Mit Spikes durch den Winter

*** TICKER *** Achtung … der Artikel wird im Laufe des Dezembers noch fortgeschrieben. Dranbleiben …. Spike it babe *** TICKER

Mal im Ernst. Ich erinnere mich noch gut. Der Zender Spoiler war frisch montiert und ich denk mir noch „och wird schon nicht schneien“. Dann fährt man Abends auf ein Bier und auf dem Rückweg schneit es eben doch und – haste nich gesehen – schiebt sich das Golf Cabrio (seinzeit Baujahr ´73) wie auf Schmierseife so richtig schön in die stabilen Bauwerke der Firma Leit-Ramm, so called Leitplanken. Seither gilt: lessons learned: nie mehr ohne Winterreifen in der kalten Jahreszeit.

da wären Spikes ganz gut gewesen

Was Auto-Greenhorn Udo in den 8zigern schmerzhaft lernen durfte, darf getrost auf die Neuzeit und aufs Bike übertragen werden, noch dazu, wenn man überzeugter Ganzjahrespendler (~2500km, nur Arbeitsweg) ist. Will heißen, was die Winterschlappen fürs Auto sind, dass sind schon seit langem die Spikes auf dem Bike. Schnee? Eis? Glätte? Mir doch egal.

Spike am Bike

Gilt für Kraftfahrzeuge seit 1975 ein Spikeverbot, ist die Sachlage bei Bikes gemäß Wikipedia folgende:

„Die Zulässigkeit von Spikes an Fahrradreifen ist ungeklärt. Der Wortlaut des Gesetzes bezieht sich einerseits auf „Fahrzeuge“ (also auch Fahrräder), andererseits ergibt sich das Verbot von Spikes aus dem Satz „Reifen oder andere Laufflächen dürfen keine Unebenheiten haben, die eine feste Fahrbahn beschädigen können“. Daher seien bei Fahrrädern laut Auslegung des ADFC Spikereifen im Straßenverkehr zugelassen, da von einer Beschädigung der Straßendecke durch einen Radfahrer mit Spikereifen nicht auszugehen sei.“

Wie dem auch sei: es gibt Spikereifen in unterschiedlichsten Ausführungen und Variante für uns Biker – und das ist gut so.

Es macht einfach Sinn, im Alltag, aber vor allem natürlich auch bei der Anreise zum Overnighter im Off. Die Spikes krallen sich auf dem nicht selten gefrorenen Untergrund fest und sorgen somit für Traktion und Vortrieb und – lässt man es bergab schön gleiten – eben auch für halbwegs sichere Spur (wobei, Achtung: das ist kein Freibrief die Bremsen komplett aussen vor zu lassen).

Klar, häufig macht der Winterdienst den ganzen Spaß kaputt, je näher ich meiner (kurzen) Hauptstraße komme, desto matschiger und bräunlicher wird die Pampe. Allerdings auf dem Rad- und Nebenwegen, die vom Salz verschont bleiben, ist nur allzu oft eine geschlossene Schneedecke und diese wird gerne nach einer Regenzeit auch mal gern zu einer hart gefrorene Eisdecke. Herzlich willkommen im bevorzugten Terrain der Spikereifen. Richtig geil isses.

Im Winterdienst

Schwalbe Ice Spiker Pro – 27,5 x 2,6, EvoLiteSkin

Meine (Winter)Lösung fürs tägliche Pendeln auf dem Rennstahl Pinion 853. Wiegt ein paar Gramm (1068g/Reifen) und rollt natürlich nicht lautlos daher. Nicht weniger als 344 (!) Spikes beißen ins Eis oder den Schnee. Da rutscht nix mehr weg. In den ersten und letzten Tages des Winters habe ich mir angewöhnt, die Spikes nur auf dem Vorderreifen zu fahren – das reicht in der Regel überall hin – wird es nachhaltig eisig, glatt und schneereich, kommt der Spike-Hinterreifen dazu. Klar, eine schnittige Kurve auf geschlossener Schneedecke wird so schon mal zum Drift, bleibt aber aufgrund des „Frontantriebs“ stet beherrschbar.

Im Gegensatz zum Wrathchild (s.u. mit konkaven Spikes) hat der Schwalbe Ice Spiker spitze „Dornen“, die dem Eis den Zahn ziehen. Das Fahrgefühl ist auf Schnee und Eis über jeden Zweifel erhaben, aber auch die rasante und leicht kurvige Abfahrt machen die Spikes gut mit, ohne jemals Unsicherheit zu vermitteln.

Der Schwalbe Ice Spiker ist nun schon die dritte Wintersaison im Einsatz und erträgt alles klaglos. Kein Zahnausfall, keine Ermüdungserscheinung, keine Beschwerden des Piloten (außer bisweilen beim für den Chiemgau zuständigen Wettergott).

45Nrth – Dillinger5 – 26 x 4,8

26×4,8

Der gehört ans Surly Moonlander Fatbike (und war der Impulsgeber für diesen Beitrag). Der packt bis zu 258 Spikes – was m.E. nicht wirklich nötig ist, es sei denn, ich plane mal eine Chiemsee on Ice Tournee. Mir genügen die bespikten Außenstollen, das gibt Halt und funktioniert. Alternativ liegt das Schächtelchen mit 100 konkaven Ersatzspike und das T Werkzeug schon bereit. Mal sehen, wie das funzt. Ein kleines Feedback hierzu und wie montagefreundlich das Einbringen der Spikes vonstatten geht, lest ihr in diesem Winter mal hier an dieser Stelle. Geduld :-). Siehe den ***Ticker*** eingangs.

aktuell nur auf der Außenseite mit Spikes bestückt – nachrüstbar ist es aber.

Das Gewicht des Dillinger5 mit den Spikes liegt bei gewogenen 1480g/Reifen. Ok, ok, dass sind dann an den Surly Clown Shoe Felgen mal 3kg Gewicht – einerseits, andererseits: niemand geht mit einem Fatbike im Winter auf Sekunden-Jagd, Hauptsache es knirscht und greift. Da sind die Gramm kein Ding.

4,8 x 26″

45Nrth – Wrathchild – 29 x 2,6

Wrathchild 29 x 2,6″

Eignet sich perfekt im Winter für das Trek1120 Abenteuerbike, welches vom Frühjahr bis zum Herbst auf den 29×3,0er Bontrager Pneus läuft. Ein Fahrbericht folgt. Das Gewicht kann sich schon mal sehen lassen. Rekordverdächtige 1013g (Eigenmessung) bei – Achtung – 252 konkaven XL Spikes sind klasse. Der Tubeless Ready Reifen mit der 120tpi Karkasse meint es ernst mit Winterzeit.

magic
2,6 x 29″

Schwalbe – Marathon Spike

Damit fährt man auch auf der eisigen Stadtstraße im Alltagsbetrieb noch save dahin. Klar, auch die Spikes nagen mal am Zahn der Zeit und zeigen nach einer Weile ihr rostiges Antlitz – das stört die Funktion aber kein bißchen.

und dann gibt es noch ….

Continental Contact Spike 120 oder 240 – sieht vertrauenswürdig aus – bin ihn aber noch nicht gefahren. Ein schlanker Reifen, der in drei Größen angeboten wird: 28×1,6 (ETRTO 42-622), oder 28x 1 3/8 x 1 5/8 (37-622) — oder 28x 1 1/4 x 1 3/4 (schmale 32-622 – nur 120 Spikes) . Die 28x16er Version wiegt gerade mal 870g und bietet ein kevlarverstärkte Karkasse aus hochfestem Nylongewebe. Die Reflexstreifen erhöhen die Sicherheit. Für die schmale Felge am Stadtrand macht er sicher einen schlanken Fuß.

Kenda Klondike Wide. Auch dieses Modell ist mir unbekannt, daher bleibt der Hinweis auf einen Test, den man hier nachlesen kann.

oder das mir bis dato unbekannte

Slipnot Bicycle Traction System – eine Art Schneekette fürs Bike. Das BikeMagazin hat diese (und einige hier genannte Spikereifen getestet. Der Link dazu ist hier. Schon ein paar Tage alt, aber solche Dinge sind ja in der Regel selten vergänglich.

sowie

Suomi Gazza Extreme – diese Reifenmarke ging an mir bisher komplett vorbei. Warum auch immer. Gefunden hab ich sie beim Stöbern zum Artikel im Netz (ganz lesenswert von Jan20, also letztem Winter -> hier).

Specialized Icebreaker Reflex – das war mir neu, dass die Amerikaner einen Spikereifen im Programm haben. Ohne auch diesen gefahren zu haben, bin ich zuversichtlich, dass die Jungs wissen was sie tun – wie bei allen Dingen, die sie anpacken.

Fazit

Wer sich die schönste Nebenbeschäftigung der Welt (gemeint ist HIER das Radfahren) ganzjährig erhalten will und die Wintermonate nicht gerade auf den Kanaren verbringt, der darf gerne mal einen Gedanken an einen Spikereifen verschwenden.

Vorteile:
  • Maximale Sicherheit bei Schnee und vor allem Eis.
  • problemlose Montage
  • teilweise individuelle Spikemontage (Anzahl der Stifte) möglich
  • für 26, 27,5, 28 und 29 Zoll Bikes erhältlich – von schmal bis fat
  • zuverlässiger Grip und Halt und nahezu jeder Fahrsituation (die angemessen bleiben sollte – immer)
  • je abseitiger und offroadiger und öfter man im Nov, Dez, Jan, Feb unterwegs ist, desto höher (und notwendiger) der Anwendungsfall
  • Für (Offroad) Fatbiker im Winter schon fast obligater Zuwachs an Fun
Nachteile
  • hohes bzw. höheres Gewicht
  • selten günstig (manchmal hat man Glück und findet wenig gefahrene Schnäppchen auf Ebay)
  • klar, im Herbst und Frühjahr müssen die auch wieder runter
  • und ja, selbst im schneereichen Bayern sind die reinrassigen Nutzungstage (auf den Verkehrswegen) überschaubar – der Winterdienst beseitigt in aller Regel die Schneedecken auch auf Radwegen
  • je seltener man sein Bike im Winter bewegt, desto eher sollte man sich den Invest sehr gut überlegen
  • höherer Rollwiderstand und Laufgeräusche (auf Asphalt)
one more thing:

Wer gerade winterliche und fatte Gefühle hat, dem sei unser Video vom Winter Alpencross ans Herz gelegt.


1 Kommentar

Best of 2020 – Udo Bike Blog · 30. Dezember 2020 um 20:58

[…] Mein stimmungsvolles Bild vom Zinnkopf schafft es in den 2021er Jobrad Kalender und ich hab nun die Spikes aufgezogen. Ein guter Grund dieser Reifengattung einen extra Beitrag zu […]

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