche ist. Es ist ein Ort, der  ins/ans Wasser gebaut ist und einer Festung gleicht. Bei Ebbe natürlich nochmal gut sichtbar, wenn der Pegelstand hoch ist, muss es der Wahnsinn sein. Je näher wir kommen, desto mehr breitet sich Gänsehaut in mir aus. What a feeling. Wow. Wir sehen dieses Bauwerk und ich bin nur noch ergriffen … das sind Momente, die kommen ins Schatzkästchen, die sind für die Ewigkeit, die kann Dir keiner mehr nehmen. Der gehört jetzt mir. Für immer.  Wir tauchen ein in die Szene, jeder für sich machen natürlich auch 1-2 oder etwas mehr Fotos und sind dankbar. Made my day.

Wir nehmen nach angemessener Zeit wieder Fahrt auf und entscheiden den PlatzNr 1 liegen zu lassen und 40km anzuhängen. Gute Entscheidung. Eine schnurgerade Piste von 58km (!!) Lönge (es sollen angeblich ca 250km sein!), eine ehemalige Bahntrasse liegt nun vor aus. Pfeilgrod. Die nehmen wir. Es jist staubtrocken, das Thermometer Zeit bisweilen über 40*C…. Aber so what.
Gestern schrieb mir jemand: es gibt nichts schöneres als ein sich selbst gesetztes Ziel zu erreichen. Und, ja, ich glaube so kann man es gut beschreiben.  Die Kulisse von Mont St.Michel wirkt noch nach. Es ist irgendwie unwirklich und erinnert an die Türme aus Herr der Ringe, fehlte nur noch wabernder Nebel und Elfen und Trolle um uns rum. Der Rest des Abends verläuft ruhig und einmal mehr in Gesellschaft. Dieter aus Freiburg sitzt im Zelt nebenan und ist weitgereist. Er lässt uns teilhaben an all den Abenteuern, die er erlebt hat, nach einer Weile jedoch kommen ein wenig „mein Haus mein Boot mein Pferd“ Elemente ins Immer einseitiger werdende Storytelling, allerdings mit dem angenehmen Aspekt, das es zu keinem Zeitpunkt Angeberei ist. Dieter nämlich tatsächlich schon ne Menge abgeritten (und mit dem Boot auch schon abgepaddelt). Gute Reise Dieter.

Tag42 – 113 km – 711  hm, 6:14h Fz  – St.Hilaire Harcouet – Alencon

Mal sehen was kommt. Erich hat in der Früh um 2h schöne Beobachtungen gemacht, an denen er mich in der Früh leider nur in Erzählform teilhaben lässt, die beschriebene Optik blieb mir leider vorenthalten. Wir gehen gleich in die Spur. Bahntrassen Surfin.

Jeep, in der Tat war heute Bahntrassen Surfin angesagt, ABER es war trotzdem mühsam und alles andere als ein“mal eben a bisserl radeln“. Doch von vorn. Trotz der Tatsache, dass ich heute so früh wie noch nie aufgestanden bin (725h) kommen wir mit allem drum und dran erst gegen 10h in die Spur, darüber hinaus machen wir nach 800m (!) einen Halt am Supermarkt und tun erstmal essen fassen.  Dann endlich gehts a mal los. Bahntrasse. D.h. Wie Canal nur ohne Wasser. Leider aber auch circa 90 km mehr oder minder ständig irgendwie bergauf. Nicht im Sinne von Bergetappe, sondern ständig so halbschwangere 1,2,3% die eine  den Zahn ziehen, hinzu kommen gefüllt alle 800-1200m diese Bremser, welche die zwingen einen S Schwenk zu machen, d.h. kaum bist du auf Tempo, kommt das S, und da ungefähr am heutigen Tage mehr als 3-400x. Natürlich gelingen uns auch zwei Boxenstopps, der erste nach einer richtig harten Bergprüfung (ca. 1km mit 12% Steigung) und ein weiterer in einem sehr beschaulichen Örtchen (Rives de Andaine) mit pittoresken Häuschen. Das war bei km60, also schon ein gutes Stück des Weges. Wir entscheiden, weitere 20km zu machen, bis zu einem Camp naturell, das dann derart naturell war, das wir es abwählen und entscheiden den nächsten Platz anzusteuern. NOCHMAL 25km bei einem Zwischenstand von 87. Meine Herren, meine Körner sind nicht alle weg, und dennoch spüre ich die seit Mittag stet steigende Temperatur (vormittags <30*C / nachmittags deutlich über 30*C, teilweise bis 40*C) und der feine Schotter, die ständigen Schranken und all das, es zehrt, Aber da müssen wir jezz durch. Der Campingplatz entlohnt und und es gibt zum Auftakt zwei Zeltbier. Prost. Erich hat noch ein Zelt-steht-schon-Bier gekauft und dann wirdeine Pizzeria gesucht und dann is Schicht im Schacht. Manchmal sagt mein Körper (sprich meine Uhr) am Morgen: „Trainingsbereitsschaft mäßig“ … was er mir damit wohl nach 42Tagen sagen will?

 

Tag43 – 85 km – 355 hm, 4:41h Fz  –  Alencon – Nogent Le Rotrou

Es war gut und vernünftig die Party von den ca 20jährigen Schülerinnen nicht lange besucht zu haben, erstens konnten die, trotz Abi Abschlussfeier kaum ein ordentliches Wort Englisch und zweitens waren sie etwas ambivalent unterwegs. Egal. Wir starten frohgemut, doch die heutige abermalige Bahntrassen Surf Einheit stellt sich als etwaseintönig dar. Die Sonne knallt, es gibt dennoch viel Schatten und ständig flirren irgendwelche Viecher um uns rum. Es juckt gescheit. Mistbiester. Wir finden dennoch einen sehr feinen Campingplatz am Ortsrand und finden noch eine hervorragende Pizzeria im Ort. Unser einsames Camp bietet viel Platz aber kein WLAN, und viel los ist auch nicht. Julia ist eine der wenigen Radreisenden die des Weges kommt. Inklusive drei Kinder (von 9 bis 15!) und einem tollen Hind. Der Hinterher Anhänger ist gut beladen und die fünf reisen jetzt zwei Wochen nach St.Malo. Alle Ehre. Fazit des Tages: Bahntrassen sind nett, aber jetzt ham mer sie auch gesehen.

Tag44 – 117km – 711  hm, 6:35h Fz  – Nogent Le Rotrou – Rambouillet

Bye Bye Julia & Kids, war nett getalkt zu haben. Nach unserer Morgen Routine starten wir halbwegs früh und kommen gleich eine erste WarmUp Aufgabe. Eine stele Rampe zum Chateau in Nogent, das  natürlich fotografisch festgehalten wird. Heute keine Bahntrasse, sondern wunderherrliche Überlandfahrt  mit sehr viel Abwechslung. Klasse. Schöne Ortschaften wechseln mit weitläufigen welligen Landschaften, Kornfelder, Wälder, Wiesen, Weiden, alles da. Es geht auf und ab, was aber auch mal wieder angenehm ist. Wir sind bester Dinge und freuen uns auf das ausgewählte Camp in 93km Entfernung. Doch zuvor entern wir noch Chatre und statten der Mutter aller Kathedralen einen Besuch ab. WOW, Was für ein steingewordenes Monstrum, mächtig ragt es weit über die Stadt hinaus, Meterdicke Mauern und Steinmetzarbeiten, die heute keiner mehr bezahlen kann. Jeder Stein zeigt eine Figur, eine Form, ein Muster bis nahezu hoch hinauf in den Himmel. Irre. Innen wiederum ist die Kathedrale (66Jahre ! Bauzeit) sehr schlicht gehalten. Coole Sache. Nun ab zum Famp, nur noch 30km. Die wir gut abreiten uns aber nun auch freuen. Zu früh gefreut. Als wir am „Platz“ ankommen ist weit und breit kein Platz, sondern nur eine Baugrube und 4 Jugendliche, die gerade dabei sind, eine in Mülltüten verpackte Leiche per Videodreh filmerisch einzufangen. Kein Campingplatz !? Ey. Ok, Straßenrand und Google Check, hilft ja nix. Das nächste Camp ist 21km entfernt. So hatten wir nicht gewettet. Aber da hilft kein Jammern, es ist 18h, wir müssen uns sputen und kurbeln was geht, um 1905h landen wir und  ekommen am Tag 44 den Platz Nr 44, doch vor den Zeltaufbau hat der Herrgott Bier und Pizza gesetzt, wir stärken uns mit beidem ausgiebig und nach einer Nacht im Wald bin ich wieder auf der Höhe meiner Chronologie. Noch 60km bis Paris.

Tag45 – 63 km –  220 hm, 3:36h Fz – Rambouillet – PARIS

Wir gönnen uns einen Cappuccino und 5 Croissants auf chocolate am Campingplatz, Die elenden Grasmilben haben ganze Arbeit geleistet. Es juckt. Kein Spaß.  Dann führen die Kollegen Erich und Udo eine kleine Diskussion ob des richtigen Tracks, Erich bevorzugt den mal irgendwann daheim geplanten, ich „meinen“ Michel-Paris Track. Die Debatte wird abgebrochen, bevor es kompliziert wird und wir nehmen die Variante Erich, mit der traurigen Folge, das die nächsten ca 38 Kilometer auf einer wenig schönen Route bis nach Versailles führen (der Ehrlichkeit halber sei gesagt, mein Track wäre ohne Versailles ausgekommen), der Radweg führt sogar ein Stück an einer Autobahn entlang, ohne Zaun dazwischen. Nun denn, das geht vorüber, Versailles aber auch. Ok, vor dem Zaun ist das Schloss, bzw. das was man davon sehen kann schon „g r o s s“ und auch die Gärten innen müssen wahrscheinlich toll sein, wir sind 3km da entlang gefahren konnten aber nur selten einen Blick hineinwerfen. Das Schloss selbst aber ist von Touris belagert, wir machen ein paar Fotos und suchen das Weite. Noch ca. 20km hinein nach Paris, so der Plan. Wir treffen Schweizer Biker die mit dem Bike hierher gefahren sind (von London, mit Versorgungsfahrzeug) und die haben keine frohe Kunde. Gestern Abend gab es ordentlich Krawall in der City und das Gelände rund um den Eiffelturm ist heute gesperrt, weil gestern PSG so schön gegen Arsenal gewonnen hat. UPS. Ey, ich fahre doch nicht 3591 Kilometer um dann mich vor Absperrbarrikaden wiederzufinden!? Nee, nee, so haben wir nicht gewettet. Ok, wir fahren jetzt einfach dahin, wird schon iwie klappen. Kurzum: es hat geklappt, und war gar kein Akt, wenn man den Eiffelturm von der linken Seite der Seine erobert (echtes wäre mein Track gekommen). Von weit her ist er sichtbar und das Gefühl, es geschafft zu haben, macht sich einmal mehr breit. Geil. Wir schiessen Fotos, Fotos, Fotos und genießen den Moment. Gimme Five. Noch ein Bier in der Nähe des Gare Est und dann heißt es Abschied nehmen. Jeder hat seine eigenen Pläne, Erich geht noch ein Stück über Paris hinaus und legt sich seine Tour dann zurecht und ich steige aufgrund der knapper werdenden Zeit morgen früh in den TER und werde Mittag in Straßburg wieder aufsatteln und Richtung Heimat reiten und diesen Ritt noch mit dem einen oder anderen Besuch verbinden (Mr.R ich komme).